Fachkräftemangel? So machen Sie Ihr Unternehmen fit für den Arbeitsmarkt

Fachkräfte sichern Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen haben es neben der großen Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt aber schwer, ihre Marke zu kommunizieren und Bewerberinnen und Bewerber auf sich aufmerksam zu machen. 

Jährlich gehen aktuell etwa eine Million Menschen in den Ruhestand – die sogenannte Babyboomer-Generation. Dazu gehört jede/-r Vierte. Die Folge: Der Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter sinkt. Das ist jedoch nur ein Aspekt des Fachkräftemangels. 

An vielen Stellen gibt es deutliche Qualifikationslücken, vor allem im Bereich der Digitalisierung. Die voranschreitende Technologie erfordert Fachwissen und eine Verschiebung der benötigten Fähigkeiten. Wirtschaft und Politik müssen aktiv gegensteuern, um mit einer starken Fachkräftebasis die zukünftigen Anforderungen zu stemmen. Und Unternehmen in der Ausbildung und Weiterentwicklung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ebenfalls ihren Beitrag leisten. 

So gewinnen Sie Fachkräfte

Überlegen Sie sich genau, welche Kompetenzen Sie brauchen, welche Zielgruppen Sie erreichen wollen und was diese Zielgruppen suchen. Auf dieser Basis entwickeln Sie dann die Rekrutierungsmaßnahmen, um die interessanten Kandidatinnen und Kandidaten anzusprechen. Diese Möglichkeiten haben Sie: 

  • Employer Branding: Investieren Sie in den Aufbau einer eigenen Arbeitgebermarke. Sie erreichen damit eine größere Zahl von Bewerberinnen und Bewerbern und eine höhere Passgenauigkeit der Bewerbungen. Gleichzeitig verbessern Sie Ihr Unternehmensimage. Was es dafür braucht, ist eine interne Unternehmensanalyse. Was macht Ihr Unternehmen zu einem attraktiven Arbeitgeber und welche Unternehmenskultur wird gelebt? Aus diesen Überlegungen entwickeln Sie dann Ihre Arbeitgebermarke. 
  • Talent-Relationship-Management: Beim sogenannten Talent-Relationship-Management geht es darum, potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten in einem Talent-Pool zu erfassen und sie mit Newslettern, Einladungen zu Veranstaltungen, Infos zu Weiterbildungsmöglichkeiten oder Neuigkeiten aus dem Unternehmen langfristig an das Unternehmen zu binden.  
  • Active Sourcing: Ein weiteres Rekrutierungsverfahren ist das Active Sourcing. Darunter versteht man die Direktansprache von potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern – online als auch offline. Für die Online-Ansprache bieten sich Karrierenetzwerke wie LinkedIn oder XING an. Offline sind Schulen, Berufsakademien, Hochschulen oder Messen eine gute Anlaufstelle. In diesen können Sie Broschüren auslegen, Praktika anbieten oder Interessierte auf Messen gezielt ansprechen.  
  • Guerilla Recruiting: Mit kreativen Personalmarketingstrategien gewinnen Sie die Aufmerksamkeit Ihrer Zielgruppe. Wichtig: Die Aktionen sollten ungewöhnlich, überraschend oder auch provokant sein. Vor allem für kleine Unternehmen mit wenig Budget bietet das Guerilla Recruiting eine gute Möglichkeit, um auf sich aufmerksam zu machen.  

Ein ganz anderer Weg ist, Fachkräfte selbst auszubilden. Dies ist der beste Schutz vor Fachkräftemangel und eine Investition in die Zukunft. Die lohnt sich, denn Unternehmen gewinnen so langfristig eine loyale Fachkraft, die gut ins Team passt und genau auf die Bedürfnisse des Unternehmens hin ausgebildet ist.  

Laut dem Berufsbildungsbericht 2022 standen 2020 Ende September 63.200 unbesetzte Ausbildungsstellen 24.600 unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern gegenüber. Es werden also nicht alle Stellen besetzt. Aber auch die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen wird nicht komplett befriedigt – die Zahl der unbesetzten Stellen ist zuletzt gewachsen, die der unversorgten jungen Leute gesunken. 

Bewerber/-innen überzeugen, Mitarbeiter/-innen halten

Sie haben Interessenten gewonnen, haben erste Gespräche und wollen nun nachhaltig überzeugen? Für diesen Fall haben wir eine Liste mit Maßnahmen für Sie zusammengestellt, die Ihnen dabei helfen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Ihr Unternehmen zu binden und neue qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen.  
 

  • Flexible Arbeitszeiten und -modelle: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer suchen nach einer guten Work-Life-Balance. Bieten Sie Maßnahmen wie flexible Arbeitszeiten, Homeoffice oder Sabbaticals an und ermöglichen Sie Arbeiten von zu Hause oder von einem anderen Ort. Auch Jobsharing, bei dem sich zwei Personen dieselbe Stelle teilen, ist für viele ein attraktives Modell. So werden auch Familie und Beruf vereinbar. 
  • Weiterbildungsmöglichkeiten: Fort- und Weiterbildungen sind ein wichtiger Faktor, um die Motivation zu erhöhen. Davon profitieren auch Sie, denn durch Weiterbildungen bleibt Ihr Unternehmen wettbewerbsfähig und ein attraktiver Arbeitgeber.  
  • Karriere- und Aufstiegschancen: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit konkreten Aufstiegschancen bleiben länger im Unternehmen. Mit der Aussicht auf Karriere steigern Sie zudem die Produktivität und ziehen schon beim Bewerbungsprozess qualifizierte und ambitionierte Kandidatinnen und Kandidaten an. 
  • Betriebliche Gesundheitsförderung: Nachhaltigkeit, gesunde Ernährung, Fitness sowie mentale Gesundheit gewinnen immer mehr an Bedeutung. Unterstützen Sie die Gesundheit Ihrer Beschäftigten, indem Sie zum Beispiel Yogastunden oder Mitgliedschaften in Fitnessstudios anbieten. Auch Stressbewältigung, Massagen und Achtsamkeitskurse eignen sich.  
  • Innovative und moderne Arbeitsweisen: Besonders jüngere Generationen, die mit moderner Technik aufgewachsen sind, sehen digitale Prozesse als selbstverständlich an. Unternehmen, die junge Talente ansprechen und für sich gewinnen wollen, müssen beim digitalen Fortschritt mithalten können. Komplizierte Abläufe dagegen schrecken ab. 
  • Attraktiver digitaler Auftritt: Zeigen Sie über Ihre Social-Media-Kanäle und Ihre Karriereseite, wie die Arbeit in Ihrem Unternehmen aussieht und welche Unternehmenskultur gelebt wird. Eine visuell ansprechende Website spricht für ein modernes und dynamisches Unternehmen.  

Wer Sie sonst noch bei der Sicherung von Fachkräften unterstützt

Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) ist ein Projekt des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln und wird gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Es unterstützt kleine und mittlere Unternehmen dabei, Fachkräfte zu finden, zu binden und zu qualifizieren. Zum Beispiel hilft es Ihnen dabei, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren, und liefert konkrete Handlungsempfehlungen, um Ihre Personalarbeit strategisch auszurichten. Das KOFA bietet zudem Analysen zur aktuellen Fachkräftesituation, Checklisten, Best-Practice-Beispiele, Vorträge sowie Webinare.  

Auf dieser interaktiven Karte können Sie außerdem sehen, welche Regionen und Berufsgruppen besonders von Engpässen betroffen sind. 

Reagieren Sie frühzeitig

Für viele kleine und mittlere Unternehmen liegt die große Herausforderung beim Personal darin, dass sie im Wettbewerb um Fachkräfte nicht die gleiche personelle und finanzielle Ausstattung wie Großunternehmen haben. Je frühzeitiger Sie sich diesem Thema widmen, desto besser können Sie sich im Wettbewerb um die besten Köpfe positionieren – und nachhaltig auf den Strukturwandel reagieren.