„Ich habe einen Hund gepflegt. Das war ein guter Tag“

Isabela Link hockt neben der Mischlingshündin Pippi. Beide schauen sich vertraut an

Nachdem sie sich in ihrem früheren Beruf aufgerieben hat, hat Isabela Link etwas Neues gewagt und sich als Hundefriseurin selbstständig gemacht. Nach nicht mal einem Jahr hat die ING-Kundin mit ihrem Hundesalon PAWS - Shop & Groom schon viele Stammkundinnen und -kunden – und ist mit sich im Reinen. Ein Besuch mit Hund.

Was da Haare rauskommen! Pippi, die kleine Mischlingshündin, wurde am Vortag eigentlich schon von ihrem Halter gebürstet. Aber was Isabela trotzdem noch an losen Haaren aus dem Hundefell rausholt, ist ein anderes Level. Da hat sich der Besuch bei der Hundefriseurin schon gelohnt: Draußen sind es 30 Grad, ein sehr heißer Frühsommertag – mit so einem gepflegten Fell ist das für Pippi viel besser zu ertragen.

2025 hat Isabela Link ihren Hundesalon PAWS - Shop & Groom in Bad Kreuznach eröffnet. Früher hat sie im Marketing gearbeitet, mit viel Intensität, „ein bisschen zu viel Intensität“, erzählt sie: „Irgendwann hat mein Körper gesagt, nee, das geht nicht mehr. Da wusste ich: Ich brauche etwas anderes.“ Aber wie kommt man da ausgerechnet auf Hundefriseurin?

„Ich bin ein absoluter Hundemensch, bin mit Hunden aufgewachsen“, sagt Isabela. „Ich liebe die Interaktion mit Tieren. Und ich hatte immer Spaß, im Einzelhandel zu arbeiten, außerdem löse ich gerne Probleme.“ Als Hundefriseurin hat sie all das zusammengeführt – und sich nach einer entsprechenden Ausbildung mit ihrem eigenen Salon selbst verwirklicht.

„Ich habe das alles selbst erschaffen“, sagt sie und blickt sich um. Sie hat ihren Laden komplett renoviert und umgestaltet, „mein gesamtes Herzblut steckt hier drin. Nicht nur im Salon, sondern in meiner täglichen Arbeit mit meinem Kopf und meinen Händen steckt alles von mir drin, und das ist etwas, das mir so viel gibt.“

Isabela duscht Pippi in der Badewanne ab und lächelt in die Kamera
Bei Isabela in der Badewanne macht Pippi schön mit. Zu Hause in der Badewanne macht sie immer ein Drama

Als Pippi in Isabelas Salon kommt, darf sie sich nach der Begrüßung erstmal in Ruhe umschauen, mit Gerüchen und Geräuschen vertraut machen. Auf dem Tisch bekommt Pippi zunächst die Werkzeuge gezeigt. „Viele Hunde sind sehr neugierig und wollen wissen, was da passiert“, sagt Isabela. Beim Bürsten schaut sie sich Pippis Haut- und Fellzustand an.

Es gehe nicht nur darum, dass der Hund hübsch aussehe, sagt Isabela. „Sondern es ist auch ein wichtiges Thema der Gesundheit. Wenn die Haare etwa verfilzt sind, kann das sehr schmerzhaft sein, weil die verfilzten Haare an der Haut ziehen und dabei Blutergüsse und Verspannungen auslösen können. Es kann sogar zu Ekzemen führen, wenn sich dort Dreck und Staub sammeln. Wir finden hier auch zum Beispiel oft Infektionen an den Ohren.“

Für Pippi geht es nach dem Bürsten weiter mit einer Wäsche. Ihr Halter staunt – das läuft ganz schön reibungslos. Wenn sie zu Hause mal abgebraust werden muss, weil sie sich in Unaussprechlichem gewälzt hat, ist das immer ein großes Drama.

Eine Hundepuppe mit einer Hundeweste. Im Hintergrund sind Regale mit Hundesnacks
Isabela verkauft in ihrem Laden auch Zubehör und Hunde-Snacks

Nach dem Bad wird geföhnt, und dann erst folgt der eigentliche Haarschnitt. Am Ende sind gut anderthalb Stunden vorbei. „Das unterschätzen viele“, sagt Isabela. „Ich nehme mir für einen Termin bis zu drei Stunden. Die Zeit nehme ich mir sehr bewusst, damit die Hunde den Termin entspannt und stressfrei erleben dürfen.“

Sie hat ja eigentlich immer zwei Kunden gleichzeitig. „Einerseits den Menschen, der mit einer gewissen Erwartungshaltung und Wünschen hier reinkommt. Und natürlich den Hund, mit dem man sehr bewusst und rücksichtsvoll umgehen muss.“ Es geht ja kein Hund von sich aus in einen Salon und fragt nach einer Wäsche. „Dementsprechend muss ich den Hund erstmal heranführen, damit er versteht, was auch die Erwartungshaltung an ihn ist“, sagt Isabela.

Manchmal sind die Halter beim Termin dabei, manchmal gehen sie in der Zeit einkaufen oder einen Kaffee trinken. „Und in dem Moment, wo der Kunde oder die Kundin dann reinkommt und zum Hund sagt Oh Gott du siehst ja süß aus oder Oh wie schön weich du bist, da weiß ich: Geschafft! Ich habe einen Kunden happy gemacht. Ich habe einen Hund gepflegt. Das war ein guter Tag.“

Isabela lehnt in der Eingangstür ihres Hundesalons und schaut selbstbewusst in die Kamera. Auf der Tür ist das Logo ihres Salons abgebildet
„Sei noch mutiger, noch selbstbewusster“, würde Isabela ihrem Gründer-Ich raten. Kaum zu glauben, so selbstbewusst wie sie heute in ihrem Laden steht

An ihren ersten Kunden erinnert sich Isabela gut, ein stolzer Rauhaardackel. „Ich war so aufgeregt“, sagt sie. Es muss gut gelaufen sein, denn seine Halterin ist bis heute Stammkundin. Das erzählt Isabela mit breitem Lächeln: dass sie nach so kurzer Zeit schon viele Kundinnen und Kunden hat, die regelmäßig kommen. Und dass neue Kunden oft über Mundpropaganda zu ihr finden. Das sind große Meilensteine, so früh auf dem Weg der Selbstständigkeit.

Auf die Frage, was sie aus heutiger Sicht ihrem Gründer-Ich raten würde, antwortet sie: „Sei noch mutiger, noch selbstbewusster!“ Das überrascht ein bisschen, weil sie heute so selbstbewusst in ihrem Laden steht. Mit dem eigenen Business wächst man eben auch als Person.

Als Pippi später am Tag nach Hause kommt und von ihrer Halterin begrüßt wird, ruft die ganz begeistert: „Boah Pippi, du bist ja kuschlig weich!“ Und da ist klar: Heute war ein guter Tag für Isabela.