Wie Du Investor:innen findest – und mit Deinem Pitch überzeugst
Du bist bereit mit Deinem Business voll durchzustarten, aber es fehlt noch Startkapital? Gründungsexpertin und Gründerin von WHO:IN Svenja Bremer erklärt, wie Du passende Investor:innen identifizieren und überzeugen kannst.
Geld allein macht keine Idee groß – aber ohne Geld wird’s eben auch nichts mit der Umsetzung. Genau deshalb ist die Suche nach Investor:innen für viele Gründer:innen ein entscheidender Schritt. Doch bevor Du anfängst, wild Dein Pitch Deck durch die Gegend zu schicken, solltest Du Dir eine Sache klar machen: Es geht nicht darum, irgendeine Finanzierung zu bekommen – sondern die richtige.
In diesem Artikel zeige ich dir, wie Du Investor:innen überhaupt findest, wie Du sie gezielt ansprichst – und wie Dein Pitch so überzeugend wird, dass sie nicht einfach nur interessiert sind, sondern wirklich einsteigen wollen.
1. Wer passt zu Dir – und warum das so wichtig ist
Nicht jede:r Investor:in ist automatisch ein Match. Es gibt Business Angels, die vor allem in ganz frühen Phasen investieren. Dann gibt’s Venture-Capital-Fonds, die lieber erst dann einsteigen, wenn schon etwas Traktion da ist. Und daneben Family Offices, Corporates oder spezialisierte Netzwerke.
Wichtig ist: Du musst wissen, mit wem Du sprichst.
Wenn jemand zum Beispiel nie in digitale Geschäftsmodelle investiert hat, bringt es nichts, ihm Deine App-Idee zu pitchen. Das spart Dir Zeit – und schont auch deren Posteingang.
2. Plattformen, auf denen Du suchen kannst
In Deutschland gibt’s einige gute Plattformen, auf denen Du gezielt nach Investor:innen oder Business Angels suchen kannst:
- Companisto: Eine große Crowdinvesting-Plattform mit eigenem Business Angel Club
- Business Angels Netzwerk Deutschland (BAND): Das zentrale Netzwerk für Frühphasenfinanzierung
- Angel Investment Network: Eine Plattform, auf der Start-ups und Investor:innen zueinanderfinden
- BayStartUP: Besonders in Bayern aktiv, mit strukturiertem Pitch-Matching
- Startbase: Für skalierbare Geschäftsmodelle
Und dann gibt es natürlich noch Events wie die Startupnight Berlin, den Pirate Summit in Köln oder Bits & Pretzels in München, auf denen Du direkt mit Investor:innen sprechen kannst – oft viel wirkungsvoller als jede E-Mail.
3. Recherche vor dem Pitch
Bevor Du überhaupt jemanden ansprichst, solltest Du ein bisschen graben.
Finde heraus:
- In welche Start-ups haben sie bisher investiert?
- Welche Themen treiben sie an?
- Gibt es Interviews, LinkedIn-Posts oder Podcast-Auftritte, in denen sie ihre Sicht teilen?
Das hilft Dir nicht nur, passende Leute zu finden – es gibt Dir auch Anknüpfungspunkte für eine wirklich persönliche Nachricht. Denn genau das ist der Schlüssel: Zeig, dass Du nicht einfach nur Kapital suchst – sondern einen echten Partner.
4. Kontaktaufnahme – bitte nicht 08/15
„Hallo, wir suchen aktuell Investor:innen für unsere App. Möchtest Du unser Pitch Deck sehen?“
Solche Nachrichten bekommen Investor:innen täglich. Und sie verschwinden genauso schnell, wie sie angekommen sind.
Wenn Du auffallen willst, musst Du Dir etwas überlegen:
- Schreib eine persönliche Nachricht – mit echtem Bezug zur Person.
- Schick ein kurzes, sympathisches 1-Minuten-Video, in dem Du erklärst, was Ihr macht – und warum.
- Oder: Verschick Dein Pitch Deck nicht digital, sondern als gedrucktes Mini-Paket. Mit einer Postkarte. Oder einem kleinen Gegenstand, der mit Deiner Idee zu tun hat.
Wichtig ist: Du brauchst keinen Zirkus, aber Persönlichkeit.
Und: Verschwende nicht die Zeit Deines Gegenübers.
Wenn Dein Thema nicht zu ihren bisherigen Investments passt – dann passt es eben nicht. Und das ist völlig okay.
5. Pitch Deck: Was wirklich zählt
Ein Pitch Deck ist kein Verkaufskatalog. Es ist die Einladung zu einem Gespräch.
Was drin sein muss?
- Was ist das Problem?
- Wie löst Ihr es?
- Wie groß ist der Markt?
- Wie verdient Ihr Geld?
- Wer seid Ihr?
- Was habt Ihr schon erreicht?
- Was braucht Ihr – und wofür?
Ganz ehrlich: Viele machen hier den Fehler, sich zu sehr auf das Produkt zu konzentrieren. Aber Investor:innen interessiert noch mehr der Markt, Euer Timing und vor allem: Euer Team.
6. Story, Team & wirtschaftlicher Anreiz
Gute Investor:innen investieren nicht nur in Folien – sondern in Menschen.
Deine Story zählt. Und Dein Team.
Zeigt, wer Ihr seid. Welche Qualifikationen Ihr mitbringt. Warum Ihr genau dieses Thema versteht – und durchziehen werdet.
Wichtig dabei: Ein gutes Team ist nicht einfach nur nett, sondern ergänzt sich.
Wenn Ihr alle dasselbe studiert habt, Euch schon ewig kennt und alle exakt das Gleiche könnt – dann fehlt oft etwas. Diversity im Team heißt nicht nur Herkunft oder Alter – sondern auch: unterschiedliche Perspektiven, unterschiedliche Stärken, unterschiedliche Wege zu denken.
Ein:e Tech-Gründer:in mit einer BWL-Fachkraft und einer Person mit Branchen-Know-how im Team hat oft mehr Chancen als drei Entwickler:innen, die das große Ganze ausblenden.
Und auch das Thema Zusammenarbeit zählt: Funktioniert Ihr wirklich als Team? Seid Ihr belastbar, lösungsorientiert, offen?
Und: Vergiss bei all dem eines nicht – das ist ein Geschäft.
Investor:innen geben Euch Kapital, weil sie glauben, dass es sich auszahlen wird.
Sie wollen sehen, dass Ihr erfolgreich sein wollt – und einen klaren Plan habt, wie das funktionieren kann. Und ja, sie wollen am Ende mehr zurückbekommen, als sie reingegeben haben. Das ist völlig legitim. Und sollte von Anfang an offen mitgedacht werden.
Du brauchst keinen perfekten Plan. Aber Du brauchst eine klare Haltung.
Du brauchst keine übertriebenen Grafiken – sondern eine klare Story.
Und Du brauchst nicht alle Investor:innen – sondern die, die wirklich zu Dir passen.
Wichtige Tools, die Dir helfen
Neben persönlichen Gesprächen kannst Du digitale Werkzeuge nutzen, um Deinen Markt besser zu verstehen. Google Trends zeigt Dir, wie sich das Suchinteresse zu Deinem Thema entwickelt. Mit dem Google Keyword Planner findest Du heraus, wie oft bestimmte Begriffe gesucht werden. Tools wie AnswerThePublic helfen Dir zu sehen, welche Fragen Menschen rund um Dein Thema stellen. Plattformen wie Statista oder Marktstudien von Branchenverbänden liefern Dir aktuelle Zahlen und Prognosen. Und Innovationsplattformen wie Kickstarter oder Product Hunt zeigen Dir, welche Ideen international im Trend liegen.
Der Trick liegt darin, mehrere Perspektiven zu kombinieren: Zahlen aus der Statistik, echtes Feedback aus Interviews, Verhaltenstests mit Deinem MVP. So bekommst Du ein rundes Bild, das Dir hilft, fundierte Entscheidungen zu treffen.
Am Ende geht es immer darum, ehrlich zu Dir selbst zu sein. Wenn die Antworten unsicher oder dünn bleiben, kann das ein Zeichen sein, noch tiefer zu forschen und zu lernen – oder es kann bedeuten, dass Du Dir eingestehen musst: Es gibt schlicht keinen Markt. Keine Nachfrage, keine echten Kunden, kein Umsatz. So schmerzhaft es ist, manchmal ist die beste Entscheidung, eine Idee loszulassen, bevor Du weiter Zeit und Geld hineinsteckst. Nicht jede Idee ist reif für den Markt – und manche gehören, so hart es klingt, am Ende besser in den Müll, um Platz für neue, bessere Ansätze zu machen.