Konjunktur 2026: Was Selbstständige jetzt bei Preisen und Rücklagen beachten sollten
Die deutsche Wirtschaft sendete zu Jahresbeginn wieder erste positive Signale, doch der Iran-Krieg würgt den Aufschwung sprichwörtlich ab. Für Selbstständige und kleine Unternehmen sind das keine guten Aussichten. Gerade jetzt kommt es darauf an, Preise klug zu steuern, Rücklagen aufzubauen und Investitionen mit Augenmaß zu planen.
Die zu Jahresbeginn aufkeimende Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung hat sich mit der Dauer des Iran-Krieges und der Unsicherheit über die Entwicklung der Energiepreise wieder verflüchtigt. „Das Potenzial für Wachstum ist da, doch je länger die Energiepreise auf einem sehr hohen Niveau verharren, desto stärker trübt sich der wirtschaftliche Ausblick ein”, sagt Heiner Herkenhoff, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes (BdB). Gedämpfter privater Konsum und erhöhte Produktionskosten der Unternehmen drohten das Wachstum zu belasten.
Ökonomen zücken vor diesem Hintergrund reihenweise den Rotstift. Der Bankenverband hat seine Wachstumserwartung für Deutschland bereits nach unten korrigiert – und im Risikoszenario läuft die Prognose faktisch auf eine Rezession hinaus. Der ifo-Geschäftsklimaindex ist zuletzt auf den tiefsten Stand seit Februar vorigen Jahres gesunken – ein deutliches Zeichen, dass die Stimmung in der deutschen Wirtschaft kippt. Felix Hüfner, Chefvolkswirt der UBS für Deutschland, fordert die Politik daher auf, dass die Gelder aus dem Sondervermögen „endlich richtig in Investitionen für die Infrastruktur fließen”, um das Potenzialwachstum anzuheben.
Die wirtschaftliche Unsicherheit, die sich in den Prognosen und Indizes ausdrückt, trägt für Selbstständige ein anderes Gesicht: Sie ist kein abstrakter Datenpunkt, sondern eine Auftragslage, die sich still und leise ausdünnt. Laut einer Umfrage des Ifo-Instituts von Mitte Januar erwarten 35,3 Prozent der Selbstständigen 2026 eine Verschlechterung ihrer eigenen wirtschaftlichen Lage. Nur 14 Prozent rechnen mit besseren Geschäften als 2025, gut die Hälfte geht von einer gleichbleibenden Situation aus. „Die Selbständigen starten mit mehr Sorge als Zuversicht in das neue Jahr“, sagt ifo-Expertin Katrin Demmelhuber.
Schwankende Energiepreise, geopolitische Krisen, fragile Lieferketten, eine volatile Nachfrage und die Zinssituation erschweren verlässliche Planungen. Umso wichtiger ist es, das eigene Geschäft so aufzustellen, dass es in verschiedenen Szenarien stabil bleibt.
Auf Schwankungen vorbereitet sein
Ob Preise steigen oder die Nachfrage sinkt: Beides wirkt sich direkt aufs Geschäft aus. Höhere Inflation kann zwar höhere Verkaufspreise ermöglichen, gleichzeitig aber Kundinnen und Kunden zurückhaltender machen und die eigenen Kosten treiben. Für Selbstständige heißt das: nicht auf eine einzige Entwicklung setzen, sondern mehrere Möglichkeiten mitdenken.
Mit Plan A, B und C arbeiten
Hilfreich ist es, sich drei einfache Szenarien für die nächsten zwölf bis 24 Monate vorzustellen:
- ein Aufschwung
- eine stabile Seitwärtsphase und
- ein schwächeres Geschäftsjahr.
Für jedes Szenario sollten Sie grob festhalten, wie sich Umsatz, Kosten, Preise und Investitionen entwickeln könnten. Wichtig ist auch, Frühwarnsignale zu definieren – zum Beispiel weniger Anfragen, sinkende Margen oder längere Zahlungsziele. So können Sie früher gegensteuern. Gleichzeitig macht es Sinn, den Anteil variabler Kosten zu erhöhen, so dass sie je nach Wirtschaftslage flexibel bleiben.
Preise aktiv steuern
Wenn die eigenen Kosten dauerhaft steigen, sind Preisanpassungen oft unvermeidbar. Besser als seltene große Sprünge sind regelmäßige, moderate Anpassungen. Entscheidend ist, dass Sie den Kundinnen und Kunden den Nutzen der eigenen Leistung verdeutlichen: Welches Problem lösen Sie? Wo schaffen Sie Entlastung?
Auch bei Verträgen gibt es Spielraum. Kürzere Laufzeiten, Preisanpassungsklauseln, Anzahlungen, Teilrechnungen oder kürzere Zahlungsziele können helfen, die Liquidität zu sichern.
Gezielt investieren statt alles stoppen
In unsicheren Zeiten alles auf Eis zu legen, ist selten die beste Lösung. Sinnvoll sind Investitionen, die das Unternehmen robuster oder effizienter machen. Dazu zählen etwa
- Digitalisierung
- Automatisierung
- Weiterbildung oder eine
- bessere Positionierung in margenstärkeren Bereichen.
Kritischer prüfen sollten Sie dagegen Ausgaben, die vor allem nach außen gut wirken, aber wenig zum Geschäft beitragen. Gerade wenn Geld längere Zeit ungenutzt auf dem Konto liegt, verliert es durch Inflation an Wert.
Rücklagen geben Luft
Unsicherheit zeigt sich oft zuerst in der Liquidität: Zahlungen kommen später, Aufträge brechen kurzfristig weg oder Kosten steigen überraschend. Umso wichtiger ist ein finanzieller Puffer. Für viele Selbstständige sind drei bis sechs Monatsausgaben als Reserve eine gute Orientierung, bei stark saisonalem Geschäft eher mehr. Am einfachsten klappt der Aufbau mit festen, automatischen Überweisungen auf ein separates Rücklagenkonto: So bleibt das Geld verfügbar, wird im Alltag aber nicht versehentlich ausgegeben.