Warum Dein Gefühl nicht reicht: So prüfst Du, ob Deine Idee auf den Markt passt
Du liebst Deine Idee? Aber gibt es auch einen Markt für sie? Gründungsexpertin und Gründerin von WHO:IN Svenja Bremer erklärt, wie Du herausfinden kannst, ob es für Dein Angebot eine Nachfrage gibt.
Emilia sitzt spätabends am Laptop. Die Website ist online, der Shop steht, die ersten Posts sind raus. Ihre Freund:innen haben alles geteilt, und sie wartet gespannt: Wird jemand bestellen?
Doch es passiert – nichts. Ein paar Likes, keine Anfrage, keine Bestellung. „Vielleicht braucht es noch Zeit“, sagt sie sich, aber der Knoten im Magen wächst.
Zwei Tage später ruft sie eine befreundete Beraterin an. Die hört ruhig zu und fragt dann sachlich: „Wer genau sind Deine Kund:innen? Wie groß ist ihr Problem? Wie lösen sie es heute? Und warum sollten sie gerade Dein Angebot haben wollen – und dafür zahlen?“
Emilia ist still. Sie hat sich diese Fragen nie ernsthaft gestellt. Sie mochte ihre Idee. Ihre Freunde auch. Doch der Markt? Der wurde nie gefragt.
Jetzt versteht sie: Gefühl reicht nicht. Sie braucht echte Erkenntnisse – und muss herausfinden, ob es wirklich Bedarf gibt.
Du hast eine Idee, die Dir nicht mehr aus dem Kopf geht? Vielleicht sogar etwas, das Du selbst dringend brauchst und von dem Du denkst: „Warum gibt es das noch nicht?“ Doch bevor Du voller Energie in die Umsetzung springst, kommt der wichtigste Schritt: Prüfen, ob es auch andere gibt, die dasselbe Problem haben – und bereit sind, für die Lösung zu zahlen.
Echte Nachfrage bedeutet nicht, dass Menschen nett nicken oder sagen: „Oh, das klingt spannend!“ Sie zeigt sich darin, dass sie wirklich ein Bedürfnis haben, ein Problem, das sie dringend lösen wollen. Ein gutes Zeichen ist, wenn es bereits Alternativen am Markt gibt. Viele Gründer:innen denken, keine Konkurrenz sei ein Vorteil. In Wahrheit kann das ein Warnsignal sein: Vielleicht gibt es keine Konkurrenz, weil niemand auf dieses Angebot wartet.
Frag Dich: Wie lösen potenzielle Kund:innen das Problem heute schon? Ist ihr Schmerzpunkt groß genug, dass sie wechseln oder investieren würden? Was wäre für sie eine überzeugende Verbesserung? Manchmal bedeutet echte Nachfrage auch, dass Du nicht nur von einem Problem überzeugt bist, sondern dass Du verstehst, wie es für Deine Zielgruppe aussieht. Nur weil Du selbst etwas brauchst, heißt das nicht automatisch, dass andere es genauso stark empfinden. Gerade in engen Nischen lohnt sich der klare Blick von außen.
So machst Du praxisnah Marktforschung
Marktforschung bedeutet: mit echten Menschen sprechen, ihre Perspektiven verstehen, ihre Verhaltensmuster erkennen – und Deine Idee daran prüfen.
Ein erster Ansatzpunkt sind Umfragen. Nicht einfach ein paar Fragen an Freunde oder Familie schicken. Diese Menschen wollen Dich oft unterstützen und geben Dir wohlwollende Antworten. Wichtiger ist es, gezielt Menschen aus Deiner tatsächlichen Zielgruppe zu erreichen. Das kannst Du tun, indem Du Umfragen in relevanten Online-Communitys oder Netzwerken teilst, wo sich potenzielle Kund:innen aufhalten. Frag nicht nur: „Würdest Du das kaufen?“, sondern eher: „Wie gehst Du aktuell mit diesem Problem um?“ und „Was würde Dir eine Lösung wirklich wert sein?“
Noch wertvoller als Umfragen sind Interviews. Such Dir zehn bis fünfzehn Menschen aus, die genau in Deine Zielgruppe passen, und führ intensive Gespräche mit ihnen. Hör aufmerksam zu, frag nach, lass sie ihre eigenen Worte finden. Hier erfährst Du oft Details, die Dir kein Fragebogen zeigen kann: emotionale Hürden, praktische Hindernisse, versteckte Wünsche.
Ein weiterer wichtiger Schritt ist der Test mit einem sogenannten Minimal Viable Product (MVP). Das ist eine stark vereinfachte Version Deines Angebots, mit der Du testen kannst, ob Menschen nicht nur interessiert sind, sondern tatsächlich handeln würden. Das kann ein Prototyp sein, eine Landingpage mit einem klaren Angebot oder ein einfacher Workshop, bevor Du ein ganzes Programm entwickelst. Achte darauf: Melden sich Menschen an? Klicken sie? Sind sie bereit, zu zahlen?
Wichtige Tools, die Dir helfen
Neben persönlichen Gesprächen kannst Du digitale Werkzeuge nutzen, um Deinen Markt besser zu verstehen. Google Trends zeigt Dir, wie sich das Suchinteresse zu Deinem Thema entwickelt. Mit dem Google Keyword Planner findest Du heraus, wie oft bestimmte Begriffe gesucht werden. Tools wie AnswerThePublic helfen Dir zu sehen, welche Fragen Menschen rund um Dein Thema stellen. Plattformen wie Statista oder Marktstudien von Branchenverbänden liefern Dir aktuelle Zahlen und Prognosen. Und Innovationsplattformen wie Kickstarter oder Product Hunt zeigen Dir, welche Ideen international im Trend liegen.
Der Trick liegt darin, mehrere Perspektiven zu kombinieren: Zahlen aus der Statistik, echtes Feedback aus Interviews, Verhaltenstests mit Deinem MVP. So bekommst Du ein rundes Bild, das Dir hilft, fundierte Entscheidungen zu treffen.
Am Ende geht es immer darum, ehrlich zu Dir selbst zu sein. Wenn die Antworten unsicher oder dünn bleiben, kann das ein Zeichen sein, noch tiefer zu forschen und zu lernen – oder es kann bedeuten, dass Du Dir eingestehen musst: Es gibt schlicht keinen Markt. Keine Nachfrage, keine echten Kunden, kein Umsatz. So schmerzhaft es ist, manchmal ist die beste Entscheidung, eine Idee loszulassen, bevor Du weiter Zeit und Geld hineinsteckst. Nicht jede Idee ist reif für den Markt – und manche gehören, so hart es klingt, am Ende besser in den Müll, um Platz für neue, bessere Ansätze zu machen.