Warum Mentoring und gute Netzwerke für Gründer:innen entscheidend sind – und wie man sie findet

Eine Team hilft sich gegenseitig eine Hürde auf einem Parkour zu erklimmen

Gründen geht nicht allein! Warum Mentoring und starke Netzwerke echte Gamechanger sind, erklärt Gründungsexpertin und Gründerin von WHO:IN Svenja Bremer.

Gründen ist kein Solo-Abenteuer. Punkt.
Und trotzdem begegnet mir diese Haltung immer wieder: „Ich muss das alleine schaffen. Erst wenn ich erfolgreich bin, darf ich um Hilfe bitten.“
Falsch. Und gefährlich.

Die Realität? Gründung ist komplex, emotional fordernd – und oft verdammt einsam. Wer hier ohne Austausch unterwegs ist, verzettelt sich schneller, bleibt in der eigenen Perspektive stecken und verpasst Chancen, die mit dem richtigen Netzwerk direkt vor der Nase gelegen hätten.

 

Mentoring: Kein Bonus, sondern ein echter Gamechanger

Mentor:innen sind keine Allwissenden. Sie sind Menschen mit Erfahrung, die Dir helfen, schneller, klarer und gezielter Entscheidungen zu treffen. Sie sagen Dir nicht, was Du tun sollst – aber sie helfen Dir zu verstehen, warum Du etwas tust. Und sie stellen manchmal genau die eine Frage, die alles verändert.

Wichtig: Such Dir Mentor:innen, die da stehen, wo Du hinwillst – fachlich und menschlich. Und ja, Du darfst sie auch ansprechen, bevor Du „erfolgreich“ bist. Gerade dann.

Und wenn Du Mentee bist, gilt: Du sitzt im Driver Seat.
Das heißt:

  • Du machst den Terminvorschlag
  • Du bereitest den Termin vor
  • Du gibst eine klare Agenda
  • Du hältst die Zeit ein
  • Du bereitest nach

Viele Mentor:innen investieren ihre Zeit unentgeltlich. Also: Wertschätzung durch gute Vorbereitung. Deine Verantwortung ist es, den Kontakt zu halten, Ergebnisse zurückzumelden und deutlich zu machen, dass Du das Gespräch ernst nimmst.

Foto von Svenja Bremer, Gründungsexpertin
Autorin: Svenja Bremer, Gründungsexpertin und Gründerin von WHO:IN

So findest Du Mentor:innen – konkret

Es gibt gezielte Plattformen, auf denen Mentor:innen sich registrieren – z. B. für Gründerinnen MentorMe oder STARTUP TEENS. Auch über IHK-Angebote oder regionale Wirtschaftsförderungen findest Du Ansprechpersonen, die bewusst als Mentor:innen zur Verfügung stehen.

Auch auf LinkedIn kannst Du gezielt Menschen anschreiben. Tipp: Achte darauf, keine Profile mit 100.000+ Followern anzuschreiben, da gehen solche Anfragen leicht unter. Lieber Personen wählen, die erreichbar wirken und inhaltlich gut passen.

Wenn Du auf einem Event bist, hörst Du jemandem zu und denkst: „Wow, das bringt mich weiter“ – dann frag konkret:
„Hättest Du Interesse, mich eine Zeit lang zu begleiten?“
Oder auch: „Würdest Du mir zu einem bestimmten Thema einmal Deine Einschätzung geben?“ Manchmal reicht ein Gespräch – und daraus wird eine Beziehung.

Auch regionale Netzwerke sind Gold wert, wenn Du lokal aufbauen willst. Viele Mentor:innen kommen aus dem direkten Umfeld – Du musst sie nur finden und mutig ansprechen.

Netzwerke: Kein Ort für Selbstdarstellung, sondern für Verbindungen

Ein Netzwerk ist nicht die Anzahl Deiner Kontakte – sondern die Tiefe Deiner Beziehungen. Was hilft Dir ein Event mit 100 Visitenkarten, wenn kein echtes Gespräch dabei war?

Gute Netzwerke bieten Vertrauen, Ehrlichkeit und Austausch auf Augenhöhe. Sie schaffen einen Raum, in dem Du Dich zeigen darfst – und in dem andere ehrlich mit Dir sind. Aber: Netzwerke sind unterschiedlich strukturiert.

  • Ein Coworking-Space funktioniert anders als ein kuratiertes Business-Netzwerk.
  • Ein Handwerkszirkel tickt anders als eine Tech-Mastermind.

Deshalb: Informiere Dich vorher.

  • Sprich mit Leuten, die schon Mitglied sind
  • Frag nach Erfahrungswerten
  • Besuch Probetage oder Online-Events
  • Achte auf Bewerbungsverfahren, Kosten, Kriterien

Ein Beispiel: Ich habe Gründer:innen erlebt, die in drei Netzwerken gleichzeitig Mitglied waren – und am Ende in keinem wirklich präsent. Netzwerken funktioniert nur, wenn Du Dich einbringen kannst. Deswegen: Qualität vor Quantität.

 

Haltung entscheidet: Vom Nehmen zum Geben

Viele treten in Netzwerke ein mit dem Gedanken: „Was kann ich rausholen?“
Nachhaltiger – und ehrlicher – ist: „Was kann ich beitragen?“

Drei Fragen, die ich jedem empfehle, der neue Kontakte knüpfen will – besonders auch für introvertierte Menschen ein Gamechanger:

  1. Wer bist Du?
  2. Was machst Du?
  3. Wie kann ich Dich unterstützen?

Diese drei Fragen öffnen mehr Türen als jeder vorbereitete Pitch. Sie zeigen echtes Interesse, sie schaffen Vertrauen – und sie machen Dich sofort zum wertvollen Teil eines Netzwerks.

Und sie lassen sich in jedem Setting stellen – im Elevator Pitch, in der Kaffeepause, beim Speed-Dating oder ganz schlicht bei LinkedIn im Chat. Die meisten Menschen sprechen gerne über das, was sie bewegt – Du musst nur zuhören.

 

Was Du nicht brauchst: Oberflächenkontakte & Link-Spam

Es gibt Netzwerke, die wirken erst mal toll, glänzen aber nur oberflächlich.
Wo jede:r nur sendet, aber niemand zuhört.
Wo der Mehrwert ausbleibt – und die Energie versiegt.

Wenn Du das spürst: Zieh weiter.
Deine Energie gehört dahin, wo sie resoniert – nicht dahin, wo sie verpufft.
Und bitte: Kein Link-Spamming in Gruppen, kein Angebots-Monolog auf Social Media ohne Kontext. Du bist kein Werbeblock, sondern ein Mensch, der Beziehungen aufbauen will.

 

Fazit: Geh nicht schneller. Geh gemeinsam.

Gründung ist ein Prozess, keine Einzelleistung.
Du brauchst Menschen, die Dich sehen – nicht nur Deine Idee.
Mentor:innen und Netzwerke helfen Dir, klarer zu denken, mutiger zu handeln und Fehler früher zu erkennen. Sie nehmen Dir nichts ab, aber sie gehen ein Stück mit Dir.

Und der wichtigste Türöffner ist und bleibt:
„Wie kann ich Dich unterstützen?“

Genau dort beginnt Netzwerken, das wirklich etwas verändert.