„Ich kann das umsetzen, was ich will und wofür ich lebe“
Beim Stunt-Scooter-Sport macht man Tricks und akrobatische Sprünge mit seinem Tretroller. Nico Kindermann setzt sich schon seit seiner Jugend dafür ein, den Sport in seiner bayrischen Heimat sichtbarer zu machen. 2025 hat er daraus ein Unternehmen gemacht: Ride Union. Im Interview erzählt der junge Gründer und ING-Kunde, was er mit seinem Business vorhat und warum es genau zu ihm passt, selbstständig zu sein.
Was ist die Idee hinter Ride Union?
Ich habe mit dem Scooter-Sport angefangen, als ich 12 Jahre alt war. Das ist ein toller Sport, und die Idee hinter Ride Union ist es, diesen Sport in Süddeutschland zu fördern. Und den Kindern und Jugendlichen über Kurse, Veranstaltungen und das Aufbauen einer Community die Möglichkeit zu geben, sich darin weiterzuentwickeln.
Wie kamen Sie darauf, Ride Union zu gründen?
Mir macht es immer schon Spaß, mich dafür einzusetzen, den Scooter-Sport voranzubringen. Als ich damals als Kind und Jugendlicher selbst gefahren bin, ging in unserem Skatepark hier vor Ort nichts so richtig voran – wir sind da noch auf Rampen aus den 1980er-Jahren gefahren. Ich habe dann die Älteren im Skatepark gefragt, warum wir nichts Neues bekommen. Und die sagten immer nur: „Wir haben es schon so oft versucht, aber die Stadt tut einfach nichts.“ Ich habe das aber nicht geglaubt in meinem jugendlichen Leichtsinn. Also habe ich dem Bürgermeister einfach mal auf Facebook geschrieben. Etliche Male.
Und das hat gewirkt?
Es hat ungefähr ein Jahr gedauert, aber irgendwann kam die Antwort, dass ich mal einen Kostenvoranschlag einreichen soll. Den hatte ich schon seit einem halben Jahr bereit, ich hatte vorher zig Baufirmen angeschrieben. Anschließend hat es noch ein paar Monate gedauert, und dann rief mich die Baufirma plötzlich an und sagte: „Die haben das Geld überwiesen, wir können jetzt starten.“ So hat das Ganze seinen Lauf genommen, dass ich mich dafür eingesetzt habe, dass sich hier etwas verbessert. Das war 2015, und so habe ich das über die Jahre weitergemacht.
Damals waren Sie erst 15 Jahre alt – Respekt vor so viel Unternehmergeist in so jungen Jahren! Ihr eigentliches Unternehmen haben Sie aber erst viel später gegründet?
Wenn man älter wird, hängt man irgendwann nicht mehr am Skatepark ab. Ich habe den Sport dann ruhen lassen und war nur noch ab und zu dort, um alte Freunde zu sehen. Ende 2024 hatte ich aber nochmal Lust, etwas in die Hand zu nehmen und eine Veranstaltung zu machen. Ich wollte einen Scooter-Contest organisieren und ihn so groß wie möglich machen. Der fand dann im Juni 2025 statt und war ein voller Erfolg. Mit rund 500 Zuschauern, 70 Teilnehmern aus vier Ländern, und ich hatte alle großen Marken als Sponsoren an Bord. So etwas wollte ich dann noch öfter machen und habe noch im selben Monat das Unternehmen gegründet.
Woraus besteht Ihr Geschäft?
Ich biete Kurse für Kinder und Jugendliche an, in denen sie die Grundlagen und Tricks lernen. Das mache ich mit 2-3 Trainern, die als Freelancer arbeiten. Außerdem gibt es bei uns Streetwear und Merchandise zu kaufen sowie Scooter-Ersatzteile und -Zubehör. Die Kurse werden sehr gut angenommen, denn das gibt es hier in der Region sonst so nicht. Da habe ich einen guten Punkt erwischt, auch um diesen Sport hier ein bisschen weiter voranzubringen.
Was sind Ihre Aufgaben als Inhaber?
Ich plane und organisiere die Kurse und beantworte Rückfragen, da bin ich das Bindeglied zwischen Trainer und Teilnehmern. Ich bearbeite Bestellungen, die reinkommen, und halte die Website aktuell. Dann plane ich frühzeitig Events und begleite sie auch. Ich filme dabei auch viel selbst für Social Media – ich war früher leidenschaftlicher Videograf und gebe das nicht gern aus der Hand.
Seit Juni 2025 sind Sie mit Ride Union selbstständig. Was ist das Schöne am selbstständig sein?
Ich kann das umsetzen, was ich will und wofür ich lebe. Was ich mir in den Kopf setze, kann ich verwirklichen. Ich muss das nicht absprechen mit irgendwem – es ist meins und ich mache es, wie ich will. Außerdem: Dieses Planen und Umsetzen und etwas aus dem Nichts zu erschaffen, das liegt mir einfach.
Und gibt es auch weniger gute Seiten?
Du hast als Selbstständiger keine Sicherheit wie ein Angestellter, dass du jeden Monat das gleiche Geld hast. Keiner kann mir garantieren, dass die Scooter-Kurse, die ich anbiete, morgen immer noch gebucht werden. Der Scooter-Sport ist ein Trendsport, also ein Trend – der hält zwar schon zehn Jahre, kann aber natürlich auch wieder vorbei sein. Ich muss dazusagen, dass ich mit Ride Union bisher nur nebenberuflich selbstständig bin. Mein Ziel ist aber, dass Ride Union mein einziges Standbein wird. Dafür nehme ich die Unsicherheit gern in Kauf, denn ich gehe in der Arbeit für das Unternehmen wirklich auf.
Ihre Gründung ist ja noch nicht lange her. Führen Sie uns mal durch, was waren die ersten Schritte?
Der erste Schritt war die Gewerbeanmeldung. Dabei stellte sich schon die Frage, nehme ich die Kleinunternehmer-Regelung mit rein? Dann kam der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung mit Elster, um die Steuernummer zu bekommen. Dann habe ich die Website fertig gemacht. Und dann habe ich ein Bankkonto gesucht. Ich nutze einen Website-Baukasten, der nur mit bestimmten Banken als Zahlungsanbieter arbeitet. Und von allen möglichen Geschäftskonten hat das Geschäftskonto der ING am besten für mich gepasst.
Und vorher haben Sie bestimmt einen Businessplan erstellt?
Nee! Ich bin da ganz leichtsinnig rein und habe einfach mal gemacht. Das passt auch zu mir: einfach machen. Im Nachhinein würde ich aber vielleicht etwas strukturierter an die Sache rangehen.
Warum haben Sie ein Geschäftskonto eröffnet, statt einfach Ihr privates Konto zu nutzen?
Ich habe mich viel erkundigt, und alle empfehlen grundsätzlich: Versuche Geschäftliches und Privates zu trennen. Das Finanzamt mag es auch nicht, wenn du Geschäftliches und Privates vermischst. Ich bin für den Tipp jedenfalls sehr dankbar.