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Fintechs und Banken: Konkurrenz oder Zusammenarbeit?

Laut einer gemeinsamen Studie von CMS, Deloitte und ING in Zusammenarbeit mit FINANCE-Research und Barkow Consulting können sowohl Banken als auch Fintechs von einer Kooperation profitieren.

In der Natur gibt es eine Vielzahl von Symbiosen von zwei Spezies, wie etwa das Zusammenleben von Clownfisch und Seeanemone, die für beide Seiten Vorteile mit sich bringen. Auf den ersten Blick erscheinen die Unterschiede zwischen dem traditionellen und etablierten Finanzumfeld und dynamischen, experimentellen Start-up-Unternehmen als zu groß, um eine Zusammenarbeit möglich zu machen.

Ein Zusammenschluss von Banken und Business-to-Business(B2B)-Fintechs für gemeinsame Projekte bietet jedoch große Möglichkeiten für potenzielle Gewinne. Auch wenn noch eine Reihe ungelöster Probleme besteht, existiert bereits jetzt eine große wechselseitige Abhängigkeit zwischen den beiden Seiten. Viele B2B-Fintechs benötigen die Unterstützung von Banken bei der Unternehmensgründung und nutzen häufig die Infrastruktur oder auch die Liquidität von Banken zur Abwicklung und Finanzierung ihres laufenden Geschäftes. Im Gegenzug sind die Banken daran interessiert, von den innovativen Ideen der Fintechs zu profitieren, um ihre eigenen strategischen Ziele zu erreichen.

„Fintechs verfügen über den entscheidenden Vorteil, in dem heutigen, dynamischen Umfeld schnell Problemlösungen erarbeiten und umsetzen zu können“, bemerkt Andreas Becker, Head of Clients and Products, ING Germany and Austria.

Konkurrenten oder Partner?

Eine gemeinsame Studie von CMS, Deloitte und ING in Zusammenarbeit mit FINANCE-Research und Barkow Consulting zum deutschen B2B-Fintech-Markt untersucht die Beziehungen zwischen Banken und Fintechs und analysiert die potenziellen Vorteile und die Wahrscheinlichkeit einer Kooperation.

Die Studie Disruptors, Enablers, Partners: Fintechs and the corporate client business of banks ist die erste, die sich speziell auf B2B-Fintechs konzentriert. Obwohl der Fokus der Studie auf Deutschland liegt, beleuchtet sie dennoch weiterführende internationale Aspekte und eröffnet tiefere Einsichten in das B2B-Fintech-Geschäft. Dr. Gernot Overbeck, Gründer und Managing Director von Fintura und einer der Befragten in der Studie, stellt fest: „Wir betrachten Deutschland als einen der schwierigsten Märkte für Fintechs weltweit. Falls es uns gelingt, in Deutschland Fuß zu fassen, werden wir auch in anderen Ländern erfolgreich sein.“

Anders als die öffentliche Meinung und eine Vielzahl von Nachrichten suggerieren, zeigt die Studie, dass es für Fintechs in den vergangenen Jahren keine Verlagerung von B2C- zu B2B-Geschäften gegeben hat. Der Anteil der B2B-orientierten neuen Start-ups liegt konstant bei ca. 50 %. Von den 284 in der Studie erfassten deutschen Fintechs mit Fokus auf B2B-Geschäften liefern 103 Dienstleistungen für Unternehmen, die auf das Unternehmensgeschäft von Banken ausgerichtet sind. Nahezu zwei Drittel davon konzentrieren sich auf Finanzierungsgeschäfte und ca. ein Drittel auf den Zahlungsverkehr.

Nur 13 dieser Unternehmen können als „bankenfreundlich“ eingestuft werden – die große Mehrheit wird als Konkurrent oder Wettbewerber zu klassischen Banken eingeschätzt. Selbst unter den potenziell bankenfreundlichen Fintechs befinden sich Betreiber von Plattformen, die damit auch gleichzeitig Wettbewerber sind.

Paradoxerweise macht der Umstand, dass viele B2B-Fintechs als Konkurrenten der Banken angesehen werden können, sie gleichzeitig zu einem attraktiven Kooperationspartner. Die Vorteile einer Zusammenarbeit und die Reduzierung des Wettbewerbs könnte beide Seiten zu einer Kooperation motivieren. „Für die Zukunft ist es wahrscheinlich, dass beide Seiten eine Zusammenarbeit anstreben“, sagt Andreas Becker. „Banken und Fintechs haben sich in der Vergangenheit bekämpft, verfügen aber beide über Eigenschaften, die für die jeweils andere Seite wertvoll sind.“

Infrastruktur und Erfahrung

Genau wie Fintechs Banken viel zu bieten haben, so ist die Unterstützung von Banken sehr wertvoll für Fintechs. Durch Kooperationen mit Banken erhalten Fintechs insbesondere Zugang zu einer etablierten Kundenbasis und gewinnen Vertrauen und einen starken Markennamen wie auch eine große internationale Reichweite.

Banken bieten darüber hinaus wertvolle praktische Unterstützung. Für Fintechs ist es aus mehreren Gründen bereits schwierig, überhaupt in den Markt einzutreten, dazu gehören begrenztes Kapital, rechtliche Vorgaben und ein Mangel an Erfahrung. Komplexe juristische Einschränkungen beispielsweise können die Geschäftsfähigkeit von B2B-Fintechs gefährden. „Eine eingehende Analyse des regulatorischen Umfeldes vor Aufnahme von Geschäftsaktivitäten ist ratsam, da es in diesem Bereich rechtswidrig ist, ohne eine Lizenz Geschäfte zu tätigen“, unterstreicht Andrea Muenchen, Anwältin bei CMS in Deutschland, die ebenfalls zu der Studie beitrug.

Eine Zusammenarbeit mit Banken hilft neu gegründeten Fintechs, derartige Herausforderungen zu überwinden und von der Erfahrung der etablierten Banken zu profitieren. „Fintechs haben erkannt, dass sie im Sinne der regulatorischen Vorgaben keine Banken sein können und Banken haben realisiert, dass sie keine Fintechs sein können“, erläutert Andrea Muenchen. „Die Zusammenarbeit mit einer etablierten Bank ist eine attraktive Alternative für Fintechs, da sie so auf die Beantragung einer Banklizenz verzichten können.“

Darüber hinaus können sich B2B-Fintechs, im Gegensatz zu B2C-Fintechs, nicht den Luxus leisten, mit Fortgang der Geschäftsentwicklung zu experimentieren. Geschäftskunden sind nicht zu ständigen Anpassungen bereit, angesichts der kritischen Bedeutung von Finanzprozessen für das Gesamtgeschäft. „Im B2B-Geschäft kann man sich keine Fehler erlauben“, sagt Markus Rupprecht, Gründer und CEO von Traxpay, der ebenfalls für diese Analyse befragt wurde. „Qualität, Service und Zuverlässigkeit sind Schlüssel zum Erfolg. Fehler im Geschäftsmodell werden akzeptiert, aber Fehler in der operativen Umsetzung werden keinesfalls toleriert.“ Durch die Zusammenarbeit mit Banken können Fintechs im Vorfeld der Markteinführung potenzielle Probleme beheben und das Vertrauen von Geschäftskunden gewinnen.

Die neue Art des Arbeitens

Aufgrund der sehr unterschiedlichen Kulturen kann sich die Zusammenarbeit von Banken und Fintechs als durchaus schwierig gestalten. Beide Seiten streben intelligente Finanzlösungen an, langwierige Entscheidungs- und Bürokratieprozesse von Banken können bei Fintechs aber zu Frustration führen. Folglich befinden sich noch viele Feinheiten der Zusammenarbeit in der Abstimmung. Dennoch werden die Vorzüge einer Partnerschaft immer deutlicher und eine neue Form der Zusammenarbeit etabliert sich stetig.

Moritz von der Linden, Mitbegründer und CEO von CRX Markets sowie Gründer von 360 Treasury Systems, betrachtet Banken zwar als Hauptwettbewerber seines Unternehmens, sieht sie aber nicht als Rivalen: „Banken sind unsere Partner, da wir gemeinsame Kunden haben. Das Umfeld verändert sich. Wir stören nicht das Geschäft, wir entwickeln es weiter. Wir werben die Kunden nicht ab, sondern verändern die Kundenbeziehungen. Transparenz führt zwar zu geringeren Bankenmargen, aber es führt ebenso zu geringeren Geschäfts- und Akquisitionskosten.“

Es scheint sicher, dass Banken und Fintechs häufiger zusammenarbeiten werden, als sie es noch vor wenigen Jahren für möglich gehalten hätten. Ausschlaggebend dafür sind die Vorteile, die aus einem Zusammenschluss der Kundenbasis und Infrastruktur von Banken mit der Innovationskraft von Fintechs resultieren. Zu diesem Fazit kommt auch die Studie: „In den kommenden Jahren werden B2B-Fintechs und Banken Seite an Seite existieren und häufig auch als Partner kooperieren. Fintechs werden nicht alle ihre Ziele realisieren können, aber auch für die Banken wird es nicht zum befürchteten Alptraum kommen. Intelligent gestaltete Zusammenarbeit wird zu einem transparenteren und effizienteren Markt mit breitem Produktangebot führen. Für Geschäftskunden kann diese Zusammenarbeit von zwei sehr unterschiedlichen Dienstleistern nur eines bedeuten: eine klassische Win-win-Situation.“

Stärken und Schwächen
von Fintechs

Fintechs können Banken innovative Lösungen liefern, sie können aber auch zu Konkurrenten werden. Andreas Becker, Leiter Kunden & Produkte bei der ING, verrät Ihnen im Gespräch bei FINANCE-TV, wo die Stärken und Schwächen von Fintechs liegen.

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