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Chart of the Week | 08.12.2017

Reaganomics-Revival

In den USA arbeitet die Regierung von Präsident Trump derzeit daran, ihre Steuerreform durch den Kongress zu bringen. Kern sind umfangreiche Steuerentlastungen, von denen vor allem Unternehmen und Wohlhabende profitieren würden. Die Trump-Administration begründet ihre Pläne mit wirtschaftspolitischen Konzepten, die bereits in den 1980er Jahren in der Amtszeit von Ronald Reagan unter der Bezeichnung „Reaganomics“ bekannt wurden. Unter anderem hofft man auf den sogenannten „Trickle-Down-Effekt“: Man geht davon aus, dass von Steuerentlastungen für Wohlhabende letztlich alle profitieren. Wenn Reiche sich beispielsweise Swimmingpools bauen lassen oder schick essen gehen, soll das Arbeitsplätze für Bauarbeiter und Kellner schaffen. Auch wenn Unternehmen mehr vom Gewinn übrig bleibt, steigt der Spielraum für Investitionen, was Arbeitsplätze schafft und somit gut für das ganze Land ist – so zumindest die Theorie.
 
Ein weiterer Bestandteil der „Reaganomics“ wie auch der aktuellen Steuerpläne ist die Annahme, dass die Steuerentlastungen das Haushaltsdefizit nicht erhöhen, sich also selbst tragen sollen. Diese Annahme geht zurück auf ein Konzept des US-Ökonomen Arthur B. Laffer. Danach steigt das Steueraufkommen mit steigenden Steuersätzen zunächst, bis irgendwann ein Punkt erreicht ist, an dem aufgrund der hohen Steuerlast die zu besteuernde wirtschaftliche Aktivität zurückgeht oder nur noch „schwarz“, also am Fiskus vorbei, ausgeübt wird. Ab diesem Punkt führen also weiter steigende Steuersätze zu sinkenden Einnahmen. Bei einem Steuersatz von 100 Prozent schließlich wären die Steuereinnahmen wieder bei Null, weil – zumindest offiziell – niemand mehr arbeiten würde, wenn er seinen gesamten Verdienst beim Staat abliefern müsste. Angeblich soll Laffer die nach ihm benannte Kurve, die einen solchen Verlauf der Steuereinnahmen bei Steuersätzen zwischen 0 und 100 Prozent veranschaulicht, 1974 bei einem Abendessen mit republikanischen Politikern auf einer Papierserviette skizziert haben.

Das Problem mit der Laffer-Kurve

Befindet man sich also rechts vom Scheitelpunkt der Kurve, so ließen sich durch eine Steuersenkung sogar zusätzliche Staatseinnahmen erzielen. Aber so eingängig und intuitiv verständlich dieses Konzept auch sein mag – das Problem mit der Laffer-Kurve ist genau das: Sie ist ein Konzept, eine Idee. Sie ist kein volkswirtschaftliches Modell, das es erlauben würde, aus bestimmten empirischen Werten mittels mathematischer Formeln zu eindeutigen Ergebnissen zu kommen.

 

Und so bleibt es letztlich eine Glaubensfrage, ob sich ein tatsächlicher Steuersatz nun links oder rechts vom Scheitelpunkt der Laffer-Kurve befindet – ob also eine Steuersenkung zu Minder- oder Mehreinnahmen führt, beziehungsweise umgekehrt eine Steuererhöhung zu Mehr- oder Mindereinnahmen. Wie unser Chart der Woche zeigt, war den „Reaganomics“ jedenfalls kein durchschlagender Erfolg beschert – unter Reagan und George H. W. Bush stieg das Haushaltsdefizit in den 1980er und frühen 1990er Jahren auf neue Höhen. Davon, dass sich die Steuererleichterungen dieser Ära letztlich selbst getragen hätten, kann also keine Rede sein. Unser Chart ordnet dabei die Haushaltsergebnisse der Fiskaljahre derjenigen Partei zu, unter deren Präsidentschaft das jeweilige Budget verabschiedet wurde – so ist beispielsweise das Jahr 2001 noch als demokratisch markiert, obwohl Bill Clinton bereits im Januar das Weiße Haus für George W. Bush geräumt hatte.
 
Natürlich sind die Haushaltsergebnisse durch diverse Einmaleffekte verzerrt – beispielsweise die weltweite Finanzkrise oder die diversen militärischen Engagements der USA auf der ganzen Welt. Dennoch erweisen sich die „Reaganomics“ im Rückblick nicht eben als Erfolgsgeschichte, die unbedingt kopiert werden müsste – tatsächlicher Hintergrund der aktuellen Steuerpläne dürfte also eher das Bedienen der eigenen Klientel sein.

 

In unserem Marktausblick sind Trumps Steuerpläne ebenfalls ein Thema


Auch ohne die Tax Cuts hätte die US-Regierung genug zu tun