ETF-Anlegerzahl seit 2022 mehr als verdoppelt: ETF-Sparen boomt – besonders bei Frauen und Millennials
ETFs werden für immer mehr Menschen zum festen Bestandteil der Geldanlage – unabhängig von Alter oder Erfahrung. Die Entwicklung zeigt, dass langfristiges Investieren auch mit kleinen monatlichen Beträgen möglich ist. Gleichzeitig wird deutlich, wie wichtig eine ausgewogene Streuung über Regionen und Anlageklassen bleibt.
Eine aktuelle Auswertung anonymisierter Kundendepots der ING Deutschland zeigt: Die Zahl der aktiven ETF-Anlegerinnen und -Anleger – gemessen an Käufen im Zeitraum Januar bis März des jeweiligen Jahres – ist seit 2022 stark gestiegen. Von damals 629.000 wuchs sie bis 2026 auf rund 1,3 Millionen und hat sich damit mehr als verdoppelt.
Parallel dazu ist auch die Zahl der Direkt-Depot-Kundinnen und -Kunden mit mindestens einem ETF im Depot deutlich gewachsen. Sie stieg von 922.000 auf rund 1,8 Millionen. Bezogen auf alle Depot-Kundinnen und -Kunden erhöhte sich der ETF-Anteil damit von 41 auf 55 Prozent.
„Die Zahl der ETF-Anleger unter unseren Kundinnen und Kunden hat sich seit 2022 mehr als verdoppelt. Das zeigt, dass ETFs sich in den letzten Jahren zu einer der beliebtesten Formen der Geldanlage und des langfristigen Vermögensaufbaus entwickelt haben“, sagt Thomas Dwornitzak, Leiter Investieren bei der ING Deutschland.
Wie unterscheiden sich Männer und Frauen beim Investieren in ETFs?
Frauen holen auf, Männer investieren mehr: Besonders stark wächst das Interesse bei Anlegerinnen. Während die Zahl der männlichen ETF-Anleger von 384.000 auf 755.000 stieg und damit um 96 Prozent zunahm, erhöhte sich die Zahl der aktiven ETF-Anlegerinnen von 245.000 auf 581.000. Das entspricht einem Plus von 137 Prozent. Frauen haben damit in den vergangenen Jahren deutlich aufgeholt.
Beim Investitionsvolumen bestehen weiterhin Unterschiede. Männer investieren im Durchschnitt 167 Euro pro Monat in ETF-Sparpläne (2022: 153 Euro), Frauen 141 Euro (2022: 132 Euro). Auch beim durchschnittlich gehaltenen ETF-Vermögen zeigt sich ein Abstand: Männer halten im Schnitt 46.000 Euro (2022: 33.000 Euro), Frauen 33.000 Euro (2022: 26.000 Euro). Bei der Diversifikation ähneln sich die Portfolios jedoch: Männer halten durchschnittlich 6,2 ETFs, Frauen 5,2.
Investieren Jugendliche bereits ins ETFs?
Zahl der jüngsten Anlegerinnen und Anleger fast vervierfacht: Ein Blick auf die Altersgruppen zeigt weitere Unterschiede. Die höchsten monatlichen Sparraten weisen die 30- bis 49-jährigen Millennials mit durchschnittlich 173 Euro auf. Knapp dahinter folgen die 18- bis 29-Jährigen mit 171 Euro pro Monat.
„In beiden Altersgruppen haben die Sparraten im Vergleich zu 2022 deutlich zugelegt. Das ist ein klares Zeichen dafür, dass langfristiger Vermögensaufbau für diese Generationen an Bedeutung gewinnt und der Kapitalmarkt als Anlageform akzeptiert ist“, so Dwornitzak.
Auch Kinder und Jugendliche sind bereits investiert. Die unter 18-Jährigen sparen durchschnittlich 87 Euro pro Monat in ETFs. Gleichzeitig verzeichnet diese Gruppe den stärksten relativen Zuwachs bei den Anlegerzahlen: Von rund 55.000 im Jahr 2022 stieg ihre Zahl auf über 221.000. Damit hat sie sich nahezu vervierfacht.
Gibt es in Europa einen Trend weg von US-ETFs?
EU-ETFs deutlich im Aufwind: Die Auswertung zeigt zudem eine deutliche Verschiebung bei der regionalen Ausrichtung der ETF-Investments. Das Nettokaufvolumen von ETFs mit Anlageziel Europa stieg bei ING-Kundinnen und -Kunden seit April 2022 stark an – von 3,9 Millionen Euro im April 2022 auf 29 Millionen Euro im März 2026. Der Anteil von Europa-ETFs am gesamten Nettokaufvolumen erhöhte sich im gleichen Zeitraum von 1,0 auf 4,4 Prozent.
Auch bei den Sparplänen zeigt sich dieser Trend. Die Zahl der Europa-ETF-Sparpläne wuchs um 348 Prozent und damit deutlich stärker als die Gesamtzahl aller ETF-Sparpläne, die um 127 Prozent zunahm. Der Anteil von Europa-ETFs an allen ETF-Sparplänen hat sich im Betrachtungszeitraum nahezu verdoppelt.
Was bremst aktuell die Zuflüsse in US-ETFs?
US-ETFs verlieren an Dynamik: US-ETFs bleiben mit einem Anteil von rund sechs Prozent an allen Transaktionen und Sparplänen zwar weiterhin stabil vertreten. Auffällig ist jedoch der Rückgang beim Nettokaufvolumen. Dieses sank von 35 Millionen Euro im März 2022 auf 17 Millionen Euro im März 2026. Damit haben sich die neu investierten Mittel in US-ETFs etwa halbiert. Insgesamt ging der Anteil der USA am gesamten Kaufvolumen um 2,5 Prozentpunkte zurück, während der EU-Anteil um 1,3 Prozentpunkte zulegte.
Gibt es Klumpenrisiken bei World‑ETFs?
World-ETFs bleiben klarer Favorit: Über alle Altersgruppen und Geschlechter hinweg bleiben ETFs auf globale Aktienindizes die beliebtesten Produkte. Sowohl bei den gehaltenen als auch bei den neu gekauften ETFs dominieren sogenannte World-ETFs deutlich.
Bei Männern gehörten 2022 vier World-ETFs und ein DAX-ETF zu den fünf beliebtesten Produkten. 2026 bestehen die Top-Produkte aus vier World-ETFs und einem S&P-500-ETF. Bei Frauen lagen sowohl 2022 als auch 2026 fünf World-ETFs an der Spitze.
Die starke Nutzung globaler ETFs zeigt zugleich, dass US-Aktien in vielen Portfolios weiterhin hoch gewichtet sind. Das unterstreicht den Bedarf an weiterer Aufklärung rund um Diversifikation und regionale Streuung. Insgesamt machen die Zahlen jedoch deutlich: Die Kapitalanlage über ETFs gewinnt in Deutschland weiter an Bedeutung – insbesondere bei jüngeren Menschen und bei Frauen – und das Thema Altersvorsorge rückt zunehmend in den Fokus.
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