Diesel-Abgasskandal

Betroffene dürfen auf Entschädigung hoffen | 28.02.2020

Würden Sie Haustürbetrüger erkennen?

Im Abgasskandal verhandelt Volkswagen nach langem Zögern nun doch über einen möglichen Schadensersatz für Hunderttausende Dieselfahrer. Was Verbraucher und Betroffene jetzt wissen sollten

Der Skandal um manipulierte Abgasmessungen bei Dieselfahrzeugen erhitzt die Gemüter der betroffenen Autobesitzer schon seit Jahren. Ein kurzer Rückblick:

  • Im September 2015 hatte Volkswagen nach Prüfungen von US-Behörden zugegeben, die Abgaswerte von Dieselautos manipuliert zu haben.
  • Die Software einiger Motoren war so eingestellt, dass im Betrieb auf der Straße mehr giftige Stickoxide ausgestoßen wurden als in Tests.
  • Manipulierte Dieselfahrzeuge verschiedener Marken wurden in Deutschland zurückgerufen. Im Volkswagenkonzern waren neben VW die Marken Audi, SEAT, SKODA und Volkswagen Nutzfahrzeuge betroffen. Daneben gab es Rückrufe des Kraftfahrtbundesamtes zum Beispiel auch bei Daimler, Opel, Porsche und BMW.

Ihre Meinung zählt!

Manipulierte Dieselfahrzeuge – die Konsequenzen

Mit einem manipulierten Dieselfahrzeug haben deren Eigentümer Nachteile:

  • Der Wiederverkaufswert des Autos sinkt.
  • Für Laien bleiben Antworten auf einige Fragen offen, zum Beispiel: Welche Folgen hat das Softwareupdate auf den Kraftstoffverbrauch? Oder auf die Haltbarkeit des Motors?
  • Viele Städte in Deutschland haben Umweltzonen eingerichtet und in diesen Bereichen ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge verhängt. Weitere Kommunen könnten folgen.
  • Wer ein Update oder eine Nachrüstung an seinem Dieselfahrzeug verweigert, muss damit rechnen, dass die Zulassungsbehörde das Auto sogar stilllegen könnte.

Bundestag setzte Untersuchungsausschuss ein

Die Aufklärung darüber, wer wann etwas wusste, kommt nur schleppend voran. Der Bundestag setzte einen Untersuchungsausschuss ein, der seine Arbeit inzwischen abgeschlossen hat. Gegen Ex-Vorstandschef Martin Winterkorn und andere Vorstandsmitglieder laufen Ermittlungen. Auf die Autohändler und den VW-Konzern rollte wegen der manipulierten Dieselfahrzeuge eine Flut von Klagen zu.

VW steuert im Musterprozess auf Vergleich zu

Millionen Fahrer von VW-Dieselfahrzeugen warten darauf, dass der Volkswagenkonzern ihnen für die Manipulationen an ihren Fahrzeugen eine Entschädigung zahlt – bislang vergeblich. Die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) führt gegen den Volkswagenkonzern als Hersteller der Fahrzeuge einen Musterprozess mit mehr als 400.000 angemeldeten Klägern. Die Verhandlung hat im September 2019 vor dem Oberlandesgericht Braunschweig begonnen. Fragen und Antworten zur sogenannten Musterfeststellungsklage gegen VW gibt es hier.
 
Die Grundsatzfrage bei dem Prozess: Haben die Kläger wegen eines Wertverlusts ihrer Autos in Folge der Abgasmanipulationen Anspruch auf Entschädigung?
 
Nachdem VW noch zu Prozessbeginn den Wertverlust in Frage gestellt hatte, zeigt sich das Unternehmen nun gesprächsbereit. Gemeinsam mit dem vzbv kündigte der Autokonzern zu Beginn des Jahres 2020 an, in Verhandlungen für einen außergerichtlichen Vergleich einzusteigen. Es solle eine „pragmatische Lösung im Sinne der Kunden“ geben. Wann und ob es überhaupt zu einem Vergleich kommt, ist offen.

Was nach den Vergleichs-Verhandlungen passiert

Sollten die jetzt begonnen Vergleichs-Verhandlungen zwischen VW und dem vzbv erfolgreich sein, kann jeder an der Musterfeststellungsklage beteiligte Verbraucher entscheiden, ob er Ja oder Nein zu dem Vergleich sagt.

  • Billigen über 70% der beteiligten Verbraucher den Vergleich, ist der Rechtsstreit für diese VW-Kunden abgeschlossen.
  • Diejenigen, die den Vergleich ablehnen, können gegen den Volkswagenkonzern einzeln klagen.
  • Lehnen mindestens 30% der beteiligten Verbraucher den Vergleich ab, muss das Gericht ein Urteil fällen.

Wichtig zu wissen: Nachträgliche Anmeldungen als Kläger im Musterprozess sind nicht mehr möglich.

Unabhängig vom Musterprozess Rechte geltend machen

Wenn Sie unabhängig vom Musterprozess jetzt noch – also im Jahr 2020 – ihre Rechte geltend machen wollen, ist folgendes denkbar:

  • Gegen dem Autohändler: In der Regel können Sie gegen ihn keine Ansprüche mehr geltend machen. Käufer eines Neufahrzeugs haben ab Übergabe des Fahrzeugs nur zwei Jahre die Möglichkeit, auf die gesetzlich geltende Gewährleistung zu verweisen. Diese Frist liegt bei Gebrauchtfahrzeugen meist nur bei einem Jahr.
  • Sind Sie indes vor Ende 2017 vom Kaufvertrag zurückgetreten, tritt die Verjährung erst drei weitere Jahre später ab Ende des Jahres ein, in dem Sie zurückgetreten sind. Das heißt: Wer 2017 vom Kaufvertrag zurückgetreten ist, kann bis Ende 2020 rechtliche Schritte einleiten.
  • Gegenüber der Volkswagen AG: Sollte sich herausstellen, dass VW als Autohersteller arglistig im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) gehandelt hat, können betroffene Autofahrer Ansprüche gegen den Konzern bis zu drei Jahre nach Kenntnis der Arglist anmelden. Ob und inwieweit VW arglistig gehandelt hat, ist juristisch erst noch abschließend zu klären. Dafür sprechen aber einige Gerichtsurteile.
  • Wer sein Auto direkt bei VW gekauft hat, kann sich ebenfalls auf die dreijährige Frist berufen – sie gilt auch für die Gewährleistung. Autobesitzer können auch bei Händlern, die eine 100%ige Tochter der Volkswagen AG sind, die dreijährige Gewährleistungsfrist geltend machen – so sehen es jedenfalls einige Gerichte, etwa das Landgericht München I (Az: 23 O 23033/15).

Wichtig: Lassen Sie sich unbedingt rechtlich beraten, bevor Sie gegen Ihren Autohändler oder gegen VW alleine vor Gericht ziehen. Bedenken Sie, dass ein Prozessrisiko besteht, da die einzelnen Gerichte in Deutschland ein und den gleichen Sachverhalt unterschiedlich bewerten. Sie müssen mit gegebenenfalls hohen Anwalts- und Prozesskosten rechnen.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (12)


Kommentare

Norbert S

07.04.2020

Ich habe im November 2015 einen im März 2015 zugelassenen Mercedes B 200 CDI gekauft. Damals war ich der Meinung einen umweltfreundlichen PKW erworben zu haben. Weit gefehlt, wie ich schon bald informiert wurde. Ich habe mich rechtzeitig der Musterfeststellungsklge angeschlossen, aber bis heute Fehlanzeige. Ich höre immer nur von VW, aber nie was von Mercedes!?


Gerd K.

25.03.2020

Fahre eine Mercedes C250 DTI den ich 2016 von Baujahr 11-2015 gekauft habe, bevor herauskam das auch Mercedes betrogen hat.
Ist an eine Rechtsanwalt übergeben worden und bin mal gespannt was da passiert.
Der RA meint es sähe gut aus obwohl noch ich noch keine weiteren Statements gehört habe.
Jemand Erfahrungen mit Mercedes gemacht ?


Vojce

25.03.2020

Ich bin oder war selbst betroffen. Unser Mercedes war auf 3 Jahre geleast mit der Möglichkeit der Übernahme. Das Dieselfahrzeug ging wegen zukünftiger Ungewissheit mit nur 50TKM und einem Verlust von mind.4000.-€ zum Fahrzeugmarkt zurück. Fahrzeug war vor Ablauf des Leasings auf dem Markt zu keiner Zeit zu veräußern….verständlich. Leider bis heute ohne Entschädigung.


SN

24.03.2020

so wie HH schon bemerkte: Was ist mir den anderen großen PKW Herstellern die betrogen haben..
Irgentwie geht es nur um VW


Simon

22.03.2020

Der Vergleich ist mittlerweile durch. Jeder, der den Vergleich annimmt, kann bis zu ca. 6000 Euro bekommen. Allerdings nur bis 20.4. Weil: Kurz nach Ende der Frist wird ein Präzedenzurteil erwartet, vor dem VW Angst hat (scheinbar), dass möglicherweise dem Kunden die vollständige Entschädigung inkl. Zinsen OHNE ABZUG VON NUTZUNGSGEBÜHREN für den Zeitraum der Nutzung zugesteht. Könnte konkret heißen: Wer die Voraussetzungen erfüllt, kann exemplarisch für ein Auto mit Neupreis von 33.000 Euro etwa 40.000 Euro Entschädigung bekommen - wenn der Fahrer sein Fahrzeug zurückgibt.


HH

21.03.2020

Warum wird immer nur über VW berichtet, es gibt in Deutschland auch noch andere große Autohersteller


SN

20.03.2020

Es ist traurig wie wir Autobesitzer behandelt werden.
Wir haben einen BMW Diesel der von dem Skandal nicht mal betroffen ist und trotzdem ist der Wiederverkaufswert der nicht mal im Ansatz einer guten Anzahlung für ein neues Auto entspricht. VW und Co. Haben den Ruf des Dieselfahrzeugs zerstört und unsere Regierung schaut zu. Dank an alle Lobbyisten.


Malcolmix

19.03.2020

VW kann anbieten, was sie wollen. Wer den Vergleich annimmt, verzichtet damit auf weitere mögliche Zahlungsforderungen. Wer sich auf einen Prozess einlässt, kann dieses tun. Wie Sie daraus ein Armutszeugnis für den Rechtsstaat ableiten wollen, bleibt mir zumindest verborgen.

Mir scheint, Sie haben nicht verstanden, wie ein Rechtsstaat funktioniert. VW hat schon ein Auto geliefert. Aber eines, welches nicht den gesetzlichen Normen entspricht. Wie ein Gericht entscheidet, welche Kompensation einem Kläger zusteht, wissen Sie nicht bis zum Urteilsspruch.


M.B.

19.03.2020

Inzwischen bietet VW maximal lächerliche 6.000 € als Vergleichssumme an. Das ist eine Beleidigung der Geschädigten.
Zumal sie sich damit auch noch von den weiteren Folgen einer Gerichtsverhandlung freikaufen wollen.
Ein weiteres Armutszeugnis für den Rechtstaat, falls VW (und die anderen Autobauer) damit durchkommen.
Jeder Normalbürger, der einen solchen Betrug begeht, würde sich längst zurecht im Gefängnis wiederfinden.


Malcolmix

10.03.2020

Wenn niemand mit Ihnen diskutieren will, kann es den Grund haben, der Artikel selbst ist klar genug und die bestehenden Kommentare regen zum Ignorieren an.

Bei etwa 9 Mio. Kunden können Sie davon ausgehen, 9 Mio. ING-Kunden teilen sich nicht die etwa 90000 in Deutschland angemeldeten Elektroautos.

Hilfreich wäre es, vor dem Schreiben sich zu informieren. Umgekehrt ist es nur selten eine gute Idee...


die fahren wirklich alle e-Auto

10.03.2020

oder bitte warum diskutiert hier keiner das Thema?


ING-Kunden fahren nur e-Autos

02.03.2020

sieht man doch an der Redaktion auf das Thema