Anlegerverhalten in Corona-Zeiten

Aktienmärkte vor gutem Schlussquartal? | 05.10.2020

Rezession vor der Tür?

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Das vierte Quartal steht vor der Tür. Für Anleger normalerweise eine gute Zeit, um Investments am Aktienmarkt zu tätigen. Doch was ist in diesen Tagen schon normal? Die Corona-Pandemie wirbelte nicht nur die Pläne vieler Menschen im privaten Bereich durcheinander. Auch an den Finanzmärkten ging es im Zuge hoher Infektionszahlen und weltweiter Lockdowns turbulent zu. Auf die starken Kursverluste im ersten Quartal folgten im zweiten Quartal vor allem bei Technologie-Aktien nicht minder starke Kursgewinne.

Wie agierten Anleger im ersten Halbjahr?

Diese Entwicklung hatte Auswirkungen auf das Anlageverhalten der Investoren. So weist die Statistik des Bundesverbandes Investment und Asset Management e. V. (BVI) für das erste Quartal bei offenen Publikumsfonds einen Mittelabfluss in Höhe von netto 11,4 Mrd. Euro aus. Mit 12,3 Mrd. Euro zogen private und institutionelle Anleger besonders viel Geld aus Aktienfonds ab. Auch Anteile an Mischfonds wurden in Summe verkauft. Zuflüsse verzeichneten dagegen Immobilienfonds sowie Rentenfonds mit Schwerpunkt Euro-Anleihen. Rentenfonds, die sich auf risikoreichere Anleihen aus Schwellenländern und Unternehmensanleihen konzentrierten, mussten dagegen ebenfalls Abflüsse hinnehmen.

Aktien im zweiten Quartal wieder gefragt

Im zweiten Quartal änderte sich das Bild. Angesichts der raschen Erholung der Aktienmärkte wagten Investoren wieder mehr Risiko. Die erstarkte Nachfrage führte bei Aktienfonds von April bis Juni zu Mittelzuflüssen in Höhe von 9,8 Mrd. Euro. In Mischfonds flossen 5,8 Mrd. Euro. Immobilienfonds verzeichneten im zweiten Quartal ebenfalls weitere Mittelzuflüsse, wobei deren Umfang mit 1,2 Mrd. Euro deutlich hinter den 3,9 Mrd. Euro des ersten Quartals zurückblieb. Auch dies kann als Anzeichen dafür gewertet werden, dass Investoren wieder risikoaffiner wurden.

Zweigeteiltes Bild bei Gold

Stichpunkt Risiko. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Blick auf das Gold, dem der Ruf eines sicheren Hafens anhaftet. Daher steht das Edelmetall in Krisenzeiten meist hoch im Kurs – zumindest bei Investoren, wie die Statistik des World Gold Council für das erste Halbjahr 2020 belegt. Insgesamt blieb die Nachfrage nach dem Edelmetall von Januar bis Juni mit 2.076 Tonnen um 6 % hinter dem Vorjahreswert zurück. Der hohe Goldpreis und der gleichzeitig durch die Corona-Pandemie ausgelöste Druck auf die verfügbaren Einkommen der Verbraucher ließen die Nachfrage aus der Schmuckindustrie um fast die Hälfte einbrechen. Die Nachfrage seitens der Industrie schwächelte ebenso wie die Investitionen in Goldbarren und -münzen sowie die Käufe durch die Zentralbanken.

Dagegen stieg die Nachfrage nach goldgedeckten ETFs, bei denen die Gelder der Investoren direkt in das Edelmetall investiert werden, stark an. Als Gründe dafür nennt der World Gold Council die Maßnahmen, mit denen Regierungen und Zentralbanken die Folgen der Corona-Pandemie für die Wirtschaft abmildern wollen (massive Liquiditätsspritzen, Zinssenkungen, lang anhaltende Niedrigzinsphase). Trotz steigender Aktienmärkte beschleunigten sich die Zuflüsse in goldgedeckte ETFs im zweiten Quartal nochmals. Mit 734 Tonnen übertrafen die Zuflüsse im ersten Halbjahr 2020 bereits den Rekordwert aus dem Gesamtjahr 2009 von 646 Tonnen. Der weltweite Bestand von goldgedeckten ETFs und vergleichbaren Produkten erreichte mit 3.621 Tonnen zum Ende des ersten Halbjahres ebenfalls einen neuen Rekordwert.

Was bringt das vierte Quartal?

Ob es an den Aktienmärkten im vierten Quartal für neue Rekorde reicht, wird einmal mehr vom Verlauf der Corona-Pandemie abhängen, auch wenn saisonale Gesichtspunkte im Schlussquartal ein aussichtsreiches Umfeld für den Aktienmarkt erwarten lassen (Stichwort Weihnachtsrally, Jahresendrally).

Positive Impulse könnten zudem von der anstehenden US-Präsidentschaftswahl ausgehen. So zeigte beispielsweise der Dow Jones bei der Betrachtung der Performance in den Wahljahren seit 1900 im Zeitraum kurz vor der Wahl (Mitte Oktober bis Anfang November) steigende Kursnotierungen. Allerdings erhebt diese Statistik keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Zumal die Corona-Pandemie in diesem Jahr gezeigt hat, wie stark aktuelle Ereignisse den Verlauf der Märkte beeinflussen können.

Derzeit steht vor allem die Sorge vor weiteren Verschärfungen der Corona-Schutzmaßnahmen in der kalten Jahreszeit der Hoffnung auf eine baldige Zulassung eines sorgfältig getesteten Impfstoffs gegenüber. Sobald ein entsprechender Impfstoff in ausreichender Menge verfügbar ist, können Wirtschaft und Unternehmen wieder konkreter planen. Die damit zunehmende Prognosesicherheit dürfte neue Investitionen begünstigen.

Autor: ING-DiBa AG


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