Aktiensplits: Klonen für bessere Kurse

Welche Titel Potenzial haben. | 01.02.2019

BÖRSE ONLINE

Eine Analyse von BÖRSE ONLINE,
Martin Hintze | Werbemitteilung

Wenn es um Aktiensplits geht, haben Statistiker ihre große Stunde. Denn die Zahl der scheinbar magischen Vervielfachung von Anteilsscheinen an der Börse ist groß. Oder sie war es zumindest. 1986 zum Beispiel vollzogen 114 Unternehmen aus dem US-Aktienindex S&P 500 einen solchen Schritt, im Durchschnitt waren es seit 1980 fast 45 pro Jahr. Zuletzt verringerte sich die Zahl.

Dabei spricht ein anhaltender Bullenmarkt wie der von 2008 bis 2018 dafür, dass die Gesellschaften die Zahl der Aktien erhöhen. Denn in der Hausse steigen die Kurse, die Papiere werden optisch teurer, auch wenn etwa Gewinnsteigerungen dafür sorgen, dass die Bewertung sich nicht wesentlich ändert. Von 1998 bis 2000 – ebenfalls eine gute Börsenphase – splitteten durchschnittlich 91 Unternehmen pro Jahr ihre Titel, von 1987 bis 1990 waren es 57. Damit wurden die Aktien auch für individuelle Investoren wieder erschwinglich. Schließlich ist es einfacher, ein kleineres Depot ausgeglichen zu gestalten, wenn eine Position mit 100 Titeln 10.000 Euro ausmacht, als wenn eine Aktie allein schon mehr als umgerechnet 260.000 Euro kostet – wie Berkshire Hathaway, die Holdinggesellschaft von Investment-Legende Warren Buffett.

Ziel eines Aktiensplits ist es, die Titel für viele Anleger interessanter zu machen, ohne den eigentlichen Wert zu verändern. Auch steuerlich ist ein Split für den Investor unerheblich. Dass dennoch immer weniger Unternehmen diese „Kurskosmetik“ vornehmen, liegt nach Expertenmeinung nicht zuletzt daran, dass Privatanleger häufiger zu ETF greifen und eben keine vollständigen Depots austarieren möchten. Trotzdem: In der Regel führt das tatsächlich zunehmende Interesse von Investoren nach einem Split zu anziehenden Kursen. Deshalb kann es sich lohnen, auf optisch teure Aktien zu setzen.

Teuer, teurer, Lindt&Sprüngli

Zu den hochpreisigen Titeln zählen in Deutschland etwa die des Zoo Berlin. Sie notierte zuletzt bei 6.500 Euro (siehe Tabelle unten). Allen Spekulationen zum Trotz: Ein Split dürfte dort nicht erfolgen. Schließlich sind die Titel überwiegend in sehr festen Händen meist treuer Tierparkgäste, die sich über eine Naturaldividende in Form lebenslangen freien Eintritts freuen. Auch in der Schweiz gibt es zwar eine ganze Reihe optisch teurer Titel, aus historischen Gründen sind die Eidgenossen jedoch keine großen Freunde von Aktiensplits. Hoffnung können sich am ehesten Aktionäre von Lindt&Sprüngli machen, die jedoch auch erst einmal einen Einstandspreis von fast 65.000 Euro pro Anteilsschein aufbringen müssen.

Durchaus im Bereich des Möglichen liegt ein Aktiensplit dagegen für den dänischen Container-Riesen Möller-Maersk. Dessen Titel sind hinter denen von Scandinavian Private Equity immerhin die zweitteuersten im kleinen nördlichen Nachbarland. Analysten bewerteten die jüngsten Zahlen des Konzerns positiv, sprachen aber von einem von politischer Vorsicht geprägten Ausblick. Das organische Wachstum dürfte demnach 2019 bei „marktüblichen“ zwei bis vier Prozent liegen, die Synergien aus der Übernahme der Reederei Hamburg-Süd könnten 500 Millionen Dollar statt der bislang veranschlagten 350 bis 400 Millionen bringen. Allerdings: Bricht der Handelskrieg zwischen den USA und China voll aus, würde das Wachstum erheblich belastet.

Keine vierstelligen Kurse

Und wie sieht es in den USA aus? An der Wall Street und im Computerhandel sind optisch teure Aktien nicht besonders beliebt. Deshalb gibt es auch nur noch eine Handvoll solcher Hochpreis-Titel. Der Spezialist für Medizin-Robotik Intuitive Surgical etwa notiert mittlerweile bei fast 500 US-Dollar. Vor knapp zwei Jahren hatten die Aktien bereits fast die 1000-Dollar-Marke erreicht – woraufhin das Management einen Split durchführte. Da sich die Anteilsscheine der Kalifornier in den vergangenen zehn Jahren um durchschnittlich gut 23 Prozent verteuert haben – Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein Garant für künftige Kurssteigerungen –, könnte in absehbarer Zeit wieder eine Teilung anstehen. Da die Intuitive-Surgical-Zahlen im Jahresvergleich gut aussehen, sind die Papiere für eine Split-Spekulation interessant. Anleger sollten bei Titeln, die in Fremdwährungen notieren, allerdings neben dem allgemeinen Kursrisiko auch das Wechselkursrisiko im Blick behalten.

Als heißen Kandidat für einen Aktiensplit handeln Börsianer Booking Holdings (booking.com, Kayak). Die Aktien notieren bereits weit im vierstelligen Bereich – für Händler und Investoren in den USA eigentlich ein No-Go. Spannend: Im Jahr 2003 hatte Booking-Vorgänger Priceline einen umgekehrten Split vollzogen: Damals bekamen Aktionäre für sechs alte eine neue Aktie. Jetzt allerdings erwarten Beobachter die Ankündigung eines klassischen Splits.

Giganten halten sich zurück

Und dann sind da noch die Giganten Amazon und Alphabet (Google). Um es deutlich zu machen: Bei Alphabet dürfte die Hoffnung auf einen Split unerfüllt bleiben. Der Grund: Die Eigner möchten das Sagen behalten. Daher wurden 2014 junge Aktien ausgegeben – allerdings ohne verbundenes Stimmrecht. Und genau das könnte auch bei einer weiteren optischen Verbilligung der umgerechnet fast 1000 Euro teuren Alphabet-Aktien auf dem Programm stehen.

Noch rund 50 Prozent mehr kosten die Amazon-Aktien. Kein Wunder, dass der Ruf von Börsianern nach einem Split lauter wird. Eines der Argumente: Eine Aktie, die am Tag durchaus 40 Dollar steigen oder sinken kann, macht viele Aktionäre deutlich nervöser als eine, die sich um vier Dollar bewegt – selbst wenn das nicht wirklich rational ist. Außerdem würde dem Internet-Riesen – aufgrund der komplizierten Index-Regeln – dann unter Umständen sogar die Aufnahme in den ehrwürdigen Dow Jones winken. Und schließlich: In der Vergangenheit hat Amazon durchaus positive Erfahrungen mit Aktiensplits gemacht.

KWS Saat splittet 1:5

Doch nicht nur in der Ferne werden Aktien „geklont“. So hat jüngst das Einbecker SDAX-Unternehmen KWS Saat – der Titel notierte zuletzt um 280 Euro – beschlossen, aus einem alten Anteilsschein fünf neue zu machen. Ziel sei es „die Liquidität der Aktie zu steigern“. Zusammen mit dem positiven Geschäftsverlauf könnte das die Papiere weiter vorantreiben.

Investment-Beispiele Aktien:

Alphabet

ISIN

US02079K3059

Aktueller Kurs

978,84 €

KGV* (2019)

23,1

Gewinn/Aktie (2019**)

41,51 €

Dividende (2019**)

0,00 €

Dividendenrendite (2019**)

0,0 %

Amazon

ISIN

US0231351067

Aktueller Kurs

1440,94 €

KGV* (2019)

61,3

Gewinn/Aktie (2019**)

23,81 €

Dividende (2019**)

0,00 €

Dividendenrendite (2019**)

0,0 %

Belimo

ISIN

CH0001503199

Aktueller Kurs

3810,00 €

KGV* (2019)

27,5

Gewinn/Aktie (2019**)

137,78 €

Dividende (2019**)

92,31 €

Dividendenrendite (2019**)

2,4 %

Booking Holdings

ISIN

US09857L1089

Aktueller Kurs

1601,52 €

KGV* (2019)

18,0

Gewinn/Aktie (2019**)

88,25 €

Dividende (2019**)

0,00 €

Dividendenrendite (2019**)

0,0 %

Lindt&Sprüngli

ISIN

CH0010570759

Aktueller Kurs

64200,00 €

KGV* (2019)

34,1

Gewinn/Aktie (2019**)

1909,52 €

Dividende (2019**)

969,34 €

Dividendenrendite (2019**)

1,5 %

Metall Zug

ISIN

CH0039821084

Aktueller Kurs

2563,76 €

KGV* (2019)

14,6

Gewinn/Aktie (2019**)

175,93 €

Dividende (2019**)

66,37 €

Dividendenrendite (2019**)

2,6 %

Möller-Maersk

ISIN

DK0010244425

Aktueller Kurs

1099,00 €

KGV* (2019)

19,2

Gewinn/Aktie (2019**)

57,23 €

Dividende (2019**)

30,05 €

Dividendenrendite (2019**)

2,7 %

Intuitive Surgical

ISIN

US46120E6023

Aktueller Kurs

456,17 €

KGV* (2019)

41,6

Gewinn/Aktie (2019**)

10,68 €

Dividende (2019**)

0,00 €

Dividendenrendite (2019**)

0,0 %

Zoo Berlin

ISIN

DE0005031801

Aktueller Kurs

6500,00 €

KGV* (2019)

n/a

Gewinn/Aktie (2019**)

0,00 €

Dividende (2019**)

0,00 €

Dividendenrendite (2019**)

0,0 %

*KGV: Kurs-Gewinn-Verhältnis; ** Prognose; Währungen umgerechnet in Euro; Stand: 1.2.2019

Autor: Martin Hintze


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