Corona-Impfstoff: Welche Aktien profitieren

Pharma-Konzerne und Vakzin-Entwickler steigern ihre Umsätze | 02.02.2021

BÖRSE ONLINE

Eine Analyse von BÖRSE ONLINE,
Kai Makus | Werbemitteilung

Zwei Milliarden Euro hat die Europäische Union bereits für Impfstoffe gegen das grassierende Corona-Virus ausgegeben. Ob BioNTech/Pfizer, Moderna oder AstraZeneca – all diese Pharma-Unternehmen können mit hohen Gewinnen rechnen. Ob sich das Geschäft allerdings langfristig rechnet, lässt sich noch nicht sagen. Immerhin: Anlegende können die Aktien des einen oder anderen Konzerns genauer anschauen.

Derzeit ist nicht allzu viel bekannt darüber, was die Hersteller mit den Vakzinen verdienen. Wie hoch die Produktionskosten gerade bei den neuen Impfstoffen mit sogenannter Boten-RNA sind, wie stark sich die Kühlkette – die Dosen von BioNTech/Pfizer müssen bei minus 70 Grad Celsius aufbewahrt werden – preislich bemerkbar macht, was die Logistik kostet – es sind viele Unwägbarkeiten. Bekannt sind, seit eine belgische Staatssekretärin sie versehentlich twitterte, die Summen, welche die EU für jeweils eine Dosis Impfstoff bezahlt hat: 18 US-Dollar (etwa 14,80 Euro) für den von Moderna, 12 Euro für den von Pfizer und 10 Euro für den von CureVac.

Umsätze explodieren

Wieviel als Ertrag letztlich bei den Anbietern bleibt, weiß kaum jemand. Analyst*innen erwarten aber zum Beispiel für BioNTech aus Mainz einen Umsatz von 2,5 Milliarden Euro in diesem Jahr; 2020 dürfte es knapp ein Fünftel davon gewesen sein. Ähnlich sieht die Situation bei Moderna aus. Der Hersteller könnte es 2021 auf ein Geschäftsvolumen von mehr als neun Milliarden Dollar bringen, 2019 lag der Umsatz noch bei 48 Millionen Dollar.

Doch ob es bei den üppigen Absatzmengen bleibt? Mehrere Unternehmen meldeten jüngst Lieferengpässe. Und Pfizer drehte zuletzt den vermeintlichen Coup verschiedener europäischer Staaten, die sechs statt der bis dahin zugelassenen fünf Impfdosen aus einer Ampulle zogen. Daraufhin drosselten die Amerikaner die Liefermenge, da die Zahl der Bestellungen „auf einer Gesamtzahl von Dosen beruht und nicht von Ampullen“.

Teils üppige Bewertungen

Anlegende, welche die Impfwelle mitreiten möchten, sollten sich darüber im Klaren sein: Endet die Pandemie, dann bricht zumindest ein Teil des Geschäftes weg. Das trifft die Großen der Branche weniger als kleinere Unternehmen. Zudem sind viele Firmen bereits recht üppig bewertet. Bei BioNTech etwa erklärt sich das niedrige Kurs-Gewinn-Verhältnis auch dadurch, dass die Mainzer vermutlich erst in diesem Jahr in die Gewinnzone kommen. Die Eigentümer, darunter die Zwillings-Milliardäre Andreas und Thomas Strüngmann (ehemals Hexal), jedenfalls haben stolze Pläne: BioNTech soll sich ihnen zufolge in den nächsten Jahren zu einem „eigenständigen, voll integrierten Pharmakonzern“ entwickeln.

Eine sensationelle Börsen-Performance hat Moderna 2020 hingelegt. Doch bisher wies die Firma aus Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts vor allem eines vor: Verlust. Mit der Zulassung ihres Corona-Impfstoffs in den Vereinigten Staaten und in Europa und in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Pharmariesen Lonza aber steht einer erfolgreichen Vermarktung nichts mehr im Wege. Solange diese gut funktioniert, dürfen auch Aktionäre und Aktionärinnen zuversichtlich in die Zukunft schauen. Sie sollten aber, wie bei allen Titeln, die in Fremdwährungen notieren, neben dem allgemeinen Kursrisiko auch das Wechselkursrisiko im Blick behalten.

Starke Partner

Noch kleiner und jünger als Moderna ist die niederländische CureVac, die ihren eigentlichen Hauptsitz in Tübingen hat. In der Produkte-Pipeline hat das Unternehmen Medikamente und Impfstoffe, die auf dem Botenmolekül mRNA basieren. Das kam CureVac 2020, zugleich das Jahr des Börsengangs, zugute. Auch CureVac braucht einen starken Partner, um der globalen Nachfrage nach dem Covid-Impfstoff nachkommen zu können. Zuletzt zeichnete sich eine enge Kooperation mit der deutschen Bayer AG ab. Der Umsatz, der für 2019 noch mit gut 17 Millionen Euro angegeben wurde, dürfte 2021 nach oben schießen.

Während die Kurse der kleineren Impfstoff-Anbieter vor allem von der Jagd vieler Anlegender nach dem schnellen Euro profitieren, bewegt sich bei den Konzernen, für welche die Impfstoffe nur einen kleinen Teil des Gesamtgeschäfts ausmachen, deutlich weniger. Zugleich zeigt sich – auch angesichts der unklaren Lage der Weltwirtschaft –, dass die Titel auf Nachrichten recht volatil reagieren. Daher eignen sich diese Papiere eher für Investor*innen mit längerem Horizont.

Gewinne mit Ampullen

An den großangelegten Immunisierungs-Kampagnen haben zwar auch weitere Unternehmen teil; sie stehen aber nicht auf den Kurslisten. Beispiel: Schott AG. Bis zum Jahresende will der Glasspezialist aus Mainz zwei Milliarden Leerampullen ausliefern. Damit zeigt sich Schott in der Krise besonders flexibel. Umsatz und Gewinn legen zu, doch Investierende können nicht einsteigen.

Investment-Beispiele Aktien:

AstraZeneca

ISIN

GB0009895292

Aktueller Kurs

84,02 €

KGV* (2021)

29,8

Gewinn/Aktie (2021**)

2,86 €

Dividende (2021**)

2,32 €

Dividendenrendite (2021**)

2,7 %

BioNTech

ISIN

US09075V1026

Aktueller Kurs

93,90 €

KGV* (2021)

6,3

Gewinn/Aktie (2021**)

15,40 €

Dividende (2021**)

0,00 €

Dividendenrendite (2021**)

0,0 %

CureVac

ISIN

NL0015436031

Aktueller Kurs

79,92 €

KGV* (2021)

15,7

Gewinn/Aktie (2021**)

4,68 €

Dividende (2021**)

0,00 €

Dividendenrendite (2021**)

0,0 %

Moderna

ISIN

US60770K1079

Aktueller Kurs

124,08 €

KGV* (2021)

11,5

Gewinn/Aktie (2021**)

12,46 €

Dividende (2021**)

0,00 €

Dividendenrendite (2021**)

0,0 %

Pfizer

ISIN

US7170811035

Aktueller Kurs

28,83 €

KGV* (2021)

13,7

Gewinn/Aktie (2021**)

2,16 €

Dividende (2021**)

1,28 €

Dividendenrendite (2021**)

4,3 %

Sanofi-GSK

ISIN

FR0000120578

Aktueller Kurs

79,15 €

KGV* (2021)

15,9

Gewinn/Aktie (2021**)

4,84 €

Dividende (2021**)

3,32 €

Dividendenrendite (2021**)

4,3 %

*KGV: Kurs-Gewinn-Verhältnis; ** Prognose; Fremdwährungen umgerechnet in Euro; Stand: 02.02.2021

Autor: Kai Makus


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Kommentare (6)


Kommentare

Shangri-La

11.02.2021

Johnson & Johnson werden das Rennen nicht machen können


heinz schuster

09.02.2021

Leider hat sich auch hier die Unsitte des "Sternchen.innen" breit gemacht. Auch wenn es Mode ist, es ist nicht richtig:
ein Analyst und mehrere Analystinnen .... oder was? Vielleicht lassen Sie sich eine bessere Lösung einfallen. Ich kann das nicht lesen!


Rolf Rossius

08.02.2021

leider haben Sie Johnsen&Johnsen nicht erwähnt.
Diese Kursentwicklung mit dem Impfstoff sollte mit in Erwägung gezogen werden.


J. Meyer

08.02.2021

"Der Anleger (auch Kapitalanleger, Kapitalgeber oder Investor) ist ein Wirtschaftssubjekt, das als Marktteilnehmer auf dem Finanzmarkt ein Finanzprodukt zum Zwecke der langfristigen Vermögensmehrung nachfragt."

https://de.wikipedia.org/wiki/Anleger_(Finanzmarkt)

Anlegende werden nicht einmal an nachfolgender Stelle beschrieben:

https://de.wikipedia.org/wiki/Anlegeman%C3%B6ver


Hans-Reinhard Berger

08.02.2021

Was sollen die Sterne im Text? Bisher habe ich Sie als seriös betrachtet.


Shangri-La

08.02.2021

Astra-Zeneca wird das Rennen eindeutig machen. Alle Anderen werden langfristrig den Problemen nicht Stand halten