Medienaktien: Das Übernahmekarussell rotiert

So setzen Anleger auf die Expansionslust der Branchenriesen | 26.09.2018

BÖRSE ONLINE

Eine Analyse von BÖRSE ONLINE,
Martin Hintze | Werbemitteilung

Gedruckte Medien sind out? Bei Weitem nicht. Das beweist zum Beispiel das Engagement von Amazon-Gründer Jeff Bezos, der vor fünf Jahren die schwächelnde „Washington Post“ übernahm. Und jetzt hat Marc Benioff, Gründer des Software-Konzerns Salesforce, gemeinsam mit seiner Frau Lynne das „Time“-Magazin gekauft und sich dieses Privatvergnügen immerhin 190 Millionen US-Dollar (rund 163 Millionen Euro) kosten lassen.

Und doch: Das große Geld ist mit den Print-Dinos nicht mehr zu verdienen. Für Aktionäre interessant sind heute vor allem integrierte Medienkonzerne – so wie AT&T. Die Amerikaner sind im medialen Umsatz-Ranking von Platz vier (2016) auf den ersten Rang geschossen. Grund: die Übernahme des Konkurrenten „Time Warner“ für 85 Milliarden Dollar. Damit bringt es der neue Gigant fast auf umgerechnet stolze 170 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Google-Mutter Alphabet kommt auf knapp 100 Milliarden Euro, Walt Disney nicht einmal auf 50 Milliarden.

Vertikale Expansion

Spannend ist daran, dass Medien und Technologie immer enger zusammenwachsen. AT&T expandiert damit entlang der Wertschöpfungskette und hat mit Time Warner viel Content erworben, der über Telefon- und Internetverbindungen vertrieben werden kann. Das ist so, als würde die Telekom Bertelsmann übernehmen, stellte Lutz Hachmeister, Direktor des Kölner Instituts für Medienpolitik, im „Handelsblatt“ fest.

Dabei finden die namhaften Deals fast ausschließlich in den USA statt. Zwar hat sich zum Beispiel Bertelsmann mit der mehrheitlichen Übernahme von Penguin Random House zum weltweit führenden Buchverlag gemausert. Allerdings wurde Penguin insgesamt mit gerade 3,55 Milliarden US-Dollar bewertet. Das sind angesichts der Summen, die in Amerika geboten und gezahlt werden, geradezu Peanuts. So hat Walt Disney für die größten Teile des Film- und Fernsehkonglomerats 21st Century Fox 52 Milliarden Dollar geboten. Dann gab der Kabelnetzbetreiber Comcast eine Gegenofferte über 65 Milliarden Dollar ab. Woraufhin Walt Disney auf 71,3 Milliarden nachlegte.

Viele Übernahmen

Tatsächlich hat das Urteil des Bundesgerichts, mit dem der Weg für die Übernahme von Time Warner durch AT&T ohne Auflagen frei wurde, für weitere Zukäufe Tür und Tor geöffnet. Rund geht es zum Beispiel beim britischen Sky-Konzern. Den wollte eigentlich 21st Century Fox unter seine Fittiche nehmen. Mit dem Kauf durch Walt Disney war die Gruppe allerdings praktisch aus dem Rennen – die Aufsichtsbehörden mauerten. Damit kam Comcast zum Zug, die ja im Bieterwettstreit um 21st nicht mithalten wollten. Der Kabel-Riese zahlt für jede Sky-Aktie 17,28 Britische Pfund (rund 19,23 Euro) – insgesamt ist Sky damit etwa 33 Milliarden Euro wert.

Und was halten Analysten von den Mega-Deals? Mit Blick auf AT&T sind viele eher skeptisch. Zum Beispiel Jennifer Fritzsche von Wells Fargo: „Wir bleiben besorgt darüber, wie AT&T in naher Zukunft die Verwendung seines Geldes priorisieren wird. Da gibt es viele hungrige Mäuler zu stopfen.“ Denn: AT&T häuft einen üppigen Schuldenberg an.

Deutscher Medienzwerg

Mit Blick auf Comcast sehen viele Experten Vorteile bei der Übernahme von Sky. Dem Giganten aus Philadelphia falle es einerseits leichter, den Kaufpreis zu bezahlen, außerdem könne Sky gut und sinnvoll in die Gruppe integriert werden, meint etwa der unabhängige Medienanalyst Alex DeGroote. Auch Analyst Neil Begley von Moody's sieht Comcast/Sky als gelungene Kombination, die Comcast zudem keine übermäßige Schuldenlast aufbürden würde.

Für Walt Disney sind die meisten Experten eher skeptisch – im Durchschnitt gibt es ein „Hold“. Kannan Venkateshwar von Barclays bewertet jedoch den eingeschlagenen strategischen Weg mit der Übernahme großer Teile des Konkurrenten 21st Century Fox als recht rational und damit sinnvoll. Andere Analysten halten den Kaufpreis für überzogen.

Bleibt Anlegern die Qual der Wahl, wobei die Fusionen attraktiver sind, die eine klare vertikale Erweiterung des Geschäftsfeldes zur Folge haben. Aktionäre sollten dabei berücksichtigen, dass sie sich mit dem Kauf von US-Aktien neben dem allgemeinen Kursrisiko ein Währungsrisiko ins Depot holen. Allerdings: Es gibt kaum Alternativen. Wer in Deutschland investieren möchte, der sollte sich die Titel von Axel Springer näher anschauen. Europas führender Digitalverlag erwirtschaftet bereits gut zwei Drittel seines Umsatzes im digitalen Business. Im Vergleich zu den Riesen der Branche sind die Berliner mit einem Geschäftsvolumen von knapp 3,6 Milliarden Euro jedoch ein echter Medienzwerg.

Investment-Beispiele: Die 5 größten US-Medienkonzerne, ein deutscher Player

Alphabet

ISIN

US02079K3059

Aktueller Kurs

1019,99 €

KGV* (2018)

29,1

Gewinn/Aktie (2018**)

34,47 €

Dividende (2018**)

0,00 €

Dividendenrendite (2018**)

0,0 %

AT&T

ISIN

US00206R1023

Aktueller Kurs

28,85 €

KGV* (2018)

9,8

Gewinn/Aktie (2018**)

2,94 €

Dividende (2018**)

1,70 €

Dividendenrendite (2018**)

5,9 %

Axel Springer

ISIN

DE0005501357

Aktueller Kurs

58,45 €

KGV* (2018)

20,5

Gewinn/Aktie (2018**)

2,80 €

Dividende (2018**)

2,07 €

Dividendenrendite (2018**)

3,6 %

Charter Communications

ISIN

US16119P1084

Aktueller Kurs

275,42 €

KGV* (2018)

71,4

Gewinn/Aktie (2018**)

3,89 €

Dividende (2018**)

0,00 €

Dividendenrendite (2018**)

0,0 %

Comcast

ISIN

US20030N1019

Aktueller Kurs

30,02 €

KGV* (2018)

14,0

Gewinn/Aktie (2018**)

2,16 €

Dividende (2018**)

0,63 €

Dividendenrendite (2018**)

2,1 %

Walt Disney***

ISIN

US2546871060

Aktueller Kurs

96,75 €

KGV* (2018)

15,1

Gewinn/Aktie (2018**)

6,34 €

Dividende (2018**)

1,54 €

Dividendenrendite (2018**)

1,6 %

*KGV: Kurs-Gewinn-Verhältnis; ** Prognose; *** Geschäftsjahresende 30.9.; Währungen umgerechnet in Euro; Stand: 26.9.2018

Autor: Martin Hintze


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