Stromversorger: Power für Anleger

Welche Unternehmen jetzt vom „Green Deal“ profitieren. | 26.06.2020

BÖRSE ONLINE

Eine Analyse von BÖRSE ONLINE,
Martin Hintze | Werbemitteilung

In Krisenzeiten gelten die Aktien von Versorgern als besonders stabil. Denn der Verbrauch von Wasser, Wärme und elektrischer Energie sinkt kaum. Zwar hat der Rückgang der Strompreise in den Vor-Corona-Monaten auf die Erträge gedrückt – Experten gehen davon aus, dass die Erlöse um 30 bis 40 Prozent schrumpften –, doch die Aussichten sind weiter erfreulich. Dabei positionieren sich viele Unternehmen der Branche jetzt neu: Von einer erheblichen Beschleunigung der Investitionen in eine saubere Infrastruktur sprechen viele Top-Manager gerade. Hintergrund: Die Versorger erwarten sich als „Climate Champions“ bessere Wachstumsaussichten.

Das bestätigen auch die Analysten der Berenberg Bank: „Wir gehen davon aus, dass sich das Wachstum der erneuerbaren Energien fortsetzen wird, wobei Preise und Nachfrage für relativ geschützte Vermögenswerte sorgen.“ Unternehmen, die den Nachhaltigkeitskriterien Environment, Social, Governance (ESG) folgen, dürften die weitere Erholung des Sektors anführen (siehe Tabelle unten).

Starke Player in Europa

Einer der Klassiker im Bereich umweltfreundlicher Energie ist NextEra Energy. Der Konzern, der bis 2010 unter FPL Group firmierte, ist nach eigenen Angaben in den USA führend in Sachen Wind- und Solarenergie. Mit 14.800 Mitarbeitern erwirtschaftet das Unternehmen aus Florida einen Umsatz von 19,2 Milliarden Dollar, umgerechnet rund 17,1 Milliarden Euro. Und NextEra ist ein äußerst solider Dividendenzahler: Seit 1946 schüttet die Gesellschaft große Teile ihrer Gewinne an die Anteilseigner aus. Damit das so bleiben kann, investiert NextEra kräftig in zukunftsträchtige Technologie. So baut der Versorger seine Batteriespeicherkapazität kontinuierlich aus, um den Verbrauchern auch nachts und bei dichter Bewölkung Energie zur Verfügung stellen zu können. Der mit 108 Milliarden Euro kapitalisierte Konzern macht vieles richtig: Finanziell ist NextEra hervorragend aufgestellt, immer mehr Kunden schließen Verträge ab. Anleger sollten jedoch berücksichtigen, dass mit Aktien, die nicht in Euro notieren, neben dem allgemeinen Kursrisiko auch ein Währungsrisiko verbunden ist.

Aus dem Kreis europäischer Versorger lohnen derzeit vor allem Enel, Engie, Fortum und Verbund einen genaueren Blick. Die italienische Enel rechnet nicht mit relevanten Einflüssen der Corona-Krise aufs Geschäft. Im Gegenteil: Der Energiekonzern dürfte von der im EU-Corona-Rettungsplan vorgesehenen Transformation hin zu grüner Energie profitieren, meint Analyst Stefano Bezzato von der Bank Credit Suisse. Enel sollte in dem Wandlungsprozess eine führende Rolle einnehmen. Schwieriger ist die Situation für Engie. Die Franzosen verweisen auf sinkende Umsätze als Folge der Krise und haben zuletzt die Dividende ausgesetzt. Das US-Analysehaus Bernstein Research beurteilt den belastenden Corona-Effekt aber als eher kurzfristig. Themen wie die Aussichten im Dienstleistungsgeschäft, kaum Vertragsstornierungen und zugesagte EU-Investitionen in die Energieeffizienz stärkten das Vertrauen in die Aktie.

Auf Wachstumskurs befindet sich das Staatsunternehmen Fortum, der Anteil Finnlands liegt bei etwas über 50 Prozent. Die Skandinavier haben zuletzt fast 75 Prozent des deutlich größeren MDAX-Unternehmens Uniper übernommen, eine Ausgründung der E.On mit den Bereichen konventionelle Energieerzeugung einschließlich Wasserkraft, globaler Energiehandel insbesondere mit Strom und Gas sowie Energiespeicherung. Fortum möchte mit Uniper im Bereich klimaschonende Stromproduktion vorankommen. Die Akquisition belastet Fortum zwar zunächst finanziell, dürfte langfristig jedoch erfolgreich sein. Das gilt auch für die Verbund AG, früher Österreichische Elektrizitätswirtschaft. Die klare Nummer eins der Alpenrepublik sorgt für etwa 50 Prozent des Strombedarfs im Land und greift dabei zu 90 Prozent auf Wasserkraft zurück.

Deutsche Konzerne

Unter den deutschen Versorgern ist E.On aufgrund seiner – früheren – Kernkraft-Lastigkeit so etwas wie der Vertreter der „alten“ Energie. Nach der Abspaltung von Uniper 2016 blieben nicht zuletzt der Betrieb und der Rückbau der deutschen Atomkraftwerke bei den Essenern. Während Anleger in den vergangenen Monaten kräftig investierten, bemängeln Analysten wie John Musk von RBC, der Versorger sei recht verschlossen, was den möglichen Einfluss der Corona-Krise auf seine Geschäfte betreffe. Allerdings: Der Green Deal der EU könne nicht nur für die Stromnetze von E.On positiv sein, sondern auch für die Gasnetze des Konzerns.

Konkurrent RWE ist nach Ansicht von Analyst Andrew Fisher von der Berenberg Bank von der Corona-Krise weitgehend verschont geblieben. Zugleich sei das Unternehmen auf gutem Wege zu deutlich größeren Kapazitäten bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energieträgern. Das kommt bei den Abnehmern gut an – ebenso wie bei den Aktionären, die sich zudem über die festen Vergütungsmechanismen im Bereich erneuerbare Energien freuen, was selbst bei einer geringeren Nachfrage und sinkenden Strompreisen für solide Erträge sorgt.

Trotz Corona hat der Hamburger Wind- und Solarpark-Betreiber Encavis seine Prognose für dieses Jahr bestätigt. Profitabilität und Liquidität haben positiv überrascht. Encavis hat als Produzent von Energie aus erneuerbaren Quellen 2019 etwa 1,9 Millionen Tonnen an CO2-Emissionen verhindert und zählt nach Ansicht von Analysten zu den „Top Picks“ der ESG-Versorger. Das Unternehmen ist mit einem Umsatz von knapp 274 Millionen Euro allerdings relativ klein. Die Aktien haben zudem seit Beginn der Corona-Krise mehr als 60 Prozent zugelegt – da wird die Luft allmählich dünn. Zukäufe sollten nur nach deutlichen Rücksetzern geprüft werden.

Fazit: Als Beimischung für das Depot mit tendenziell eher stabilen Kursen können sich gerade Versorger mit Ausrichtung auf umweltfreundliche Energie eignen – saubere Power für Investoren.

Investment-Beispiele Aktien:

E.On

ISIN

DE000ENAG999

Aktueller Kurs

9,82 €

KGV* (2020)

21,3

Gewinn/Aktie (2020**)

0,46 €

Dividende (2020**)

0,47 €

Dividendenrendite (2020**)

4,8 %

Encavis

ISIN

DE0006095003

Aktueller Kurs

12,52 €

KGV* (2020)

37,4

Gewinn/Aktie (2020**)

0,34 €

Dividende (2020**)

0,27 €

Dividendenrendite (2020**)

2,2 %

Enel

ISIN

IT0003128367

Aktueller Kurs

7,79 €

KGV* (2020)

15,1

Gewinn/Aktie (2020**)

0,50 €

Dividende (2020**)

0,35 €

Dividendenrendite (2020**)

4,7 %

Engie

ISIN

FR0010208488

Aktueller Kurs

11,00 €

KGV* (2020)

13,5

Gewinn/Aktie (2020**)

0,80 €

Dividende (2020**)

0,63 €

Dividendenrendite (2020**)

5,8 %

Fortum

ISIN

FI0009007132

Aktueller Kurs

16,88 €

KGV* (2020)

9,2

Gewinn/Aktie (2020**)

1,79 €

Dividende (2020**)

1,09 €

Dividendenrendite (2020**)

6,6 %

NextEra Energy

ISIN

US65339F1012

Aktueller Kurs

213,40 €

KGV* (2020)

29,5

Gewinn/Aktie (2020**)

7,29 €

Dividende (2020**)

4,94 €

Dividendenrendite (2020**)

2,3 %

RWE

ISIN

DE0007037129

Aktueller Kurs

32,19 €

KGV* (2020)

19,4

Gewinn/Aktie (2020**)

1,61 €

Dividende (2020**)

0,85 €

Dividendenrendite (2020**)

2,7 %

Verbund

ISIN

AT0000746409

Aktueller Kurs

38,62 €

KGV* (2020)

23,8

Gewinn/Aktie (2020**)

1,57 €

Dividende (2020**)

0,72 €

Dividendenrendite (2020**)

1,9 %

*KGV: Kurs-Gewinn-Verhältnis; ** Prognose; Fremdwährungen umgerechnet in Euro; Stand: 26.06.2020

Autor: Kai Makus


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Kommentare (3)


Kommentare

Ben Kraft

07.07.2020

E.ON .... Power für Anleger? Soll wohl ein Witz sein, oder?
Seit März 2014 im Portfolio, immer wieder nachgekauft, Schnitt liegt bei € 11,95. Quintessenz: Kursverlauf gepflegte Langeweile, so würde ich das bezeichnen, absolut unbefriedigend. Man schaue sich nur die Analyse bei ING an. Sind die bei E.ON alle im Tiefschlaf ....?


Gerhard Paetzmann

07.07.2020

Ein e tolle Steigerung der Kurse RWE und e-on aber was ist mit uns Alt- Aktionären, die RWE zu 60+ und e-on zu 25+ gekauft haben? Hier sieht die ausgewiesene Rendite aber gewaltig anders aus. Ich habe wenig Hoffnung mein investiertes Geld wieder zu sehen


Martin Ebner

06.07.2020

Den Witz mit den "besonders stabilen" Versorgern find' ich gut!
Aktienkurs-Entwicklung von RWE seit Januar 2008, trotz Euro-Geldschwemme: 97 Euro -> 32 Euro, E.ON: 44 Euro -> 10 Euro. [bei E.ON ist zugegebenermaßen die Ausgliederung von Uniper berücksichtigen]
Also besonders gut geeignet für langfristig orientierte Investoren und mündelsichere Altersvorsorge - fast so gut wie solide deutsche Bankwerte... LOL!