Arbeitsunfall

Wie sich Arbeitnehmer verhalten sollten | 18.05.2018

Unfall am Arbeitsplatz

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Der Bauarbeiter stürzt vom Gerüst, die Krankenschwester klemmt sich im Patientenbett die Hand, der Koch schneidet sich mit einem Messer in den Finger – alleine 2016 gab es laut der deutschen gesetzlichen Unfallversicherung e.V. (DGUV) hierzulande 877.071 Arbeitsunfälle.

Doch wie genau definiert sich ein Arbeitsunfall eigentlich? „Allgemein kann man sagen, dass Arbeitsunfälle Unfälle sind, die versicherte Personen infolge der versicherten Tätigkeit erleiden“, erklärt Elke Biesel, Pressesprecherin der DGUV. „Das bedeutet auch, dass der Unfall die wesentliche Ursache für den eingetretenen Gesundheitsschaden ist.“

Der Arbeitsunfall gilt nicht bei Abwegen

Arbeitnehmer sind auf dem Weg zur Arbeit und zurück nach Hause von ihrem jeweiligen Arbeitgeber versichert. Aber was, wenn man auf dem Hin- oder Rückweg noch schnell in den Supermarkt huscht, um sich ein Essen für die Mittagspause oder das Abendessen zu kaufen und dort auf einer Banane ausrutscht? „Dies gilt als Abweg, da er eigenwirtschaftlich motiviert und kein direkter Weg ist“, sagt Rechtsanwalt Gunter Kohn, Fachanwalt für Sozialrecht & Versicherungsrecht, von Büchner Rechtsanwälte aus Berlin. „Ein Unfall im Supermarkt ist daher nicht versichert. Befindet man sich jedoch wieder auf dem direkten Weg zur Arbeit, gilt der Unfall wieder als Arbeitsunfall.“

Somit gilt: Beispielsweise ein privater Einkauf stellt eine Unterbrechung des versicherten Weges zur Arbeit und nach Hause da.

Der Besuch beim Durchgangsarzt ist quasi unumgänglich

Staucht man sich beispielsweise den Knöchel bei oder auf dem Weg ins Büro, sollte zunächst der Arbeitgeber informiert werden. Meldepflichtig gegenüber der gesetzlichen Unfallversicherung ist nur, wer länger als drei Tage nicht arbeiten kann.
In jedem Fall sollte ein Arzt aufgesucht werden – egal, welcher. „Wer jedoch am Tag nach dem Unfall noch nicht arbeitsfähig ist, muss zum Durchgangsarzt überwiesen werden“, erklärt Rechtsanwalt Kohn. „Das gilt auch, wenn Heil- oder Hilfsmittel verordnet werden müssen oder es sich um eine Wiedererkrankung aufgrund von Unfallfolgen handelt.“
Durchgangsärzte greifen an dieser Stelle, weil sie eine Fachausbildung in Unfallmedizin haben und regelmäßig von Unfallversicherungsträgern fortgebildet werden. Sie entscheiden, ob der Patient weiterhin die besondere Heilbehandlung erhalten muss oder, ob es ausreicht, wenn sich der Hausarzt der Verletzung annimmt.

Tipp: Wer sich mehrere Wege und Wartezeiten sparen möchte, sucht am besten also direkt einen Durchgangsarzt auf. Eine Online-Suche bietet beispielsweise die DGUV an. Auch Krankenkassen führen in der Regel online eine Übersicht.

Versicherungen und Lohnfortzahlung

Bei einem Arbeitsunfall und während der Dauer einer medizinischen Rehabilitation erfolgt die Entgeltfortzahlung für sechs Wochen durch den Arbeitgeber. Danach übernimmt die Krankenkasse und zahlt das sogenannte Verletztengeld. „Dieses wird zwar über die Krankenkassen ausgezahlt, ist aber nicht mit dem Krankengeld gleichzustellen“, erläutert Elke Biesel von der DGUV. „Während das Krankengeld in der gesetzlichen Krankenversicherung 70 Prozent des regelmäßigen Bruttoentgelts ausmacht, beträgt das Verletztengeld 80 Prozent. Es darf aber nicht höher sein als das Nettoarbeitsentgelt. Das Krankengeld ist hingegen auf maximal 90 Prozent des Nettoarbeitsentgelts beschränkt. Vom so errechneten Verletztengeld werden dann noch die Beitragsanteile zur Renten- und Arbeitslosenversicherung abgezogen.“ Schmerzensgeld gehöre nicht zu den Leistungen der Unfallversicherung und eine Entschädigung für Sachschäden, wie eine zerrissene Hose, sei ebenfalls nicht möglich.

Den Arbeitsunfall bei der Steuererklärung geltend machen

Wenn durch einen Arbeitsunfall Kosten entstanden sind, können diese in der Steuererklärung als Werbungskosten angegeben werden. Dies gilt beispielsweise, wenn das Auto nach einem Unfall verbeult ist und keine dritte Seite für den Schaden aufkommt. In diesem Fall werden die Kosten übrigens nicht anteilig gekürzt, weil der Wagen privat genutzt wird. „Außerdem sollte das erhaltene Verletztengeld in der Steuererklärung angegeben werden“, so Elke Biesel. „Inwieweit durch einen Arbeitsunfall entstandene Kosten für die Beseitigung dieser Sachschäden oder den Ersatz der Sachen steuerlich geltend gemacht werden können, ist fallabhängig.“

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (3)


Kommentare

ING-DiBa

31.05.2018

Hallo D. Bader, nach erneuter Rücksprache mit unserem Experten auf diesem Gebiet, hat sich bestätigt, dass grundsätzlich der Weg von und zur Arbeit und aber keine privaten Abwege versichert sind. In der Praxis gebe es zudem in der Rechtsprechung keinen Gegensatz zwischen „unmittelbarem“ und „direktem“ Weg. Es handele sich demnach um eine semantische Frage, die keine praktische Relevanz besitzt. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


ING-DiBa

24.05.2018

Hallo D. Bader, vielen Dank für Ihren Hinweis. Wir überprüfen dies gern und passen den Text ggf. entsprechend an. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


D. Bader

23.05.2018

Nur ein Hinweis: Das SGB VII enthält im § 8 aus gutem Grund die Formulierung "unmittelbarer Weg" und eben nicht den auch hier zitierten "direkten" Weg, auch wenn dies in fast jeder Publikation so bezeichnet wird. Fachanwälten sollte der Unterschied eigentlich bekannt sein ...