Steuer-Tipps

Mit außergewöhnlichen Belastungen Steuern sparen | 07.06.2019

außergewöhnliche Belastungen

© ING

Durch Krankheiten oder Schäden in der Wohnung können Steuerzahlern unvorhergesehene Kosten entstehen. In Teil zwei unserer kleinen Steuer-Serie verraten wir Tipps, wie Sie durch diese außergewöhnliche Belastungen Ihre Steuerlast senken können.

Manchmal hat der Staat auch Mitleid: Wer überdurchschnittlich höhere Kosten als die meisten anderen Steuerzahler mit ähnlichem Einkommen, Vermögen und Familienstand tragen muss, der hat sogenannte außergewöhnliche Belastungen. Sind diese Ausgaben zwangsläufig und unvorhersehbar entstanden, können sie laut Gesetz die Steuerlast mindern. 

Was sind außergewöhnliche Belastungen?

Unterschieden wird zwischen besonderen und allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen. Zu Letzteren zählen beispielsweise Aufwendungen für Krankheiten. „Kosten für die Brille oder den Zahnersatz, Zuzahlungen zu Kuren oder Medikamenten. Das sind die Klassiker, die im Regelfall bei den meisten anfallen“, sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Auch wer sein Inventar aufgrund einer Überflutung verloren hat, kann die Neuanschaffung einer Grundausstattung beim Fiskus steuermindernd angeben. Ein anderer Fall sind die besonderen außergewöhnlichen Belastungen. „Das ist zum Beispiel ein auswärtig untergebrachtes Kind, etwa im Internat oder zum Studium in einer anderen Stadt“, erklärt Klocke. Die Liste ist letztlich lang und von vielen Einzelfällen geprägt. Im Zweifel lohnt es sich immer, Ausgaben anzugeben. Schlimmstenfalls werden diese nicht anerkannt.

Pauschbeträge für besondere Belastungen

Der Unterschied zwischen den beiden Arten der außergewöhnlichen Belastungen wird vor allem in der steuerlichen Anerkennung deutlich. „Für die besonderen außergewöhnlichen Belastungen gibt es feste Freibeträge und das unabhängig vom Einkommen“, sagt Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg. Dazu gehören zum Beispiel Pauschbeträge für Pflegende oder Behinderte oder der Ausbildungsfreibetrag. Steuerlich machen sich diese vom ersten Cent an bemerkbar. Bei den allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen gilt: Absetzbar ist erst das, was die sogenannte zumutbare Belastung überschreitet. Das ist der Betrag, den Steuerzahler selber schultern müssen.

Zumutbare allgemeine Belastung wird individuell berechnet

Und jetzt wird es etwas kompliziert; denn die zumutbare Belastung wird immer individuell berechnet und liegt zwischen 1 und maximal 7% des Einkommens. Außer der Höhe der Einkünfte des Einzelnen oder eines Paares ist vor allem die Zahl der Kinder entscheidend. „Wer mehrere Kinder und ein kleines Einkommen hat, ist schneller in dem Bereich, dass er etwas geltend machen kann, als vielleicht ein Single, der gut verdient und auch keine Kinder hat“, erläutert Klocke.

Eigenanteil wird nach BFH-Urteil stufenweise berechnet

Seit einem Urteil des Bundesfinanzhofes (BFH) aus dem Jahr 2017 wird der zumutbare Eigenanteil gestaffelt nach den Prozentsätzen der gesetzlich vorgegebenen Stufen (Az.: VI R 75/14) berechnet. Ein Beispiel: Ein Ehepaar mit zwei Kindern und einem jährlichen Gesamtbetrag der Einkünfte von 60.000 Euro hat eine Zumutbarkeitsgrenze von 1.735,30 Euro. Hatte die Familie zum Beispiel 2.000 Euro Krankheitskosten im Jahr, können sich rund 265 Euro steuermindernd auswirken. „Ein Single, der genauso viel verdient, hat mit 3.535,30 Euro etwa das Doppelte an zumutbarer Belastung“, sagt Erich Nöll, Geschäftsführer des Bundesverbandes Lohnsteuerhilfevereine (BVL).

Internet-Rechner für den Eigenanteil

Wie viel der Fiskus übernehmen wird, kann der Arbeitnehmer vor Abgabe seiner Steuererklärung ausrechnen. „Es gibt im Internet Rechner zur zumutbaren Eigenbelastung“, erklärt Isabel Klocke – zum Beispiel online auf der Seite der Finanzverwaltung. Die Expertin empfiehlt im Zweifelsfall, die Kosten auf jeden Fall ins Steuerformular einzutragen. „Dann haben Sie nichts verschenkt. Es macht halt ein bisschen Arbeit.“ Mit etwas Planung können die Kosten auch steuersparend verteilt werden. „Ist man weit von der Zumutbarkeitsgrenze weg, sollte man vielleicht die Investition für die neue Brille doch ins kommende Jahr verschieben“, rät Klocke.
 
Wir freuen uns, wenn dieser Artikel zum Thema Steuern hiflreich für Sie war. Wichtig: Es handelt sich hierbei um allgemeine Tipps, die eine Prüfung des Einzelfalls nicht ersetzen können. Haben Sie dazu Fragen? Dann wenden Sie sich bitte an Ihren Steuerberater oder Ihr zuständiges Finanzamt.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (8)


Kommentare

@Otto an Johann

18.06.2019

Herr Otto,

Sie scheinen von Aktien und Wirtschaft keine Ahnung zu haben, sonst könnten Sie so nicht reden.

An der Börse gibt es immer ein auf und ab...und es wurden ja schon Milliarden vernichtet. Auch bei Kryptomüll.

Sichere Anlagen gibt es nicht, also streuen. Was andere verlieren, gewinnen andere und die Börse hat sich immer erholt, da Sachwerte dahinter stehen.

Und Nahrung, Gesundheit, Technik, Haushaltsmittel (ausgenommen kurzlebige Trends wie Apple, Bitcoin, Kryptomüll, etc.) gehen immer.


@Otto von Johann

18.06.2019

Du vergleichst mal wieder Äpfel mit Birnen. Container Anlagen kannst nicht vergleichen. Klar da hätte man Aktien daraus machen können aus dem Modell, aber dann hätten die Leute durch fallende Kurse gleich gesehen, dass dieses Modell Sch*** ist. Was Immo-Fonds, neuer Markt, Windkraft, Solar etc. angeht oder Lehmann...das kannst auch nicht vergleichen. Denn: "Merke auf" - Windkraft, Solar, etc. waren Trends!!! Die Lehmann Bank, erkundige dich mal, google und rede dann erst mal darüber, die haben Surprime Kredite gehabt -> Immobilienblase: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltfinanzkrise.
Wenn du "normal" in Aktien anlegst, dann machst Gewinn im Laufe der Jahre, es gibt Aktien die trotz "Schwarzer Freitag" mehr Wert sind als vor Jahrzehnten -> siehe Börsenaristokraten www.boerse.de
Viele Firmen in den USA und auch Deutschland sind über 100 Jahre alt und zahlen auch durchgehend während der Wert gestiegen ist auch Dividende.
Klar gibt es auch so Fälle wie WorldCom (Pleite - Knock Out), Lehmann Brothers, aber so ist das Leben!
Gold, der sichere Hafen? HA HA HA - auch voll verloren!!!
Silber? Auch nicht besser.
Da gibt es noch mehr Anlagen die nichts mehr sind! Radikal fallen oder Pleite gehen durch das Geschäftsmodell werden sicher bald Facebook, Apple, Amazon, etc. Einige weil sie nur Trend sind!!! Andere weil sie viel zu groß geworden sind - Google, Amazon, etc.
Aber egal....denn wenn Nostradamus recht hat, dann werden wir bald den 3. Weltkrieg erleben, da wir Globalisiert sind. Sie dir Nachrichten an, wer die drei Hauptkrieagstreiber sind und dann die Splittergruppen im nahen Osten. Alle hätten ein besseres Leben, wenn gehandelt werden würde - auf "normalen, sachlichen" Niveau.
Direkter und länger darf man hier nicht werden, ist ja auch kein Politik Forum. Allerdings, Angst mit gesundem Menschenverstand darf man langsam haben.


@Johann von Otto

16.06.2019

Na hoffentlich erwischt Dich kein neuer "Schwarzer Freitag" und keine andere Flanke des Schweinezyklus. Millionen andere "Streuer" haben durch Schifffahrt, Container, Immo-Fonds, "neuer Markt", Windkraftanlagen, Solarzellen und nicht zuletzt Lehmann-Papieren ziemlich viel verloren. Wobei die nächste Flanke des Schweine-Zyklus ganz bestimmt härter ausfällt, als 2008 oder 2001.


@Max

13.06.2019

Teil 1 gebe ich dir recht.

Aber Teil 2 mit Apple Pay muss ich widersprechen. Jage doch nicht ständig dem sch*** High-Tech der Amikaner nach. Die lesen alles aus, die steuern alles....dauert nicht lange, bis die auch mit uns im Wirtschaftskrieg sind und Android und Apple lahm legen und dann?
Ach ja, digital bezahlen, genau das selbe - Strom weg, Internet weg, Software sperren, hacken usw.
Dann bist ohne Geld.

BLEIBT DOCH BEIM BARGELD und GIROKARTE / BANKKARTE und KREDITKARTE der ING!!!!


Willi Koch

12.06.2019

Was mich stört, ist die vollmundige Ansage der Rentenerhöhung durch die Presse. Von unserer Rentnersteuer (Betrag zu 52 % anno 2006) wird die Hälfte der Rentenerhöhung vom Finanzamt einbehalten, da unsere Zusatzkosten (Eigenbelastung nicht übersteigt) nur wenig als außergewöhnliche Belastung angerechnet wird.
Das Rentenehepaar Koch


Johann

09.06.2019

Da hat "schön wär es" voll recht.
Aber wenn man schon so überbelastet ist, von wegen Zahnersatz - kann ja bis zu einem ganzen neuen Auto kosten (25.000 bis 50.000 Euro). Dann hilft eine die minimale Entlastung vom Staat auch nichts.
Allerdings muss man sagen, dass dann die Leute selber schuld sind...man kann doch sparen!
Ich habe ein Depot von knapp 45.000 Euro und bekomme allein bis Mai schon knappe 1.000 Euro Dividende nach Steuer und Freistellung.
Und wer regelmäßig, verstreut anlegt, hat dann auch für die Rente was....nach und nach kann man schon auf ein Depotwert zur Rente von 30.000, 60.000, 90.000 oder 120.000 Euro kommen, wenn man nicht ständig raucht, säuft, ein Urlaub nach dem anderen, nur essen geht aus Faulheit, ständig Partys usw. usw.
Sage ja nicht, dass man nicht leben kann....aber so wie es die meisten machen - tja.


Max

07.06.2019

Die Anmeldeprozedur im ING Onlinebanking am PC ist seit der Umstellung zur vierfach Bestätigung zu einer außergewöhnlichen Belastung geworden. In welches Feld der Steuererklärung trage ich das jetzt ein?!

Und kann die Zeit dann einfach mit der addieren, die ich damit verbringe auf die Umsetzung von Apple Pay zu warten oder muss ich das separat aufführen?

Vielen Dank im Voraus!


schön wär es

07.06.2019

Bei jedem deutschen Durchschnittsverdiener müssen schon gewaltige Summen für Medikamente, Brillen, Zahnersatz und sonst was anfallen, bevor die Grenze der normalen Belastbarkeit erreicht ist. Der Hinweis hilft eigentlich nur Geringverdienern, mit einem Nettoeinkommen unter 900 Euro. Habe hier im Haushalt eine Steuerfachangestellte und eine Krankenkassenspezialisten als Fachfrau zur Verfügung.