Die Roboter lassen auf sich warten

Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt noch nicht klar | 23.07.2018

Digitalisierung am Arbeitsplatz

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Für eine umfassende Bewertung der Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt ist es noch zu früh – auch wenn ein Blick auf die Jobentwicklung der letzten Jahre die These stützt, dass unterschiedliche Berufe unterschiedlich stark betroffen sein werden.

Sind 59 Prozent bald arbeitslos?

Im Jahre 2015 sorgte unsere Studie „Die Roboter kommen“ für einiges Aufsehen. Die ING-Volkswirte Inga Fechner und Carsten Brzeski hatten damals eine Untersuchung der University of Oxford auf Deutschland adaptiert und berechnet, dass potenziell bis zu 18,3 von rund 31 Millionen untersuchten Arbeitsplätzen hierzulande der Automatisierung zum Opfer fallen könnten.
 
Das heißt aber nicht, dass sich demnächst 59 Prozent der arbeitenden Bevölkerung auf der Straße wiederfinden werden. Denn zum einen betrachtet die Studie nur das mögliche Verschwinden, nicht aber das Entstehen neuer Arbeitsplätze im Zusammenhang mit der Digitalisierung. So gab es zum Beispiel kaum noch Kutscher, nachdem sich das Automobil durchgesetzt hatte – dafür gab es aber Kfz-Mechaniker, Berufskraftfahrer und Straßenbauer, die es zuvor nicht oder nicht annähernd im gleichen Umfang gegeben hatte. Ähnlich könnte es sich auch mit den Auswirkungen von Robotik und künstlicher Intelligenz auf den Arbeitsmarkt verhalten.

Arbeitsinhalte verändern sich

Zum anderen muss ein Arbeitsplatz nicht zwangsläufig verschwinden, nur weil ein Großteil der Tätigkeiten, die ihn ausmachen, von Computern oder Robotern übernommen wird. Bankkaufleute zum Beispiel sitzen schon lange nicht mehr mit dem Rechenschieber über dicken Büchern voller Zahlen – die Delegation monotoner Rechenarbeit an den Computer ermöglicht ihnen heute die Beschäftigung mit anspruchsvolleren Aufgaben. Auch die Arbeit von Journalisten hat sich verändert – in Zeiten des Internets geht es oft weniger um die Suche nach Quellen als vielmehr um deren kompetente Einordnung und Bewertung.

Aktuell werden Jobs auf- und nicht abgebaut

Ohnehin ist von einem Arbeitsplatzabbau auf breiter Front derzeit nichts zu sehen. Seitdem sich die deutsche Wirtschaft von den Nachwirkungen der Finanzkrise erholt hat, sind vielmehr die Arbeitslosenzahlen gesunken und wurden Jobs auf- und nicht abgebaut. Ein Blick auf die Verteilung des Jobwachstums im Zeitraum von 2013 bis 2017 zeigt aber, dass doch etwas dran sein könnte an der unterschiedlichen Anfälligkeit gegenüber der Digitalisierung: Wie die Nachfolgeuntersuchung „Die Roboter kommen (doch nicht?)“ unserer Volkswirte zeigt, finden sich die geringsten Zuwächse in Berufen, denen die Studie aus dem Jahr 2015 eine hohe Automatisierungswahrscheinlichkeit bescheinigt hatte – wie beispielsweise bei Bürokräften. Die höchsten Zuwächse gab es in den Bereichen der akademischen Berufe und Führungskräfte.

Geht die Schere auseinander?

Interessanterweise erlebte auch das Segment der Hilfsarbeitskräfte einen deutlichen Jobzuwachs, obwohl die Anfälligkeit gegenüber Automatisierung dort ebenfalls als hoch eingestuft wird. Dies nährt die Befürchtung, dass die Digitalisierung zu einer Polarisierung führen könnte – also einer Aufteilung in hoch- und geringqualifizierte Jobs bei gleichzeitigem Wegbrechen der Beschäftigung auf dem fachlichen Niveau.
 
Aktuell überdeckt die starke wirtschaftliche Entwicklung also die Folgen der Digitalisierung auf dem Arbeitsmarkt. Der erste wahre Test wird wohl erst mit dem nächsten wirtschaftlichen Abschwung kommen – und der darf gerne noch auf sich warten lassen. Für eine definitive Aussagen über die Auswirkung von Digitalisierung und Automatisierung auf den Arbeitsmarkt ist es noch zu früh. Aber die Diskussion darüber wird natürlich weitergehen – schließlich hat die Debatte über die Zukunft der Arbeitswelt auch eine gesamtgesellschaftliche Dimension.

Autor: Sebastian Franke


Ihre Meinung

Kommentare (5)


Kommentare

Bernd Wimmer

03.09.2018

Das auf Geldmarkt bereits soviel automatisch läuft sehe ich sehr kritisch. Mir fehl die Kontrolle darüber was real/richtig oder falsch ist. Dadurch hat schon manch einer sein hab und Gut verloren, auch weil damit das Anlegen oft zu einfach wird und Menschen Ihre grenzen verlieren.


Anlagegefahr

25.07.2018

Sogenannte Robo Advisor mit ihren Algorhytmen kosten nicht nur Arbeitsplätze (Vermögensverwalter, etc.), sondern bringen die Börsen zum Absturz oder nicht realen Kursgewinnen bis zur nächsten Grenze nach oben.
Wir sollten schon innovativ sein und neue Technik versuchen, aber einiges sollte man erst mal im Hintergrund ein paar Jahre parallel simuliert testen, mit aktuellen Marktdaten.


Jan

24.07.2018

Die Arbeitswelt und neue Technik die Arbeitsplätze gefährdet interessieren die Leute weniger als den blöden Bitcoin, Apple Pay, Google Pay usw.
Erstaunlich - deshalb erstaunlich, da sie ohne Arbeit keinen Nutzen für bzw. von Bitcoin, Apple Pay, Google Pay usw. haben.

Es gibt größere Probleme in der Zukunft als die Trend Zahlungsmittel die sowieso die Mehrheit gerechtfertigt ablehnt.

Man sollte sich die neue Technik mit Robotern, Algorhytmen etc. genauer ansehen und kontrollieren.


Frank

23.07.2018

Roboter sollten hauptsächlich nur unterstützen (Altenpflege und Krankenhaus Menschen heben bzw. Boden reinigen - damit die Reinigungskräfte mehr Zeit für Toilette und Türklinken etc. wegen Bakterien / Viren haben) bzw. gefährliche arbeiten (Eisen gießen, Schmelzofen etc.) erledigen.
Aber keinen - wirklich keinen "normalen" Mitarbeiter ersetzen!!!


notting

23.07.2018

Die Hauptaussage muss also lauten: Die Arbeit ist im Wandel, man muss sich anpassen. In Heise Technology Review gab's auch vor kurzem einen Artikel "Bekenntnisse eines Job-Killers". Der Betroffene im Artikel wird "Gary" genannt. Er kennt sich mit Formenbau aus.
Zitat: "Laut Gary war das eine seiner wichtigsten Erkenntnisse: „Ich habe gelernt, dass man sich nicht erlauben darf, selbstzufrieden zu werden. Man muss bei neuen Prozessen und Technologien auf dem Laufenden bleiben, wenn es sein muss, mit der eigenen Zeit und auf eigene Kosten.“"

Wobei ich aber finde, dass Firmen ihren Mitarbeitern realistische Chancen geben sollten, sich entspr. anzupassen. Leider werden aber heute generell gerne die billigsten Kräfte gesucht. Da ist sowas eine tolle Gelegenheit, "zu teure" Mitarbeiter loszuwerden... :-(

notting