Scheidung, Krankheit, Tod

Was passiert jetzt mit der Baufinanzierung? | 29.04.2019

Umzug ins neue Heim

Der Traum vom Leben in den eigenen vier Wänden kann ein jähes Ende nehmen. Nämlich dann, wenn die Raten für das Immobiliendarlehen nicht mehr bezahlt werden können – etwa wegen Scheidung, Krankheit oder Tod.

Um eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus zu finanzieren, nehmen die meisten (Ehe-)Paare ein Immobiliendarlehen auf. Aber das Leben ist nicht planbar. Ob nun Scheidung, Krankheit oder Tod – etwas Unvorhergesehenes kann immer passieren, das es unmöglich macht, die Kreditraten aufzubringen. „Wenn es hart auf hart kommt, dann droht eine Zwangsversteigerung der Immobilie“, sagt John Semler, Gründer und Vorstand des Bundesverbands der Immobilienfinanzierer. Doch dazu muss es nicht kommen.

„Wichtig ist, dass Bauherren oder Immobilienkäufer sich schon im Vorfeld der Baufinanzierung mit möglichen Risiken auseinandersetzen und Vorsorge treffen“, betont Semler, der Inhaber des Baufinanzierungsunternehmens „BaufiTeam“ in Sittensen ist.

Vorsorge für den Scheidungsfall

Sinnvoll kann ein Ehevertrag sein, in dem detailliert festgelegt wird, was mit der Immobilie im Fall einer Scheidung passieren soll. „Dafür gibt es mehrere Optionen“, sagt Semler. Angenommen ein Ehepaar hat bei der Bank gemeinsam den Kreditvertrag unterschrieben, haften beide für die volle Darlehenssumme.

  • Es muss ausgelotet werden, ob einer alleine die Darlehenssumme stemmen kann und dann eventuell die Immobilie alleine weiterbewohnt. In dem Fall muss der andere gegebenenfalls einen etwa im Ehevertrag vereinbarten Ausgleich bekommen – und zwar für die in der Vergangenheit auch von dem Ausziehenden geleisteten Kreditraten.
  • Ist die Kreditrate für den, der im Haus wohnen bleibt, höher als der Nutzungswert, muss der andere Partner für die Differenz zur Hälfte aufkommen.
  • Macht ein Ehegatte Unterhalt geltend, dann gibt es beispielsweise die Möglichkeit, dass der Unterhaltspflichtige die monatlichen Darlehensraten begleicht und im Gegenzug weniger Unterhalt zahlt.
  • „Eine andere mögliche Option ist, dass beide das Objekt behalten, es vermieten und aus dem Erlös daraus weiter die Kreditraten abbezahlen“, erläutert Semler.
  • Beide können auch die Immobilie veräußern und mit der erzielten Verkaufssumme das Darlehen auflösen. Aber aufgepasst: Steigt das Ex-Paar vorzeitig während der Zinsbindung aus dem Vertrag, verlangt die Bank in der Regel eine sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung – das kann richtig teuer werden.

Vorsorge für den Krankheitsfall

Ein Unfall oder eine schwere Krankheit – auch für solche Fälle sollten Bauherren und Immobilienkäufer Vorsorge treffen „Sinnvoll ist, sowohl das Objekt abzusichern als auch sich selbst und die Familie“, betont Semler.

  • Eine Restschuldversicherung: Eine solche Police übernimmt die monatlichen Raten, wenn der Hauptverdiener als einer der Kreditnehmer arbeitsunfähig wird oder stirbt. Eine Restschuldversicherung lohnt sich aber in aller Regel nur für größere Darlehen. „Bauherren und Immobilienkäufer sollten sich diesbezüglich beraten lassen und mehrere Angebote einholen“, empfiehlt Semler.
  • Eine Krankentagegeldversicherung: Für Angestellte ist die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall per Gesetz geregelt: Der Arbeitgeber zahlt in den ersten sechs Wochen der Erkrankung Lohn beziehungsweise Gehalt weiter. Anschließend erhalten Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) von ihrer Kasse ein Krankengeld, das im Schnitt bei etwa 70 bis 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens liegt. Das Krankengeld fließt maximal 78 Wochen. Wer dagegen privat krankenversichert ist, für den ist Krankengeld keine Regelleistung. Damit Privatversicherte nach Ablauf der sechs Wochen nicht ohne Einkünfte da stehen, macht der Abschluss einer Krankentagegeldversicherung als private Zusatzversicherung Sinn. Die genaue Höhe ist individuell vereinbar.
  • Eine Berufsunfähigkeitsversicherung: Im Falle einer Arbeitsunfähigkeit gibt es zwar die gesetzliche Erwerbsminderungsrente. Doch die reicht in aller Regel nicht aus, um den Lebensunterhalt zu finanzieren. Hier kommt die Berufsunfähigkeitsversicherung ins Spiel. Sie sichert das Einkommen, wenn der Versicherungsnehmer nach einem Unfall oder wegen Krankheit nicht mehr arbeiten kann. Der Nachteil: Ganz billig ist die Police nicht. Auch hier gilt: Immer mehrere Angebote einholen und miteinander vergleichen.

Vorsorge für den Todesfall

Der Hauptverdiener stirbt – und der hinterbliebene Partner kann mit seinem Einkommen allein die Kreditraten nicht stemmen. Damit in einem solchen Fall die Familie nicht auch noch in ein finanzielles Loch fällt, gibt es die Möglichkeit, eine Risikolebensversicherung abzuschließen. Dabei erhalten die Hinterbliebenen im Fall des Todes des Hauptverdieners einen festgelegten Betrag, die sogenannte Todesfallsumme. „Mit dem Geld sind die Hinterbliebenen dann in der Lage, das Darlehen zu tilgen“, sagt Semler. 

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (6)


Kommentare

Ralf

04.05.2019

Über 70 % wollen ein eigenes Eigenheim (lt. der obigen Umfrage) - na dann mal viel Spaß damit! Vor allem dann im höheren Alter als Rentner... Meiner Mutter hat es das Leben, aus Angst vor der finanziellen Zukunft in ihrem Haus gekostet, nachdem mein Vater gestorben war... Ihr Haus war inzwischen 40 Jahre alt und wie jeder weiß, kommen schon nach ca. 20 Jahren die ersten Reparatur- und Erhaltungsarbeiten. Wenig später fängt es dann mit den richtig teuren Sachen an: Neue Heizungsanlage, neue Fenster, größere Dachreparaturen, Schornsteinsanierung, Badsanierung, Fassadenarbeiten und viele andere "nette und preiswerte" Dinge mehr...! Ihr halbes Leben haben sich meine Eltern für das "tolle" Eigenheim krumm gemacht und sind daran mehrmals fast zerbrochen. Nachdem die Kinder aus dem Haus waren, war dann alles natürlich viel zu groß. Zu zweit haben sie in einem 5-Personenhaus gelebt, da sie im höheren Alter verständlicherweise ihre gewohnte Umgebung nicht mehr aufgeben wollten. Das Haus hatte u. a. irre hohe Heizkosten, da u. a. riesige Fenster bis zum Fußboden, im mittlerweile viel zu großen Wohnzimmer. Diese waren energetisch natürlich absolut nicht mehr auf der Höhe der Zeit, sondern aus den 1970er-Jahren... Weiterhin war das Haus natürlich (wie ja fast jedes, da man in jungen Jahren halt nicht gerne ans Altwerden denkt... ;-)) absolut nicht altersgerecht gebaut, sondern ging über vier Ebenen (Keller, Erdgeschoss, 1. Stock und ausgebautes Dachgeschoss). Der viel zu große Garten konnte aus Altersgründen nicht mehr selbst bewirtschaftet werden und musste altersgerecht umgestaltet werden (Kosten: über 15.000 €) und wurde dann fortan von einem "preiswerten" Gärtner gepflegt... Im Klartext: Eine Immobilie ist für mich zunächst mal eine Spardose ohne Boden! Wer im Alter dann noch über das nötige Kleingeld für den Unterhalt verfügt - bitteschön... Doch die wenigsten bedenken genau diesen, u. U. ruinösen, Kostenpunkt total! Und auch wenn das Geld vorhanden ist, hat man immer noch den Ärger und das Pfuschrisiko mit den Handwerkern an der Backe... Ich lebe zur Miete, habe jeden Monat meinen festen (und vor allem planbaren) Mietbetrag und wenn Reparaturen auftreten, informiere ich die Hausverwaltung und diese schicken umgehend den Hausmeister oder einen externen Handwerker auf eigene Rechnung und Risiko. Immobilieneigentum? NEVER!!


Oliver

03.05.2019

Kaufen ist immer Sinnvoll, wenn die finanzielle Grundlage stimmt. Bei vielen ist dies leider nicht der Fall und somit sollten Banken diese Menschen vor sich selber schützen.


Uwe

02.05.2019

Die Vorstellung vom "eigenen Heim" (Einfamilienhaus) ist eher Alptraum als Traum. Ich wohne zur Miete und habe ein Haus vermietet und will ein zweites jetzt zur Vermietung sanieren. Nur so kann man die Kosten der Häuser auch von der Steuer abziehen. Sonst ist Besitz häufig teuerer als Miete. Alte Häuser haben Verschleiß und neue haben häufig Pfusch, der später kostet. Die niedrigen Zinsen sind verführerisch, aber sie sind in den hohen Immobilienpreisen bereits "vom Markt" einkalkuliert. Also letztendlich gewinnt man nichts. Vor wenigen Jahren hat ein Quadratmeter in der Erstellung noch 1.700 EUR gekostet, heute liegen wir bei etwa 3.000 EUR. Und der Bauplatz kommt noch dazu. Immobilienbesitz ist zudem Arbeit: ständig verschärfte Bauvorschriften, die Geld kosten, und steigende Nebenkosten (z. B. Energie, Müllentsorgung) für die der Vermieter nichts kann, werden von den Mietern als steigende Mieten empfunden, selbst wenn die Mietsteigerung unter dem Inflationsausgleich geblieben ist. Zudem wird der Mieter populistisch gehätschelt und gepflegt. Wenn einer nicht bezahlt, dauet das Monate, bis man ihn herausbekommt und Tausende von Euros. Es gibt Mieter, bei denen kann man direkt alle Post an den Mieterschutzbund schicken. Deswegen Nebenkostenabrechnungen nur von darauf spezialisierten Firmen machen lassen und die Kosten auf die Mieter umlegen. Gefällt mir auch nicht, aber ich bin einmal hereingefallen mit "formalen Fehlern" der Nebenkostenabrechnung.
Also Immobilienbesitz: ja, als Geschäft. Ist mehr Arbeit als man zuerst denkt und bringt etwa 3 bis 4% Rendite auf das eingesetzte Kapital als Kleinstvermieter. Immobilienbesitz als Einfamilienhaus: nein!


Stephan

30.04.2019

Angesichts der niedrigen Zinsen ist es in vielen Gegenden heute günstiger als noch vor 10 Jahren (siehe "Vergleichsrechnung 2007 vs. 2017" auf SPON). Dies kann ich bestätigen. Ich habe für meine 10j. Hypothek noch 5,25% Zinsen zahlen müssen. Die habe ich daher schnell abgezahlt.


Karl

30.04.2019

Ich habe mir eine Eigentumswohnung gekauft, zum Glück ist alles schon abgezahlt.
Heute würde ich nicht mehr kaufen oder bauen. Das ist der beste Weg in den Ruin.


Ronni

29.04.2019

Heute noch kaufen oder bauen ist wie ins offene Messer laufen.