Baukindergeld

Für wen lohnt sich der staatliche Zuschuss zum Hauskauf? | 15.08.2018

Eigenheim mit Kind

© emholk - istock.com

Den Traum von den eigenen vier Wänden können sich viele Familien nicht leisten. Das soll sich bald ändern: Das Baukindergeld kommt noch in diesem Jahr, um Familien beim Bau oder Kauf der ersten eigenen Immobilie finanziell unter die Arme zu greifen.

Mit wie viel Geld können Familien rechnen?

Pro Kind und Jahr bekommen Familien 1.200 Euro Zuschuss. Das Baukindergeld wird dann zehn Jahre lang gezahlt. Die gute Nachricht: Zurückgezahlt werden muss es nicht.
 
Eine Beispielrechnung: Eine Familie mit einem Kind erhält pro Jahr 1.200 Euro. Insgesamt bekommt sie also in zehn Jahren 12.000 Euro vom Staat geschenkt. Bei einer Familie mit zwei Kindern sind es 24.000 Euro.

Wer bekommt überhaupt Baukindergeld?

So schön der Zuschuss auch klingt, nicht jeder kann vom Baukindergeld profitieren. Um es beantragen zu können, müssen Familien einige Voraussetzungen erfüllen. Hier ein Überblick:

  • Nur Familien mit mindestens einem Kind können Baukindergeld beantragen.
  • Familien dürfen zusammen maximal 75.000 Euro pro Jahr verdienen. Pro Kind kommen dann nochmal 15.000 Euro dazu. Also: Eine Familie mit einem Kind darf über ein zu versteuerndes Jahreseinkommen von bis zu 90 000 Euro verfügen, eine Familie mit zwei Kindern bis zu 105.000 Euro.
  • Das Baukindergeld gilt nur für Kauf- und Hausbauverträge, die zwischen dem 1. Januar 2018 und dem 31. Dezember 2020 abgeschlossen werden. „Den Zuschuss bekommen Familien auch rückwirkend zum 1. Januar“, erklärt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung.
  • Gefördert werden nur selbst genutzte Immobilien. Wer ein Haus kauft, um es dann wieder zu vermieten, kann nicht vom Baukindergeld profitieren.
  • Die Kinder der Familie müssen zum Zeitpunkt des Antrags unter 18 Jahre alt sein und selbst in dem Haus oder der Wohnung leben.

Wer alle Voraussetzungen erfüllt, kann das Baukindergeld bei der KfW-Bank beantragen. Aber Achtung: Noch werden keine Anträge entgegengenommen. „Bevor man den Zuschuss fest einplant, sollte man lieber noch warten, bis die Anträge vorliegen und man die einzelnen Förderbedingungen ganz genau kennt“, rät Florian Becker, Geschäftsführer des Bauherren-Schutzbund (BSB).

Was bringt Familien das Baukindergeld wirklich?

Mehrere Tausend Euro geschenkt zu bekommen, um sich den Traum von den eigenen vier Wänden zu verwirklichen: Das klingt erst einmal nach einer sehr guten Sache. Aber wo ist der Haken? „Wer knapp bei Kasse ist, kann sich trotz Baukindergeld kein Haus leisten“, sagt Finanzberater Herbst. Der Effekt sei einfach zu gering. Das Problem: Der Zuschuss wird nicht auf einmal gezahlt, sondern nach und nach in einem Zeitraum von zehn Jahren. „Das sind pro Kind 100 Euro im Monat. Eine Familie, die sich ein Haus kauft oder eins selbst baut, wird sich über diesen Betrag freuen. Aber der staatliche Zuschuss wird nicht finanzierungsentscheidend sein“, sagt Herbst.
 
Er rät: Lieber ein größeres und ein kleineres Darlehen abschließen als das Baukindergeld ausschließlich in ein einziges großes Darlehen fließen zu lassen. Denn wer das kleinere Darlehen so auslegt, dass es mit dem Baukindergeld nach zehn Jahren komplett getilgt ist, hat diesen Darlehensteil vom Staat finanziert bekommen. Auch Florian Becker vom BSB warnt vor voreiligen Entscheidungen: Jetzt nur zu bauen oder zu kaufen, weil es Förderung gibt, sei keine gute Idee. Durch die befristete Antragspflicht sollte sich niemand unter Druck setzen lassen.

Familien, die auf dem Land leben, profitieren am meisten

Gerade für Familien, die in Großstädten wie München oder Hamburg leben wollen, ist der Zuschuss im Vergleich zum Kaufpreis kaum der Rede wert. Denn: Eine familientaugliche Wohnung (mindestens 4-Zimmer, ab 80 Quadratmetern) kostete in München laut einer Berechnung von immowelt.de im vergangenen Jahr knapp 570.000 Euro inklusive Nebenkosten. Das Baukindergeld macht hier nur etwa 2% des Kaufpreises aus.
 
In ländlicheren Regionen der neuen Bundesländer könnte sich der Zuschuss aber lohnen: Hier kostete laut immowelt.de eine ähnliche Immobilie im Kyffhäuserkreis etwa 52.500 Euro. Der staatliche Zuschuss deckt damit fast 23% des Kaufpreises ab. Trotzdem gilt: „Ganz ohne eigenes Geld ist solide Baufinanzierung nicht gewährleistet“, sagt Becker. Am Ende müssen Familien die Entscheidung, ein Haus zu bauen oder zu kaufen, von vielen anderen Faktoren abhängig machen als nur von dem Baukindergeld.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (6)


Kommentare

Horst Bartussek

23.05.2019

Das Baukindergeld wird nach den neuesten Bestiimungen nicht gewährt, wenn die Tochter das Haus ihres Vaters kauft.


Michael

20.09.2018

Ein ganz entscheidender Punkt fehlt: Gefördert wird nur der Erwerb der ersten Wohnimmobilie. Wer sich also vergrößern will oder muss geht leer aus.


Opa

24.08.2018

Interessant. Muss das Haus in der BRD gebaut oder gekauft werden um in den Genuss des Baukindergelds zu kommen? Beim Kindergeld geht es ja auch auswärts ;-) ...


André

23.08.2018

Wer sich das Bauen / Kaufen eines Eigenheimes sowieso nicht leisten kann, dem verhilft das Baukindergeld auch nicht zur eigenen Immobilie. Also fallen wieder die Familien hinten runter, bei denen es eh schon finanziell knapp ist. Und den "wohlhabenden" verhilft es zur schnelleren Tilgung.


Steinbrecher

22.08.2018

Das ist doch wieder typisch ungerecht und verstößt gegen den Gleichheitsgrundsatz. Diejenigen, die genauso belastet sind, da sie bis 31.12.2017 ein Haus gebaut oder gekauft haben, gehen leer aus und haben auch künftig keine Chance auf eine solche staatliche Unterstützung. Wie ist die Meinung der Diba und der Verbände hierzu. Genauso ist es doch auch bei der Mütterrente: Die Mütter die weniger als 2 Kinder haben werden benachteiligt.


Dück

19.08.2018

Wird nur das erste Haus gefördert?
Oder bekomme ich auch förderung wenn ich ein altes Haus besitze und ein neues bauen möchte?