Pfusch am Bau

Mängel vermeiden: So sichern Hauskäufer sich ab

20150624_Baukosten_artikel

© stockWERK – Fotolia.com

Damit aus dem Traumhaus kein Albtraum wird, empfiehlt es sich, Mängeln so gut wie möglich vorzubeugen. Worauf Verbraucher beim Hausbau achten sollten, erfahren Sie hier.

Jeder zweite Bauherr beanstandet die Qualität seines Neubaus und fordert Nacharbeiten und Reparaturen. Das ist das Ergebnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag von Porsche Consulting. Können sich die Vertragspartner nicht einigen, entscheiden die Richter. Allerdings hat der Bundesgerichtshof (BGH) den Anspruch auf Schadensersatz von Hauskäufern begrenzt: Sind die Kosten für die Beseitigung eines Mangels unverhältnismäßig hoch, muss der Verkäufer maximal so viel zahlen, wie das Haus aufgrund des Mangels weniger wert ist. Deshalb kommt es für Käufer von Immobilien darauf an, sich vom Vertragsabschluss bis zur Abnahme bestmöglich abzusichern.

Unabhängige Baukontrolle spart Geld

Die Begleitung der Bauarbeiten durch einen unabhängigen Architekten oder Betreuer erspart mitunter viel Ärger und Geld. Durch die regelmäßige Kontrolle auf der Baustelle können Mängel frühzeitig erkannt und korrigiert werden. In der Regel kostet solch eine baubegleitende Kontrolle etwa 2.000 bis 4.000 Euro. Verbraucherzentralen raten zu dieser Investition. Denn bleiben Mängel zunächst unentdeckt, ist die Beseitigung mit enormen Kosten verbunden, die schnell fünfmal so hoch ausfallen können.

Hohe Abschlagszahlungen in der ersten Bauphase vermeiden

Von hohen Abschlagszahlungen in der ersten Bauphase ist abzuraten. Im Falle einer Insolvenz des Bauunternehmens würde der Bauträger einen Teil oder auch die gesamte Abschlagszahlung verlieren. Um bei etwaigen Mängeln Druck ausüben zu können, sollte man grundsätzlich nach Baufortschritt zahlen. Dabei wird zuvor der Preis jeder Bauleistung festgelegt und zu welchem Zeitpunkt Abschläge und Raten anfallen. Außerdem empfiehlt es sich, jeweils erst dann zu zahlen, wenn sichergestellt ist, dass der Bauabschnitt allen Vorstellungen entspricht.

Auf detaillierter Baubeschreibung bestehen

Vor Baubeginn sollte der Bauherr auf einer exakten Beschreibung aller Leistungen bestehen. Pfusch am Bau lässt sich so zwar nicht verhindern. Die bessere Kontrolle vermindert allerdings die Risiken. Die Baubeschreibung hält etwa alle Materialien und Produkte fest. Auch beinhaltet sie Anzahl, Größe und Platzierung der Fenster und Türen.
 
Generell ist darauf zu achten, dass der Zahlungsplan und die Baubeschreibung von einem Experten geprüft werden.

Nie auf die förmliche Bauabnahme verzichten

Die Hausabnahme sollte förmlich erfolgen und gründlich vorbereitet werden. Später ist die Beseitigung von Mängeln meist schwer durchzusetzen. Zwar beginnt nach der Bauabnahme die fünfjährige Gewährleistungspflicht für später auftretende Mängel, aber die Beweislast kehrt sich um: Der Bauherr muss nachweisen, dass die Mängel auf eine ungenügende Leistung des Bauunternehmers zurückzuführen sind. Kann er das nicht, muss die Baufirma auch nicht nachbessern. Vor der Abnahme liegt die Beweislast beim Bauunternehmen.



Ihre Meinung

Kommentare (4)


Kommentare

Mande

27.01.2016

Vor einiger Zeit hatten wir einen Treppenhaus-Vorbau am bestehenden Haus anbringen lassen.
Die Beton-Fundamente wurden innerhalb der früheren Baugrube des Hauses geschalt, also nicht auf gewachsenem Grund. Folge: Nach Ablauf von 2 Jahren zeigten sich Setzungen und Ablösung des neuen vom alten Baukörper. Weder der Architekt noch der Statiker, noch der Bauunternehmer zeigte sich für den Schaden verantwortlich. Ich als Bauherr hätte mit unvorhersehbarem Ausgang klagen müssen, wovon mir Rechtsanwälte abgeraten haben.
Meine Rechtschutzversicherung hat abgewunken, da solche Rechte, auch mit Vertrags- RS, nicht abgedeckt wären. Bitte aufpassen !!!


Martin Sigl

21.11.2015

Regelmäßige Überwachung aber auch der Wille zur Lösungsfindung und Kompromissen ist wichtig! Wir haben selbst gebaut ohne große Schwierigkeiten mit den Gewerken. Beim Bauen tauchen immer notwendige Klärungen/ Entscheidungen im Bauverlauf auf. Bitte immer 10-15% Budget für unvorhergesehenes einplanen!
Ich kenne auch Fälle, in denen Bauherren aufgrund zu hoher Erwartungen oder nachträglicher zusätzlicher Wünsche enttäuscht sind. Ein Mangel kann nur eine Abweichung von etwas sein, was man vorher gemeinsam explizit vereinbart hat. Und wenn in allen Gewerken keine 100% Leistung kommt, dann ist sonst wo etwas faul - da vermute ich zu hohe Erwartungen beim Bauherrn oder aber einen inkompetenten Planer / Architekten bzw. Generalunternehmer.


K.Donat

20.11.2015

Vertrauen ist gut sachgerechte Kontrolle ist besser.
Am besten täglich mit Fotos und Schriftverkehr.
Man sollte wissen was kontrolliert werden muss, dabei ist die VOB Verdingungsordnung für Bauleistung das A und O. Ein erfahrener Polier auf
Rente kann da sehr behilflich sein.


Marcel Riehn

20.11.2015

Ich habe vor etwa einem Jahr neu gebaut. Dabei hatte ich das Gefühl, das keines der Gewerke eine 100%ige Leistung abgegeben hat. Für 100% bezahlen = im besten Fall 80% Leistung erhalten. Sorgfalt und Mitdenken waren Fehlanzeige. Leider stößt man als Bauherr auch irgendwann an seine Grenzen und kann nicht alles selber machen... auch wenn man es gerne möchte.
Dies nur als Eindruck. Ich denke das es vielen Bauherren so ergangen ist bzw. ergehen wird.