Benzin – günstiger als 1965

Warum zu Ostern der Benzinpreis steigt und wir trotzdem weniger bezahlen als vor 50 Jahren I 27.03.2013

Zu Ostern steigt der Benzinpreis. Dieser Mechanismus scheint vielen Autofahrern so sicher wie das Amen in der Kirche. "Abzocke" wettert der Volksmund und weiß die Automobilclubs auf seiner Seite. Ein ganz normaler Preismechanismus, kontert Energieexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).
In eine ähnliche Kerbe schlägt das Branchenblatt EID. Dessen Analyse zufolge geraten Raffineriekapazitäten in den USA an ihre Grenzen, so dass die Vereinigten Staaten Benzin aus Europa importieren müssen. Zusammen mit der erhöhten Nachfrage innerhalb der Union führe das zu den bekannten Preissprüngen an der Zapfsäule. Dem Autofahrer dürfte egal sein, wer Recht hat. Ihn beschleicht das Gefühl, dass er immer tiefer ins Portemonnaie greifen muss – ganz unabhängig von Ostern. Dabei stimmt das gar nicht. In Wirklichkeit war Autofahren in den 1960er Jahren teurer als heutzutage. Hätten Sie's gewusst?

Infografik Benzinpreis-Artikel

5 Stunden Arbeit und der Tank ist voll

Des Rätsels Lösung liegt in der relativen Betrachtung der Benzinpreise, denn absolut betrachtet befindet sich der Preis aktuell auf einem höheren Niveau als 1965. Allerdings sind auch die Einkommen gestiegen, so dass der durchschnittliche Arbeitnehmer 1965 ca. 12 Stunden für eine Tankfüllung (50 Liter) arbeiten musste, sich eine identische Menge heutzutage schon in ca. 5 Stunden erarbeitet hat. (Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW)) Gänzlich unbeachtet bleibt dabei die Entwicklung beim Verbrauch der Fahrzeuge. Musste man 1965 noch mit 10 bis 15 Litern auf 100 Kilometer rechnen, begnügen sich aktuelle Fahrzeuge mit 5 bis 10 Litern. Abhängig von Modell und Fahrweise versteht sich.

Tipp: Mittags tanken

Wer regelmäßig tanken muss, mag einwenden, dass der Blick auf den Zähler heute schmerzt und nicht 1965. Abhilfe kann schaffen, wer die Fahrt zur Tanke von der Uhrzeit abhängig machen kann. Denn die Tageszeit spielt durchaus eine Rolle. Der Berufsverkehr und Nachtzeiten ab 21 Uhr treiben den Preis. Die Wahrscheinlichkeit, günstig aufzutanken, ist mittags am höchsten.


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