Baufinanzierung

So läuft ein seriöses Beratungsgespräch ab │12.08.2019

Seriöses Beratungsgespräch

Von einem Eigenheim träumen viele. Aber ist das überhaupt bezahlbar? Seriöse Berater helfen, eine Baufinanzierung für Ihren individuellen Fall auszuloten. Doch woran erkennen Verbraucher ein gut geführtes Beratungsgespräch?

Status des Beraters klären

Bevor es ans Bauen oder an die Objektsuche geht, ist erst einmal Rechnen angesagt – am besten mit einem kundigen Berater an Ihrer Seite. Einen solchen finden Sie entweder direkt bei Anbietern von Baufinanzierungsprodukten, etwa Banken, oder sie gehen zu externen, meist freien Finanzberatern. Auch die Internetseite www.mein-baufinanzierungsberater.de bietet einen bundesweiten Überblick zu ausgewählten Baufinanzierungsberatern. Wichtig für die richtige Wahl: Die Bezeichnung „Finanzberater“ ist nicht geschützt. Jeder mit einem Gewerbeschein darf sich so nennen. Wer sicher sein möchte, dass er es mit einem Baufinanzierungs-Experten zu tun hat, sollte sich die Erlaubnis nach § 34 i GewO als Sachkundenachweis zeigen lassen. Außerdem: „Der Berater steht in der Pflicht zu klären, ob er bestimmte Finanzprodukte vermitteln will oder ob er unabhängig berät“, erklärt Iris Zajusch, Geschäftsführerin der Finanzberatung optimum rating GmbH und Mitglied im Vorstand des Bundesverbands Finanz-Planer. Dies sollte der Berater dem Ratsuchenden vor dem ersten Gespräch schriftlich mitteilen.

Unterlagen zusammenstellen

Sie haben einen Berater für die Immobilienfinanzierung gefunden und das erste Treffen steht an: Dass Sie an einen guten geraten sind, erkennen Sie daran, dass Ihr Berater Sie darauf hinweist, welche Informationen über das Bauvorhaben und wichtigen Unterlagen Sie für das Treffen benötigen. Gleiches gilt für eine Aufstellung der Einnahmen und Ausgaben sowie des vorhandenen Vermögens. „Auf dieser Basis kann sich der Berater ein realistisches Bild von der finanziellen Lage des potentiellen Kreditnehmers machen“, sagt Zajusch.

Ziele und Wünsche herausarbeiten

In welcher Lebenssituation sind Sie und welche Wünsche oder Ziele haben Sie in Bezug auf die Immobilie? Je mehr Details der Berater erfragt, desto besser kann er sich ein Bild von Ihnen und Ihren Plänen machen – und desto passendere Vorschläge unterbreiten. „Im Laufe des Gesprächs muss deutlich sein, dass es um die Ziele und Wünsche des Ratsuchenden geht, nicht um Produkte“, betont Zajusch.

Finanzielle Situation analysieren

Ein guter Berater geht mit Ihnen Ihre kompletten Einnahmen und Ausgaben durch. Er fragt beispielsweise nach laufenden Krediten, Sparguthaben und Aktien. Auch erkundigt er sich nach anstehenden Geldeingängen wie beispielsweise Bonuszahlungen oder Schenkungen. Gegebenenfalls gibt es zu Ihrem Vorhaben Förderprogramme, beispielsweise eine KfW-Förderung oder regionale Förderprogramme durch die Bundesländer. „Über diesen speziellen Aspekt sollte Ihr Berater Auskunft geben können, sonst verschenken Sie unter Umständen viel Geld“, stellt Zajusch klar.

Zinsfrage ausloten

Um Ihnen ein Angebot für eine Bau- oder Immobilienfinanzierung unterbreiten zu können, sollte Ihr Baufinanzierungsberater ausloten, welche Zinsbindung Ihnen wichtig ist. Möchten Sie sich das niedrige Zinsniveau lange sichern, zum Beispiel auf 20 oder 30 Jahre? Für diese Sicherheit zahlen Sie einen Aufschlag. Oder setzen Sie auf einen niedrigen Zins und gehen davon aus, eine Anschlussfinanzierung ebenfalls zu günstigen Konditionen zu bekommen? Dann könnte der Kredit zunächst günstiger sein. So oder so sollte ein Berater das Zinsänderungsrisiko im Blick haben und Ihnen die möglichen Folgen aufzeigen.

Realistische Vorschläge unterbreiten und erläutern

Der Berater unterbreitet Ihnen nun Vorschläge, wie Ihre Bau- oder Immobilienfinanzierung aussehen könnte. Wichtig ist hier: „Die Kosten und die monatliche Kreditrate sollten transparent und übersichtlich aufgelistet sein“, sagt Zajusch. Lassen Sie sich jeden Punkt erläutern. Ebenfalls wichtig sind Hinweise auf einmalige Nebenkosten wie beispielsweise Gebühren für den Notar und für den Grundbucheintrag.

Zukunftsszenarien durchspielen

Fähige und seriöse Berater besprechen mit Ihnen, wie hoch Ihre Schulden sind, wenn das Darlehen ausgelaufen ist. Er zeigt Ihnen zudem auf, ab wann Sie schuldenfrei wären. Ideal ist es, wenn Ihr Berater Ihnen einen Tilgungsplan erstellt. Lassen Sie sich erläutern, ob Sie Zahlungen aussetzen können, beispielsweise im Fall von Arbeitslosigkeit oder langer Krankheit. Ebenfalls wichtig: Sind Optionen wie eine vertraglich vereinbarte Sondertilgung oder ein Tilgungssatzwechsel möglich, um während der Darlehenslaufzeit flexibel zu bleiben? Sie können dadurch Einfluss auf die Gesamtlaufzeit und Ratenhöhe nehmen, um auf Veränderungen der Lebenssituation zu reagieren.

Über Risiken aufklären

Schwere Unwetter können ein in der Bauphase befindliches Haus beschädigen oder verwüsten, damit droht die Baufinanzierung ins Wanken zu geraten. Gleiches gilt, wenn ein Paar einen Kredit aufnimmt und einer aufgrund von Arbeitslosigkeit längere Zeit nicht arbeiten kann. Der fehlende Verdienst führt womöglich dazu, dass das Paar nicht mehr in der Lage ist, die Kreditraten zu stemmen. „Auf solche Risiken muss der Berater hinweisen“, sagt Zajusch.

Angebot über Zusatzabsicherungen unterbreiten

Haben Sie einen guten Berater, zeigt dieser Ihnen die Risiken nicht bloß auf, sondern bietet Ihnen Lösungen an. Das können etwa zusätzliche Versicherungen sein. Sinnvoll ist zum Beispiel eine Darlehensabsicherung. Diese Police übernimmt im Fall eines Jobverlusts für einen bestimmten Zeitraum die Darlehensrate ganz oder teilweise. Besonders wichtig ist es, sich für den Todesfall abzusichern. Damit minimiert sich für die Hinterbliebenen das Risiko, durch den Tod eines Darlehensnehmers die laufenden Raten nicht mehr tragen zu können. Fällt jemand in eine unbeleuchtete Baugrube, muss der Bauherr für die Folgekosten des Unfalls aufkommen. Gut, wenn der Bauherr für einen solchen Fall eine Bauherren-Haftpflichtversicherung besitzt. Ebenfalls wichtig: Eine Bauleistungsversicherung. Sie kommt für Schäden auf, die durch Unwetter am Roh- und Neubau entstehen. Als Häuslebauer benötigen Sie außerdem eine Wohngebäudeversicherung. Die Feuerversicherung für den Rohbau ist meistens beitragsfrei mitversichert.

Empfehlungen ausstellen

Wie bei der Anlageberatung müssen Berater seit Inkrafttreten der Wohnimmobilienkreditrichtlinie auch bei der Immobilienfinanzierung ein Beratungsprotokoll erstellen. Lassen Sie sich die schriftlichen Empfehlungen Ihres Beraters aushändigen, um die Angebote in Ruhe zu Hause zu prüfen.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (3)


Kommentare

Der Klaus

15.08.2019

Letztens haben wir uns zwecks eine Neubauprojektes beraten lassen.
Da ich und meine Gattin noch recht jung sind und keine Kinder vorhanden sind, wollten wir uns auch in Hinblick auf die Zukunft, ein größeres Haus bauen lassen.

Doch komischerweise kam der beauftragte Architekt und der Bauträger mit den Begriffen Spielzimmer etc nicht so recht klar...


Hans

13.08.2019

Im Finanzwesen wird man nicht wirklich aufgeklärt und es fehlen immer Praxisbeispiele. Die alles komplett durchspielen, wie mit Steuer, ohne Steuer, Kauf / Verkauf, etc.
Klar, kann man z.B. bei den Anlagen nie sagen was am Ende raus kommt, wer das kann ist ein Hellseher!

Aber eines sollte jeder bei Geldanlage wissen, bei jeder Geldanlage kann man alles verlieren, etwas gewinnen oder viel gewinnen - aber richtig reich wird man nur durch Zufall (siehe Amazon, Facebook, sonstige Aktien die hoch geschnellt sind im Laufe der Jahre - WAS MAN VORHER JA NICHT WUSSTE).

Und man verliert immer Geld, ob Inflation!!! Steuern!!! Betrug!!! etc.
Frage ist nur wie viel.


Realist

12.08.2019

entweder man hat die Mäuse im Sparstrumpf -- oder man lässt es bleiben
*
bei einem Kollegen versuchte der Kreditgeber 2 mal den Kredit an Wucherbanditen zu verkaufen - der Kampf dagegen hat meinem Kollegen ganz schön Nerven gekostet