Berufstätige Eltern

Was tun, wenn das Kind krank ist? | 19.03.2018

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Viele kennen das Problem: Das Kind wird kurzfristig krank, doch beide Eltern müssen zur Arbeit. Zum Glück gibt es für solche Fälle gesetzliche Regelungen. Alle Rechte und Pflichten von berufstätigen Eltern im Überblick.

Husten, Fieber und die Nase läuft – wenn das Kind krank wird und Familie oder Freunde nicht einspringen können, bleibt nur eine Möglichkeit: Ein Elternteil muss zu Hause bleiben oder früher von der Arbeit gehen. Laut Paragraph 45 des Sozialgesetzbuches dürfen sich Eltern, die gesetzlich krankenversichert sind, jeweils zehn Tage pro Kind und pro Jahr freistellen lassen. Alleinerziehenden stehen 20 Tage zu. „Bei Ehepaaren mit mehreren Kindern erhöht sich die Zahl der Tage auf maximal 25 Tage pro Elternteil und auf 50 Tage bei Alleinerziehenden“, erklärt Dr. Gabriele Hußlein-Stich, Fachanwältin für Arbeitsrecht in Nürnberg und Vizepräsidentin des Verbands deutscher Arbeitsrechtsanwälte.

Bei privatversicherten Eltern hingegen sieht die Sache düster aus: Sie haben keinen Freistellungsanspruch und müssen im Zweifel unbezahlten Urlaub nehmen. Alternativ können Privatversicherte sonst nur versuchen, Mehrarbeitsstunden als Freizeitausgleich anrechnen zu lassen. In beiden Fällen rät Hußlein-Stich dazu, den Arbeitgeber unverzüglich zu informieren und ein Attest zu schicken: „Man ist auf der sicheren Seite, wenn man ein ärztliches Attest vorlegen kann.“

Die Krankheitstage sind aufgebraucht – was nun?

Acht bis 12 Infekte pro Jahr sind laut Medizinern bei Kleinkindern normal. Wenn ein Elternteil nun noch Freistellungstage über, aber keine Möglichkeit hat, die Betreuung zu übernehmen, können diese oftmals auf das Konto des anderen Elternteils übertragen werden. Doch was, wenn das gesamte Kontingent erschöpft ist? Einfach vom Arzt selbst krankschreiben lassen? „Auf keinen Fall, das wäre Betrug“, warnt Rechtsanwältin Hußlein-Stich. Im schlimmsten Fall könne das zu einer Kündigung führen. „Es gibt bestimmt noch die Möglichkeit, Urlaub zu beantragen oder von zu Hause zu arbeiten.“ Geht auch das nicht, können gesetzlich versicherte Eltern – wie Privatversicherte – versuchen, unbezahlten Urlaub mit dem Arbeitgeber auszuhandeln oder durch Überstunden freizubekommen.

Gut zu wissen: In vielen Städten gibt es Notfall-Stellen oder Vereine, deren Betreuerinnen und Betreuer direkt nach Hause kommen und sich um das kranke Kind kümmern. Diese Sonderkosten können anschließend bei der Steuer abgesetzt werden. Häufig beteiligen sich aber auch Arbeitgeber an den Kosten – schließlich ist es in ihrem Interesse, dass Sie nicht fehlen.

Und wer zahlt den Arbeitsausfall?

Eine Freistellung bedeutet keine automatische Lohnfortzahlung. Zwar gilt laut Paragraph 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs, dass Arbeitnehmer einen Anspruch auf bezahlte Freistellung haben, sofern sie unverschuldet verhindert sind. Auch zahlen die meisten Arbeitgeber das Gehalt bei einer kurzzeitigen Arbeitsverhinderung von etwa fünf Tagen fort. Eine gesetzliche Pflicht ist das allerdings nicht. Zudem haben Arbeitgeber die Möglichkeit, sich dieser Verantwortung vertraglich zu entziehen, indem sie den Paragraphen ausschließen. Das ist laut Hußlein-Stich häufig der Fall. „Sofern der Anspruch aber nicht im Arbeitsvertrag ausgeschlossen ist, sollten Sie versuchen, durch Bezug auf den Paragraph 616, eine Entgeltfortzahlung des Arbeitgebers zu erlangen“, rät Rechtsanwältin.

Eltern sollten die Klauseln ihres Arbeitsvertrages noch aus einem anderen Grund genau checken. Ist der Paragraph 616 des BGB im Arbeitsvertrag ausgeschlossen, gilt: „Der Chef kann verlangen, dass die fehlende Zeit nachgearbeitet wird“, sagt Hußlein-Stich.

Achtung: Wenn der Anspruch etwa durch ein ärztliches Attest nicht beweisbar ist und Eltern erscheinen dennoch nicht zur Arbeit, könnte dies als unentschuldigtes Fehlen gewertet werden. Die Folge? Nach entsprechenden Abmahnungen und Folgeverstößen droht im schlimmsten Fall die Kündigung.

Lohnfortzahlung auch durch Kinderkrankengeld

Hat der Arbeitgeber sich für den Ausschluss von Paragraph 616 des BGB entschieden, dieser greift gar nicht erst oder aber das Kind ist länger krank, als die bezahlte Freistellung gilt, haben Eltern noch eine andere Möglichkeit an Geld zu gelangen: „Bei Arbeitnehmern, die gesetzlich krankenversichert sind, besteht die Möglichkeit, sich über die Krankenkasse Kinderkrankengeld zu holen. Die Höhe beträgt 70 Prozent des Bruttoarbeitsentgelts, höchstens jedoch 90 Prozent des Nettogehalts“, informiert die Anwältin. Um die Leistung zu bekommen, ist ein Attest des Kinderarztes notwendig.

Vorsicht: Anspruch auf das Kinderkrankengeld haben Eltern nur, wenn das erkrankte Kind maximal zwölf Jahre alt ist. Krank werden natürlich auch noch ältere Kinder. Dann gilt zunächst einmal: Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber. Vielleicht zeigt sich dieser kulant und lässt sie etwa Überstunden abbauen, Urlaub einreichen, Homeoffice machen oder er stellt Sie einfach so frei. Klappt all das nicht, gibt es immer noch die Notfall-Stellen.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (3)


Kommentare

Master Ba.

29.03.2018

Im Text steht, dass 8-12 Infekte pro Jahr normal sind. Das halte ich für groben Unfug. Wenn mein Kind fast jeden Monat krank ist, dann läuft aber ganz gewaltig was schief.


ING-DiBa

28.03.2018

Hallo RabenMutter, vielen Dank für Ihre Frage. Freiwillig versicherte Eltern, wie Freiberufler, die einen Tarif ohne Krankentagegeldversicherung gewählt haben, haben keinen Anspruch auf Kinder-Krankengeld. Daher ist es sinnvoll, sich bei der jeweiligen Krankenkasse nach diesem Wahltarif zu erkundigen. Die Rahmenbedingungen, ob das Kinderkrankengeld dann schließlich dem Selbstständigen zusteht, sind die gleichen, wie bei gesetzlich versicherten Eltern. Allerdings dürfen in dem Krankheitszeitraum keine Honorarzahlungen geleistet werden. Wir hoffen damit wurden alle Unklarheiten geklärt. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


RabenMutter

27.03.2018

Guten Tag,
oben wird nur unterschieden zwischen "gesetzlich versicherten" und "privat versicherten" Eltertern. Was ist jedoch mit "freiwillig versichertenen" Eltern - also solchen Eltern, die zwar mehr als die Beitragsbemessunggrenze verdienen, trotzdem aber noch in einer gesetzlichen Krankenkasse freiwillig versichert sind. Welche der beiden Regeln trifft auf diese Gruppe zu?