Tipps zum Carsharing

Für wen lohnt es sich wirklich? | 17.11.2017

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Die Idee klingt überzeugend: Warum fürs eigene Auto zahlen, wenn es die meiste Zeit in der Garage oder vor dem Haus steht? Bis zu 23 Stunden, so wird allgemein angenommen, steht ein privater Wagen ungenutzt pro Tag. Carsharing kann da eine Alternative sein. Einer Studie der ING-DiBa zufolge kann sich jeder dritte Deutsche bereits für Autoleihen im Allgemeinen begeistern. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich auf Platz drei der Leihwilligen, direkt hinter Italien und Spanien. Geht es um das eigene Auto, ist die Bereitschaft mit 20 Prozent zwar etwas weniger ausgeprägt. Aktiv genutzt werden die Leihangebote, egal ob privat oder kommerziell, dennoch bereits von sieben Prozent der deutschen Autofahrer.

Für wen lohnt sich Carsharing?

Carsharing hat in den letzten Jahren einen starken Bedeutungszuwachs erfahren. Es stellt für Wenigfahrer, die nicht mehr als 7.500 km pro Jahr mit dem Autor zurücklegen, die überwiegend den ÖPNV benutzen, die bei der Fahrzeugwahl flexibel sein möchten und für diejenigen, die häufig auf kurzen Strecken unterwegs sind, eine Alternative zum eigenen Pkw dar. Das bietet dem Automobil-Club ADAC zufolge somit insbesondere Großstädtern die Möglichkeit für einen Umstieg auf das „Autoteilen“. Denn dort stehe meist ein gut ausgebautes öffentliches Nahverkehrssystem zur Verfügung und viele Strecken könnten zudem gut mit dem Fahrrad zurückgelegt werden.

Und auch für Familien, die aus Kostengründen auf einen Zweit- oder Drittwagen verzichten müssen, ist Carsharing interessant. Experten von Stiftung Warentest, ADAC und Finanztip zufolge verursacht ein eigener Kleinwagen bei 5.000 gefahrenen Kilometern pro Jahr Kosten um die 250 Euro pro Monat (inkl. Wertverlust). Für einen vergleichbaren Carsharing-Wagen muss man hingegen mit nur rund 150 Euro im Monat kalkulieren. Davon überzeugt sind bereits 1,7 Millionen Nutzer, die sich nach Angaben des Bundesverbandes CarSharing (bcs) in Deutschland 17.200 Fahrzeuge teilen.

Buchen und abholen ist ganz einfach

Anbieter wie Car2Go, Flinkster oder DriveNow gibt es mittlerweile in vielen deutschen Großstädten. Doch wie funktioniert das eigentlich? „Kunden schließen mit dem Anbieter bei der Anmeldung einen Rahmenvertrag“, erklärt Gunnar Nehrke vom bcs. „Danach können sie alle Fahrzeuge des Anbieters rund um die Uhr selbstständig nutzen.“ Bei den stationsbasierten Anbietern (zum Beispiel stadtmobil, cambio, Flinkster) kann ein Fahrzeug für die Zukunft oder sofort gebucht werden. DriveNow und car2go lassen nur spontane Buchungen mit einer Reservierungszeit von maximal 30 Minuten zu. Gestartet werden die Teilzeit-Autos meist mit dem Handy und einem Code. Gängig ist ebenso eine Chipkarte, die man nach der Registrierung direkt vom Anbieter bekommt. Einige Unternehmen arbeiten auch mit einem kleinen Tresor in Parkplatznähe in denen sich die Autoschlüssel befinden. Zugang garantiert eine PIN, ähnlich wie bei der EC-Karte.

Die verschiedenen Carsharing-Modelle im Überblick

  • Einige Anbieter haben feste Stationen, an denen die Autos stehen, deshalb spricht man hier von „stationsbasiertem Carsharing“. Die Fahrzeuge müssen dort abgeholt und nach Fahrtende auch wieder abgestellt werden. Der Vorteil: Das nächste freie Fahrzeug muss nicht gesucht werden und bei Rückkehr steht ein reservierter Parkplatz zur Verfügung. Gerade in Großstädten kann das Gold wert sein.
  • Beim sogenannten „Free-floating-Carsharing“ parken die Autos dagegen in einem festgelegten Gebiet einfach am Straßenrand. Online, z.B. per Smartphone App, erfährt man, wo in der Nähe gerade ein Pkw verfügbar ist. Nach der Benutzung kann der Wagen an einem beliebigen Ort wieder abgestellt werden. Das ist praktisch, da man so im Zweifel direkt vor der eigenen Haustür parken kann. Über die Metasuche Free2Move werden Nutzern per App buchbare Autos und Roller von allen verfügbaren Carsharing-Unternehmen angezeigt.
  • Bei dem privaten Carsharing-Modell gibt es wiederum zwei Varianten: Entweder leiht sich der Nutzer dabei ein Auto von Unbekannten über eine Online-Plattform, etwa Drivy oder Drive-CarSharing. Diese regelt dann die Bezahlung sowie die Schlüsselübergabe. Bietet man dort selbst seinen PKW an, sollte man darauf achten, dass der Plattformbetreiber eine zusätzliche Versicherung abschließt, damit sich ein Unfall gegebenenfalls nicht negativ auf die Schadenklasse des PKW-Eigentümers auswirkt. Oder aber man teilt sich ein Auto im Freundes- oder Familienkreis, das sollte man unbedingt vorher der Kfz-Haftpflichtversicherung melden. Bei einem festen Nutzerkreis empfiehlt sich ein sogenannter Nachbarschaftsvertrag.

Die Kosten variieren stark

Die Kosten beim Carsharing unterscheiden sich je nach Modell. „Für eine Autostunde werden beim stationären Carsharing zwischen drei und acht Euro fällig, bei Free-Floating-Fahrzeugen hingegen sind es zwischen 15 und 20 Euro“, sagt Gunnar Nehrke vom bcs. Bei stationsbasierten Anbietern wird meist nach der Dauer der Nutzung und der gefahrenen Kilometerzahl abgerechnet, bei Free-floating-Anbietern nur nach Minuten. Der Sprit ist immer inklusive. Müssen Sie tanken, übernimmt der Anbieter die Kosten. Einige Unternehmen verlangen zusätzlich eine Aufnahmegebühr zwischen 15 und 30 Euro. Andere Anbieter nehmen einen monatlichen Beitrag zwischen zwei und sieben Euro. Manchmal werde auch beides fällig, erklärt Nehrke.

Tipp: Die Kosten für Carsharing können unter bestimmten Voraussetzungen steuerlich geltend gemacht werden – nämlich dann, wenn sie beruflich veranlasst sind. Arbeitnehmern können die Ausgaben und auch die Anmeldegebühren als Werbungskosten in der Einkommensteuererklärung angeben. Die Voraussetzung: Der Arbeitgeber hat diese nicht erstattet.

5 Fragen, die Sie sich beim Charsharing stellen sollten:

Welcher Service wird bei einer eventuellen Panne angeboten, welche Selbstbeteiligung fällt an?

Bei der Selbstbeteiligung könnten nach Angaben des bcs je nach Anbieter zwischen 500 und 1.500 Euro fällig werden. Die Betreiber böten allerdings zumeist Schutzpakete an, mit denen sich die Selbstbeteiligung reduzieren lässt. „Gerade für Personen, die selten Auto fahren und wenig Fahrpraxis haben, ist ein solches Schutzpaket sinnvoll“, erklärt Gunnar Nehrke. Die Pakete reduzieren die Selbstbeteiligung meist so stark, dass sie sich im Fall der Fälle schnell rechnen.

Haben Sie genau hingesehen?

Ähnlich wie beim Mietwagen gilt auch beim Carsharing: Vor dem Start sollten Sie das Fahrzeug immer auf Schäden untersuchen und das Bordbuch überprüfen. Ist ein Schaden nicht gemeldet, sollten Sie das vor Fahrtantritt nachholen.

Können Sie rund um die Uhr die Autos buchen und stornieren?

Wer telefonisch bucht, sollte prüfen, ob die Buchungszentrale Tag und Nacht erreichbar ist.

Sie teilen am liebsten mit Freunden?

Wenn Sie sich nicht an ein Unternehmen binden und lieber mit Freunden und Kollegen einen gemeinsamen Wagen teilen möchten, sind klare Absprachen empfehlenswert. Musterverträge, die Organisations- und Versicherungsfragen regeln, gibt es u. a. beim Verkehrsclub Deutschland.

Und was mache ich in meinem Sommerurlaub?

Für mehrtägige Fahrten sind klassische Mietwagen oftmals die günstigere Alternative. Es gibt aber auch Carsharing-Fahrzeuge, die für weite Fahrten geeignet sind. Free-floating-Fahrzeuge dagegen eignen sich eher für innerstädtische Kurzfahrten. Geschickt kombiniert können die verschiedenen Angebote den eigenen Wagen in jeder Lebenslage ersetzen – und obendrein Geldbeutel und Umwelt schonen.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (3)


Kommentare

G

22.11.2017

Hat schon mal jemand eine Vergleichsrechnung Taxi-CS für typische innerstädtische Kurzstreckensituationen durchgerechnet? Bei den im Artikel genannten 15-20EUR/h + der Haftungsrisiken (s. Komentare) + Fahrzeugverfügbarkeit / Wegezeit zum Fahrzeug könnte das spannend werden...


Max

21.11.2017

Kann ich meinem vorredner nur zustimmen, brauche auch gewisse Sachen permanent im Auto. Carsharing gerne, wenn kein anderer das Auto benutzen würde und man selber über alles entscheiden darf. Gleiches Prinzip wie mit der Bahn, an sich super, wenn die anderen Leute nicht drin wären.

Ansonsten find ich es eine gute Idee für Menschen die dauerhaft kein Auto brauchen, bspw. welche aus der Innenstadt, aber für jeden anderen, in ländlichen Regionen oder Außenbezirken wohnen definitiv keine Option.


notting

18.11.2017

Was im Artikel völlig fehlt: Man sollte schauen wieviele Autos der Anbieter in der gewünschten Gegend überhaupt hat. Manchmal sind's nur 1-2 und die sind dann gerne gut ausgebucht. Teilweise gibt's sogar Vereinbarungen z. B. mit der Stadtverwaltung, dass mind. 1 Auto tagsüber exklusiv für selbige ist.

Ich hasse Mietwagen generell, weil ich immer wieder div. Kleinkram brauche der dort fehlt bzw. nicht jedes Mal alles umräumen will. Taschenlampe wenn man z. B. im Dunkeln in den Motorraum kucken muss? Arbeitshandschuhe wenn irgendwelcher Dreck im Weg liegt den man wegräumen sollte, z. B. nach Unfall etc.? Pustekuchen!
Auch werden einem gerne Mal Schäden teuer in Rechnung gestellt, die man am eigenen Auto garnicht reparieren hätte lassen.
Desweiteren ist es schwer Fahrzeuge mit Anhängerkupplung zu bekommen. Kenne auch div. Leute, die große Probleme haben ein Auto zu finden, wo sie gleichzeitig vernünftig an die Pedale kommen und über's Amaturenbrett schauen können.

Einem Bekannten von mir wurden mal viele 100EUR in Rechnung gestellt, weil der CS-Anbieter die Autos nicht vernünftig gewartet hat (bzw. Vorbenutzer die Kiste wohl soweit kaputtgequält haben, dass als mein Bekannter gerade am Zwischenziel angekommen war das Auto überhaupt nicht mehr fuhr). Ihm wurde dann erstmal unterstellt, dass er das Auto kaputtgemacht hätte. Nur weil er mich zufällig als Zeugen hatte (das Problem wurde recht schnell immer schlimmer, aber keine Warnlampe) weil er ausnahmsweise jmd. zum Tragen helfen brauchte und er mit Anwalt gedroht hatte, musste er "immerhin" nicht die Rechnung zahlen. Der Schaden der ihm entstanden ist weil er deswegen Bekannte aktivieren musste etc. wurde ihm nicht erstattet :-(

notting