Chancen in der Krise

Diese Entwicklungen begünstigt die Corona-Pandemie | 06.08.2020

Rezession vor der Tür?

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Das erste Halbjahr 2020 war gekennzeichnet von der weltweiten Verbreitung des Coronavirus. Noch immer sind viele Länder davon betroffen, insbesondere in den USA hat sich die Dynamik der Ausbreitung nach ersten Lockerungen wieder beschleunigt. An einem Impfstoff gegen das Virus, der eine Rückkehr zu Normalität ermöglichen soll, wird weiterhin mit Hochdruck geforscht.

Die Welt wird digitaler

Doch selbst wenn es einen Impfstoff geben sollte, wird es eine neue Normalität sein, die sich in einigen Bereichen von der Situation vor Corona unterscheidet. Denn bestimmte Trends und Entwicklungen, die sich bereits vor der Pandemie abzeichneten, wurden durch diese beschleunigt. Zu allererst ist hier die Digitalisierung zu nennen. Zur Eindämmung des Virus ergriffen Politik und Wirtschaft zahlreiche Schutzmaßnahmen. Diese brachten es mit sich, dass viele Arbeitnehmer quasi über Nacht aus dem Homeoffice arbeiteten. Die Vorzüge daran, Einkäufe bequem von zu Hause aus zu erledigen, Essen online zu bestellen und sich alles kontaktlos liefern zu lassen, entdeckten im Zuge des Lockdowns immer mehr Verbraucher. Auch von der Möglichkeit bargeldlos zu bezahlen wurde – zwecks Reduzierung des körperlichen Kontakts – stark Gebrauch gemacht. Etwaige Berührungsängste mit der digitalen Welt mussten zwangsläufig abgebaut werden, sodass die Corona-Krise in diesem Zusammenhang als Trendbeschleuniger angesehen werden kann.

Gerade bei den Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung kann davon ausgegangen werden, dass diese nach der Corona-Krise Bestand haben. Zum einen besteht die latente Gefahr, dass eine Pandemie die Menschen in Zukunft erneut in häusliche Quarantäne zwingt. Zum anderen bieten beispielsweise der Online-Handel, Lieferdienste und die digitale Vernetzung auch im Hinblick auf den demografischen Wandel Vorzüge. Gerade für ältere Menschen stellt die Möglichkeit, Teile des Lebens online zu organisieren eine Erleichterung dar – sofern die jeweiligen Anwendungen benutzerfreundlich und leicht verständlich sind.

Welchen Branchen bieten sich Perspektiven?

Für Anleger ist in diesem Zusammenhang die Frage von Interesse, welche Branchen gestärkt aus der Corona-Krise hervorgehen. Hier sind zunächst solche Unternehmen zu nennen, deren Produkte oder Dienstleistungen bereits vor Corona gefragt waren und bei denen sich dieser Trend durch die Pandemie nochmals verstärkte. Aus Sicht der Verbraucher zählt hierzu der Online-Versandhandel ebenso wie Firmen, die über ihre Online-Plattformen Dienste verschiedener Arten anbieten. Man denke nur an die Lieferung des frisch zubereiteten Lieblingsgerichts oder der dafür benötigten Zutaten – für alle, die gern selber kochen. Beim Streamen der neuesten Filme und Serien kann ebenso auf Plattformlösungen verschiedener Unternehmen aus der Medienbranche zurückgegriffen werden, wie für das Anmieten einer Ferienwohnung oder die Inanspruchnahme von Mobilitätsdienstleistung, z. B. der Buchung einer Mitfahrgelegenheit. Auch die Bezahlung erfolgt immer öfter online, was den Firmen, die mit der Abwicklung der Zahlungsdienstleistungen betraut sind, entsprechende Wachstumsperspektiven verspricht.

Eine anhaltende Nachfrage aus der Wirtschaft dürften zudem die Dienste der Anbieter von Software für Webkonferenzen, von Lösungen zur Fernwartung von Computern und IT-Infrastruktur sowie von Anwendungen zur Datenanalyse erfahren. Ebenso wird der Einsatz von Robotern und durch Künstliche Intelligenz gesteuerter Maschinen in der Produktion weiter voranschreiten.

Gesundheit und saubere Energie sind Themen mit Zukunft

Aber auch abseits von Digitalisierung und dem Internet der Dinge gibt es Branchen, die durch die jüngsten Entwicklungen begünstigt werden. So zum Beispiel die Hersteller von medizinischen Geräten, die zur Beatmung von Patienten benötigt werden oder im Bereich der bildgebenden Diagnostik zum Einsatz kommen. Die Pandemie verdeutlichte nachdrücklich, wie wichtig ein gut aufgestelltes Gesundheitssystem ist. Hier besteht in vielen Ländern umfangreicher Modernisierungsbedarf.

Darüber hinaus soll durch die im Zuge der Pandemie verabschiedeten Konjunkturpakete neuen Technologien zum Durchbruch verholfen werden. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Wasserstofftechnologie. Sowohl die Bundesregierung als auch die EU haben Pläne vorgestellt, in denen die Nutzung von Wasserstoff als Energieträger eine wichtige Rolle zur Erreichung der Klimaziele spielt. Die angestrebte Wasserstoffproduktion aus erneuerbaren Energiequellen sowie der Auf- und Ausbau der dazu benötigten Infrastruktur bieten beispielsweise Perspektiven für Versorger und Anlagenbauer.

Durch die Corona-Krise werden bestehende Trends wie die Digitalisierung oder die Energiewende beschleunigt. Für Anleger, die auf der Suche nach einer Investitionsmöglichkeit am Aktienmarkt sind, könnten Unternehmen, deren Management in der Pandemie Innovationsgeist und Flexibilität bewiesen und deren Geschäftsmodell sich als krisenresistent erwiesen hat, als Depotbeimischung interessant sein.

Autor: ING-DiBa AG


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Kommentare (1)


Kommentare

Schulze, Dr Peter

07.08.2020

Ihre Kommentare sind
situationsrelevant und ermuntern .