Studentenjobs

Nebenjob, BAföG und Co. | 12.06.2020

Würden Sie Haustürbetrüger erkennen?

Kellnern, Kassieren, Unterrichten: Mit einem Nebenjob finanzieren sich viele Studenten ihr Studium oder das Leben darum herum. Doch was, wenn in der Corona-Krise solche Jobs plötzlich wegbrechen?

Ob in der Kneipe oder im Café, im Supermarkt oder beim Nachhilfeunterricht: Viele junge Menschen sind während ihres Studiums auf Nebenjobs dort angewiesen. Verlieren sie diese, kann das Studenten finanziell mehr oder weniger arg in Bedrängnis bringen. Und nun?

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Zinsloses Darlehen beantragen

Im Regen stehen lässt die Bundesregierung notleidende Studenten nicht. Sie können seit dem 8. Mai bei der staatlichen Förderbank KfW ein zunächst zinsloses Darlehen von bis zu 650 Euro im Monat beantragen.

  • Laufende KfW-Studienkredite sowie neue Anträge sollen für inländische Studierende bis Ende März 2021 zinslos bleiben.
  • Ausländische Studierende können den Kredit ab Juli 2020 erhalten.
  • Mit der Rückzahlung des Darlehens müssen die Kreditnehmer, wie bei KfW-Studienkrediten üblich, erst nach einer Karenzphase von 18 bis 23 Monaten beginnen.

100 Millionen Euro für Nothilfefonds

Der Bund will den Nothilfefonds des Deutschen Studentenwerks mit 100 Millionen Euro aufstocken. Studenten, die sich in einer akuten Notlage befinden und keine andere Hilfe etwa von den Eltern bekommen, können bei ihrem örtlichen Studentenwerk einen Zuschuss beantragen. Das Geld müssen die Betroffenen nicht zurückzahlen. 

Tipp des Deutschen Studentenwerks (DSW) für jobbende Studierende, die bisher kein BAföG beantragt haben: Bricht der Nebenjob komplett weg, kann ein BAföG-Antrag eine gute Alternative sein. Weitere Hinweise für Studierende in finanziellen Nöten gibt es beim Studentenwerk

Wo Studenten einen neuen Nebenjob finden

Zwar sind viele Studentenjobs im Zuge der Corona-Pandemie weggefallen. Das heißt aber nicht, dass es für Studierende aktuell gar keine Möglichkeiten mehr gibt, nebenbei Geld zu verdienen. Experten empfehlen, Online-Jobbörsen zu checken.

Manche Branchen suchen geradezu händeringend die Unterstützung von Studierenden, etwa diese Bereiche:

  • Landwirtschaft
  • Gesundheitswesen
  • Einzelhandel

Die Rahmenbedingungen: Nebenjob und BAföG

Als Student mit BAföG-Anspruch einen Nebenjob zu haben, ist generell erlaubt. Allerdings hängt der BAföG-Anspruch vom Einkommen des Studenten ab und kann sich mit einem Nebenjob verringern. Für das Einkommen neben dem BAföG gibt es einen Freibetrag. Beim BAföG-Höchstsatz beträgt dieser etwa 5.400 Euro im Jahr. Das sind ca. 450 Euro im Monat. Für das BAföG-Amt ist die monatliche Rate aber nicht entscheidend – der Freibetrag darf beliebig im gesamten Zeitraum, auf den das BAföG berechnet wird, verdient werden.

Wichtig: Auch Urlaubs- und Weihnachtsgeld, sofern es gezahlt wird, fließt in die Berechnung ein. Für selbstständige Arbeit gilt eine andere Regelung – hier liegt der Freibetrag etwas niedriger.
 
Hat der Student mehrere Nebenjobs, werden die Einkünfte dieser zusammengerechnet. Alles, was schließlich über dem Freibetrag liegt, wird auf 12 Monate aufgeteilt und vom BAföG abgezogen.

  • Coronabedingte Sonderregel: Der Gesetzgeber hat Anreize geschaffen, damit BAföG-Empfänger in der Corona-Pandemie in systemrelevanten Berufen, etwa als Erntehelfer, tätig werden. Arbeitet man in der aktuellen Krise neben Studium und Ausbildung im Gesundheits- oder Sozialwesen oder in der Landwirtschaft oder stockt seine Arbeitszeit dort auf, wird das nicht auf das BAföG angerechnet. Mit anderen Worten: Die BAföG-Höhe bleibt trotz dieser Nebeneinkünfte unverändert.
  • Gut zu wissen in Sachen Elternunterhalt: In der Corona-Krise können sich mitunter Mütter und Väter von Studierenden wegen Jobverlusts oder Kurzarbeit weniger oder keinen Unterhalt leisten. In solchen Fällen bietet es sich an, einen sogenannten BAföG-Aktualisierungsantrag zu stellen. Das BAföG-Amt legt dann das aktuell niedrige Einkommen der Eltern zugrunde und nicht mehr das des vorletzten Kalenderjahres. Somit steigen die Chancen, mehr BAföG zu bekommen.
  • BAföG auch ohne Vorlesung: Fallen wegen der Corona-Krise Vorlesungen oder Unterricht aus oder verschiebt sich der Semesterbeginn, gibt es dennoch weiter BAföG. Weitere Infos dazu sind beim Bundesbildungsministerium nachzulesen.

Gut zu wissen: Auf das Kindergeld wirkt sich ein Studentenjob übrigens nicht aus. Erst ab einem Verdienst von mehr als 9.000 Euro pro Jahr oder mehr als 20 Stunden Arbeitszeit in der Woche verliert man den Anspruch darauf.

Diese Möglichkeiten für Studentenjobs gibt es

Als Student hat man verschiedene Möglichkeiten, um Geld zu verdienen. Entweder lässt man sich in einem Unternehmen anstellen oder man arbeitet selbstständig. Hier finden Sie eine
Auflistung der häufigsten Anstellungsarten:

1. Minijob

Nimmt der Student bei einem Unternehmen einen Minijob an, muss er vom Arbeitgeber bei der Minijob-Zentrale angemeldet werden. Er hat dann die gleichen Rechte wie alle Arbeitnehmer – dazu zählen vor allem Urlaub und die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Seit dem 1. Januar 2020 gibt es einen Mindestlohn von 9,35 Euro brutto pro Stunde. Auch das Studentenwerk gibt Hinweise zum Mindestlohn.
 
Bezeichnend für einen Minijob ist der maximale monatliche Verdienst von 450 Euro pro Monat. Dafür gilt keine Sozialversicherungspflicht. In der Regel ist der Arbeitgeber für die Zahlung der Lohnsteuer und der Kirchensteuer sowie des Solidaritätszuschlags verantwortlich. Für den Minijob kann entweder ein monatlicher Lohn – dann ist die Stundenzahl aufgrund des Mindestlohns natürlich begrenzt – oder ein fester Stundenlohn vereinbart werden.
 
Beim Thema Versicherung gilt Folgendes: Der Arbeitgeber zahlt in die Rentenversicherung ein. Beträgt der Verdienst bis zu 450 Euro monatlich, kann der Student weiterhin in der Familienversicherung mitversichert bleiben. Geht der Verdienst darüber hinaus, muss er sich selbst versichern.

2. Werkstudent

Als Werkstudent gilt der Student als Teilzeit-Mitarbeiter und hat somit die gleichen Rechte wie alle Arbeitnehmer – dazu zählen vor allem Urlaub und die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Der Mindestlohn liegt bei 9,35 Euro brutto pro Stunde. Der Verdienst ist meist besser als in Minijobs. Als Werkstudent sind je nach Branche um die 1.000 Euro pro Monat realistisch. Außerdem hat der Student zumeist die Möglichkeit, wertvolle Praxiserfahrung zu sammeln, wenn er in einem zu seinem Studium passenden Bereich arbeitet.

Gut zu wissen: Für einen Werkstudenten-Job ist es Pflicht, zum Zeitpunkt der Anstellung an einer Universität immatrikuliert zu sein. Für die Kranken- und Pflegeversicherung gilt weiterhin der Studentenstatus als Maßstab, eine Arbeitslosenversicherung braucht man nicht – nur in die Rentenversicherung wird eingezahlt.
 
Für Werkstudenten gilt

  • eine Begrenzung von 20 Arbeitsstunden pro Woche und
  • in den Semesterferien von 40 Stunden pro Woche.

Liegt die Stundenzahl darüber, wird davon ausgegangen, dass das Studium nicht mehr im Vordergrund steht - und der Studentenstatus geht verloren. Weitere Infos zum Thema Werkstudent gibt es beim Studentenwerk.
 
In einem Angestelltenverhältnis ist das Einkommen grundsätzlich steuerpflichtig. Bleibt das Einkommen des Studenten unter dem derzeitigen Grundfreibetrag von 9.408 Euro, kann sich die Abgabe einer Steuererklärung lohnen, wenn der Student abzugsfähige Kosten hat.

3. Kurzfristige Beschäftigung

Wenn der Student nur in den Semesterferien jobbt, gibt es aufgrund des BAföG keine Begrenzung für Lohn oder wöchentliche Arbeitszeit. Man ist nicht sozialversicherungspflichtig. Allerdings unterliegen die Einkünfte der Steuerpflicht.

Es gibt zwei Möglichkeiten der Versteuerung:

  • die individuelle Besteuerung auf Basis der Lohnsteuerklasse oder
  • eine pauschale Lohnsteuer von 25% (beinhaltet weder Kirchensteuer noch Solidaritätszuschlag).

Die Abgabe einer Einkommensteuererklärung kann sich lohnen. Als kurzfristige Beschäftigung gilt es, wenn der Student nicht länger als 3 Monate oder 70 Kalendertage am Stück angestellt ist.

4. Selbstständige Arbeit

Als Selbstständiger arbeitet man auf Honorarbasis. Der Student muss für seine erbrachten Leistungen eine Rechnung stellen und sich um den Aspekt „Umsatzsteuer“ kümmern. Wobei: Studenten müssen üblicherweise keine Umsatzsteuer berechnen. In der Regel nehmen sie weniger als 22.000 Euro im Jahr ein. Sie gelten dann als Kleinunternehmer.

Selbstständige müssen eine Einkommensteuererklärung abgeben. Es gelten keine Arbeitnehmerrechte. Dafür können sie ihre Zeit noch freier einteilen und die Aufgaben annehmen, die ihnen Spaß machen.
 
Da es bei der selbstständigen Arbeit noch einige Dinge mehr zu beachten gibt, sollten Sie sich hierzu am besten separat informieren.

Und was sind die beliebtesten Nebenjobs bei Studenten?

Die Klassiker unter den Studentenjobs sind ungeschlagen: Kellnern, Promotion-Jobs und Nachhilfe. Aber auch kaufmännische Aufgaben sowie Tätigkeiten im Einzelhandel werden häufig angenommen.
 
Aber wussten Sie, dass man sich als Student zum Beispiel auch als Sargträger ein paar Euros dazu verdienen kann?
Zunehmend zeigt sich auch die Digitalisierung bei den Studentenjobs. Denn Bewerber für Webseiten-Tests oder Ähnliches gewinnen an Bedeutung. Sicher kann aber auch eine Tätigkeit als Flugbegleiter oder Testkäufer spannend sein. 

Autor: ING


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Kommentare (2)


Kommentare

ING

22.06.2020

Hallo Vaziri, danke für den aufmerksamen Hinweis, wir korrigieren es natürlich. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Vaziri

21.06.2020

"Wobei: Studenten müssen üblicherweise keine Umsatzsteuer berechnen. In der Regel nehmen sie weniger als 17.500 Euro im Jahr ein. Sie gelten dann als Kleinunternehmer."

Seit 2020 gilt der neue Satz von 22.000€ im Jahr.