Corona-Pandemie und Hausbau

Was Bauherren in der Krise wissen müssen | 15.06.2020

Geld, das von Himmel fällt?

In der Pandemie kann es auch auf Baustellen zu Verzögerungen kommen. Doch Bauherren sollten achtsam sein: Nicht an allem ist Corona schuld.

Die letzte Umzugskiste ist gepackt, die alte Wohnung bereits gekündigt – und dann der Schock: Das neue Heim ist wider Erwarten noch nicht fertig. Die Corona-Krise macht auch vor Baustellen keinen Halt und stellt Verbraucher mitunter vor große Herausforderungen. Aber Achtung: Nicht immer ist die Pandemie daran schuld, wenn die Arbeiten ins Stocken geraten. Was Bauherren jetzt wissen sollten.

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Warum kommt es in der Corona-Krise zu Verzögerungen?

Zwar ist das Bauen trotz Pandemie weiterhin erlaubt, aber dennoch kommt es vielerorts zu Verzögerungen. Der Grund: materielle und personelle Engpässe. Laut Bauherren-Schutzbund (BSB) fielen oder fallen etwa aufgrund von Einreisebestimmungen Montagearbeiter aus dem Ausland aus. Aber auch unterbrochene Lieferketten und der Ausfall von Personal führen dazu, dass es auf Baustellen ruckeln kann.

Nicht an allem ist Corona schuld

Wenn die Bauarbeiten ins Stocken geraten, sollten Bauherren ganz genau hinschauen: „Es kann vorkommen, dass Firmen mit pauschalen Schreiben auf die Bauherren zugehen“, beobachtet Erik Stange vom Bauherren-Schutzbund. Darin begründen sie Bauverzögerungen häufig mit der Krisen-Situation. „Verzögerungen können aber auch auf vorherige Probleme zurückzuführen sein“, fügt der Experte hinzu.

Was Bauherren bei Verzögerungen tun sollten

Mit pauschalen Rechtfertigungen sollten sich Verbraucher laut Stange keinesfalls zufrieden geben. „Stattdessen sollten sie sich die Gründe für die Verzögerungen nachvollziehbar erläutern lassen”, sagt er. Denn: Stimme man dem Unternehmen einfach so zu, sämtliche Fristen wegen Corona als gegenstandslos zu betrachten, erteile man einen Freibrief – und zwar ohne zu wissen, ob die Arbeiten tatsächlich durch die Corona-Krise behindert wurden. Doch was tun, wenn einfach nichts vorwärts geht? Stange rät dazu, dem Auftragnehmer schriftlich eine Frist zur Fertigstellung zu setzen.

Wichtig zu wissen: Zwei Wochen reichten hier in den meisten Fällen aus. „Mit der Fristsetzung sichert der Bauherr sich seine Rechte für später“, erklärt er. Dabei sollten Bauherren alles gut dokumentieren, sagt Rechtsanwalt Lars Markmann von der Arbeitsgemeinschaft Bau- und Immobilienrecht im Deutschen Anwaltverein.

Achtung bei verfrühten Rechnungen

Doch nicht nur bei pauschalen Verzögerungsschreiben ist Vorsicht angesagt. Auch Rechnungen sollten stets geprüft werden. „In der aktuellen Situation ist es nicht auszuschließen, dass existenzbedrohte Firmen verfrüht mit Zahlungsforderungen an die Bauherren herantreten“, warnt Stange. Grundsätzlich dürften Ratenzahlungen laut Gesetz immer erst dann verlangt werden, wenn die Leistung tatsächlich erbracht wurde.

Das Problem: Geben die Bauherren einen Zahlungsvorschuss, wird der finanzielle Spielraum als Druckmittel bei eventuellen Mängeln später geringer. Und bei einer möglichen Insolvenz sei das zu viel gezahlte Geld weg.

Zählt Corona als höhere Gewalt?

Wenn die Arbeiten auf einer Baustelle brach liegen, können Mehrkosten entstehen. Zum Beispiel, weil Verbraucher ihre Wohnung bereits gekündigt haben, der Umzug sich aber verschiebt und sie erst einmal im Hotel unterkommen müssen. Doch wer bezahlt das eigentlich? Wenn sich das Unternehmen auf höhere Gewalt berufen kann, bleiben die Bauherren selbst auf den Kosten sitzen, erklärt die Bau- und Wohnzeitschrift „Das Haus“.
 
Wichtig: Das Unternehmen muss erst einmal nachweisen, dass Verzögerungen tatsächlich durch die Krise zustande kamen. Plausible Begründungen sind laut Stange etwa fehlende Zulieferteile oder Mitarbeiter, die sich in Quarantäne befinden. „Denn auch bei gründlichsten Arbeitsvorbereitungen war die Entwicklung nicht vorhersehbar”, sagt er. Aus diesem Grund ist es Rechtsanwalt Markmann zufolge eigentlich auch unwichtig, welche Störung genau dazu geführt hat, dass sich Bauarbeiten verzögert haben: „Es muss letztlich eine Kausalität zwischen Pandemie und Behinderung vorliegen. Darauf kommt es an.“
 
Achtung: Bei Verträgen, die seit Mitte März geschlossen wurden, dürfte es sich nicht mehr um höhere Gewalt handeln, erklärt Bauherren-Experte Stange. Das sieht auch Anwalt Markmann bei neu geschlossenen Verträgen so: „Hier stellt die Pandemie in ihrem derzeitigen Verlauf grundsätzlich keinen unvorhersehbaren Umstand mehr dar.” Allerdings komme es auf den konkreten Einzelfall an. Insofern seien auch bei neuen Verträgen Konstellationen denkbar, die als unabwendbare Umstände anzusehen sind.

Gemeinsam nach Lösungen suchen

Ob Corona nun an einer verspäteten Fertigstellung des Hauses schuld ist oder nicht: Gerät das Bauen ins Stocken, ist das für Bauherren ärgerlich. Wichtig ist jetzt ,nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern mit dem Unternehmen ins Gespräch zu kommen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. So könne beispielsweise von Designer-Fliesen auf Lagerware umgestiegen werden, erklärt der BSB. „Der Dialog ist der beste Weg“, sagt Anwalt Markmann.

Autor: ING


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Kommentare (3)


Kommentare

ING

03.08.2020

Hallo Herr Götz, wenn Sie unsere Produktinfos nicht mehr erhalten möchten, wenden Sie sich doch bitte einmal kurz an unsere Kundenbetreuung. Die Kolleginnen und Kollegen können dies ganz einfach für Sie deaktivieren. Danke und viele Grüße, Ihr Social Media Team


Olaf Götz

01.08.2020

Ich will einfach mein Konto einsehen und nicht diese Scheiß Werbung


Sebastian Voigt

19.06.2020

Vielen Dank für die wertvollwn Tipps. Werde ich beherzigen, falls es dazu kommt.