Finanzfrage des Monats

Was macht eigentlich der Bitcoin-Markt in der Corona-Krise? | 15.05.2020

Würden Sie Haustürbetrüger erkennen?

Die einen sind euphorisch, die anderen skeptisch. An der Kryptowährung Bitcoin scheiden sich die Geister. Denn möglich ist mit dem Internet-Geld beides: sowohl märchenhafte Gewinne als auch Totalverlust. Wie steht es in der Corona-Krise um den Bitcoin-Markt? Mit diesem Thema setzt sich diesmal unsere Finanzfrage des Monats auseinander.

Die Zinsen sind mau, die Lage an den Finanzmärkten angesichts der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise ernst. Doch Anleger sind natürlich weiterhin auf möglichst hohe Gewinne aus. Dabei denkt manch einer über Alternativen zu den herkömmlichen Anlageprodukten nach. Aktuell rückt die digitale Währung Bitcoin wieder verstärkt in den Fokus. Das Internet-Geld stößt bei den einen auf tiefes Misstrauen, bei anderen auf starke Zustimmung. Aber was macht überhaupt der Bitcoin-Markt in diesen Pandemie-Zeiten? Darum geht es dieses Mal in unserer Finanzfrage des Monats.
 
Nachdem der Bitcoin-Kurs von Mitte März bis Ende April 2020 auf Achterbahnfahrt war und davor teils herbe Verluste verzeichnet hatte, stieg er wieder an. Anfang Mai lag der Kurs bei 9.000 US-Dollar. Aber Achtung: Wer in Bitcoins investiert, sollte sich mit dem Thema intensiv befassen – und sich vor Betrügern wappnen.

Ihre Meinung zählt!

Das sind Bitcoins

Erst seit dem Jahr 2009 gibt es Bitcoin. Der Name ist eine Kombination aus „Bit“ – die kleinste digitale Einheit – und „coin“ – das englische Wort für Münze. Die Währung existiert vor allem als digitale Zeichenfolge. Internet-User sind es, die neue Bitcoins erstellen. Dabei helfen ihnen mathematische Verfahren. Guthaben und Zahlungen landen in einem Blockchain. Das ist ein dezentrales Netzwerk. Das Zahlungssystem arbeitet verschlüsselt über kryptografische Methoden. Das ist der Grund, warum man Bitcoin auch als Kryptowährung bezeichnet.

Schürfen – so kommt man an Bitcoins

Wer eine Überweisung mit Bitcoins tätigt, muss erst eine komplizierte Rechenaufgabe lösen. Diejenigen, die das Netzwerk am Laufen halten und Zahlungen bestätigen, bekommen Bitcoins zur Belohnung. Dieser Vorgang heißt „Mining“ – auf Deutsch: Schürfen. Beim Mining kommt es auf technisches Wissen an. Grundvoraussetzung ist eine entsprechende Computerausrüstung. Weil die Anforderungen an die Rechenleistung mit den Jahren immer mehr gestiegen sind, ist es heutzutage so gut wie unmöglich, vom heimischen PC aus das Mining zu betreiben. Mining-Pools oder aufs Mining spezialisierte Firmen kümmern sich darum.

Was es mit dem Bitcoin-Halving auf sich hat

Am Abend des 11. Mai 2020 kam es zu einem lang erwarteten Event – dem sogenannten Bitcoin-Halving. Zu dieser Halbierung kam es, als insgesamt 630.000 Blöcke generiert wurden. Somit erhalten künftig Miner, wenn sie neue Blöcke erzeugen, statt 12,5 Bitcoins nur noch 6,25 Bitcoins als Belohnung. Die Halbierung ist fester Bestandteil des Bitcoin-Codes. Sie erfolgt immer dann, wenn 210.000 neue Blöcke erzeugt wurden. Dazu kommt es im Schnitt alle vier Jahre. Das Halving ging also in diesem Jahr nach 2012 und 2016 zum dritten Mal über die Bühne.

Warum die Halbierung?

  • Dadurch wird zum Beispiel die festgelegte Höchstmenge von 21 Millionen Bitcoins nicht so schnell erreicht.
  • Es kommt zu keiner Inflation bei der Kryptowährung, denn infolge eines Halvings wächst die Menge der Bitcoins langsamer. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage gleich. Sie kann sogar in die Höhe schnellen, weil die Bitcoins nicht zuletzt durch das Event bekannter werden. Das hat womöglich zur Folge, dass der Bitcoin-Kurs steigt

Informieren ist das A & O

Bei dem Wort „Schürfen“ denken die meisten an Gold Und tatsächlich sehen viele Experten in Bitcoins „digitales Gold“. So auch Philipp Sandner, Professor am Blockchain Center der Frankfurt School of Finance & Management. „Bitcoins sind ebenso wie Gold ein knappes Asset“, sagt Sandner. Aus seiner Sicht stehen derzeit viele Anleger der digitalen Währung skeptisch gegenüber, weil sie darüber noch nicht so viel wissen. „Die Sache ist schwierig zu verstehen, und es ist auch nicht damit getan, darüber einfach nur mal ein Buch zu lesen“, betont Sandner. Man müsse sich mit dem Thema sehr intensiv befassen. Je mehr sich das Wissen verbreite und Anleger auf Bitcoins setzten, desto stärker könne der Bitcoin-Kurs steigen.
 
Sandner glaubt, dass Bitcoins als Anlageform eine „vielversprechende Zukunft“ haben. Noch in diesem Jahr könnte der Kurs der digitalen Währung dauerhaft die 10.000-Dollar-Marke übersteigen. Allerdings müsse auch jederzeit wieder mit mehr oder weniger starken Rückgängen gerechnet werden.

Wichtig zu wissen:

  • Bitcoins sind in Deutschland kein gesetzliches Zahlungsmittel.
  • Kein Händler steht in der Pflicht, Bitcoins anstelle von Euros zu akzeptieren – nur einzelne tun dies überhaupt, etwa Läden, Kneipen oder der Essen-Bringdienst Lieferando.
  • Bitcoins haben keine Wertstabilität. Würde ein Gehalt in Bitcoins gezahlt, könnte der Empfänger vielleicht in einem Monat damit seinen Lebensunterhalt finanzieren, sich im nächsten Monat eventuell eine Luxus-Limousine leisten, und im darauffolgenden Monat könne sich der Wert aufgrund der großen Volatilität wieder deutlich reduzieren.

Warum Bitcoins für viele einen negativen Beigeschmack haben

Es gab Zeiten, da galten Bitcoins als Währung für Dealer. Waffen- und Drogengeschäfte wickelten sie mit dem Internet-Geld im Darknet ab. Das Darknet ist die Schattenseite des World Wide Web. Dort sind Nutzer weitgehend anonym unterwegs. Für Furore sorgten Bitcoins auch im Zusammenhang mit Lösegeldforderungen.
 
Generell gilt: Bitcoins sind Spekulationsobjekte. Sie bergen erhebliche Risiken, wie ein Sprecher des deutschen Fondsverbands BVI betont: „So verlockend der rasante Wertzuwachs einzelner Digitalwährungen auch ist, eine Spekulation gleicht einem Einsatz in einem Spielkasino.“
 
Der Rat des Experten: „Erst einmal einen kleinen Geldbetrag, den man wirklich nicht braucht, in Bitcoins investieren, sich so mit der Materie vertraut machen und schauen, wie sich die Sache entwickelt“, erklärt Sandner. Möglich ist alles – von märchenhaften Gewinnen über teilweise Einbußen bis hin zum Totalverlust.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (6)


Kommentare

Arneg

14.08.2020

Dieser Unfug gehört verboten.


@ Andreas Burchert

28.05.2020

Sie haben sehr schön eines erkannt: Ein Bitcoin wird in x Jahren 100.000 Euro wert sein. Nur dumm, daß Sie einen Satz zuvor schreiben, daß 100.000 Euro gar keinen Wert haben. Also auch ein Bitcoin ...


Wer sowieso zuviel Geld hat

20.05.2020

der kann sich auch damit beschäftigen. Aber das kann auch schief gehen, ich zitiere mal: "Von den insgesamt 16,4 Millionen Bitcoins, die heute im Umlauf sind, dürften laut der Marktanalyse-Firma Chainalysis zwischen 17 und 23 Prozent auf immer verschollen sein. " Aber die Schreiber weiter unten sind ja alle vom Typ Supermann. Die vergessen weder Passwörter, die haben keinen Datenverlust und deren virtueller Bankchef stirbt auch nicht plötzlich weg. Und sowieso kennen die keinerlei IT-Sicherheitsprobleme.


Bernhard Sommer

19.05.2020

Neben Bitcoins gibt es mindestens ca. 4000 weitere coins, die sich länger am Markt behaupten.
Der bekannteste mit einer großen Verbreitung ist Etherium. Der Vorteil: diese Crypto Währung kann auch mit Grafikkarten und einem normalen PC gemint werden. Allerdings sind die Stromkosten hierzulande zu hoch um damit wirklich Geld zu verdienen. Der Ertrag deckt hin und wieder die Stromkosten. Den Invest für die Hardware muß man aber abschreiben. Zumal die Grafikkarten bei 24h Laufzeit auch nicht ewig halten. Ich will meine Miner in den ertragreichen Monaten zukünftig mit Überschussstrom aus der Votovoltaik betreiben. Das ist vorteilhafter gegenüber der Einspeisung zu Minipreisen.

Gruß
Bernhard Sommer


Ralf Müller

19.05.2020

Bitcoin ist zwar sehr volatil, aber wenn man sich den bisherigen Kursverlauf ansieht, stellt man fest, dass es, langfristig, gesehen, immer wieder bergauf ging. Natürlich gab es Rückschläge, aber die wurden bisher immer wieder aufgeholt.

Als langfristige Investition halte ich Bitcoin auf jeden Fall für interessant.


Andreas Burchert

17.05.2020

Bitcoin ist 10 Jahre alt. Der Wert eines Bitcoins ist (trotz aller kritisierter Volatilität) seither ca 7000% gestiegen. Auch in diesem Jahr outperformed Btc Gold, was bekanntlich ja das einzige wahre Geld ist. Die Fiat- Waehrungen wie Dollar, insbesondere auch der Euro ist Papier, es wird beliebig vermehrt, politisch reguliert und manipuliert. Btc ist ab letztem Halfing so hart wie Gold und in 4 Jahren noch härter als letzteres. Blockchain ist eine geniale, zukunftsträchtige Technologie. Wenn Sie 10.000 Euro bei der Sparkasse auf dem Sparbuch lassen, wird es in 10 Jahren vielleicht 8000€ Kaufkraft heben, vielleicht Auch nur noch 1000 oder es gibt keinen Euro mehr.
Ein Bitcoin hingegen wird nicht 9000€ wie heute kosten, sondern 100.000 Euro oder viel mehr.... je nachdem wie die Dillar und Euro Druckerpressen weiter laufen (was sie auch müssen)
Gold oder Bitcoin, das ist das, was kluge Menschen jetzt kaufen, wenn sie ihr Vermögen retten wollen.