Auto-Unfall

So gehen Autofahrer nach dem Crash vor | 05.11.2019

Unfall

Gerade in der kalten Jahreszeit kann es schnell passieren: Die Straßen sind glatt oder rutschig und die Sicht durch Dunkelheit, Nebel oder Regen getrübt – und zack! Es hat gekracht. Was nach einem Unfall zu tun ist.
 
Die Gefahr eines Autounfalls ist nicht nur im Herbst oder Winter hoch. Es langt ein kurzer Moment der Ablenkung im Straßenverkehr oder unachtsames Aus- und Einparken. Laut Statistischem Bundesamt gab es im Jahr 2018 mehr als 2,6 Millionen polizeilich erfasste Unfälle. Statistisch gesehen passiert also alle 12 Sekunden ein Verkehrsunfall in Deutschland. Die Beteiligten stellen sich danach viele Fragen. Muss ich überhaupt die Polizei rufen? Sollte ich den Schaden der Versicherung melden? Wie lange muss ich warten, wenn der geschädigte Fahrzeughalter nicht auffindbar ist. Und was, wenn kein Schaden zu erkennen ist?

Die allerersten Schritte nach einem Unfall

Damit nicht noch weitere Fahrzeuge und Autofahrer zu Schaden kommen, sollten die Unfallbeteiligten laut ADAC als erstes die Unfallstelle sichern: Warnblinker an, Warnweste anziehen und Warndreieck aufstellen. Sind Personen verletzt, gilt es sofort den Notruf zu wählen und Erste Hilfe zu leisten. Mit diesem Schritt kann auch gleichzeitig eine Meldung an die Polizei erfolgen – meist entscheidet die Leitstelle, die den Notruf entgegen nimmt, ob Polizeibeamte vor Ort sein müssen.

Polizei rufen oder selbst einen Unfallbericht schreiben?

Bei eher harmlosen Blechschäden stehen Beteiligte, nachdem die Unfallstelle gesichert ist, vor der Entscheidung: Polizei oder nicht? Grundsätzlich dürfen Autofahrer die Polizei bei Unfällen immer rufen. In diesen Fällen sollten sie die Beamten sogar einschalten:

  • Jemand wurde verletzt
  • Es besteht Verdacht auf Alkohol/ Drogen
  • Es handelt sich um einen Miet- oder Firmenwagen
  • Die Schuldfrage ist unklar
  • Der Fahrer des anderen Autos ist nicht auffindbar

Entscheiden sich die Unfallbeteiligten dafür, nicht die Polizei zu rufen, sollten sie die wichtigsten Punkte selbst festhalten, damit es später bei der Schadensregulierung keinen Ärger gibt. Am besten eignet sich dafür ein Unfallbericht. Ein guter Leitfaden: Der europäische Unfallbericht, den es bei allen Versicherungen und Autoklubs gibt und der am besten schon im Handschuhfach liegen sollte. Folgendes sollten Beteiligte darin festhalten:

  • Kennzeichen der beteiligten Fahrzeuge
  • Namen und Adressen der Fahrzeugführer
  • Versicherungsdaten (können aber auch im Nachhinein beim Zentralruf der Autoversicherer durch das Kennzeichen ermittelt werden)
  • Unfallskizze und Unfallhergang
  • Eventuell die Kontaktdaten von Zeugen
  • Wichtig ist es auch, Fotos aus unterschiedlichen Perspektiven von der Unfallstelle und den Schäden zu machen.

Achtung: In dem Protokoll sollten Beteiligte keine Schuldeingeständnisse machen! Der Unfallbericht dient lediglich zur Datenaufnahme.

Was, wenn der Fahrer des beschädigten Autos nicht da ist?

Dann heißt es erst einmal: warten – und zwar eine angemessene Zeit. Wie lange genau, hängt von mehreren Faktoren ab (z.B. Schwere des Schadens, Witterungsbedingungen etc.). „Bei einem leichten Parkunfall auf dem Kaufhausparkplatz sollte der Verursacher etwa 30 Minuten warten“, sagt Holger Küster, Geschäftsführer des ACV Automobil-Club Verkehr. Bei einem schweren Schaden könnten auch bis zu zwei Stunden angemessen sein.

Was viele nicht wissen: Der berühmte Zettel an der Windschutzschreibe reicht nicht aus. Laut ADAC begehen Verursacher dabei Unfallflucht – und damit eine Straftat. Stattdessen muss nach angemessener Wartezeit die Polizei verständigt werden.

Und was, wenn gar keine Schäden zu erkennen sind?

Auch das ist schnell passiert: Beim Einparken berührt man kurz das hintere Auto. Doch selbst bei genauerem Hinsehen sieht man: nichts. Sollte der Verursacher dann trotzdem den anderen informieren? Ja, sagt das Infoportal Bußgeldkatalog.org. Denn nicht immer sehe man den Schaden von außen.

Sollte man in jedem Fall die Versicherung verständigen?

Ebenso wie die Frage nach der Polizei, stellt sich die Frage, ob die Blechschäden über die KFZ-Haftpflichtversicherung geregelt werden sollten. Matthias Zunk vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat dazu eine klare Meinung: „Ein Unfallschaden sollte immer umgehend, spätestens aber innerhalb einer Woche der eigenen Versicherung gemeldet werden.“ Das gelte auch dann, wenn man davon ausgeht, dass man selbst keine Schuld hat. Wer zu lange wartet oder es gar ganz versäumt seine Versicherung einzuschalten, läuft Gefahr, die Unfallkosten selbst übernehmen zu müssen.
 
Tipp: Übernimmt die Versicherung Kosten für einen Unfall, kann das einen bitteren Beigeschmack haben: Der Beitrag steigt in der Regel im Folgejahr, weil Versicherte in der Schadensfreiheitsklasse zurückgestuft werden. Laut des Verbraucherportals Finanztip dauert es Jahre, bis Autofahrer wieder auf der alten Rabattstufe sind. Deshalb kann es sich lohnen, den Schaden selbst zu bezahlen. Aber bis zu welchem Betrag? Die Faustregel von Finanztip lautet: Haftpflichtschäden bis etwa 1.500 Euro und Vollkaskoschäden bis 1.300 Euro selbst zu bezahlen, ist für Autofahrer günstiger.

Ist es nötig einen Gutachter hinzuziehen?

Die Frage, wann ein Gutachter für die entstandenen Schäden geholt werden muss, hängt vor allem vom Schaden ab. Schäden bis 750 Euro sind Bagatellschäden, hier reicht laut ADAC ein Kostenvoranschlag einer Werkstatt mit Fotos vom Auto aus. Denn manche Versicherungen erstatten die Kosten für einen Sachverständigen, wenn sie unter der Bagatellgrenze liegen, oft nur zögerlich oder sogar gar nicht, erklärt Küster. Das kann dann schnell sehr teuer werden.
 
Handelt es sich aber um größere Schäden oder einen Totalschaden, sollte ein Gutachter eingeschaltet werden. Die Kosten trägt die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallgegners. Bei Kaskoschäden bestimmt die Versicherung den Gutachter.

Checkliste: Das ist bei einem Crash zu tun

  • Unfallstelle sichern
  • Evtl. Notruf verständigen und Erste Hilfe leisten
  • Evtl. Polizei rufen
  • Beweise sammeln (Fotos, Zeugen etc.)
  • Unfallbericht schreiben
  • Ggf. Gutachter einschalten
  • Versicherung verständigen

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (6)


Kommentare

kafka

14.11.2019

Apropos Misthaufen des Internets: Wären Sie so freundlich und würden mir die Fehler meines Kommentars zu finden sind?

Mein Erster Kommentar entsprach vollumfänglich den Tatsachen. Viel trauriger empfinde ich die Tatsache das sich - egal ob Verschuldeter oder Unverschuldeter - niemand helfen lassen möchte zu seinem vollem Recht resp. zu seinem geringstmöglichen Schadensausgang zu gelangen.

Es gilt:
- Unverschuldeter Unfall = Anwalt einschalten, kostenlos und ohne Vorauslage! Gutachter ebenfalls selbst aussuchen. Kostenlos und ohne Vorauslage.

Verschuldeter Unfall = Keine Aussage bei der Pol machen. Außer Sie möchten unedingt das Bußgeld (bspw. um die 150EUR bei Missachtung einer vorfahrtsberechtigten Straße) UND 35EUR bezahlen.
Und bei Verdacht eines Personenschadens einen Strafrechtler einschalten da der Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung im Raum steht.


kafka

14.11.2019

Meine Hinweise waren keine "Werbung" für Fachanwalte sondern ein simples Vorgehen zur Wahrung seiner Rechte.
Sie dürfen sich gern mit den Sachbearbeitern bei den Versicherungen herum schlagen. Den Spaß sollten Sie dann schon haben. :)

Jeder vernünftige Mensch kontaktiert bei 100% Fremdverschulden einen selbst ausgesuchten (!) Anwalt und einen selbst ausgesuchten (!) Sachverständigen - Kosten trägt die Versicherung des Gegners ohne Vorauslage.


ich vermisse den Hinweis auf die Verkehrsopferunfallhilfe

12.11.2019

Dadurch kann man sogar die Gelder für mitunter im Ausland übliche Eigenbeteiligung zurück bekommen. Und auch bei Problemen mit der Versicherung des Unfallgegners kann man dort kostenlos Hilfe bekommen.
Und bitte glaubt nicht Leuten wie Kafka, die wollen Euch nur auf dem Arm nehmen und gezielt den Misthaufen Internet vergrößern.


überflüssig wie ein Hühnerauge

11.11.2019

hier macht einer Werbung für Winkeladvokaten und Rechtsverdreher.
Und kein Verkehrsteilnehmer mit gesundem Menschenverstand benötigt bei einem Verkehrsunfall mit 100% Fremdverschulden bei sorgfältiger (!) Aufnahme durch die Polizei (!) sofort einen Fachanwalt.
Sowieso sind Rechtsschutzversicherung und Verkehrsrechtsschutzversicherung ziemlich überflüssige Versicherungen, es sei denn man ist selber ein streitsüchtiges Ekel oder man hat streitsüchtige Ekel als Nachbarn.


kafka

09.11.2019

Leider werden in dem Artikel viele wichtige Punkte vergessen.
Bei einem Unfall bei dem zu 100% ein Fremdverschulden vorliegt unbedingt sofort einen Fachanwalt für Verkehrsrecht einschalten. Das kostet Sie 0,00EUR. Die Kosten trägt die Versicherung des Gegners.

Bei Unfällen in dem der Verdacht besteht das Sie die volle oder ein Großteil der Schuld tragen: Keine Aussage bei der Polizei zum Geschehen machen. Auf die Floskel "Verwarngeld... blablabla" mit der Aussage "Ich mache das über meinen Anwalt" antworten - so sparen Sie sich wenigstens die 35EUR die zum Bußgeld (bspw bei Übersehen einer vorfahrtsberechtigten Straße).
Sollte der Verdacht bestehen das eine Person durch den Unfall zu Schaden kam wenden Sie sich zeitnah an einen Strafverteidiger da ein Ermittlungsverfahren gegen Sie wegen fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet wird.


immer auf eine Unfallaufnahme durch die Polizei bestehen

05.11.2019

denn was so mancher Verursacher und so manche ganz große Versicherung an Tricks drauf haben, dass kann Euch sonst in den Ruin treiben - da kann ganz schnell aus einem Opfer ein Täter werden