ING-Studie

Die Deutschen machen wenig Schulden | 07.08.2020

Geld, das von Himmel fällt?

Shoppen mit Kreditkarte? Das neue Handy oder den Urlaub einfach finanzieren oder den Dispo überziehen? Fast überall möglich, aber hierzulande nicht sehr beliebt. Was die Deutschen von Schulden halten und wie die europäischen Nachbarn damit umgehen.

Die Deutschen sind zurückhaltend, was Schulden machen betrifft: Rund 23 Prozent nutzen einen „klassischen“ Kredit, 17 Prozent nutzen regelmäßig den Dispositionskredit ihres Girokontos und 14 Prozent eine Händlerfinanzierung. Damit liegen sie teilweise deutlich unter dem europäischen Durchschnitt, wie eine repräsentative Umfrage der ING ergibt. Befragt wurden Verbraucher in 13 europäischen Ländern zu ihren Einstellungen und ihrem Verhalten rund um das Thema Schulden (Hypothekenschulden ausgenommen).

Großteil der Deutschen bewertet ihre Schuldensituation als zufriedenstellend

47 Prozent schätzen ihre finanzielle Lage mit ihrem derzeitigen Schuldenstand als komfortabel ein, bei weiteren 10 Prozent würden auch etwas höhere Schulden nichts daran ändern. Noch einmal knapp 9 Prozent sähen sich sogar mit deutlich höheren Schulden noch in einer komfortablen Situation. Es ist vor allem die Abwesenheit von Schulden, die bei den Deutschen für Zufriedenheit sorgt. Das zeigt sich beim Blick auf die verschiedenen Schuldenarten im Haushalt: Wo es keine der abgefragten Schuldenarten gibt, liegt die Zufriedenheit klar über dem europäischen Durchschnitt. Ebenso, was die hypothetische Situation mit etwas oder deutlich mehr Schulden beträfe.

Am Monatsende kann schon mal das Geld ausgehen

Trotzdem kann auch den Deutschen mal vor dem Gehaltseingang das Geld ausgehen. 48 Prozent der Befragten hierzulande passiert das „immer“, „üblicherweise“ oder „manchmal“ – damit liegen sie leicht unter dem europäischen Durchschnitt von 52 Prozent. Am wenigsten scheint das in Luxemburg zu passieren, nur 30 Prozent geben dies an. Den höchsten Wert hat die Türkei mit 68 Prozent. Dass ihnen nie oder fast nie am Monatsende das Geld ausgeht, sagen 52 Prozent der Deutschen. Ein Wert, der vor allem im Süden und Osten Europas teilweise deutlich niedriger liegt.

Bloß keine Schulden – aber Null-Prozent-Finanzierung

Was sind eigentlich Schulden ? Dazu scheint es unterschiedliche Ansichten zu geben. So haben viele Verbraucher hierzulande – stärker als im europäischen Vergleich – bei diversen kreditbasierten Bezahlvarianten nicht das Gefühl, dass es sich um Schulden handeln würde. Beim Mobilfunkvertrag mit subventioniertem (und letztlich über den Vertrag abbezahltem) Telefon, bei Try-before-you-buy oder bei Kreditkartenzahlungen sind das jeweils über 40 Prozent der Befragten. Selbst ein eindeutiges Kreditprodukt wie eine Null-Prozent-Finanzierung fühlt sich für 30 Prozent der Deutschen nicht nach Schulden an. Dabei handelt es sich keineswegs vorwiegend um junge Menschen, die in vermeintlicher jugendlicher Sorglosigkeit nicht richtig über das Schuldenmachen nachdenken – tatsächlich zeigt sich vor allem bei Älteren eine Ungewissheit hinsichtlich der Einschätzung dieser Bezahlarten.

Gute Option: Schulden machen können

Einen finanziellen Puffer zu haben, ist immer gut. Doch wenn dieser geschrumpft ist oder nicht mehr vorhanden ist, können Kredite helfen. Was denken die Deutschen darüber – ist die Möglichkeit, Schulden machen zu können, trotz ihrer Zurückhaltung bei Schulden eine nützliche Sache? Das bestätigen 59 Prozent der Deutschen mit „mehr oder wenig richtig“, „größtenteils richtig“ und „absolut richtig“. Der europäische Durchschnitt liegt in etwa bei dem gleichen Wert.

Zur Studie

Die Befragung wurde im Rahmen der ING International Survey (IIS) durchgeführt. Die Umfrage wurde vom Ipsos Meinungsforschungsinstitut in Form einer Onlinebefragung durchgeführt. In Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Österreich, Polen, Rumänien, Spanien, der Tschechischen Republik, der Türkei sowie den USA wurden je ca. 1.000 Befragungen durchgeführt, in Luxemburg 500. Englischsprachige Reports zu dieser und früheren IIS-Umfragen sind hier zu finden.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (2)


Kommentare

Wilddieb

15.08.2020

Ja, in anderen Staaten nehmen die Menschen häufiger Schulden auf und wenn sie , sie nicht mehr zurück zahlen können, begleicht sie der Deutsche Steuerzahler, denn der haushaltet ja mit seinem Geld. Wenn wie Deutschen unser gesamtes Geld habheben würden und ausgeben, gäbe es erstmal einen Wirtschaftsaufschwung und drei Jahre später wäre die EU pleite.


willi müller

15.08.2020

Schulden? Insbesondere für Konsum oder Luxusgüter? Doch nicht bei der Mehrzahl der Deutschen!!! Genau das ist der Vorwurf, der uns von den EU-Ländern gemacht wird. Es reicht ja, wenn Öffentliche Stellen in Deutschland nicht mit Geld, bzw. nur mit dem Geld ihrer Bürger über ihre Verhältnisse leben. Irgendwann müsse die doch für die "Wohltaten des Staates" einstehen. Leider ist dieses Wissen nicht allen bekannt.