Dienstwagen oder mehr Gehalt?

Was Arbeitnehmer steuerlich beachten müssen | 27.06.2018

Frau mit Dienstwagen

© ING-DiBa

Es könnte so schön sein: Der Arbeitgeber stellt einen Dienstwagen, den der Arbeitnehmer auch privat fahren darf. Was einfach klingt, birgt in der Praxis leider viele Fallstricke. Das Finanzamt schaut genau hin, wenn es um so einen geldwerten Vorteil geht. Wer vor der Wahl steht, Dienstwagen oder mehr Gehalt, sollte die Berechnungen im Hintergrund daher genau kennen. Nur dann lässt sich die Frage beantworten: Lohnt sich für mich ein Dienstwagen oder nehme ich lieber mehr Gehalt?
ich?

Geldwerter Vorteil unterliegt Lohnsteuer und Sozialversicherungspflicht

Dienstwagen gelten als beliebtes Mittel zur Mitarbeiter-Motivation. Die Firma trägt die Kosten und der Mitarbeiter bekommt mitunter einen Wagen, den er sich sonst vielleicht nicht selbst leisten könnte. Manche Arbeitgeber bieten auch das Modell an, auf eine Gehaltserhöhung oder einen Teil des Lohnes zu verzichten, und durch eine Gehaltsumwandlung den Wagen zu finanzieren.
 
Das klingt erst einmal gut, denn weniger Gehalt bedeutet auch weniger Sozialabgaben. Der Wermutstropfen? Ein Dienstwagen – ob klassisch oder durch Gehaltsumwandlung finanziert – gilt als geldwerter Vorteil. So wird eine Sachleistung bezeichnet, die ein Mitarbeiter vom Arbeitgeber erhält. Ein geldwerter Vorteil unterliegt grundsätzlich der Lohnsteuer und auch der Sozialversicherungspflicht, sagt Claudia Kalina-Kerschbaum, Geschäftsführerin der Bundessteuerberaterkammer. Wer also einen Firmenwagen hat und ihn privat nutzen darf, muss ihn folglich in seiner Steuerberechnung miteinbeziehen. Das Bundesfinanzministerium hat sich gerade kürzlich in einem umfassenden BMF-Schreiben zu den lohnsteuerlichen Folgen
der „Überlassung eines betrieblichen Kfz an Arbeitnehmer“ geäußert, sagt Kalina-Kerschbaum.
 
Gut zu wissen: Dienstwagen, die nicht für den Privatgebrauch geeignet sind – beispielsweise Transporter, die ausschließlich zur Beförderung von Gegenständen bestimmt sind – müssen nicht versteuert werden.

Ein-Prozent-Pauschale auf den Listenpreis

Dienstwagenfahrer können sich zwischen zwei Möglichkeiten entscheiden, wie der geldwerte Vorteil berechnet wird. Die erste Möglichkeit ist die sogenannte Ein-Prozent-Pauschale. Der geldwerte Vorteil werde auf ein Prozent des inländischen Listenpreises des Autos im Zeitpunkt seiner Erstzulassung festgelegt, erklärt Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg. Welchen Preis der Arbeitgeber tatsächlich für den Wagen gezahlt hat, spielt keine Rolle. "Liegt der Listenpreis also beispielsweise bei 30.000 Euro, beträgt der geldwerte Vorteil 300 Euro pro Monat", sagt Wawro. Dieser Betrag wird dann zum monatlichen Lohn addiert. Dieser Gesamtbetrag ist die Grundlage für die Berechnung der Lohnsteuer. Das bedeutet: Nach der Gehaltsumwandlung erhöht sich der Lohn quasi wieder.
 
Zusätzlich zu dieser Ein-Prozent-Pauschale werden für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte monatlich 0,03 Prozent des Listenpreises für jeden Kilometer der Entfernung angesetzt und versteuert, sagt Daniela Ebert vom Deutschen Steuerberaterverband.
 
Tipp: Beteiligt sich der Arbeitnehmer an den Kosten eines Dienstwagens für die private Nutzung, können diese Zuzahlungen an den Arbeitgeber den Wert des geldwerten Vorteils mindern – im Extremfall theoretisch also bis auf Null. Das hat der Bundesfinanzhof mit zwei Urteilen vom 30. November 2016 (VI R 2/15 und VI R 49/14) entschieden.

Protokollierung der privaten und dienstlichen Fahrten

Bei einer anderen Methode, den geldwerten Vorteil zu berechnen, muss jede Fahrt mit einem Fahrtenbuch protokolliert werden. Bei Dienstfahrten erfassen Arbeitnehmer das Datum, den Kilometerstand am Anfang und Ende der Fahrt sowie das Reiseziel (gegebenenfalls bei Umwegen auch die Reiseroute) und den Reisezweck. Ein solcher könnte beispielsweise ein Kundenbesuch sein, sagt Kalina-Kerschbaum. Für Privatfahrten genügen jeweils Kilometerangaben. Für Fahrten zwischen der Wohnung und der ersten Tätigkeitsstätte reicht jeweils ein kurzer Vermerk im Fahrtenbuch, erläutert Ebert. Aus den insgesamt zurückgelegten Kilometern wird der Anteil der privaten Fahrten ermittelt. Diesen Wert der Privatnutzung müsse der Arbeitnehmer dann versteuern, sagt Ebert.

Wann und wie lohnt sich nun die Gehaltsumwandlung?

Welche Berechnungsgrundlage die richtige ist, hängt in der Regel vom Anteil der privaten Nutzung ab. Bei der Gehaltsumwandlung für einen Dienstwagen gilt unter Steuerexperten die Grundregel: Je weniger der Dienstwagen kostet und je kürzer der Arbeitsweg, desto niedriger fällt die Besteuerung des geldwerten Vorteils aus. Und desto eher lohnt sich dann auch die Gehaltsumwandlung. Konkret heißt das: Die pauschale Besteuerung nach der Ein-Prozent-Regel rechne sich für diejenigen, die ihren Dienstwagen zu mindestens 30 Prozent privat nutzen, sagt Wawro. Das Führen eines Fahrtenbuchs, eigne sich vor allem für Nutzer, die ihren Dienstwagen nur wenig privat fahren, sagt Kalina-Kerschbaum. Es muss jedoch stets im Einzelfall geprüft werden, ob sich ein teilweiser Lohnverzicht wirklich rechnet.
 
Übrigens: Die Wahl, wie der geldwerte Vorteil berechnet wird, kann jedes Jahr aufs Neue festgelegt werden. Innerhalb eines Jahres ist dies nur bei einem Wechsel des Pkw möglich. "Die Finanzverwaltung will damit verhindern, dass Steuerpflichtige in Monaten mit hoher Privatnutzung die Ein-Prozent-Methode und in anderen den Nachweis per Fahrtenbuch anwenden", erklärt Ebert.
 
Wir freuen uns, wenn dieser Artikel zum Thema Steuern hilfreich für Sie war. Wichtig: Es handelt sich hierbei um allgemeine Tipps und kann eine Prüfung des Einzelfalls nicht ersetzen. Haben Sie dazu Fragen? Dann wenden Sie sich einfach an Ihren Steuerberater oder Ihr zuständiges Finanzamt.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (8)


Kommentare

Felix

04.07.2018

@Olli

deine Rechnung ist falsch, man darf trotz Dienstwagen die Entfernungspauschale geltend machen.

In meinen Augen gibt es nur absolute Ausnahmen, in denen sich die Privatnutzung eines Dienstwagens nicht lohnt (sehr geringe Kilometerleistung privat bei großem Anfahrtsweg), wenn man alle Kosten inkl. Wertverlust und Reparaturen betrachtet. Nebenbei erkauft man sich eine große Flexibilität, da man alle 2 3 Jahre sein Fahrzeug neu nach den aktuellen Bedürfnissen aussuchen kann und eine Sorglosigkeit durch das stete Fahren von Neuwagen.

Bin totaler Fan dieser Art der Entlohnung und möchte es nicht mehr missen.


Mike

03.07.2018

In Deutschland gibt es ca. 45mio. Arbeitnehmer, von denen 30mio. in Vollzeit arbeiten. Hinzu kommen 5mio. gewerbliche Fahrzeuge, von denen pi mal Daumen 4mio. als "echte" Dienstwagen genutzt werden. Ausgehend davon, dass in vielen Fällen größtenteils VZ Mitarbeiter Dienstwagen erhalten, ist die Quote also bei 13%... also kein "Rand-Thema" und ja auch passend zu den Zulassungszahlen. Nur jeder 4-5 Audi A4/A6 gehört wirklich einem Privatmann... Aber gerade bei langen Arbeitswegen ist der geldwerte Vorteil doch sehr hoch, sodass sich der Dienstwagen nur bei ebenfalls hoher privater Fahrleistung lohnt.

Privat würde man dann wohl auch eher den Golf/Mondeo/Avensis/gebrauchten 5er nehmen, sodass hier oft die Frage im Raum steht:
Fahre ich günstiger mit einem jungen gebrauchten als Selbstzahler oder ist mir das "Prestige" die Mehrkosten im Monat Wert, nur damit ich einen Neuwagen deutscher Premiumhersteller fahre? Wobei das Image bei den "Vertreterkutschen" wie dem A6, Passat, 5er ja bereits kein Argument mehr sein sollte.


watz55

29.06.2018

Toll so ein Dienstwagen. Und später bei der Rente jammern, wenn´s so wenig ist! - Weil immer toll gespart wurde.


Olli

29.06.2018

@ Peter

Bin genau Deiner Meinung! Durch meinen weiten Arbeitsweg und der Spritkostenbeteiligung ist es bei meiner Konstellation nicht rentabel. Worauf ich nur hinaus wollte ist, dass man wirklich alle Kosten (Steuererstattung, GWV, Gehaltserhöhung, etc.) im Blick haben sollte um eine Vernünftige Entscheidung treffen zu können.

P.S. Bei Fahrzeugen in der Range sind allerdings problemlos Rabatte von 20% drin bei der Anschaffung.


Peter

28.06.2018

@olli

Das rechnet sich in deinem Fall nicht, weil du 150€ zusteuern musst und 41km fährst. Ich fahre 4km zur Arbeit, muss keine 150€ Sprit bezahlen und es soll auch kein Auto mit 50.000€ Liste sein (warum auch?). 350€ ist mehr als genug für ein solides Auto.

Nun, aber gehen wir von Deinem Beispiel aus, musst Du ja den direkten Vergleich machen. Also Du schaffst Dir selbst einen BMW 5er für 50.000€ an. D.h. Deine 10.000€ p.a. sind schonmal für 5 Jahre gesichert. Dazu hast du bei deinem Privatwagen jegliche Ausgaben selbst zu tragen. Also nach 2 Jahren Garantie die ersten Reparaturen, sowie neue Reifen und natürlich Sprit. Da ich keine Mutmaßungen über Fahrverhalten machen muss möchte gehe ich mal von viel zu niedrig geschätzten 3.000€ p.a. aus. Also sind MINIMUM 6 Jahre durch den Arbeitgeber getragen und das unter der Voraussetzung, dass Du währenddessen keine Gehaltsanpassung bekommst.


Olli

28.06.2018

Bei mir hat sich die Frage gestellt. Die Firma hat angeboten einen Wagen für € 50.000,00 (BMW 5er) oder € 500,00 mehr Gehalt pro Monat.

Folgende Rechnung hab ich durchdacht:
1. Die EUR 500,00 Brutto mehr machen bei meinem Steuersatz EUR 253,50 Netto mehr im Monat. Die Kilometerpauschale bei der Steuererklärung macht ca. EUR 80,00 pro Monat. (41km x EUR0,30 + 280Tage)

2. Geldwerter Vorteil 1% vom Listenpeis macht monatlich EUR 249,00 weniger. Die Kilometerpauschale (41km) macht noch einmal EUR 120,00 weniger im Monat. Für die Tankkarte muss ich der Firma EUR 150,00 Netto zusteuern (dafür sind 10.000 km privat frei p.a.)

Fazit: Der Wagen kostet mich im Monat EUR 852,50
Warum? Ich habe durch die Gehaltserhöhung EUR 253,50 plus. Wenn ich den Wagen genommen hätte ständen da EUR 519,00 minus und ich würde bei meinder Steuererklärung nichts mehr absetzen können (macht ca. EUR 960,00 p.a. also EUR 80,00 im Monat).

Jetzt muss jeder selber entscheiden ob ihm ein toller Wagen ohne Sorgen um Spritpreise, Versicherung und Reparaturen EUR 10.230,00 im Jahr Wert sind.

Was ich sagen will; viele meiner Kollegen dachten Sie haben einen super Deal gemacht aber eben nicht alle Details berücksichtigt. Daher obacht! ;-)


Eni

28.06.2018

Es scheint in Deutschland richtig zu boomen. Also beim mir kam die Frage vom Arbeitgeber nicht. In Sachsen sind wir vlt noch nicht ganz soweit!


Klara

27.06.2018

???
Toller Artikel, weil ja jeder Arbeitnehmer einen Dienstwagen in Aussicht gestellt bekommt.
Welcher Traumtänzer hat denn den Artikel verfasst?

Die Frage stellt sich doch für sicherlich 98,87% der Angestellten gar nicht.