Digitale Währung

Digitaler Euro: Welche Vorteile er gegenüber Bitcoins & Co. hätte | 09.10.2020

Geld, das von Himmel fällt?

Eine digitale Version des Euro könnte bald Realität werden – jedoch nicht als Ersatz für Bargeld, sondern eher als Pendant. Was den digitalen Euro von anderen Kryptowährungen wie Bitcoins und Libra unterscheidet? Er würde von der Europäischen Zentralbank (EZB) emittiert werden, die die Stabilität der Währung sichern will.

Kommt er oder kommt er nicht? Die digitale Version des Euro beschäftigt seit langem die Finanzwelt. Langsam nimmt die europäische Digitalwährung auch konkrete Formen an. Immerhin will die Europäische Zentralbank (EZB) in nächster Zeit den digitalen Euro intern testen. Parallel dazu sollen vom 12. Oktober an Bürger sowie Fachleute aus Wissenschaft und Finanzsektor zum Für und Wider befragt werden. Voraussichtlich Mitte 2021 gibt die EZB dann entweder grünes Licht für den Start eines digitalen Euro-Projekts – oder sie lässt es eben.

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Andere sind schon weiter in Sachen Digitalwährung

Während das Projekt einer Digitalwährung im Euroraum noch in den Kinderschuhen steckt, sind andere Länder schon deutlich weiter.

  • E-Krona: Das Projekt der schwedischen Zentralbank ist vergleichsweise weit vorangeschritten. In dem skandinavischen Land spielt Bargeld kaum noch eine Rolle.
  • DCEP: In China ist die staatliche Digitalwährung Digital Chinese Currency Electronic Payment seit Ende März 2020 in der Testphase.

Daneben gibt es noch weitere Initiativen.

  • Bitcoins: Diese Währung existiert nur als digitale Zeichenfolge, neue Bitcoins werden von Internet-Usern erstellt. Das Zahlungssystem arbeitet verschlüsselt über kryptografische Methoden. Daher heißen Bitcoins und andere digitale Währungen – es gibt inzwischen mehrere hundert Varianten – Kryptowährungen.
  • Libra: Diese digitale Währung will Facebook-Chef Mark Zuckerberg Ende 2020 auf den Weg bringen. Eines der Ziele von Libra: Geldtransfers sollen über Ländergrenzen hinweg schneller und günstiger werden.

Warum digitaler Euro?

EZB-Direktoriumsmitglied Fabio Panetta erläuterte in einem Blogbeitrag: „Die Einführung eines digitalen Euro kann in verschiedenen Szenarien erforderlich sein, etwa wenn die Menschen nicht mehr mit Bargeld zahlen wollen, oder in extremen Situationen wie Naturkatastrophen oder Pandemien, in denen andere herkömmliche Zahlungsdienstleistungen nicht mehr funktionieren.“
 
In dem Beitrag, der unter anderem auch in den Zeitungen „Die Welt“ und „Le Figaro“ erschienen ist, erklärte Panetta auch: „Ein digitaler Euro würde uns auch davor bewahren, dass staatliche oder privatwirtschaftliche digitale Zahlungsmittel, die aus Ländern außerhalb des Euroraums stammen oder von dort kontrolliert werden, bestehende Zahlungsmittel weitgehend verdrängen.“

Mit einem digitalen Euro könnten …

  • zum Beispiel grenzüberschreitende Zahlungen, die oft Tage dauern, binnen Sekunden getätigt sein.
  • sich finanzielle Geschäftsprozesse von Unternehmen automatisieren und damit beschleunigen lassen.

Bitcoins, Libra – womit punktet der digitale Euro?

„Ein digitaler Zentralbank-Euro hätte einen stabilen Wert, da er den Wert unserer Währung direkt abbildet und auch von der EZB emittiert würde – nur eben rein digital“, sagt Patrick Hansen vom Digitalverband Bitkom in Berlin. Zudem wäre er als allgemeines Zahlungsmittel überall akzeptiert. Damit hätte der digitale Zentralbank-Euro zwei klare Vorteile gegenüber anderen Kryptowährungen.
 
„Der Bitcoin ist zu hohen Schwankungen unterworfen, als dass er für den Zahlungsverkehr von Individuen und Unternehmen Sinn machen würde“, erklärt Hansen. Zudem akzeptieren die allermeisten Geschäfte und Dienstleister Bitcoins noch nicht als Zahlungsmittel.
 
Was Libra betrifft: Es ist noch unklar, auf welche Akzeptanz dieses Zahlungsmittel in der Geschäftswelt stoßen wird. Facebook will mit dem Projekt den bargeldlosen Zahlungsverkehr vor allem in Schwellenländern vereinfachen, da es dort keinen flächendeckenden Zugang zum Bankensystem gebe. Kritiker befürchten, dass Libra unter anderem Geldwäsche erleichtern könnte.

Welche Nachteile hätte ein digitaler Euro?

„Noch offen ist zum Beispiel, welche Auswirkungen ein digitaler Euro auf den klassischen Bankensektor haben könnte“, sagt Hansen. So könnte es bei einem digitalen Euro Bürgern möglich sein, Geld direkt bei der EZB zu hinterlegen. Bislang haben diese Möglichkeit nur gewerbliche Kreditgeber wie Banken, Regierungen und andere Zentralbanken.
 
Manch einer der Experten befürchtet nun, dass in Krisenzeiten Bankkunden ihr Geld von kommerziellen Banken auf die EZB verlagern und so Notlagen verstärken könnten. Diese möglichen Auswirkungen hängen allerdings in erster Linie von der technischen Ausgestaltung eines digitalen Euro ab.
 
Ebenfalls noch zu klären: Sind die technischen Infrastrukturen absolut (betrugs-)sicher und können die persönlichen Daten von Nutzern geschützt werden? In Sachen Datenschutz und IT-Sicherheit gibt es noch einige offene Fragen.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (20)


Kommentare

KhP

20.10.2020

Pandemie: scheint mal wieder eine vorbereitende Ausrede dafür zu sein, so bald wie möglich das Bargeld abzuschaffen.


Willi

20.10.2020

Die Stasi brauchte noch IM's um die Bevölkerung zu überwachen...
Jetzt kann fast jeder vom Schreibtisch aus kontrolliert werden, ob es sein Kaufverhalten oder seine Bewegungen sind. Leute, ich habe in China gesehen wie weit die Überwachung in die Persönlichkeitsrechte eingreifen kann, Kameras an jedem Ort. Schaut euch die Berichte über dortige Methoden und deren Auswirkungen auf den Einzelnen an.
Mit der absoluten Digitalisierung des Geldflusses und einhergehenden Abschaffung des Bargeldes sind wir immer gläserner und vom Schreibtisch (natürlich mit Computer) aus kontrollierbar. Dagegen ist Stasiüberwachung ein Witz.
Will ich nicht!!!


Jacek Jakubowski

20.10.2020

Merkwürdig finde ich, dass sich die Diskussion nur um einen Punkt hier dreht, und zwar um die Abschaffung des Bargeldes. Aber genau das soll bei der Einführung des e€ eben nicht der Fall sein. Und das steht explizit in allen bisherigen Veröffentlichungen zu dem Thema.
Und es scheint vielen nicht klar zu sein, um was es sich bei dem, ich nenne es e€, handeln soll. Es ist eben nicht wie mit EC-Karte sondern wie mit BTC zahlen. Allerdings mit der die Tatsache, dass nur die EZB die Blockchain betreiben würde. So würde ich das erwarten zumindest. Und ich denke es hätte die gleichen Vorteile wie BTC, außer dass der Wert an € gekoppelt wäre und man nicht selbst sich neue Euros schürfen kann.
Aber die Verfügbarkeit des Bargelds soll davon unberührt bleiben.
Ohne weitere konkrete Details, wie denn nun der e€ technisch realisiert sein soll, kann man hier nur spekulieren.


Taunus-Wolf

20.10.2020

Wir sind ein Ehepaar aus zwei Ländern der EU mit Konten in beiden Ländern. Überweisungen in beide Richtungen dauern einen Tag. Das ist schnell genug.
Wer schon heute BARGELDLOS zahlen will, nimmt die Giro- oder Kreditkarte. Funktioniert problemlos, auch dank (und seit) Corona.
KEINERLEI BARGELD sehe ich mit Sorge.
Per HEUTE sehe auch ich NOCH kein Problem. Aber wissen wir, wer morgen das (politische) Sagen haben wird?
Wer will, kauft sich HEUTE ein Ticket nach XXX, mit Bargeld und anonym, um an einer Demo teilzunehmen. MORGEN steht man vielleicht auf einer "schwarzen Liste", weil man eine "missliebige Meinung" vertritt. Resultat: kein Ticketkauf mit eEURO möglich.
HEUTE zahlt man sein Bier in der Kneipe bar, MORGEN nur noch mit eEURO, und ÜBERMORGEN kommt ein Brief von der Krankenkasse, die einen wegen übermäßigen Alkoholkonsums in eine Risikogruppe einstuft und einen Beitrags-Risikozuschlag verlangt.
Wie sagt Gabriele so richtig (siehe Kommentar unten): "LEUTE, PASST AUF!"


Michael Wegener

19.10.2020

Schlüssig erscheinen mir die Begründungen nicht. Ich denke, es stecken andere Absichten dahinter, als die, die publiziert werden Nämlich die Kontrolle des Staates über das Finanzvermögen der Bürger. Es wäre in erster Schritt zur Abschaffung des Bargeldes. Und ich glaube, das ist das wahre Ziel. Damit hätte der Staat die volle Kontrolle über das Finanzvermögen seiner Bürger und keine Zahlung könnte ohne seine Kontrolle stattfinden. Damit wäre der staatlichen Einflussnahme Tür und Tor geöffnet. Kein Trinkgeld ohne Kontrolle, kein Sparschwein mehr und auch Oma könnte kein Geldgeschenk mehr mit warmer Hand an ihre Enkel reichen. Klare Ablehnung. Ich bin Barzahler und werde es bleiben, solange es irgendwie geht.


Harald

19.10.2020

Die Geldwäsche wird dann noch einfacher gemacht.


Hainer

19.10.2020

Wer erlebt hat, wie Elektronik ausfällt, der weiß, was er von digitalem Geld auf seinem Smartphone hat. Bargeld muss weiterhin bestehen bleiben!


Mikael

19.10.2020

Bares ist was wahres. In Krisenzeiten baresgeld ist im Vorteil. Icland ist ein gutes Beispiel. Sie hätten kein Baregeld abheben können, hätten sie alles verloren.
Wer sich für Bitcoin und Libra entcheidet ist selber schuld. Da Spende ich lieber mein Geld an bedürftige als Facebook und co zubereichern.
Es ist ein verschleierte Verstaatlichung nicht anders.


Kesselflicker

19.10.2020

Digitale Euro ist für mich eigentlich jetzt Realität. Ich habe kein Bargeld benutzt seit März, und vorher auch selten.


Jacek Jakubowski

19.10.2020

Ich finde die Idee gut. Die meisten Bedenken der Vorkommentatoren kann ich nicht nachvollziehen. Ob ich in der Tasche eine Kupfer-Nickel-Legierung mit sich trage, oder einen kryptographischen Datensatz auf meinem Smartphone, mach grundsätzlich keinen Unterschied. Für das zweite sehe ich aber die Vorteile überwiegen.


Gabriele

19.10.2020

Ich bin sehr enttäuscht von meiner Bank, die uns den eEuro als Vorteil verkaufen will, wo es letztendlich um die Abschaffung des Bargeldes geht, was eine Katastrophe wäre. Leute passt auf!!


Gine

19.10.2020

Durch die digitale Währung ist eine absolute Kontrolle über den Geldtransfer möglich. Außerdem bräuchte man dann nur noch eine Bank. - Ich will beides nicht.


Ähm, warum?

19.10.2020

Wusste gar nicht dass es den analogen Euro digital gar nicht gibt. Beim contactless paying müssen die Scheine wohl so schnell aus der Visa Karte flattern dass man's gar nicht sehen kann.

Eine Möglichkeit wäre ja, Auslandstransfers mit dem herkömmlichen Euro binnen Sekunden zu machen... Am Internet liegt's wohl nicht dass das noch Tage dauert.


Ralph

19.10.2020

Hier geht es schlichtweg nur um Abschaffung des Bargeldes mit Kontrolle und Enteignung von Sparern. Deutschland hat schon längst nicht mehr das sagen. Grausige Entwicklung...


C. Habacht

19.10.2020

"Eine digitale Version des Euro könnte bald Realität werden – jedoch nicht als Ersatz für Bargeld, sondern eher als Pendant. "
Märchenstunde!
Es geht um die schleichende Abschaffung des Bargelds und Kontrolle/Enteignung der Bürger.
Die Insel Jersey wird immer schöner.


Randolph

19.10.2020

Bei der geplanten Abschaffung des Bargelds können Negativzinsen in beliebiger Höhe erhoben werden. Also neben Aktien reichlich sichere Währungen in physischer Form gut versteckt Bunkern.


Uwe Behrendt

18.10.2020

Dieser Artikel ist so etwas wie eine "Nicht-Information".
Ist es den Autoren möglich, vertiefend über einen eventuellen digitalen Euro zu informieren?
Zudem: Es wird ohne Begründung behauptet, in Krisensituationen würden sich Vorteile ergeben. Ist da nicht eher Bargeld vorteilhaft?
Und es wird - ebenfalls ohne Begründung - behauptet, Auslandszahlungen könnten viel schneller abgewickelt werden. Warum?
Mir ist unverständlich, warum Auslandszahlungen derzeit so lange dauern. Da werden doch keine Geldscheine versendet. Es geht doch jetzt schon alles ohne Bargeld. Ein Transfer wird doch auch jetzt digital durchgeführt. Warum dauert das drei Tage und nicht nur 3 Millisekunden???
Ich würde mich über Erklärungen freuen.


Deniz Akder

18.10.2020

Schlechte Pro Kontra Liste erstellt hätte mehr erwartet bzw. genau so eine Recherche bzw Darstellung habe ich erwartet. Dazu kommt die Vorteile
-zum Beispiel grenzüberschreitende Zahlungen, die oft Tage dauern, binnen Sekunden getätigt sein.
-sich finanzielle Geschäftsprozesse von Unternehmen automatisieren und damit beschleunigen lassen.
Welcher normal Bürger braucht das !?


Hilmar Stange

18.10.2020

Der digitale Euro hat nichts mehr mit der menschlicher Freiheit, die persönliche Gestaltung seines Zahlungsverkehr, die Menschenrechte, die Gestaltung seiner persönliches Umfeldes und die EZB blickt mit Argusaugen auf mein Konto und sie meint ich habe zuviel Geld wird es mir weggenommen. Warum sonst geht von der EU alles zur EZB? Bestimmt nicht weil sie wohltaeterin ist. Die EZB hat nicht umsonst verlangt das Deutschland sich nackig macht. Erst Deutschland zur noetigung des rettungsschirmes, dann jetz zur Zahlung von fuefhunderbillionen getrieben und anschliessend werden die Sparer nackig dastehen. Ein tolles Konzept und unsere polotik schaut zu wie das kaninchen vor der Schlange. Was soll ein fernuenftig normaldenkender burger denn davon halten. Ich finde es eine Frechheit sowas dann noch zu verlangen. Und die Kriminalität ist im Netz höher wie auf den Straßen. Warum wird kein Volksentscheid getroffen. Weil es nicht mit dem Gesetz kompatibel sprich verankert worden ist. Es heisst ja nicht umsonst unmuendiger bürger weil wir ja alle bekloppt sind nicht! So und es könnte ja auch Italien zu schlecht gehen wenn die nicht auf unsere Konten schauen können und wir brachten ebenso keine Polizei mehr es gibt ja dann auch keine Banken die überwacht werden und vieles mehr. Ich bzw. wir sind strikt gegen alle wallets, kryptos, libras und Digitales Geld, denn irgend wer schaut immer auf unsere Konten. Die Welt hat seit Menschen gedenken mit gelt gehandelt und jetzt nicht mehr?Das geht nicht gut gebt uns unsere dmark wieder oder jedes Land hat wieder sein eigenes gelt aber so nicht. Tschuess


Fritz Raupe

18.10.2020

"Er würde von der Europäischen Zentralbank (EZB) emittiert werden, die die Stabilität der Währung sichern will."

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