Neue Verkehrskonzepte

Sind E-Scooter wirklich nachhaltiger als Autos? | 09.10.2019

E-Scooter

Seit Juni sind in Deutschland mehr als 10.000 E-Scooter auf den Straßen. Sie sollen dabei helfen den Autoverkehr in den Städten zu reduzieren und die Städte leiser und sauberer machen. Aber wie umweltfreundlich ist ein E-Scooter wirklich?
 
In vielen anderen europäischen Ländern haben die Verleihroller bereits die Innenstädte erobert. Auch in Deutschland werden es immer mehr. Die Roller gibt es von diversen Anbietern, wie beispielsweise Lime, Circ und Tier und können unkompliziert per App gemietet und überall abgestellt werden.

Aber wie nachhaltig sind sie wirklich?

Die Leihfirmen vermarkten ihre Fahrzeuge als nachhaltige, umweltfreundliche Alternative zum Auto. Können Sie dieses Versprechen halten? Feststeht, dass ein E-Scooter zunächst sehr klimafreundlich zu beurteilen ist, da er auf 100 Kilometern nur 0,5 Kilogramm CO2 ausstößt. Allerdings werden die meisten E-Scooter jeden Abend mit einem dieselbetriebenen Transporter eingesammelt und dann mit Strom aufgeladen.

In den E-Scootern ist genau wie in einem E-Fahrrad ein Lithium-Ionen-Akku verbaut. Die Herstellung und Entsorgung eines E-Scooters verursacht Treibhausgasemissionen, die 22 bis 30 Kilogramm CO2 entsprechen. Der Transport und auch die Herstellung lassen die Ökobilanz des E-Scooters wieder schlechter aussehen. Denn unter Einbezug aller Faktoren steigt der durchschnittliche CO2-Wert für 100 Kilometer auf 12,5 Kilogramm CO2. Diese Zahl ist erschreckend, wenn man bedenkt, dass ein benzinbetriebener Kleinwagen auf gleicher Strecke ungefähr 11 Kilogramm CO2 verursacht.

Müssen die E-Scooter wirklich jede Nacht aufgeladen werden?

Genau das ist das Problem. Die meisten E-Scooter werden jede Nacht, unabhängig von ihrem Ladestand, aufgeladen. Für die Anbieter wäre es kein Problem ihre Geräte auslesen zu lassen und nur diejenigen einzusammeln und aufzuladen, die eine Aufladung benötigen. Aktuell legt jeder Roller täglich nur ungefähr fünf Kilometer zurück und wird dennoch aufgeladen. Würde jeder Roller gefahren werden, bis er tatsächlich leer ist, so könnte die Ökobilanz deutlich aufgewertet werden.

Also gleich das Auto nehmen?

Nicht unbedingt. Die Berechnung der Emissionen ist sehr stark davon abhängig, welche Strecke täglich für das Einsammeln zurückgelegt wird und mit welchem Fahrzeug das erfolgt. Würden die Einsammler kürzere Strecken fahren, würde die CO2-Bilanz der E-Scooter viel besser ausfallen. Die Anbieter sollten ihre Strecken somit möglichst kurz halten und eine Alternative zu den dieselbetriebenen Fahrzeugen suchen.

Wie lange kann ein E-Scooter genutzt werden?

Die Lebensdauer eines E-Scooters beträgt aktuell nur circa ein Jahr. Das ist erstaunlich wenig und beängstigend, wenn man bedenkt, wie viel Emissionen bei der Herstellung erzeugt werden. Zum normalen Verschleiß kommt noch Vandalismus hinzu. Die E-Scooter erleiden oft das gleiche Schicksal wie Leihfahrräder und werden von frustrierten Nutzern in Flüsse und Büsche geworfen oder an Bäume gehängt. Außerdem werden die Roller oft an Orten abgestellt, an denen sie umgestoßen oder beschädigt werden.

Mit dem E-Scooter jeden Tag zur Arbeit?

Die wichtigste Frage ist aber doch, welches Transportmittel der E-Scooter jetzt wirklich ersetzt. Das Argument der Anbieter ist, dass die E-Scooter eine Lücke im öffentlichen Nahverkehr schließen. Nach ersten Ergebnissen besteht die Zielgruppe hauptsächlich aus Touristen, von denen ein Großteil durchschnittlich zwei Kilometer fährt. Hauptsächlich wird mit einem E-Scooter  die „letzte Meile“ überbrückt. Also die Strecke, die zu weit ist, um sie zu Fuß zu gehen aber auch zu kurz um öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. In Randgebieten werden sie laut ersten Auswertungen kaum genutzt.

Laut einer Umfrage in Portland fuhren nur 8 Prozent der Befragten eine Strecke für die sie sonst ein Auto genutzt hätten. 47 Prozent der Nutzer gaben an, dass sie den Weg sonst gelaufen wären und 29 Prozent nutzen weiterhin öffentliche Verkehrsmittel. Somit schließen sie tatsächlich eine kleine Lücke in der innerstädtischen Mobilität. Für alle Strecken unter einem Kilometer, sollten Sie von der Nutzung eines E-Scooters absehen. Die umweltfreundlichste Variante ist und bleibt das Fahrrad.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (23)


Kommentare

Gunnar

24.10.2019

Hallo zusammen, ich kann mich den meisten "Kommentatoren" und deren Argumenten nur anschliessen und glaube auch, dass E-Scooter eine ökologische, ökonomische und ästhetische Dummheit (teilweise unfassbar dämlich abgestellte Scooter mitten auf Bürgersteigen und überall in der Gegend, z.B: in Parks) sind.
Hoffe der Irrsinn wird bald in vernünftige Bahnen gelenkt.


Holger

21.10.2019

@Heidi ich habe nichts von Silizium geschrieben, als Elektroautofahrer weiß ich woraus die Batterien bestehen! und Tesla z.B. verwendet kaum noch Kobalt und bald gar keins mehr. für Batterien. Schauen Sie bitte Mal weiter unten wer was vom kostbaren Silizium geschrieben hat.


@Heidi

20.10.2019

Lithium-Polymer-Akku benötigen kein Silizium, sondern Lithium und zumeist Cobalt. Bitte informieren Sie richtig und bitte korrigieren Sie Ihren Infostand.
Silizium ist in der Erdhülle vom Masseanteil das zweithäufigste Element. Silizium wird vor allem für Lichtwellenleiter(kabel) und Halbleiter verwendet. Und reines Silizium gibt es sogar reichlicher als jenen Sand, der als Baummaterial-Kies verwendet werden kann.


Holger

19.10.2019

@Thau
Haben die beim Öl fördern die Kriege und die Menschen die dafür sterben müssen mit einberechnet? Und das Öl hat einen sehr weiten Weg zu uns. Und der ganze Strom der für das Raffinerien benötigt wird. Mit dem Strom für die Herstellung von 1 Liter Benzin fahre ich schon mind. 10 Kilometer mit dem Elektroauto.


Holger

19.10.2019

Da sieht man Mal wieder wie falsch die Leute informiert sind Dank unserer sogenannten Quallitätsmededien die meisten Batterien die für Autos und so weiter verwenden werden besten aus Lithium und eine Batterie hält ca. 30 Jahre und Lithium wird aus Salzwasser gewonnen , ich trinke ungern Salzwasser und meine Pflanzen gießen ich damit auch nicht und die Batterien sind zu 96% Resyclebar und werden voher nach dem Autoleben noch als Hausspeicher verwendet. Silizium Batterien kommen erst noch und damit werden dann alle Verbrenner endlich abgelöst. Endlich wieder saubere Luft überall und ohne Lärm :-)


Scooter

18.10.2019

Hallo,
ich fahre mit dem Scooter jeden Tag ca. 8 km, die letzte Meile.
Vorher täglich 90 km mit dem Auto und jetzt halt Bahn und Scooter.
Wenn so die Ökobilanz bei mir nicht stimmt, dann holt die Bahn den Strom aus den falschen Quellen. ;-)


Heidi

18.10.2019

Ich habe noch nie ein E-Skooter besitzt und werde auch nie einen kaufen. Für die Akkus, die nicht nur in E- Scooter sind, sondern mittlerweile in fast jeden mobilen Gerät ( auch E- Autos ) wird kostbares Silizium verbraucht, was in Ländern gewonnen wird, die es selbst nicht verwenden. Das Silizium was in diesen Ländern gewonnen wird, verbrauchen nur die Reichen Länder ( für eine Tonne Silizium, werden 25 Mill. Liter Grundwasser verbraucht ).


Franz

18.10.2019

"Denn unter Einbezug aller Werte steigt der durchschnittliche CO2-Verbrauch für 100 Kilometer auf 12,5 Kilogramm CO2. Dieser Wert ist erschreckend, wenn man bedenkt, dass ein benzinbetriebener Kleinwagen auf gleicher Strecke ungefähr 11 Kilogramm CO2 verbraucht."
Und erschreckend ist wieder einmal die Sachkenntnis der DiBa: CO2 wird nicht verbraucht sondern entsteht bei den energieerzeugenden Verbrennungsprozessen.


Lucio

17.10.2019

... und wie sieht die Öko-Bilanz bei Wasserstoff aus! Der fällt ja nicht vom Himmel. Und wenn dieser ja so 'Super' wäre, dann hätte die Industrie ihn ja schon längst eingesetzt!


Michael

17.10.2019

Wasserstoff(-gas) ist KEIN Knallgas. Knallgas ist eine Mischung von Wasserstoff(-gas) und Sauerstoff(-gas) annähernd im Volumenverhältnis 2:1.
Es ist aber momentan total zweitgeistig ohne das erforderliche praktische und theoretische Wissen die Welt mit/nach seinen Plänen bewegen zu wollen. Strategie und Vorausschau, die Konsequenzen der herausposaunten Ideen in all ihren Konsequenzen zu Ende zu denken, ist ja so etwas von old fashioned!

Zum Thema "E-Scooter": wieder ein volkswirtschaftlich grandioses Beispiel für Entwicklungshilfe an China, wirklich perfekt organisierter Wohlstandstransfer zum "Nutzen" unserer ökologischen Hippster. Für bunte Glasperlen verkaufen wir unser Land.


Stefan

17.10.2019

Leider wird immer viel zu sehr auf die Nachteile von Verleihgeräten eingegangen. Ich besitze selbst seit 2 Jahren eine E-Scooter.
Nutze diesen für die "letzte Meile" (3,5km) zwischen Bahnhof und Arbeitsplatz. Somit bin ich vom Auto auf den öffentlichen Verkehr umgestiegen. Wenn ich laufen müsste würde ich diese Strecke nicht auf mich nehmen und stattdessen doch das Auto nehmen. Fahrrad ist leider keine alternative, da dieses ein Extra Zugticket (doppelte Fahrtkosten) erfordert und der Zug ohnehin schon voll besetzt ist.
Was mich wirklich stört, ist, dass in jedem Bericht auf die Nachteile der Verleih Scooter eingegangen wird. Würde man diese "verbieten" oder strenger regulieren und stattdessen Privatanschaffungen fördern hätte man viele dieser Probleme nicht mehr.


Für Wasserstoff

13.10.2019

Ihnen ist scheinbar nicht klar, dass Wasserstoff != Knallgas ist. Meiner Meinung nach ist Wasserstoff auch der einzig wahre Weg, solange es keine anderen alternativen gibt. Akkus sind einfach nur schädlich für die Umwelt.


@ "@Johann - den Wasserstofffan"

12.10.2019

Weil Akkus nicht explodieren wie Sand am Meer?

Die Akku- / Stromteile bei den elektrischen Zigarettenersatz haben Mann Mund zerfetzt.

Smartphoneakkus sind in der Hosentasche bzw. am Ohr explodiert.
Usw.


Peter

11.10.2019

E-Scooter sind im Prinzip eine tolle Sache. Fahre selbst einen.
Es wäre jedoch besser, wenn die Fahrzeuge wieder zum Vermieter
zurückgebracht werden müssten.
Dann würden die Nutzer auch besser drauf aufpassen.


@Johann - den Wasserstofffan

11.10.2019

Um Sie von Ihrer Wasserstoff Euphorie zu heilen, müssen Sie vermutlich mal eine richtige Knallgasexplosion erleben und vor allem auch noch überleben. Nur als Denkhinweis: die zig tausende Tonnen schweren Stahlbetonoberteile der Reaktoren in Fukushima und Tschernobyl wurden durch gewaltige Knallgasexplosionen zerbröselt. Und als neulich in Oslo eine Wasserstofftankstelle brannte, wurde ein Sperrkreis mit 500 m Radius aufgebaut.


Scooter. Nein

11.10.2019

Wer in Berlin mit offenen Augen durch die Stadt geht wird sehen wenn er den will, dass dieser E-Mist überall im Weg steht. Es wird weder auf Haltestellen, U-Bahneingänge, schmale Gehwege oder Parkanlagen Rücksicht genommen. Gilt für die gesamten Leihräder genauso. Stimmt es das die Autoindustrie diesen unsinnigen Spass wegen Ihrer zu erfüllenden E-Zahlen Ziele auf den Markt geworfen hat. Bei 500 Euro kosten und 7-12 Monate Haltbarkeit kann wohl kaum ein Gewinn erzählt werden. Den die Auflader müssen ja auch bezahlt werden. Und das ist das nächste fast kriminelle zu nennende Verhalten der Unternehmer, die Löhne sind sehr niedrig und es gab bereits die ersten Schlägereien um das Aufladen auf die LKWs damit.
Leider denken die meist Jugendlichen Nutzer an keinen dieser Punkte, passt zum Händywahn alle 5 Monate ein neues zu brauchen. Ebenfalls sehr schlechte Ökobilianz (Akku) Kindersterben in den Bergwerken beim Abbau der notwendigen Stoffe.


Thau

10.10.2019

Guten Tag, Sie haben bei Ihren Berechnungen die Produktion der Batterien, den Transport aus China oder wer weis woher nicht eingerechnet, die Herstellung dieser Dinger und die Risiken im Straßenverkehr.


München: 500x mal Füherscheinverlust

10.10.2019

durch Trunkenheit bei der Nutzung von E-Scootern.
Lautete neulich eine Schlagzeile der Süddeutschen.
Und wer heute durch den E-Scooter 75% seiner Autofahrten ersetzt, der fuhr vorher die 300 m zum Bäcker, Friseur, Arzt, Zahnarzt, Nagelpflege, Zeitungskiosk u. ä. mit dem Auto. Das ist nichts weiter als gehypter Trend-Müll, der durch die Hype in ist. Und nur wer zu viel Geld zu leicht verdient, der kann sich das auch leisten.


Henry

09.10.2019

E-Scooter Verleih gibt es keinen im Umkreis von 75km, daher stellt sich die Frage nicht. Aber die „letzte Meile“, "durchschnittlich zwei Kilometer" sind fußläufig recht einfach zu bewältigen. Fahrad macht erst ab 10km+ wirklich Sinn.


Johann

09.10.2019

E-Scooter usw. alles Müll....verherrend für Umwelt usw.
Auch die Straßenverkehrsgefährdung!!!

Besser auf was anderes konzentrieren - Wasserstoff usw.

Die Akkus landen ja sowieso alle wieder in Afrika etc. Was ist da jetzt eine bessere Ökobilanz als jetzt?


Oliver

09.10.2019

Die E-Scooter sind in der Ökobilanz dermaßen schlecht, absuluter Schexx


Günther Reinhart

09.10.2019

Leider werden in Ihrer Analyse nur Leih-E-Scooter untersucht.
Ich besitze seit 3 Monaten einen E-scooter und habe seitdem meine Autofahrten um 75% reduziert. Daher besteht das Problem vor allem bei den Leihscootern, die meiner Meinung nach verboten gehören.


Rajobi

09.10.2019

Das ist alles nur Schönfärberei. Zur Zeit lese ich in Bonn verstärkt Zeitungsberichte wonach mit Hilfe der Roller die Betrunkenen die Heimfahrt antreten (und von der Polizei aufgegriffen werden). Tatsächlich sind die E-Roller nicht nur in Bonn sondern auch in anderen europäischen Städten (z.B. in Mailand) ein Ärgernis, weil sich die Benutzer nicht an die Verkehrsregeln halten. In einer italienischen Zeitung habe ich gelesen, dass kürzlich in Paris 107 (!) E-Roller aus dem Fluss gefischt wurden. Den Ersten der aus dem Rhein gefischt wurde habe ich auch schon gesehen. Das ganze Thema ist ein Marketing-Gag, der verkehrspolitische Nutzen (Umweltschutz) ist gleich null. Die Öko-Bilanz verheerend. Selbst die Verleiher geben zu, dass von einer Haltbarkeit von 7 Monaten ausgegangen wird. 1 Jahr ist das Ziel!
Also Leute, nehmt weiterhin das Fahrrad und fahrt mit den Öffentlichen. Oder macht es wie ich, ich gehe nach wie vor den letzten Kilometer zu Fuß. Ich schaffe das locker und ist wirklich gut für die Umwelt und die eigene Gesundheit.