Jetzt Testamente wegen Rechtswahl überprüfen!

Neue EU-Regelung kann Verfügungen in deutschen Testamenten betreffen

20150624_Baukosten_artikel

© Marco2811 - Fotolia.com

Ob in einem Ferienhaus in Italien oder in einem der günstigen Pflegeheime in den europäischen Nachbarländern – viele Deutsche verbringen ihren Lebensabend im Ausland. Die sogenannten Auslandsdeutschen sollten jetzt jedoch ihre Testamente überprüfen: Zum 17. August hat sich das Erbrecht geändert!

Erbrecht richtet sich nach dem Lebensmittelpunkt

Die EU-Neuregelung sieht vor, dass grenzüberschreitende Erbfälle nach dem Recht des EU-Landes abgewickelt werden, in dem der Verstorbene seinen Lebensmittelpunkt hatte. Hintergrund dieser Neuregelung ist eine Erleichterung für die Hinterbliebenen: Bisher waren internationale Erbschaften innerhalb der EU häufig kompliziert.

Ein Beispiel

Wer als Deutscher über Grundstücke in Deutschland verfügt, seit Jahren aber seinen Lebensmittelpunkt in Österreich hat, vererbt künftig grundsätzlich nach österreichischem, nicht nach deutschem Recht. Die Staatsangehörigkeit spielt also erst mal keine Rolle mehr. Umgekehrt gilt: Wer als Deutscher an der Costa Brava nur ein paar Mal im Jahr im eigenen Ferienhaus Urlaub macht, seinen Lebensmittelpunkt jedoch in Hamburg hat, vererbt zukünftig nach deutschem Erbrecht, nicht nach spanischem.

Berliner Testament

Problematisch kann es nun werden, wenn sich Deutsche z. B. für das beliebte Berliner Testament entschieden haben, bei dem sich die Ehepartner gegenseitig als Alleinerben einsetzen. Diese Testamentsregelung, die immerhin 80% der deutschen Ehegatten anwenden, wird in anderen Ländern teilweise nicht akzeptiert. Bei Immobilien geht der überlebende Ehegatte dort mitunter leer aus.

Sie haben die Wahl

Damit deutsche Staatsangehörige trotz der EU-Neuregelung weiterhin nach ihrem Willen vererben können, müssen sie in ihrem Testament festhalten, welches Recht gelten soll. Nach wie vor gibt es nämlich die Möglichkeit der Rechtswahl: Sie ist ausdrücklich in einem handschriftlichen oder notariellen Testament zu hinterlegen.


Umfrage



Ihre Meinung

Kommentare (4)


Kommentare

Dennis

06.10.2018

Hallo,

erstmal danke für den Artikel über diese Regelung, die für einige sicherlich neu ist.

Bei der Umfrage wäre eine dritte Option sinnvoll.
"Ja, ich bin davon betroffen. Mein Lebensmittelpunkt ist und bleibt in Deutschland, aber ich besitze auch eine (Ferien-)Immobilie in Y."
In diesem Fall ist man genauso davon betroffen.

Ausserdem kann ein Testament bei einem Notar (je nach Wert der Immobilien) eine kostspieliege Angelegnehit sein. Wenn die EU die aktuell gültige Möglichkeit (im Testament ausdrücklich nach deutschem Recht zu vererben) streicht oder abändert, muss man jedesmal ein neues Testament aufsetzen lassen und auch wieder bezahlen!


Erhard-Ludwig Kaysan

19.08.2018

Ihre


Ellen

02.02.2017

Ich habe für meine Güter im Ausland ein Testament dort hinterlegt, und hier eines in Berlin für das, was mir gehört.


W.K.

25.01.2017

Informativ, aber muß ich nun ins Berl. Testament reinschreiben - nach deutschem Recht - oder?