Extrem- und Risikosport

So versichern sich Adrenalinjunkies│22.06.2018

KIettern als Extremsport

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Die Deutschen bewegen sich gerne: Etwa 11,57 Millionen Menschen betrieben im Jahr 2017 nach Angaben von Statista mehrmals pro Woche Sport. Und nach Informationen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. ereignet sich jeder neunte Unfall bei körperlicher Ertüchtigung. Mehr als jede dritte Sportverletzung (37%) passiert beim Fußball, dicht gefolgt vom Skisport (23%). Das Risiko ist bei einigen Sportarten also extrem hoch – für Versicherte genau wie für Versicherer. Da ist die richtige Versicherung unabdingbar.

Was genau zählt eigentlich zum Risiko- und Extremsport?

„Eine allgemein anerkannte oder gar gesetzlich festgelegte Definition gibt es nicht“, erklärt Gunther Kohn, Fachanwalt für Versicherungsrecht von der Berliner Kanzlei Büchner Rechtsanwälte. „Üblicherweise werden darunter Sportarten verstanden, die mit einem besonderen Risiko verbunden sind, sich zu verletzen. Das kann natürlich fast alles sein, was mit körperlicher Aktivität einhergeht, wie beispielsweise Fußball. Hobbysport ist nicht grundsätzlich ausgeschlossen.“ Bianca Boss, Pressesprecherin vom Verbund der Versicherten ergänzt: „Die Kategorisierung der Sportarten erfolgt individuell und ist bei den Versicherungsgesellschaften und auch von Police zu Police unterschiedlich. Es gibt im privaten Versicherungsrecht keine einheitliche Definition von Risiko- oder Extremsportarten.“
 
Das bedeutet: Motorsport, Ski-Fahren, Klettern, Tauchen oder Fallschirmspringen können Risiko- und Extremsportarten sein – ebenso „normalere“ Hobbies wie Joggen, Reiten und Fußball spielen.

Einige Versicherungen sind für Sportler ein Muss

Grundsätzlich machen für Sportreibende vier Versicherungen Sinn: Privathaftpflicht-, Berufsunfähigkeit- und Risikolebensversicherung sowie die private Unfallversicherung.

  • Eine Privathaftpflichtversicherung ist besonders wichtig: „Eine Privathaftpflichtversicherung sollte jeder abgeschlossen haben - ob Sportler oder nicht“, rät Bianca Boss. „Sie schützt vor Schadenersatzansprüchen. Foult ein Hobby-Fußballer einen gegnerischen Spieler krankenhausreif und besteht nach haftungsrechtlichen Maßstäben ein Schadensersatzanspruch, übernimmt die Privathaftpflichtversicherung den Schaden.“ Zudem gehöre zum Umfang eine Prüfung dazu, ob der Versicherte überhaupt haften muss. Sie wehre unberechtigte Ansprüche notfalls vor Gericht ab.
  • Die Berufsunfähigkeitsversicherung greift wenn eine Verletzung zum Verlust der Arbeitskraft führt – und wird deshalb von Boss vom Bund der Versicherten empfohlen: „Sie zahlt dann die Rente in vereinbarter Höhe.“
  • Eine Risikolebensversicherung macht vor allem bei Extremsportarten Sinn, die ein sehr hohes Todes-Risiko aufweisen. So sind im Zweifelsfall auch Angehörige abgesichert.
  • Eine Private Unfallversicherung macht nur bei einigen Sportarten Sinn: Sie schützt vor dauerhaften Schädigungen und zahlt eine vereinbarte Geldsumme oder Rente aus. Dabei ist der tatsächliche finanzielle Schaden unabhängig von Leistungen aus beispielsweise anderen Versicherungen.

Wo statt der Unfall- nur eine Spezialversicherung greift

In einigen Fällen ist eine Spezialversicherung notwendig, da die private Unfallversicherung nicht alle Sportunfälle abdeckt: „Ausgeschlossen sind beispielsweise häufig Motorsport, damit verbundene Rennen und Sportfliegen“, erklärt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. „Es werden allerdings auch private Unfallversicherungen am Markt angeboten, bei denen beispielsweise recht übliche Sportarten wie Skifahren oder Reiten ausgeschlossen sind.“ Das bedeutet konkret: Versicherungen zahlen nicht bei Sportunfällen, deren Sportart vertraglich explizit ausgeschlossen ist.
 
Tipp: Wichtig für Sportreibende ist es also, die Vertragsbedingungen genau zu kennen. Über besondere Prämien können ausgeschlossene Sportarten wieder eingeschlossen werden.

Wem muss ich von meinem sportlichen Hobby erzählen?

  • Der Versicherung? Grundsätzlich besteht keine Meldepflicht für die Neuausübung bestimmter Sportarten. „Sollten solche Meldepflichten allerdings in den Bedingungen statuiert sein, dann wird sich der Versicherer im Leistungsfall auf die vertraglich vereinbarten Konsequenzen berufen“, erklärt Bianca Boss. Anders gesagt: Wenn bestimmte Sportarten von vornherein vom Versicherungsschutz ausgeschlossen seien, blieben sie auch bei erst späterer Betätigung in diesem Bereich unversichert.
  • Dem Arbeitgeber? Der Arbeitgeber muss nicht zwingend über die Sportart in Kenntnis gesetzt werden: „Grundsätzlich kann der Arbeitnehmer selbst entscheiden, wie er seine Freizeit verbringt, ohne den Arbeitgeber über seine Hobbys informieren zu müssen“, erklärt Rechtsanwalt Kohn. Allerdings: „Fällt man aber wegen einer Erkrankung – auch einer Sportverletzung – sehr lange aus und es gibt eine negative Prognose für die Zukunft, kann womöglich eine personenbedingte Kündigung gerechtfertigt sein.“

Versicherung durch einen Sportverein – geht das?

Viele Vereine und Verbände bieten Rahmenverträge an, mit denen ihre Mitglieder bei der Ausübung ihres Sports im Rahmen des Vereins etwa mit Haftpflicht- und/oder Unfallversicherung abgesichert sind. „Deren Leistungen sind jedoch oft recht begrenzt, wenn man sie mit den Einzelabsicherungen vergleicht“, sagt Rechtsanwalt Gunther Kohn. Zudem ist das Risiko eines Arbeitskraftverlusts nicht über einen Sportverein abgedeckt.

Bei Extremsportarten gibt es Ausnahmen für Krankentagegeld

Arbeitnehmer erhalten grundsätzlich bis zu sechs Wochen Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall von ihrem Arbeitgeber. Im Anschluss daran gibt es Krankengeld von der gesetzlichen Krankenkasse (GKV), die 70 % vom Bruttoeinkommen, höchstens jedoch 90% vom Nettolohn, beträgt. „Die GKV zahlt Krankengeld grundsätzlich nur für 78 Wochen innerhalb von drei Jahren wegen der gleichen Krankheit“, sagt Bianca Boss. Selbständige und Freiberufler, die eine Extrem – oder Risikosportart ausüben, müssen einen entsprechenden Wahltarif bei ihrer Krankenkasse wählen. Dennoch rät Boss zur „Vorsicht bei Extremsportarten“. „Hat der Arbeitnehmer durch sein Verhalten vorsätzlich oder grob fahrlässig den Unfall verursacht, entfällt sein Anspruch auf Lohnfortzahlung. Bei einer Risikosportart liegt das Verschulden des Arbeitnehmers schon in der Auswahl der Sportart.“

Autor: ING-DiBa


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