Vermögen in der Eurozone

Wie sich Covid-19 auf das Finanzvermögen auswirkt | 15.09.2020

Geld, das von Himmel fällt?

Die Corona-Krise hat auch finanziell Spuren hinterlassen: Im ersten Quartal von 2020 haben die privaten Haushalte in Deutschland in der Summe Milliarden verloren. Diese Verluste sind laut einer Analyse längst aufgeholt.

Der Kurssturz an den Börsen im März 2020 hatte es in sich. Vor allem er war es, der das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland im ersten Quartal im Vergleich zum Rekordwert des Vorquartals kräftig schrumpfen ließ – und zwar um 128 Milliarden Euro oder 2,0% auf 6,34 Billionen Euro. Damit kamen die Bundesbürger vergleichsweise glimpflich davon, Menschen in anderen EU-Ländern traf es weitaus härter.
 
Hinweis:Die ING-Studie Unser Geld & COVID-19 analysiert die Entwicklung des Finanzvermögens sowie des Sparverhaltens privater Haushalte in Deutschland und in der Eurozone im ersten Quartal 2020. Dazu wurden durch Barkow Consulting Daten der Deutschen Bundesbank, der Deutschen Börse, der EZB, des statistischen Bundesamts (destatis) und von Eurostat ausgewertet. Der Ausblick für das erste Halbjahr wurde auf Basis der Entwicklung der Kapitalmärkte mit Hilfe statistischer Schätzverfahren ermittelt. Das Finanzvermögen wird dazu in 7 Kategorien unterteilt: Bargeld, Einlagen, Aktien, Anleihen, Fonds, Versicherungen, sonstiges Finanzvermögen. Des Weiteren wird unter Berücksichtigung des Kapitalmarktumfeldes ein Ausblick auf die Entwicklung des Finanzvermögens im zweiten Quartal gegeben. Hierzu werden klassisch deskriptive Methoden der Statistik mit Verfahren des maschinellen Lernens zur Variablenselektion kombiniert, eine Vielzahl von Modellen konstruiert und berechnet. Die finale Modellselektion basiert dann auf der historischen Prognosegüte in Verbindung mit Expertenwissen aus jahrzehntelanger Marktkenntnis. Die analysierten Daten stammen von der Deutschen Bundesbank, der Deutschen Börse, der EZB, dem statistischen Bundesamt (destatis) und von Eurostat.

Der Grund, warum die Deutschen eher gut davon kamen? Weil sie einen vergleichsweise hohen Anteil an Bankeinlagen inklusive Bargeld (41% versus Eurozone mit 35%) und Versicherungen (37% vs. Eurozone 35%) haben, die entweder gar nicht oder nur gering auf Schwankungen des Kapitalmarktes reagieren.

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Griechenland war am heftigsten betroffen

Das Finanzvermögen europäischer Sparer hat sich im ersten Vierteljahr kapitalmarktbedingt um 771 Milliarden Euro oder 3,0% gegenüber Dezember 2019 auf 25,1 Billionen Euro reduziert. Das war der mit Abstand höchste Finanzvermögensverlust binnen drei Monaten der vergangenen 20 Jahre. Insgesamt haben Verbraucher aus 16 von 19 Eurozonen-Länder im ersten Vierteljahr Vermögenseinbußen gehabt. Mit minus 11,0% war Griechenland gegenüber dem Vorquartal am heftigsten betroffen, im Wesentlichen wegen überdurchschnittlich hohen Verlusten des Aktienvermögens. Das ergibt folgendes Bild:

Griechenland

mit minus 11,0%

Deutschland

mit minus 2,0%

Italien

mit minus 5,1%

Lettland

mit minus 1,8%

Belgien

mit minus 4,4%

Estland

mit minus 1,7%

Finnland

mit minus 4,3%

Portugal

mit minus 1,4%

Spanien

mit minus 4,3%

Luxemburg

mit minus 0,9%

Frankreich

mit minus 4,0%

Slowakei

mit minus 0,6%

Irland

mit minus 3,5%

Slowenien

mit minus 0,6%

Österreich

mit minus 2,2%

Malta

mit minus 0,0%

Bewohner von drei Euro-Zonen-Länder konnten indes ihr Vermögen im ersten Vierteljahr im Vergleich zu Dezember 2019 sogar noch steigern, und zwar

Litauen

mit plus 5,8%

Niederlande

mit plus 3,3%

Zypern

mit plus 0,5%

Bargeld und Aktien in der Krise gefragt

Geldanlage in Krisenzeiten – wie gingen die Deutschen in dieser Sache im ersten Quartal von 2020 vor? Auch auf diese Frage liefert die Analyse interessante Antworten:

  • Bargeld: Bargeld als Zahlungsmittel – das war lange Zeit in Deutschland von abnehmender Bedeutung. Doch im ersten Quartal von 2020 hat das Bargeldsparen mit Abstand am meisten zugelegt. Mit einem Rekordvolumen von 20 Milliarden Euro ist mehr als jeder fünfte Spar-Euro, also 22%, im Sparschwein gelandet. Zum Vergleich: Im ersten Quartal von 2019 machte Bargeld nur 5% des Sparvolumens aus. Und: Während bei den Deutschen zu Beginn diesen Jahres das Sparvolumen in Sachen Bargeld bei 22% lag, machte es bei den Bewohnern in der restlichen Euro-Zone nur 7% aus.
  • Aktien: Ebenfalls ein deutliches Plus erzielten Aktien-Investments mit 14 Milliarden Euro oder 15% des Sparvolumens (erstes Quartal 2019: 8% des Sparvolumens). Was also zeigt, dass die Deutschen beim Geldanlegen inzwischen deutlich risikofreudiger waren. Bewohner anderer Länder in der Euro-Zone erteilten indes im ersten Quartal von 2020 Aktien-Investments eine klare Absage: Sie investierten keinen Cent – also 0% – in Aktien.
  • Bankeinlagen: Der große Verlierer des ersten Quartals waren bei Deutschlands Sparer indes Bankeinlagen. Sie konnten mit 5% des Sparvolumens so wenig neues Geld anziehen wie seit 15 Jahren nicht mehr. Im ersten Quartal von 2019 hatte noch der Anteil von Bankeinlagen am Sparvolumen bei 25% gelegen. Ganz anders in der Euro-Zone: Während der Anteil am Sparvolumen in Sachen Bankeinlagen in Deutschland zu Jahresbeginn bei 5% lag, betrug er in der Euro-Zone 57%.
  • Anleihen: Auf wenig Interesse stießen im ersten Quartal von 2020 bei deutschen Anlegern Anleihen. Hier gab es ein Minus am gesamten Sparvolumen von 2%. Im ersten Quartal von 2019 wurde in Sachen Anleihen noch ein Plus von 1% am Sparvolumen verzeichnet. Auch in der Euro-Zone sind Anleihen bei Sparern alles andere als beliebt. Hier sank der Anteil am Sparvolumen um 12%.
  • Fonds: 8% des Sparvolumens machte hierzulande im ersten Quartal von 2020 das Fondssparen auf – im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 5%. Ein Zuwachs also von 3 Prozentpunkten. Und in der Euro-Zone? Dort lag das Fondssparen im ersten Vierteljahr dieses Jahres bei 11% des Sparvolumens.
  • Versicherungen: Sparer in Deutschland steckten zu Jahresbeginn mehr Geld in Versicherungen – auf 26% beläuft sich hier der Anteil am Sparvolumen gegenüber 23% zu Beginn des Jahres 2019. In der Euro-Zone betrug indes Anfang 2020 der Anteil an Versicherungen am Sparvolumen 24%.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (3)


Kommentare

Hermann Egli

21.09.2020

Die richtige Strategie ist alles bei der Geldanlage. Dazu ist es erforderlich, dass man sich selbst mit diversen Anlagemöglichkeiten beschäftigt. Für Ausgaben, die in nächster Zeit anstehen, kann nur eine kurzfristige Geldanlage in Frage kommen. Mittelfristig -man spricht von einem bis zu vier Jahren- sind Anlagen z.B. in einem gering schwankenden (Renten-) Fonds denkbar. Alles Geldvermögen was über vier Jahre hinaus nicht verplant ist, sollte in eine etwas risikoreichere aber sehr wahrscheinlich ertragreichere Anlage wie in einem Aktienfonds oder direkt in Aktien angelegt werden. Doch wenn jemand "kalte Füße" bei einer deutlichen Kursrückgang bekommt, und dann vielleicht verkaufen "muss" hat womöglich die falsche Strategie gewählt. Gerade dann lohnt es sich, Geld in diese Anlageformen zu investieren. Warum werden "Reiche" immer reicher und "Arme" immer ärmer. Ganz einfach: "Reiche" halten sich meist an diese Regel !


ING

21.09.2020

Hallo Herr Dr. Reich, wir sagen besten Dank für Ihren Kommentar und die Anregung! Diese nehmen wir sehr gerne in unseren Ideen-Speicher auf. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Dr. Axel Reich

20.09.2020

Anregende Informationen, insbesondere der Ländervergleich für Geldvermögen.
Wie wäre es mit einem Vergleich zu den Sozialversicherungsansprüchen nach identischer Zeit bei vergleichbaren Einzahlungen.