Flugverspätungen und -ausfälle

Aufgepasst bei Fluggastrecht-Portalen | 27.05.2019

Fluggastrechte

Bei Ausfällen oder Verspätungen steht vielen Passagieren eine Entschädigung zu. Wenn die Airline nicht zahlen will, können Fluggastrecht-Portale helfen.

Ausgerechnet dann, wenn man sich auf den anstehenden Urlaub freut, kommt es nicht selten am Flughafen zu einer bösen Überraschung: Das Flugzeug verspätet sich mehrere Stunden oder fällt ganz aus.

Die gute Nachricht: Reisenden steht eine Entschädigung von bis zu 600 Euro zu.

Die schlechte Nachricht: Viele Airlines zahlen diese nicht. Laut einer Analyse des Fluggastrecht-Portals AirHelp weisen 15 der größten Airlines in Deutschland im Schnitt 48% aller rechtmäßigen Forderungen ihrer Passagiere fälschlicherweise ab. Was Verbraucher tun können, um an das ihnen zustehende Geld zu kommen.

Was sind Fluggastrecht-Portale?

Fluggastrecht-Helfer sind Rechtsdienstleister, die für den Verbraucher Entschädigungen erstreiten, wenn sich Flüge verspätet haben oder ausgefallen sind. Wer sich nicht selbst mit der Airline herumschlagen will, kann auf solche Portale zurückgreifen. Mittlerweile gibt es laut der Fachzeitschrift „fvw“ (Ausgabe 21/2018) über 30 Anbieter auf dem deutschen Markt.

Die Portale haben eine wichtige Funktion: Viele Passagiere kennen die Rechtslage bei Verspätungen und Ausfällen oft nicht genau – und das nutzen manche Airlines aus. Ohne den Weg über Fluggastrecht-Portale seien die Rechte der EU-Verordnung oftmals theoretisch, sagt der Luftfahrtsexperte Heinrich Großbongardt: „Die Portale verleihen der Verordnung den nötigen Nachdruck."

Geld-Sofort-Variante vs. Inkasso-Modell

Bei den privaten Anbietern haben Verbraucher zwei Möglichkeiten: Sie können ein Inkasso-Unternehmen einschalten oder sich an einen Sofortentschädiger wenden.

  • Der Inkasso-Dienstleister erstreitet das Geld für den Verbraucher, wenn nötig auch vor Gericht, und behält im Erfolgsfall eine Provision ein. Tipp: Viele dieser Dienstleister haben einen kostenlosen Online-Rechner, mit dem Passagiere vorab die Entschädigung berechnen können. Oft dauert es dennoch mehrere Monate, bis Geld fließt.
  • Wer nicht solange warten will, kann sich an einen Sofortentschädiger wenden. Dieser kauft dem Fluggast den Anspruch ab, zahlt ihm sofort – zum Teil binnen 24 Stunden – das Geld abzüglich einer Provision aus und versucht dann selbst die Entschädigung durchzusetzen.

Wie viel kosten die Fluggastrecht-Helfer?

  • Erst die Airline selbst kontaktieren und abwarten, ob sie die Entschädigung von alleine zahlt.
  • Falls nicht: Wer warten kann und die volle Zahlung möchte, kann sich an die SÖP wenden.
  • Eine Alternative sind Fluggasthelfer. Hier müssen sich Passagiere entscheiden: Wollen sie sofort das Geld und nehmen dafür in Kauf, dass sie mehr Provision abgeben müssen, wenden sie sich an Sofortentschädiger. Wer es nicht ganz so eilig hat, kann Inkasso-Unternehmen beauftragen, bei denen die Provision etwas geringer ausfällt.

Der Nachteil beider Helfer: Sie kosten Geld – der Passagier kann also nicht die volle Entschädigung einbehalten, die ihm zusteht.

Und: Manche dieser Dienstleister arbeiten laut des Berichts mit „grenzwertigen Methoden“. Zum Teil sei die genaue Höhe der Provision nicht ersichtlich oder von den Airlines bereits gezahlte Entschädigungen würden nicht sofort an den Fluggast überwiesen werden. Wie hoch die Provision ist, hängt vom Anbieter ab. Laut Stiftung Warentest liegt sie bei Inkasso-Unternehmen meist bei rund 30%. Bei Sofortentschädigern wird dem Kunden ca. 40% von der Entschädigung abgezogen.

Erst selbst Geld einfordern, dann Hilfe suchen

Bevor sich Passagiere an Fluggasthelfer wenden, sollten sie zunächst direkt die Airline kontaktieren. Dabei können auch Verbraucherzentralen helfen. „Verbraucher müssen der Airline erst einmal die Möglichkeit geben, selbst zu reagieren. Das kann bis zu drei Monate dauern“, erklärt Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg. Geht es darüber nicht weiter, rät sie, sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) in Berlin zu wenden. Das ist kostenlos. Doch die SÖP geht dabei nicht über das Gericht – im Gegensatz zu Fluggastrecht-Portalen: „Falls die Rechtslage unklar ist, kann es ratsam sein, Rechtsdienstleister einzuschalten“, sagt Fischer-Volk.

Letztendlich komme es vor allem auf eines an: „Welchen Weg Verbraucher wählen, hängt davon ab, was sie wollen.“ Manche möchten es kostenlos über die oftmals erfolgreiche Schlichtungsstelle versuchen, andere gehen lieber gleich über einen Rechtsdienstleister oder Sofortentschädiger und zahlen dafür gerne eine Provision.

Checkliste – So gehen Passagiere am besten vor:

  • Erst die Airline selbst kontaktieren und abwarten, ob sie die Entschädigung von alleine zahlt.
  • Falls nicht: Wer warten kann und die volle Zahlung möchte, kann sich an die SÖP wenden.
  • Eine Alternative sind Fluggasthelfer. Hier müssen sich Passagiere entscheiden: Wollen sie sofort Geld sehen und nehmen dafür in Kauf, mehr Provision abzugeben, wenden sie sich an Sofortentschädiger. Wer es nicht ganz so eilig hat, kann Inkasso-Unternehmen beauftragen, bei denen die Provision etwas geringer ausfällt.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (20)


Kommentare

Michael

21.06.2019

Zur Klarstellung :
Bei einer Verspätung von über 3 Stunden steht eine Entschädigung von 250 Euro bei einer Entfernung unter 1.500 km zu.
Fällt der Flug jedoch aus, gilt nach Artikel 7 der Verordnung die 2-Stunden-Regelung!
Dies hat der Bundesgerichtshof mit Urteil vom 10.10.2017 (Az X ZR 73/16) bestätig.


Wilfried

21.06.2019

Anfang des Jahres hatte ich bei TUI einen Urlaub bei TUI gebucht. Die Rückreise hat sich um über einen Tag verschoben. Geflogen sind wir mit TUIfly. Begründung war starker Jetstream und zusätzliches tanken der Maschine, die uns abholen sollte. Anspruch Für zwei Personen bei einer Distanz von mehr als 3000km total € 1.200,-.
TUIfly nach Rückkehr angeschieben und um Entschädigung gebeten. Wurde abgelehnt. Sofortentschädiger wollten € 400,- haben.
Anwalt eingeschaltet. (habe eine Rechtschutzversicherung) TUIfly wollte nicht zahlen. Die Sache ging vor Gericht in Hannover. Einen Tag vor der Verhandlung hat TUIfly die Gerichtsverhandlung abgesagt und die volle Entschädigung gezahlt. € 1.200,-


Calamity

20.06.2019

Grundsätzlich bin ich auch der Meinung,dass zu viel geflogen wird und unsere Umwelt durch die Folgen immer mehr zerstört wird. Gleichwohl wollte ich dieses Jahr zum 4. Mal innerhalb der letzten 20 Jahre fliegen und erlebte mit LH ein ziemliches Desaster. Zur Durchsetzung von Ansprüchen beanspruche ich jetzt anwaltliche Hilfe.


Peter

20.06.2019

Condor zahlte bei einer mehr als dreistündigen Verspätung ohne große Probleme eine gute Entschädigung.


Thomas W.

20.06.2019

In der Abstimmung fehlen weitere Auswahlpunkte. Z.B. "Ja aber bisher noch erfolglos.".


RLD

20.06.2019

@Jana
"sorgen aber die airlines sowieso für Unterkunft und Verpflegung" - was während Messezeiten in München auch mal die Bank im Wartebereich zum übernachten und ein Verzehrgutschein (6€, Baguette belegt =8€) sein kann ...
Gelobt sei was hart macht!


Dietrich

20.06.2019

Türkisch Airline ( Flug Tegel Istanbul ) lehnte Forderung bei 2 Std. Verspätung rechtmäßige Entschädigung ab.
Nur über RA Forderung durchgesetzt .


Claus

20.06.2019

Auch die Lufthansa verweigerte sich der rechtmäßigen Entschädigung.
Hatte begründeten Anspruch auf Entschädigung, der von der Lufthansa abgelehnt wurde mit der Begründung : "schlechte Wettersituation". Dabei herrschte zum Zeitpunkt des geplanten Fluges ein stabiles Wetterhoch mit 11.5 Sonnenstunden + Null Wind !!


Jana

20.06.2019

Es fehlt der Hinweis, dass das normalerweise bei 'höherer Gewalt' nicht gilt. Also Unwetter z.B.
In solchen Fällen sorgen aber die airlines sowieso für Unterkunft und Verpflegung.


Gerd

20.06.2019

Selbst nach für mich positivem Schlichtspruch zahlte die Fluggesellschaft (Lufthansa) nicht. Der Fluggasthelfer will einen Musterprozess führen.


deriva

19.06.2019

Schön dass hier nur niveauvolle, gebildete Gutmenschen unter sich sind :-P


@Jürgen

06.06.2019

Nur die Billigairlines und gewisse sich total selbst überschätzende Airlines sind überfordert. Und mit diesen Müllairlines fliege ich nicht. Aber vermutlich bist Du sowieso noch niemals mit Airlines wie Singapore Airlines, Emirates, Etihad, Vietnam Airlines, Quatar, Cathey Pacific und Co mitgeflogen, Schau Dir bitte mal das Airline-Ranking skytrax an und nicht bei dem deutschen Verblödungs- und Lügenblatt Bild. Und vor allem Saufköppe, Raufbolde und Möchtegernstars interessiert Mallorca. Kluge und wohlhabende Leute fliegen nach Laucala Island, Bhutan, Seychellen, Tahiti, Mauritius, Vietnam, Peru, Tansania, Bolivien, Namibia und Laos.


Jürgen

04.06.2019

Fliegen ist überbewertet. Die Airlines sind überfordert: Verspätungen, häufende Unfälle und mangelnde Technik (Boing Max 737) usw.

Es wird zu viel geflogen...Urlaubsländer wie Mallorca sind zu voll....alles geht vor die Hunde usw.


Hans

03.06.2019

Wo ist denn bitte der Punkt:
"Nichts dergleichen, da ich nicht fliege?"


Otto

28.05.2019

Ich verstehe das Thema nicht: als 2010 mein Emirates-Flug nach Indien wegen einem Unwetter in FFM ausfiel, bekam ich sofort eine kostenlose Übernachtung samt Vollverpflegung in einem Steigenberger und eine Bordkarte für den Flug am nächsten Tag. Und Singapur Airlines hat uns damals 1999 in Manila wegen dem Flugausfall durch einen Taifun noch komfortabler behandelt. Und als Aeroflot wegen einem gewaltigen Unwetter seinen Flug nach Buchara umleiten musste, da wurden wir auch wie VIPs behandelt und umsorgt samt kostenloser Unterbringung und Versorgung in lokalen TOP-Hotels.
Bitte mit was für ekelhaften Airlines fliegt Ihr denn?


Gelegenheitsflieger

28.05.2019

Interessant wären die Infos zu den Unterlagen, die zur Beweissicherung der Ansprüche nötig sind, aufzulisten.


Dieter

28.05.2019

Laut meiner eigenen Zählung würde ich inzwischen mehr als 800 Bordkarten haben - wenn ich die gesammelt hätte. Und da ich billige Airlines konsequent meide, hatte ich auch noch niemals echte Probleme. Vielleicht liegt es auch einfach nur an meinen Flugzielen wie LaPaz, Bangkok, Hulule, Peking, Taschkent, Nairobi, Vientiane, Dubai und so. Aber ich fliege ja auch nicht zum Sonnenbaden oder gar Saufen rund um den Erdball, sondern zum Studieren anderer Kulturen und anderer Naturgebiete. Und bisher nur viermal mussten wir einige Stunden auf unsere Koffer warten: die extrem faule Bodencrew auf Barbados war jedes mal zu faul unsere guten Samsonite mal fix umzuladen und in Berlin-Tegel machte die Gepäckcrew im Februar 1997 abends um 22 Uhr erst nochmal 45 Minuten Pause.
Und nur der User Norbert kann Euch erklären, wieso Schweröl umweltschonender ist als Kerosin. Denn giftiger reisen als mit Schweröl geht es nicht.


Marlon

28.05.2019

Es wird viel zu viel geflogen. Das ist für die Umwelt und die Menschheit nicht gut.


Norbert

27.05.2019

Ich schließe mich Green Man an. Mit dem Fahrrad, Schiff / Boot und dem Zug ist es viel umweltschonender, entspannter zu verreisen.


Green Man

27.05.2019

Es wird viel zu viel geflogen...macht lieber Urlaub in der schönen Heimat.

Hier werdet ihr auch braun und Alkohol gibt es auch. Vielleicht könnt ihr euch nur nicht so leicht Hautkrebs holen wie im tiefen Süden, wo die Sonne runter brennt oder voll besoffen ohne von der Polizei geweckt zu werden in jeder Ecke oder mitten auf dem Weg rum "flacken".

Aber das wäre doch mal ein richtiger Urlaub.
Wir haben schöne Wälder, Seen, Berge, Landschaft. Erholung pur...

Warum in die ferne schweifen, wenn das Gute so nah liegt?