Zufall oder Absicht?

Garantie abgelaufen – Gerät kaputt! | 04.03.2019

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Wenn ein Elektrogerät nicht mehr funktioniert, stellt man oft verärgert fest, dass die Garantie gerade abgelaufen ist. Sind manche Geräte etwa so produziert, dass sie schon nach kurzer Lebensdauer kaputt gehen – oder gibt es ganz andere Gründe?

Was ist dran an immer kürzeren Lebenszyklen? „Wir können meist nicht nachweisen, dass die Geräte tatsächlich so produziert sind, dass sie kurz nach Ablauf der Garantie kaputt gehen“, so Philipp Sommer, Abfallexperte der Deutschen Umwelthilfe. Und: Grund für das zu schnelle Ableben der Geräte sei weniger Vorsatz, als ein Preiskampf – auf Kosten der Umwelt. „Die Hersteller unterbieten sich gegenseitig, versuchen immer billiger zu produzieren. Das führt dazu, dass die Produkte eine immer geringere Qualität haben.“

Zudem seien viele Geräte so gebaut, dass sie nicht oder nur von autorisierten Fachhändlern repariert werden können. Das kostet, und lohnt sich je nach Gerät nicht immer. „Die gängigsten Reparaturen, beispielsweise ein Akku- oder Displaytausch beim Smartphone, sollte der Verbraucher selbst durchführen können. Ersatzteile sowie Reparaturanleitungen müssen verfügbar gemacht werden“, meint Sommer.

Verbraucher in der Pflicht

Es sind aber auch die Verbraucher selbst, die immer häufiger neue Elektrogeräte kaufen und alte aussortieren – sogar, wenn diese noch funktionieren. Bei den Haushaltsgroßgeräten wurden laut Bundesumweltamt 30,5% der Geräte ersetzt, obwohl sie noch voll funktionstüchtig waren. Bei Smartphones ist es noch extremer: In einer Befragung der Stiftung Warentest gaben 68% an, das Handy innerhalb von drei Jahren zu wechseln, weil sie ein besseres Gerät haben wollten (40%), oder sie durch den Vertrag regelmäßig ein neues Gerät bekommen (28%). Das Ergebnis: 124 Millionen alte Mobiltelefone liegen ungenutzt herum, so eine aktuelle bitkom-Studie.

Manfred Santen, Elektronik-Experte von Greenpeace, kritisiert diese Praxis. Der Strom, der innerhalb von zehn Jahren für die Produktion von Smartphones verbraucht wird, entspreche der kompletten jährlichen Energieversorgung Indiens. „Angesichts dessen sollte man sich wirklich Gedanken darüber machen, ob man einen Vertrag braucht, der einem jedes Jahr ein neues Handy beschert.“ Massive Umweltschäden sowie katastrophale Arbeitsbedingungen seien die Folge des schnellen Austauschens, so der Umwelt-Aktivist.

Fachgerechte Entsorgung ist gar nicht so schwer

Laut „The Global E-waste Monitor 2017“ hat im Schnitt jeder Deutsche 22,8 Kilogramm Elektroschrott produziert. Das Problem: Von dieser Menge wird zu viel illegal entsorgt. „Wir haben bisher nicht einmal die EU-Mindestsammelquote von 45% erreicht“, so Abfallexperte Sommer von der Deutschen Umwelthilfe. Dabei ist die Entsorgung gar nicht so kompliziert. Zum einen nehmen Recycling- und Wertstoffhöfe Elektroschrott an, zum anderen kann man diese auch bei Elektronikhändlern selbst abgeben, wenn diese eine Verkaufsfläche für Elektrogeräte von mindestens 400 Quadratmetern anbieten.

Das geht selbst bei Versandhändlern und Online-Shops – ausschlaggebend ist hier die Versand- und Lagerfläche. Kleingeräte mit einer Größe von bis zu 25 Zentimetern muss der Händler dann kostenlos annehmen – egal ob gleichzeitig ein neues Gerät gekauft wird. Online-Riesen wie Amazon bieten zu diesem Zweck Etiketten für den kostenlosen Versand als Download an. Und viele kleinere, lokale Händler nehmen Altgeräte sogar freiwillig zurück. Bei Großgeräten wird zumindest im Tausch gegen ein neues Gerät das alte kostenlos entsorgt.
 
Gut zu wissen: Auf der Webseite der Stiftung Elektro-Altgeräte Register (Stiftung Ear) können Verbraucher unter „Verzeichnisse“ nach Abgabestellen in ihrer Nähe suchen.

Worauf kann man als Verbraucher achten?

Es gilt: Je langlebiger ein Produkt, desto umweltfreundlicher ist es. Wenn die Werbung verspricht, dass eine neue Waschmaschine weniger Wasser und Energie verbraucht, wird durch die Entsorgung des Altgeräts und die Herstellung des neuen Geräts der vermeintliche Umweltvorteil wieder zunichte gemacht.
 
Das alte Sprichwort „Wer billig kauft, kauft zweimal“ hat sich in vielen Studien bestätigt. Gute, langlebige Produkte kosten mehr. Als Verbraucher kann man sich vorab bei der Stiftung Warentest über Lebensdauer und Haltbarkeit von Produkten informieren. Zudem kann man Händler schon vor Kauf befragen, ob und inwiefern das Produkt reparierbar ist. Tritt innerhalb der ersten zwei Jahre ein Defekt auf, sollte in jedem Fall die Gewährleistung in Anspruch genommen werden.
 
Tipp: Viele Händler bieten mittlerweile sogar gute Gebrauchtgeräte an.

Sharing is caring

Eine weitere Möglichkeit: Leihen statt kaufen! In Baumärkten beispielsweise kann man sich viele Elektrogeräte ausleihen, die man nicht so häufig benötigt. Und die gute alte Nachbarschaftshilfe tut nicht nur dem Geldbeutel und der Umwelt gut, sondern sorgt auch für mehr sozialen Austausch.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (19)


Kommentare

braunbaer

30.03.2019

Ein Problem dabei ist auch, das aus früherer Markenware heute Ramsch geworden ist. Ich hatte mir - im guten Glauben - ein
TELEFUNKEN Fernsehgerät gekauft. Erst später konnte ich feststellen,
das das heute eine türkische Firma geworden ist.
Der Fernseher hielt gerade 2 Jahre und drei Monate. Also genau über die Garantiezeit.


Nick

28.03.2019

Einprogrammierte Softwarefehler:
Fotokamera: kurz vor Ablauf der Garantie ging gar nichts mehr. Die Kamera erhielt ich kostenfrei zurück mit dem Hinweis „Softwarefehler“. Nach 2 Jahren exakte Wiederholung. Beim 3. mal drohte ich mit dem Anwalt und erhielt den vollständigen Kaufpreis zurück.
E-Bice: Voll elektronische Schaltung kurz vor Garantieablauf defekt. Händler: Softwarefehler, muss alles neu installiert werden.
CoaguChek für Blutgerinnungsfaktor: die teuren, goldbeschichteten Teststreifen sind genau nach 1 Jahr unbrauchbar, nachdem man vor dem Gebrauch das Datum und Uhrzeit eingeben musste. Früher hielten sie unbegrenzt.
Zeuge eines Gesprächs im Baumarkt: Kunde beschwert sich über das kaputte Elektrogerät. Verkäufer: „Oh, da haben wir wohl ein falsches Haltbarkeitsdatum eingegeben“.
Also man sieht, VW ist nicht der einzige Betrügerkonzern.


ING

22.03.2019

Hallo Herr Eppinger, wichtig ist die "Beweislastumkehr" - nach § 476 BGB: Wenn innerhalb von 6 Monaten solch ein Fehler auftritt, wird davon ausgegangen, dass der Schaden schon beim Kauf bestand. Der Verkäufer müsste das Gegenteil beweisen. Wenn erst nach 6 Monaten der Schaden auffällt, muss der Käufer beweisen, dass der Schaden schon beim Kauf bestand. Der Beweis kann z.B. ein Foto sein (Handyfoto oder Digitalkamera-Foto mit automatischem Datum), das innerhalb der ersten 6 Monate entstand und auf dem der Schaden sichtbar ist. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Jo

22.03.2019

Es gibt bzw, gab mal ein Umweltgesetz, das den Verkauf von Geräten mit fest verbauten Akkus verboten hat. Aber daran hatte sich noch nie wirklich einer gehalten. Und obwohl es dieses Gesetz gab und sich viele deshalb über den fest eingebauten Akku bei Apple (I-Phone und I-Pod) beschwert haben, musste Apple das nicht ändern, sondern zogen alle anderen Handy- bzw. Smartphoneherrsteller nach. Alles zum Vorteil der Wirtschaft bzw. den "Großverdienern", aber zum Nachteil unserer Umwelt.


HAM

22.03.2019

Ich benutze mein Handy seit 12 Jahren - ist halt kein Smartphone, alle lächeln mitleidig, es funktioniert aber trotz einiger harter Bodenkontakte nach wie vor einwandfrei.


Franz

22.03.2019

Meine Frau 'braucht' alle drei Jahre ein neues Handy.
Das alte Handy bekomme dann ich, somit werden unsere Handys von uns sechs Jahre benutzt.
Und danach kommt das Handy zu einem armen Verwandten meiner Frau im Ausland. Da wird es dann bis zum St. Nimmerleinstag benutzt.


BF

21.03.2019

Akku austauschen sollte nicht als "reparieren" zählen sondern selbstverständlich sein, geht aber nur noch bei Ökohandys wie FairPhone oder SHIFTphone. Auch ein update auf aktuelle (sichere) Software sollte nicht nur auf den neuesten Versionen der Hardware funktionieren. Warum muss Software mit jeder Version mehr Speicher verbrauchen, auch wenn sie nicht wirklich etwas anderes tut (auf einem alten Computer musste ich sogar bei Solitaire eine Version aus einer alten Windows-Version verwenden, weil das aus dem aktuellen Windows viel mehr Ressourcen brauchte und deshalb nicht mehr richtig lief, obwohl es genau das gleiche Spiel war).


Georg Eppinger

21.03.2019

Frage: Sie schreiben man soll zumindest die 2 jährige Gewährleistung in Anspruch nehmen. Wie kann ich diese in Anspruch nehmen, wenn ich beweispflichtig bin. Z.B. wenn ein Board defekt ist, wie kann ich dann nach weisen, dass z. B. eine Lötstelle defekt ist.


Jochen

21.03.2019

mein 486er 33Mhz Highscreen von Vobis läuft immernoch mit der selben Hardware, so wie ich in damals gekauft habe. Maus und Tastatur mussten mal getauscht werden, aber das ist "normal", wenn sie Bekanntschaft mit dem Boden machen. Gelegentlich ist ein Batterie tausch notwendig. Da die "neueren" Programme nicht auf dieser Hardware laufen, musste ein neues Gerät her. 2 Mainboards und 2 DVD Laufwerke mussten wegen Schäden ausgetauscht werden. Wie viele Festplatten "abgeraucht" sind, kann ich gar nicht zählen (mehr als 2). Aber der 486er läuft immer noch und er läuft und läuft und...


Helmut

21.03.2019

Die Haushaltsgeräte halten gerade mal bis zum Ablauf der Garantie. Auch mit 5 Jahren Zusatzgarantie (90 EUR) habe ich nach 5,2 Jahren einen teuren Reparaturschaden an der Waschmaschine eines deutschen Herstellers. Das ist alles sehr ärgerlich


H.M. Kramer

21.03.2019

Vor 5 Jahren bekam ich von Plana Küchen, eine neue Einbauküche installiert. Jetzt sind 5 Jahre und 3 Monate vergangen, da ging mir der Deckel des Geschirrspülers kaputt. Service kommen lassen. Viele Teile mussten erneuert werden und 160,60 Euro bezahlt. Jetzt eine Woche später geht die Gefrierkombination kaputt. Heute war der AEK Kundendienst hier und stellte fest: Geräte Totalschaden und nicht mehr reparierbar. /0 Euro Pauschale bezahlt und ca 2 Wochen auf Ersatz warten. Und das ohne Kühlung


ich

21.03.2019

Auf alten Smartphones kann man oft auch selber ein neues Betriebssystem installieren. Dann hat man nur neue Sicherheitslücken und nicht mehr die alten.
Als Verbraucher würde ich gerne langlebige Produkte kaufen, aber dazu müsste mir der Hersteller auch eine Garantie geben. Höhere Kosten nur mit der Hoffnung auf Langlebigkeit zu begründen ist nicht genug.


Ilona

20.03.2019

Habe gerade einen neuen Geschirrspüler gekauft. Das Altgerät wird keineswegs kostenlos von der Firma entsorgt, ich mußte 14 € dafür bezahlen. So etwas nennt man dann wohl Dienst am Kunden.


Franz

15.03.2019

"In einer Befragung der Stiftung Warentest gaben 68% an, das Handy innerhalb von drei Jahren zu wechseln, weil sie ein besseres Gerät haben wollten (40%), oder sie durch den Vertrag regelmäßig ein neues Gerät bekommen (28%). Das Ergebnis: 124 Millionen alte Mobiltelefone liegen ungenutzt herum, so eine aktuelle bitkom-Studie."
Wurde dabei auch im Blick behalten, wie viele dieser Smartphones wegen fehlender Sicherheitsupdates durch die Hersteller total unsicher sind? Die zig Sicherheitslöcher gerade bei Android sind ja nicht gerade wenige!


Name

12.03.2019

Warum ist der Kunde in der Pflicht? Ich würde gern meine Geräte über lange Zeiträume verwenden. Es sind die Hersteller, die mich geradezu nötigen, ständig neue Geräte anzuschaffen, sei es durch gezielt eingebaute Schwachstellen, ständig "notwendige" Updates der Software, mit denen die Hardware nicht mehr mithalten kann, nicht reparierbare Geräte usw. Es ist bewiesen, daß eine Glühbirne hundert Jahre brennen kann. Energiesparlampen sind nach drei Tagen Schrott. Das wiederverwendbare Streichholz darf nicht hergestellt werden, damit die Hersteller weiter verdienen. Und die sogenannte Bundesregierung jammert dem Volk die Ohren voll: Klimaschutz, Energiewende, Ressourcen schonen. "Aber die Hersteller können wird gesetzlich zu nichts verpflichten." Heuchelei nennt der Normalbürger so etwas.


ING

07.03.2019

Hallo notting, hallo Jan, danke für Ihre aufmerksamen Augen, da hatte sich leider tatsächlich ein Fehler eingeschlichen. Der Artikel wurde aber gerade schon korrigiert. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Jan

07.03.2019

@allgemein

Wenn etwas kaputt geht, kann man immer noch versuchen zu einem Reparatur Cafe zu gehen. Dort sind oft Senioren die Ingenieure oder handwerklich, technisch begabt sind, die helfen oft weiter...es muss nicht immer neu sein. Oft ist nur ein Kabel lose etc. und die wissen wo das ist und korrigieren es.

@notting

Mein Smartphone ist mind. 3 Jahre alt und das meiner Mutter älter. Wir haben keine Probleme -> Mobile Schutz durch McAfee !!!

Und außerdem muss man mit dem Smartphone nicht alle Apps runterladen. Wer zocken will und sonstigen Sch*** machen will, soll sich zwei Smartphones kaufen. Eines zum telefonieren, sms, emailen, bank und das andere für Facebook, WhatsApp, Spotify, zocken, etc.

@ING

Da hat notting recht, unter Verbraucher in der Pflicht sind die Ersten beiden Absätze wohl von einem anderen Artikel reingerutscht, ansonsten okay.
Handyverträge mit jedem Jahr, zweiten Jahr ein neues ist absoluter Sch****


Anonym

06.03.2019

Zitat eines Verkäufers in einem großen deutschen Elektronikmarkt: "Drucker haben heute alle einen Selbstzerstörungsmechanismus."


notting

04.03.2019

Was ist das für ein schlechter Artikel?!

Überschrift: "Garantie abgelaufen – Gerät kaputt!"
Die ersten 3 Absätze sind ok. Dann geht's aber plötzl. um Kredite für ein Auto?!

Außerdem: Leider ist es häufig so, dass man wg. der Sicherheitsupdates alle 1-2 Jahre ein neues Smartphone braucht. Ergo muss man da zuerst ansetzen bevor man die Leute dazu bringt Hackern das Leben einfach zu machen! Aber die diesbzgl. Situation scheint sich bereits zu bessern.

Und z. B. bei den "sparsameren" Waschmaschinen zahlt man auch häufig drauf, weil sie eher anfangen zu schimmeln etc., weil die Temperaturen zu niedrig sind!

Die Gewährleistung bringt nach Ablauf der ersten 6 Monate aber häufig nix mehr.

Die Leihgeräte sind oft dermaßen kaputt, dass sie kaum brauchbar sind -> Gewinnmaximierung! (und auch wg. Idioten die nicht vernünftig mit geliehenem Zeug umgehen weil's nicht ihres ist, sieht man oft z. B. auch an Autos).

notting