Tod eines Angehörigen

Welche Verträge Hinterbliebene kündigen sollten | 22.08.2018

Geerbte Verträge nach dem Tod

© Kzenon - de.fotolia.com

Stirbt ein naher Angehöriger, ist trotz aller Trauer für die Erben Eile geboten: Sie müssen sämtliche Verträge des Verstorbenen checken und die jeweilige Gegenseite über den Todesfall informieren. Die Meldefristen sind teils äußerst knapp.

Der Schmerz über den Verlust eines Angehörigen ist groß. Dennoch müssen die Hinterbliebenen einen kühlen Kopf bewahren und schnell handeln: Ob mit Versicherungen, mit dem Vermieter oder mit dem Telefonanbieter – es gilt, die bestehenden Verträge des Verstorbenen zu prüfen. Generell ist die Gegenseite über den Todesfall zu informieren. Und: Einige Verträge enden nicht automatisch mit dem Tod. Sie gehen dann auf die Erben über.

Um diese Versicherungen müssen sich Erben kümmern

Generell gilt: Personenbezogene Policen enden mit dem Tod des Versicherungsnehmers, sachbezogene Policen bestehen allerdings weiter. Ein Überblick:

Privathaftpflicht- oder Berufsunfähigkeitspolicen

Das sind personenbezogene Versicherungen, die mit dem Tod enden. „Sind in der Privathaftpflicht andere Personen wie etwa Ehepartner oder Kinder mitversichert, können diese den Vertrag übernehmen“, sagt Julia Alice Böhne vom Bund der Versicherten.

Private Krankenversicherungen

Hier gilt das Gleiche wie bei der Privathaftpflicht. Sind der Ehepartner oder die Kinder in der Krankenversicherung mitversichert, können sie in der Regel innerhalb von zwei Monaten nach dem Tod des Versicherten dem Unternehmen mitteilen, dass sie den Vertrag fortführen möchten – in dem Fall muss ein neuer Versicherungsnehmer benannt werden.

Wohngebäude- und Autoversicherungen

Das sind sachbezogene Policen. Sie bleiben erst einmal bestehen und gehen auf die Erben über. Wollen die Hinterbliebenen sie nicht übernehmen, müssen sie diese kündigen. Ein außerordentliches Kündigungsrecht besteht nicht in allen Fällen. Oft – aber nicht immer – können die Erben mit einer Dreimonatsfrist zum Ablauf des Versicherungsjahres kündigen.

Hausratversicherungen

Eine solche Police endet in der Regel zwei Monate, nachdem der Anbieter von dem Tod des Versicherungsnehmers informiert wurde – je nach individuellen Bedingungen. Der Jahresbeitrag wird anteilig zurückgezahlt. Ziehen die Erben in die Wohnung des Verstorbenen ein und übernehmen dessen Hausrat, besteht die Police fort. Haben die Erben indes bereits eine Hausratversicherung, können sie zumeist die jüngere Police auf Nachfrage sofort kündigen.

Bei einigen Versicherungen müssen Hinterbliebene ganz besonders schnell sein, um kein Geld zu verschenken:

Lebens- und Sterbegeldversicherungen

„Hinterbliebene sollten sich so schnell wie möglich bei der jeweiligen Versicherung melden, um den Versicherungsschutz nicht zu gefährden“, erklärt Böhne. Die vertraglich festgelegten Fristen liegen häufig zwischen 24 und 72 Stunden. Die Fristen können je nach Vertrag aber auch abweichend gestaltet sein. Die Hinterbliebenen müssen eine Kopie der Sterbeurkunde sowie den originalen Versicherungsschein einreichen. Einige Anbieter verlangen auch eine ärztliche oder amtliche Bescheinigung über die Todesursache. Die Unterlagen sollten als Anschreiben mit Rückantwort an das Versicherungsunternehmen geschickt werden.

Unfallversicherung

Ebenfalls zügig muss ein Todesfall der Unfallversicherung gemeldet werden. Die Frist beträgt hier je nach Anbieter 24-48 Stunden. Der Grund: Viele Versicherungen untersuchen oft noch die Umstände des Todes, bevor sie zahlen.

Neben Versicherungen gibt es noch eine Reihe von anderen Verträgen, die Angehörige überprüfen sollten:

Arbeitsverträge und Vereinsmitgliedschaften

„Diese Verträge müssen nicht gesondert gekündigt werden“, sagt Hartmut Schwarz von der Verbraucherzentrale Bremen. Aber eine zeitnahe Benachrichtigung des Arbeitgebers oder des Vereins über den Todesfall ist angebracht.

Telefon- und Internetverträge

Hier ist eine Kündigung nötig. Mit der Kopie der Sterbeurkunde akzeptieren die meisten Anbieter ein Sonderkündigungsrecht.

Mietvertrag

Bei Mietverträgen steht den Erben ein Sonderkündigungsrecht zu. Innerhalb eines Monats muss der Vermieter über den Todesfall und die Aufgabe der Mietwohnung informiert werden. „Die Kündigungsfrist von drei Monaten muss aber eingehalten werden“, so Schwarz.

Darlehensvertrag

Neben einem Vermögen können auch Schulden oder Verbindlichkeiten geerbt werden. Bei Verbraucherkrediten können Erben das Darlehen weiter bedienen oder auch vollständig ablösen. Alle Darlehensverträge, zum Beispiel auch Immobiliendarlehen gehen mit dem Tod des Kreditnehmers auf die Erben über. Mit der Bank oder Sparkasse können Erben sich auf eine vorzeitige Beendigung des Darlehensvertrags verständigen.

Tipp: Um es Erben für den schlimmsten Fall so leicht wie möglich zu machen, ist es empfehlenswert, eine Übersicht mit aktuellen Policen, Vertragsnummer und Kontaktdaten zu führen. Diese sollte natürlich leicht zugänglich oder den Hinterbliebenen bekannt sein.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (0)