Gehaltsverhandlungen

Mehr Geld vom Chef verlangen – trotz Krise? | 05.08.2020

Geld, das von Himmel fällt?

Vom Chef mehr Gehalt fordern, während gerade in vielen Bereichen Entlassungen drohen? Tipps für Gehaltsverhandlungen in Krisenzeiten.

Die Corona-Krise hat viele Unternehmen hart getroffen: Mitarbeiter mussten in Kurzarbeit gehen oder die Firma sogar verlassen. Jetzt mehr Gehalt zu verlangen, scheint ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Nicht unbedingt! Verhandlungsprofis geben Tipps, wie man auch in Krisenzeiten darüber verhandeln kann.

Corona als Ausrede?

Vor Gehaltsverhandlungen graut es nicht wenigen Arbeitnehmern sowieso schon. Doch gerade in der Corona-Krise trauen sich viele Angestellte nicht, nach mehr Gehalt zu fragen. „Weil die große Corona-Killer-Phrase Angst schürt“, sagt Verhandlungscoach Claudia Kimich. Oft werde auch vermittelt, dass man froh sein könne, überhaupt einen Job zu haben. Sie warnt vor „Corona-Ausreden“ und rät, zuerst zu prüfen: Wie stark ist meine Branche betroffen? Und wie ist die Situation meines Unternehmens? „Dabei muss man realistisch sein. Wenn ich etwa in der Veranstaltungsbranche bin, dann sieht es gerade mit einer Gehaltsverhandlung eher schlecht aus“, sagt Kimich. Dann mache es Sinn, die Gehaltsverhandlung zu vertagen. Es sei aber wichtig, Vorgesetzten nicht einfach zu glauben, wenn gesagt wird, dem Unternehmen gehe es schlecht. „Das sollte man immer hinterfragen.“

Gründe für mehr Gehalt

Auch wenn die aktuelle Wirtschaftslage nicht in allen Branchen Gehaltserhöhungen zulässt, gibt es dennoch triftige Gründe für mehr Geld – auch während der Corona-Phase. „Und zwar immer dann, wenn ich dem Unternehmen einen Nutzen bringe, idealerweise einen messbaren“, erklärt die Verhandlungsexpertin. Das sei zum Beispiel der Fall, wenn ich

  • Kunden gewonnen
  • dem Unternehmen Geld gespart
  • Aufträge gewonnen
  • Kooperationen geschafft
  • Arbeitszeit gespart
  • oder Prozesse entwickelt habe.

Tipps für Gehaltsverhandlungen während der Krise

  • Mit Selbstvertrauen in die Verhandlung: Um den Arbeitgeber auch in Krisen-Zeiten davon zu überzeugen, dass man mehr Gehalt verdient hat, zählt für Verhandlungscoach Kimich vor allem eines: Selbstvertrauen. „Das Wort Gehaltsverhandlung ist für viele stressbehaftet. Nur: Wenn ich selbst daran glaube, steigen meine Chancen, mehr zu bekommen.“ Sie rät, vom Worst-Case- zum Best-Case-Szenario umzudenken.
  • Gute Vorbereitungen treffen: Wer bei den Verhandlungen Erfolg haben will, muss sich gründlich vorbereiten. Für Trainerin Anja Henningsmeyer gehört dazu: Genau wissen, was man will, und für sich ein Minimum und Maximum des künftigen Gehalts festlegen. Dazu rät auch Kimich und warnt: „Viele Angestellte machen den Fehler zu denken: Egal was bei der Verhandlung rauskommt, ich werde eh im Unternehmen bleiben. Doch so etwas spürt eine Führungskraft.“
  • Mehrere Forderungen formulieren: Viele Arbeitnehmer haben bei Verhandlungen Angst davor, zu viel zu wollen, und den Chef zu verprellen. Henningsmeyer empfiehlt jedoch: Nicht nur mit einer einzigen Forderung ins Gespräch gehen, denn dann könne es nur Zustimmung oder Ablehnung geben. Wer hingegen mehrere Forderungen in Hinterkopf hat, habe Verhandlungsmasse. „Wichtig ist, dass es um etwas geht, das Ihnen wirklich wichtig ist”, sagt die Trainerin. Das können beispielsweise mehr Verantwortung, zusätzliche Urlaubstage oder Einigungen über die Nutzung des Homeoffice sein.
  • Leistungen festhalten: Um dem Vorgesetzten den eigenen Wert zu vermitteln und seine Erfolge festzuhalten, empfiehlt Gehaltscoach Sandra Schumacher ein Leistungslogbuch zu führen. Darin können etwa Arbeitsprozesse und „Extra-Leistungen“, wie das Einarbeiten von Kollegen, eingetragen werden. Aber nicht nur bei einem bestehenden Arbeitsverhältnis sollte man seine Erfolge notieren, sondern auch dann, wenn man sich für einen neuen Job bewirbt. Kimich rät zu einer ausgiebigen Liste: „Was habe ich alles schon gemacht und was könnte das dem Arbeitgeber bringen?“
  • Empathisch sein: Auch wenn Verhandlungen in Krisenzeiten laut Henningsmeyer nicht anders sind als sonst: Man brauche mehr Einfühlungsvermögen. Für die Gehaltsverhandlung sei es hilfreich, sich zu überlegen: Was benötigt der Verhandlungspartner gerade besonders? Ist meine Arbeit eventuell unverzichtbar für ihn?

Was tun, wenn die Gehaltserhöhung nicht klappt?

Ob wegen Corona oder anderer Umstände: Trotz guter Vorbereitung kann es am Ende manchmal nicht klappen mit der Gehaltserhöhung. Dann heißt es: Nur nicht den Kopf in den Sand stecken. Wenn aktuell nicht mehr Gehalt drin ist, sollte man nach dem Rat von Expertin Kimich die Verhandlung trotzdem weiterführen und den Vorgesetzten fragen: „Wenn das Unternehmen wieder mehr Geld hat: Was würde ich dann bekommen?“

Alternativen zur Gehaltserhöhung

Nicht immer muss es unbedingt mehr Gehalt sein: Es gibt auch Alternativen, die attraktiv sein können – für einen selbst und für den Chef. Dazu gehören laut Stiftung Warentest etwa Jobtickets, Kitabeiträge, Yogakurse oder ein Handy. Der Vorteil mancher Extras sei, dass sie steuer- und sozialabgabenfrei sind. Allerdings rät Kimich dazu, vorher genau zu überprüfen, ob es sich nicht um einen geldwerten Vorteil handelt, denn der müsse versteuert werden. „Gerade bei einem Firmenwagen wäre ich extrem vorsichtig.“ Falls sich das Unternehmen keine weiteren Ausgaben leisten kann, können nach Angaben von Henningsmeyer beispielsweise auch Mitbestimmungsrechte oder die Teilnahme an wichtigen Sitzungen der Führungskräfte ausgehandelt werden.

Autor: ING


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Kommentare (1)


Kommentare

Felix Knoch

08.08.2020

Ich weiss ja nicht was an einem neuen Handy so toll sein soll, dass es eine Alternative zum Geld in einer Gehaltsverhandlung stehen könnte.
Den Sinn dahinter kann ich leider nicht nachvollziehen, denn mit mehr Geld kann man sich auch gleich jedes Jahr ein neues kaufen. Naja es ist besser als nichts aber da könnte ich auch sagen ich hätte gerne einen Roller ein Ebike oder ein Fahrrad :P