Frauen und Wertpapiere

Keine Angst vorm Anlegen – 7 Tipps für Einsteigerinnen | 12.06.2018

Joggerin im Park, glücklich. Frauen und Wertpapiere

© ING-DiBa

Unsere Kollegin Ilse Munnikhof, 29, erzählt, welche Erfahrungen sie mit Wertpapieren gemacht hat und welche Tipps sie für Einsteigerinnen hat.

Was hält Frauen davon ab, in Wertpapiere zu investieren? Mit diesem Thema beschäftige ich mich, seit ich vor 2 Jahren anfing, im Bereich Wertpapier zu arbeiten. Mir fiel auf, dass Frauen viel weniger Geld anlegen als Männer – und das sogar weltweit.

Warum trauen sich Frauen weniger an Wertpapiere ran?

Wenn ich Kollegen erzähle, dass Frauen viel weniger am Kapitalmarkt investieren als Männer, kriege ich oft die Reaktion: „Na und, Frauen sind einfach risiko-averser, ist halt so.“ Und ich frage mich: Sollen Frauen auf Wertpapiere verzichten, auch wenn sie sicherheitsorientierter sind? Die Antwort könnt ihr schon erahnen: Nicht unbedingt. Dann ist die zweite Frage, warum soll man am Kapitalmarkt investieren? Um das klar zu machen, erzähle ich euch was von meinem Berufsanfang.

Meine persönliche Erfahrung mit Wertpapieren

Als ich in meinem ersten Job angefangen habe, startete am gleichen Tag auch mein Kollege Fabian. Fabian hat das gleiche studiert wie ich, wir wurden beiden als Trainee eingestellt und hatten uns für die gleiche Weiterbildung angemeldet. Deswegen bekamen wir beide das gleiche Gehalt, fingen fleißig an zu sparen und legten beide monatlich 300 Euro zurück. Fabian begann aber auch, sein Geld in Wertpapiere anzulegen, während mein Geld auf einem Sparkonto landete, so gut wie unverzinst.

Das folgende Beispiel zeigt rein rechnerisch, was passiert wäre, wenn ich 0,01% Zinsen gekriegt hätte und Fabian 4,9% Rendite (durchschnittliche Rendite eines Euro Mischfonds über 25 Jahre). Für die Berechnung habe ich den Sparplan-Rechner der ING-DiBa genutzt: https://www.ing-diba.de/wertpapiere/fonds/fonds-sparplan/

6 Jahre später: Fabian hat bis heute 25.200 Euro in seinem Depot. Ich dagegen 21.600 auf meinem Sparkonto. Wir haben beide genauso diszipliniert gespart, aber Fabian ist jetzt vermögender als ich.
 
Wenn wir das so weitermachen würden bis zur Rente und davon ausgehen, dass die durchschnittliche Rendite auch zukünftig so bleibt, hätte Fabian 610.500 Euro und ich 162.400 Euro im Alter von 68 Jahren. Das bedeutet: Er würde fast vier mal so viel Vermögen aufbauen. Da wir aber keine Marktentwicklung vorhersagen können, kann sich dieser Durchschnittszins auch ändern.
 
Generell bräuchte ich aber wahrscheinlich mehr Spargeld als er. Denn Frauen leben im Durchschnitt 4 Jahre länger als Männer. Deshalb finde ich, sollten Frauen die Frage, warum sie weniger am Kapitalmarkt investieren als Männer, nicht einfach mit „ist halt so“ hinnehmen.

Aber was heißt denn jetzt überhaupt „am Kapitalmarkt investieren“? Muss ich jetzt Zeitschriften und Zeitungen zu dem Thema lesen und mir einzelne Aktien rauspicken? Wo fange ich an? Das sind die Fragen, die ich oft von Freundinnen kriege, wenn ich sie frage warum sie noch nicht anlegen. Ich empfehle, folgende Checkliste durchzugehen, wenn man überlegt, mit Wertpapieren anzufangen:

1. Kredit abbezahlen und Notfallpuffer einrichten

Wertpapiere kombinieren mit einem Kredit ist oft keine gute Idee. Mann zahlt Zinsen auf dem Kredit und die Wertpapiere haben keine sichere Rendite. Zuerst also Kredite abbezahlen! Zusätzlich braucht man einen Notfallpuffer, falls die Waschmaschine mal den Geist aufgibt oder das Auto auseinander fällt. Es wäre schade, wenn man sein Wertpapierdepot dafür auflösen müsste, wenn es gerade nicht so gut dasteht.

2. Zeit haben

Damit kommen wir zum nächsten Thema auf der Checkliste: Zeit und Geduld mitbringen. In der Wertpapierwelt kann man eine höhere Rendite bekommen, wenn man bereit ist, mehr Risiko einzugehen und wirklich langfristig zu investieren, also mindestens 15 Jahre. Mehr Risiko heißt: Wertschwankungen. Es geht also mal hoch, aber auch mal runter. Das einzige, was man machen soll, wenn es runter geht, ist es auszusitzen und die Ruhe zu bewahren. Hat man aber keine Zeit, weil man das Geld wieder braucht, muss man mit Verlusten verkaufen. Anlegen sollte man also nur das Geld, was man nicht kurzfristig braucht. Deswegen hilft es, einen Notfallpuffer von mindestens 2-3 Monatsgehältern zur Seite zu legen, damit man nicht direkt das Wertpapierdepot anfassen muss

3. Feststellen, bei welche Wertschwankungen Sie nervös werden

Eben habe ich schon von der Fluktuation gesprochen. Sind Sie dabei schon ganz nervös geworden? Das könnte darauf hindeuten, dass Sie eine niedrigere Risikobereitschaft haben. Das ist ein wichtiger Indikator, wenn man mit Wertpapieren anfängt. Sie sollten möglichst vermeiden, nervös zu werden, wenn das Depot mal im Minus steht und dann alle Wertpapiere zu verkaufen. Die Beispielsrechnung von Fabian von vorhin geht auf jeden Fall nicht auf, wenn er jedes Mal, wenn sein Depot im Minus steht, das ganze Depot auflöst. Mann sollte also für sich festlegen, welche Wertschwankungen man aushält und welche nicht mehr.

4. Rausfinden, welcher Anlagestiel zu Ihnen passt

Haben Sie eine Putzhilfe, weil Sie keine Zeit (und Lust) haben, selber zu putzen? Schließen Sie einen Fitness-Abo ab, obwohl Sie schon wissen, dass Sie wenig hingehen werden? So ähnliche Fragen sollte man sich beim Anlegen auch stellen. Natürlich hat die Entscheidung, mit Wertpapiere anzufangen ein größeres Risiko als eine Putzhilfe einzustellen oder ein Fitness-Abo abzuschließen. Diese Beispiele sind nur illustrativ gemeint.
 
Es gibt grundsätzlich 3 Wege für die Wertpapieranlage: Selbst machen, beraten lassen oder von Experten machen lassen. Selbst machen ist ein bisschen wie ins Fitnessstudio gehen. Mann muss sich kümmern und regelmäßig hingehen. So ähnlich ist es beim Direkt-Depot oder „selbst machen“. Wissen Sie jetzt schon, dass Sie dafür keine Zeit haben? Dann sind andere Formen der Wertpapieranlage eher was für Sie, z.B. beraten lassen oder von Experten machen lassen. Beraten lassen ist wie einen Personal Trainer im Fitnessstudio zu buchen. Er sagt Ihnen was Sie machen sollen und erinnert Sie regelmäßig daran, dass Sie am Ball bleiben müssen.
Wie schön wäre es, wenn jemand für Sie ins Fitnessstudio gehen würde? Leider gibt es das nicht beim Sport, aber bei der Wertpapieranlage gibt es das: die Vermögensverwaltung. Es funktioniert so ähnlich wie bei einer Putzhilfe. Sie gehen einmal durch, was Sie genau brauchen, und danach macht es jemand anders für Sie und Sie brauchen sich nicht mehr kümmern. Wählen Sie den Anlagestil, der zu Ihnen passt!

5. Monatlich sparen

Regelmäßig Geld zurücklegen ist immer eine gute Idee – am besten jeden Monat einen festen Betrag. Das kann auch mit Wertpapieren gut funktionieren. Warum? Weil man mal bei niedrigen Kursen einsteigt und mal bei höheren ist das Risiko geringer. Wenn man einmal mit 1.000 Euro einsteigt ist die Chance, dass man genau dann einen unglücklichen Moment trifft, größer, als wenn man 10 Monate lang 100 Euro pro Monat anlegt.

6. Streuen

Durch Streuung kann man das Risiko weiter reduzieren. Sie können streuen über verschiedene Länder, Regionen und Asset Klassen. Menschen investieren immer gerne in Unternehmen, die sie kennen, z.B. aus der eigenen Heimat. Verteilen Sie Ihr Vermögen auch über andere Regionen und nicht nur in Anleihen oder nur in Aktien. Denn wenn das eine Investment mal nicht so gut läuft, wird es eventuell von einem anderen ausgeglichen.

7. Auf die Kosten achten

Ein Euro weniger Kosten ist ein Euro mehr angelegt. Mir sind persönlich die Kosten wichtiger als die Rendite. Man weiß vorab, ob der eine Fonds weniger kostet als der andere. Man kann sich aber nicht sicher sein ob der zweite auch wirklich mehr Rendite bringt. Es lohnt sich also eine Wertpapierlösung mit niedrigen Kosten auszuwählen.

Autor: Ilse Munnikhof, ING-DiBa

Ilse Munikoff, 29, ING-DiBa

© Ilse Munnikhof


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Kommentare

JA

06.12.2019

Sparer werden ihr Geld abheben und notfalls unters Kopfkissen legen.