Geldanlage 2020

Diese Themen sollten Anleger dieses Jahr im Auge behalten | 07.01.2020

Geldanlage 2020

© shapecharge - istock.com

Internationale Handelskriege, die Niedrigzinspolitik der Notenbanken oder der Brexit – auch dieses Jahr wird ein spannendes werden. Das dürfte auch Anleger interessieren. Worauf sich diese einstellen können.
 
Wie schon in 2019 schwelen dieses Jahr weltweit einige Brandherde, die sich auch auf den Kapitalmarkt auswirken können. Zur Bewertung von Kurspotenzialen sollten Anleger die politischen und unternehmerischen Entwicklungen rund um den Globus daher im Blick behalten. Zum Jahresauftakt geben wir Ihnen einen Ausblick, was die Finanzmärkte 2020 bewegen könnte.

Schwächeres Wirtschaftswachstum weltweit

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnet insgesamt für 2020 global mit dem schwächsten Wachstum seit der Finanzkrise. Diese Erwartung spiegelt sich auch im Herbstgutachten der Europäischen Kommission wider, die ihre Prognose für fast alle Eurozonen-Länder gegenüber ihrem Sommer-Gutachten reduziert hat.
 
Die Brüsseler Behörde geht nun davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Euroraums 2020 um 1,2 % wachsen wird. Im Sommer hatte die Kommission noch ein Wachstum um 1,4 % erwartet. Die Unsicherheit sei hoch und Europa gehe schwierigeren Zeiten entgegen, begründete die Kommission ihre Revision. Der europäischen Wirtschaft könnte eine längere Phase mit gedämpftem Wachstum und geringer Inflation bevorstehen.

Machtspiele zwischen den USA und China

Der bevorstehende „Phase One Deal“ im Zoll- und Handelsstreit zwischen den USA und China wurde von den Märkten wohlwollend aufgenommen, zumal er einige bestehende Zollsätze reduziert und das angekündigte Inkrafttreten weiterer Zölle aussetzt. Weitergehende Themen wie indirekte Subventionen, der Schutz geistigen Eigentums oder Chinas Ambitionen im Technologiesektor sind jedoch Gegenstand weiterer Verhandlungen. Bleibt eine umfassende Einigung aus bzw. weitet sich der Handelskonflikt auf andere Regionen aus, dürfte dies das Wachstum der Volkswirtschaften rund um den Globus weiter belasten und Rezessionsängste voraussichtlich wieder verstärken. Eine weitere Konjunktureintrübung in China sollte sich ebenfalls wachstumshemmend auswirken.
 
Trump kündigte bereits Verhandlungen für einen „Phase Two Deal“ an. Ein Abkommen mit China wird jedoch nicht mehr vor der US-Präsidentschaftswahl im November erwartet. Eine mögliche Amtsenthebung Trumps könnte für neue Verunsicherung sorgen und zur Folge haben, dass Unternehmen Investitionen zurückhalten.

No-Deal-Brexit scheint vom Tisch – wie geht es weiter?

Das Thema Brexit wird die Märkte auch im Jahre 2020 beschäftigen. Mit Boris Johnsons klarer Mehrheit nach den Parlamentswahlen im Dezember erscheint eine Annahme des ausgehandelten Brexit-Abkommens nunmehr fast sicher; ein ungeregelter Austritt dürfte vom Tisch sein. An den voraussichtlich zu Ende Januar vollzogenen Brexit wird sich eine Übergangsphase anschließen, in der die Handelsbeziehungen zwischen der EU und Großbritannien zunächst unverändert bleiben.
 
Diese Phase endet jedoch mit Ablauf des Jahres 2020 – und die Verhandlungen über die künftige Ausgestaltung der Beziehungen haben noch nicht einmal begonnen. Elf Monate werden allgemein als ein extrem knapper Zeitrahmen für derartige Verhandlungen angesehen. Die Übergangsfrist kann um zwei Jahre verlängert werden; dies wäre jedoch mit weiteren britischen Zahlungen ins EU-Budget verbunden und wird von der Regierung um Boris Johnson bislang vehement abgelehnt.
 
Ein Auslaufen der Übergangsfrist ohne Handelsabkommen brächte für Unternehmen dies- und jenseits des Ärmelkanals große Unsicherheiten mit sich und würde das Wachstum Großbritanniens beeinträchtigen. Die Gefahr eines „No Deal Brexit“ ist der Gefahr eines „No Trade Deal Brexit“ gewichen.

Kein Ende der Niedrigzinsen in Sicht

Hatten die Notenbanken im vergangenen Jahr mit ihrer Kehrtwende zu einer lockeren Geldpolitik und Zinssenkungen sowohl im Euroraum als auch in den USA die Börsenkurse noch befeuert, geht ihnen nun langsam das geldpolitische Pulver aus. US-Notenbankchef Jerome Powell erklärte zuletzt allerdings, dass weitere Zinssenkungen notwendig sein könnten, sollte die US-Wirtschaft zur Schwäche neigen.
 
Mit Zinserhöhungen rechnet kaum ein Marktteilnehmer im Jahr der Fußball-Europameisterschaft und Olympischen Sommerspiele in Tokio – weder in den USA noch im Euroraum. Die neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, will die ultralockere Geldpolitik ihres Vorgängers Mario Draghi fortführen und mit rekordtiefen Leitzinsen und neuen Anleihekäufen die Konjunktur im Euroraum stärken. Außerdem soll die Politik nun mit verstärkten Investitionen in die Digitalisierung zusätzliche Wachstumsimpulse liefern.
 
Angesichts der Mini- bis Minuszinsen bleiben Aktien attraktiv. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Deutschen Aktienindex (Dax-KGV) stieg zum Jahresende zwar auf 15,8. In den vergangenen 30 Jahren lag es mit durchschnittlich 19 aber noch deutlich höher, was für eine derzeit günstige Bewertung deutscher Aktien spricht. Das KGV gibt an, ob und ab wann sich der Kauf von Aktien rentiert. Je niedriger das KGV, desto günstiger eine Aktie.
 
Die Aussicht auf ein anhaltendes Zinstief dürfte zudem bei Immobilienanlagen für Preisauftrieb sorgen. Gold mit seinem Ruf als „sicherer Hafen“ sollte ebenfalls von den schwachen globalen Wachstumsaussichten und der Aussicht anhaltender Niedrigzinsen profitieren. 2019 legte der Goldpreis bereits deutlich zu.

Sehr langsamer Aufwärtstrend erkennbar

Deutschland steht angesichts der schwächeren Weltwirtschaft, der internationalen Handelskonflikte und des anstehenden Brexits an der Schwelle eines neuen herausfordernden Jahrzehnts, erklärten unlängst die fünf „Wirtschaftsweisen“, die jährlich der Bundesregierung einen umfassenden Bericht zur wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands vorlegen. Bislang blieb hierzulande die befürchtete Rezession aus, das Risiko bleibt aber bestehen. Der Sachverständigenrat rechnet frühestens im Jahresverlauf mit einer Belebung. Frühindikatoren wie der ifo-Geschäftsklimaindex deuten bereits darauf hin, dass die Talsohle durchschritten ist.
 
Die Bundesregierung revidierte insbesondere aufgrund des schwächeren Welthandels ihre Konjunkturprognose für 2020 deutlich nach unten und erwartet nun nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1 %. Die fünf Wirtschaftsweisen rechnen mit einem BIP-Wachstum von 0,9 %. Allein 0,4 Punkte davon sind allerdings auf mehr Arbeitstage im Kalender zurückzuführen, da anders als in 2019 viele Feiertage auf ein Wochenende fallen.

Green Deal im Fokus

Ein Potenzial für europaweite Wachstumsimpulse könnte auch das geplante Klimaschutzprogramm der neuen EU-Kommission entfalten. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will Europa mit einem „Green Deal“ zum ersten klimaneutralen Kontinent der Welt machen. Nicht China, sondern Europa soll die Technik und das Wissen dafür exportieren. Im Frühjahr sollen die Pläne in Gesetzesform gegossen werden. Die EU will 2020 verbindlich festlegen, welche Investments als nachhaltig gelten, und damit Privatkunden wie Profi-Investoren eine Orientierungshilfe für ihre Anlageentscheidungen geben.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (19)


Kommentare

Wulle

16.02.2020

Ohne Aktien und deren Rendite, seien es die Wertsteigerungen oder die Ausschüttungen, könnten viele Rentner nicht leben, da die Renten eben nicht so ausreichend sind wie in anderen westeuropäischen Ländern. Dafür müssen sich der Sozialstaat Deutschland und viele Firmen, die zwar zu den Exportweltmeistern gehören, aber eben nicht zu den Lohnweltmeistern, eigentlich sehr schämen.


sonnendieb

14.02.2020

wer Geld mit Aktien verloren hat sollte nicht aufgeben sondern nachdenken und aus seinen Fehlern lernen.
und zur zeit kann man verlorenes gut zurück bekommen.
das insolvenzverfahren von cargolifter wurde vor 2 Wochen beendet.
für mich war nichts mehr übrig. schade.
aber wer denkt da noch dran.
mutig weitergemacht- und es ist alles wiedergekommen.
ach und an den noch 10 jahre lebenden menschen- du musst nicht reich sterben. die nehmen dich auch so.
solaranlagen lohnen bei dir ja auch nichts mehr ?
sorry


Walburga Stranka

10.02.2020

Ich bin erst seit kurzem beim der Ing. Diba aber ich finde hier alles sehr einfach und unkompliziert. Super.


HAM

06.02.2020

Bei dem Zinsniveau kommt man an Aktien nicht vorbei.
Mit der ING-Diba bin ich gut beraten.


Hubertus

26.01.2020

Alles in Allem frustrierende Aussichten für Leute die etwas Geld anlegen wollen. Da lasse ich das Kapital doch lieber im schnellen Zugriff auf einem Tagesgeldkonto und ertrage den schleichenden aber dafür auch berechenbaren Wertverlust.


karlotto

25.01.2020

Eben auch mit dem Restleben noch engagiert sein, ich 2020 -85 jahre alt. habe in 2017/ 18 dank info Diba mich für ETFs interesiert.
Erst muster Depot, dann 3 Tittel erworben, sicher auf und ab bis dato jedoch 9% plus- allerdings nur einen kleinen Teil meiner Reserven angelegt. Hatte auch schonmal schlechtere Invest getätigt damals neuer-Markt !


Güni

25.01.2020

Welche Auswirkungen die erneute 0 Zinspolitik hat kann ich als nicht Fachmann nicht einschätzen. Meine Beobachtung ist, das private Bauherren deshalb nicht Auffällig häufiger ein Eigenheim schaffen.
Wo doch angeblich ein Fachkräftemangel herrscht? Danach müssten doch die Arbeitsplätze sichere sein als je zuvor?
Tatsächlich wird uns doch ein Abschwung der Konjunktur vorgekokelt, insbesondere in der Automobilindustrie, Stichwort: Verbrennungsmotor.
So melden Automobilzulieferer, Bosch, Schäffler, Arbeitsplatzabbau.
Opel Ebenfalls!


Hermann

23.01.2020

Bei meiner statistisch betrachtet Rest-Lebenserwartung von 10 Jahren kommen für mich weder Aktien noch Fonds in Betracht. Das Geld bleibt auf einem Tagesgeldkonto, da weiß ich, was Sache ist. Hierbei kommt die ING natürlich nicht in Frage.


Dieter 2

20.01.2020

Derzeit mehr Gewinne - dank diba? Ich dachte immer die Banken verdienen am Kauf von dem an der Börse heillos überbewerteten Zeug und genau deshalb werben die Banken für den Kauf von dem extrem überbewerteten Zeugs. Zumal es da aktuell auch noch eine zwar sehr kleine aber sehr relevante steuerliche Änderung gibt.


Benie

19.01.2020

Dieter2 - "Angst essen Seele" Du kannst am Ende nichts mehr mehr mitnehmen als dein letztes Hemd ?!
Andy hat recht - Also macht euch schlau ETF von der DiBA und Aktien.
Ich parktiziere es und klar hat man mal Verluste aber derzeit mehr Gewinne!! Dank Diba


Raimund

19.01.2020

Ich finde es ähnlich wie bei facebook sehr erstaunlich, was einige Kommentatoren für ein gebündeltes umfangreiches Fachwissen besitzen, aber leider der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Und ich rede nicht von "Vertippern", also anstelle des "i" ein "o" zu drücken. Aber man kann ja nicht auf allen Gebieten ein Experte sein :-)


Shangri-La

18.01.2020

Wer an Fond Manager glaubt - denkt auch das Ärzte um des heilenswillen dem Mensch was Gutes wollen


Dieter 2

15.01.2020

ich bin immer wieder erstaunt über das unglaublich kurze oder extrem lückenhafte Gedächtnis vieler meiner Mitbürger.
Wo doch allein in der BRD fast 1 Million Mitbürger dank den "todsicheren Lehmann Brothers Papieren" Opfer von Börsenprodukten wurden. Und dann sind dann u.a. ja auch noch jene, die so um 2001/2002 Opfer der e-Commerce-Hype wurden - oder gibt es hier etwa nur Gewinner dank dem zeitweiligen Höhenflug der Telekom-Aktie?
Aber Ihr seit bestimmt allesamt superkluge Börsengurus und macht daher alle einen großen Bogen um jene Firmen die per billigen Krediten ihre Aktien selber zurück kaufen und um die total überbewerteten Zombie-Firmen.
Hoch lebe der Schweine-Zyklus!


Andy

14.01.2020

USA -China, Brexit das wird sich alles zurecht rücken. Ich habe in China schon längst wieder investiert.Ich nutze die Angst anderer. Ich sammle gern ein, wenn andere Panik bekommen, habe damit sehr hohe Gewinne eingefahren. So sollte die USA ins stocken kommen werden die Zinsen gesengt.
Das es keine Zinsen gibt und sich so viele aufregen, selbst schuld.
Das Spiel geht schon über Jahre so, wer das nicht verstanden hat wird irgend wann merken, wo ist meine Kaufkraft geblieben?
Also macht euch schlau ETF von der DiBA und Aktien.
Überlegt doch mal mit welchen Marken komm ich täglich
in Berührung ? Viel erfolg.


Äährich

13.01.2020

Fonds-wie auch immer beschaffen-dienen dazu, Fondsmanager zu mästen.
Hände weg, "mach dein Ding selber"(Max Otte).
Aktien ja.


Anneliese

11.01.2020

Es gibt derzeit keine Alternative zu Aktien. Immobilien sind zur Zeit zu hoch bewertet. Lebensversicherungen, Direktversicherungen oder Riestersparverträge lohnen sich nicht. Aktien sind jederzeit zu geringen Kosten veräußerbar. Dadurch ist man immer liquide, wenn man schon viele Jahre investiert ist und nur hochwertige und erfolgreiche Firmen im Depot hält. Man sollte sich allerdings die Zeit nehmen und Wirtschaftsnachrichten und alle Informationen über seine Firmen lesen und bewerten.


Anton

10.01.2020

Nicht dank der EU, sondern Dank der Finanzkrise 2009 erhalten wir keine Zinsen mehr. In Folge der Subprime-Kredite Vergabe , also Kredite an Personen, die als nicht besonders kreditwürdig gelten, platzte die amerikanische Immobilienblase.
Und genau diese Kredite feiern ein Comeback im Automobil-Bereich. Also neuer Grund zur Sorge? Ich denke schon.


sonnendieb

09.01.2020

ja


Peter

08.01.2020

Dankt der EU wird 2020 keine Zinsen mehr geben für Guthaben. Wir werden Negativzinsen an den Banken zahlen müssen. Ist das der Vorteil das wir in der EU sind ?

Die Aktien werden fallen,wegen der unsichere Politik in Deutschland und Ausland