Geräteversicherungen

Wie sinnvoll sind produktbezogene Policen? │27.07.2018

Frau mit Laptop

© Poike - istock.com

Die Garantie verlängern oder das frisch erworbene, teure Gerät gut absichern – was viele Händler beim Kauf elektronischer Produkte anbieten, klingt erst einmal verlockend. Im Schadensfall sind die Leistungen von Geräteversicherungen allerdings oft enttäuschend. Was man wissen muss.

Es geht schon mit einem Wortwirrwarr los: Gewährleistung, Garantie, Geräteversicherung – was steckt hinter diesen Begrifflichkeiten?

Gewährleistung, Garantie, Geräteversicherung – das sind die Unterschiede

Die Gewährleistung ist rechtlich im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) verankert. Dabei leistet der Verkäufer die Gewähr gegen Mängel – insgesamt über zwei Jahre. Doch aufgepasst: „Innerhalb von sechs Monaten nach dem Kauf muss der Kunde nicht beweisen, dass das Gerät schon zum Zeitpunkt des Kaufs defekt war“, erklärt Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Ist das halbe Jahr überschritten, kehrt sich die Beweislast allerdings um und der Kunde muss nachweisen, dass der Mangel nicht selbst verschuldet ist. Das ist oftmals schwierig.
 
In diesem Fall hilft die Garantie. Das ist eine freiwillige Leistung des Herstellers. Verspricht der Hersteller innerhalb dieser Frist anstandslos Reparatur oder gar Ersatz, handelt er fair. Für hochwertige Produkte ist diese über einen Zeitraum von zwei Jahren mittlerweile Standard.
 
Die dritte Variante, Neukäufe zu schützen, sind Geräteversicherungen. Sie sollen die Garantiezeit verlängern und bestenfalls auch bei Diebstahl greifen, wovor sich gerade Käufer von Smartphones, Tablets oder Kameras schützen möchten. Doch wie sinnvoll sind solche Policen wirklich?

Geräteversicherung bei Diebstahl; Policen mit Tücken und Lücken

Die Bedingungen, die Geräteversicherungen für eine Leistung bei Diebstahl beispielsweise eines Handys stellen, sind oft realitätsfern. Zum Beispiel: „Wann wird einem das Gerät gestohlen, wenn man es nicht unbeaufsichtigt lässt?“ fragt Verbraucherschützerin Weidenbach. Und selbst wenn die Versicherung bei Diebstahl einspringt, zahlt sie in der Regel nur den Zeitwert des Gerätes. Gerade bei Smartphones sinkt der im Zuge des technischen Fortschritts rapide. Auf ein gebrauchtes Ersatzgerät als Alternative legen die meisten Kunden wiederum keinen Wert.
 
Die Stiftung Warentest zählt Geräteversicherungen daher eher zu den Luxuspolicen, deren Leistungen im Schadens- oder Diebstahlfall häufig enttäuschte Reaktionen erzeugen, wenn Erwartungen sich nicht erfüllen. Eine Ansicht, die Elke Weidenbach teilt: „Da sind so viele Haken und Ösen, dass sich das in der Regel nicht lohnt.“
 
Tipp: Bei Einbruch oder Raub ersetzt im Normalfall die Hausratversicherung das Gerät – und das zum Neupreis.

Policen prüfen – Alternativen checken

„Gerade für preiswertere Produkte wie Staubsauger oder Bluray-Player lohnt der Abschluss nicht“, sagt Weidenbach. Wer trotzdem nicht auf einen speziellen Schutz, z.B. für sein Smartphone, verzichten will, „sollte unbedingt die Angebote mehrerer Anbieter vergleichen und vor allem das Kleingedruckte in puncto Zeitwert, Ausschlüsse, Leistungsumfang und Selbstbehalt genau prüfen“, erklärt Rita Reichard, Referentin für Versicherungsrecht bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Niemand müsse sich beim Kauf eines Handys auf die angebotene Police einlassen, jeder könne sich selbst den geeigneten Versicherer suchen.
 
Übrigens: Wer sich zu spontan entschieden hat und noch wechseln möchte, kann binnen zwei Wochen von seinem Widerrufsrecht Gebrauch machen.
 
Die Stiftung Warentest rät dazu, zwei entscheidende Kriterien für den Abschluss von Geräteversicherungen zu beachten:

  1. Die Kosten der Versicherung sollten 20% des Gerätepreises nicht überschreiten.
  2. Was leistet die Versicherung, wenn das Gerät komplett kaputtgeht: Ersatz oder Zahlung? Viele Verbraucher möchten z.B. statt eines gebrauchten Handys lieber die Versicherungssumme in einen Neukauf investieren.

Besser auf Garantie setzen

Alternativ zur insgesamt wenig überzeugenden Geräteversicherung empfiehlt die Stiftung Warentest einen genaueren Blick auf die Garantiebedingungen, die meistens besser als eine Geräteversicherung seien. Bianca Boss vom Bund der Versicherten kann sich dieser Empfehlung nur anschließen: „Verbraucher sollten sich nur gegen Schäden versichern, die sie existenziell bedrohen.“ Dazu gehört sicher kein geklautes oder kaputtes Handy, eine Privathaftpflichtversicherung ist dagegen existentiell wichtig.
 
Tipp: Wer beim Kauf eines Elektrogerätes nicht auf einen bestimmten Hersteller festgelegt ist, sollte ihn auch nach seinen Garantiebedingungen wählen.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (5)


Kommentare

Rene

01.08.2018

Bis jetzt schon 2x die Garantieversicherung von MediaMarkt für eine Waschmaschine in Anspruch genommen.
Keine Probleme, wir waren sehr zufrieden.


Jana

30.07.2018

@Jens
Zu 98,56% bringen Zusatzversicherungen rein gar nichts, weil die Versicherungen immer irgendwie raus reden können.
Du scheinst wohl Glück zu haben.
Hast sicher auch eine Sterbegeldversicherung abgeschlossen.

Aber mal direkt:
Lege lieber in Aktien als in so Versicherungen an, dann bekommst Kurswachstum und Dividenden.
Allein bis was kaputt geht, könntest du höheren Kursgewinn haben und oder mit der Dividende allein das kaputte Teil oder Gerät zahlen können.

Diese Versicherungen sind nur zusätzliche einnahmen für den Handel.

Ist wie bei Billig Reisen...Flug nur 15 Euro und dann zahlst für Gepäck 10 Euro, für Essen 10 Euro, für Internetzugang oder Fernsehen 10 Euro, für das nette lächeln 10 Euro usw.
Und war dann der Flug günstig? NÖ


Jens

28.07.2018

Warum nur negative Antworten?
Wo ist die Antwort "Ja habe ich für kleines Geld abgeschlossen und hat mir ein Haufen Geld gespart"?

Wir hatten schon zwei solcher Beispiele:
Brillenversicherung für 3€. Hat gezahlt als Brille 3 Monate später kaputt ging.
Garantieverlängerung einer Waschmaschine für 40€: Hat gezahlt als einige Komponenten des Gerätes nach 3 Jahren hinüber waren (wäre ein wirtschaftlicher Totalschaden gewesen)

Von daher sind diese Zusatz-Versicherungen garnicht so schlecht wie immer gesagt. Zumindest für "den kleinen Mann" der sich nicht mal eben wieder ein entsprechendes Gerät leisten kann.


notting

27.07.2018

Da fehlt einiges:
- Bei der Gewährleistung (die inzwischen ganz anders heißt) hat man nach zuvielen erfolglosen Reparaturversuch das Recht, vom Kaufvertrag zurückzutreten. Das kann z. B. bei massiven Bremsproblemen mit einem Auto auch nur einer sein. Übl. sind 2-3.
Man kann die Gewährleistung nur ggü. dem Verkäufer geltend machen. Also nix mit Vor-Ort-/Auslands-Service etc. Man muss also selber dafür sorgen, dass der Kram zum Händler kommt. Und wenn er Pleite ist, hat man Pech gehabt.
- Bei Garantien ist der Hersteller sehr frei, auch was das vorzeitige Ende der Garantie angeht (z. B. unautorisierte Eingriffe). Je nach Produktart bzw. genauer Garantieausgestaltung bzw. -Verlängerung die man gekauft hat, hat man aber landes-/EU-/weltweit viele Service-Stellen bzw. ggf. mit Vor-Ort/Abholung etc. Man hat aber auf jeden Fall die Beweislast. Geld zurück wenn sich das Problem nicht lösen lässt gibt's meist nicht. Der Hersteller kann so oft reparieren wie er will bzw. wird damit aufhören, wenn die Garantie rum ist. Bestenfalls gibt's irgendeine Kulanzlösung, die aber nicht immer ganz gratis ist.
Zum Teil verlangen die Hersteller auch, dass man Garantieansprüche über den Verkäufer geltend macht. Aber die sind dazu nicht verpflichtet bzw. sind aus der Nummer raus, wenn es kein Gewährleistungsfall ist. Ggf. steht man also dumm da, egal wie lange die Garantie ist.
Und wenn der Hersteller Pleite geht, ist die Garantie i.d.R. auch weg.

notting


Frank

27.07.2018

So etwas habe ich noch nie gemacht. Ist genau so ein Blödsinn, wie für Auto eine Insassenunfallversicherung oder eine Sterbegeldversicherung.

Wenn man seinen Erben keine Kosten aufhalsen will, dann kann man selber etwas Geld auf die Seite legen, hat man Aktien, dann gibt es sogar Dividende. Bei der Versicherung zahlt man und zahlt und zahlt...
Das einzige was ich verlängert habe und verlängere sind die Garantien für mein Auto und Updates für das Navi.

Alle anderen Geräteversicherungen usw. braucht man nicht, da werden nur die Versicherungen reich und im Endeffekt zahlen sie kaum oder gar nicht.

In der heutigen Zeit würde ich sowieso nur Aktien, Fonds, ETFs machen...alles andere bringt nichts oder ist gefährlich.

Persönlich habe ich nur Aktien und "normale" Fonds, auch für meine Mutter und wir sind überall im grünen Bereich. Schnell reich wird man nicht, außer man hat viel Geld und setzt zufällig auf die richtige Aktie.
Aber es gibt immer Dividende - also bei uns, wir hatten noch keine 0,00 Dividende oder einen Knock Out (Aktie wertlos -> kommt sehr selten mal vor).

Aktien sollte man langfristig sehen. Am besten sparen Eltern und Großeltern regelmäßig für Kinder, Enkelkinder und die geben es am besten nicht aus, sondern machen weiter....so kann man schon mit 200 bis 500 Euro mtl. bis zum 18. bzw. 30. Lebensjahr so 300.000 bis 500.000 Euro haben. Genau was raus kommt kann nie einer sagen...Kurse gehen hoch und runter, Steuern fallen, steigen, werden umgebaut, Dividendenzahlungen usw. usw.

Aber hätte ich das früher gewusst...ich hätte ab 16. Lebensjahr (angefangen zu arbeiten) nur Sparpläne in Aktien Fonds gemacht.

Nie Gold, nie Silber, nie eine Lebensversicherung, Riester, private Rente, etc.