Bestattungspflichten

Was im Trauerfall zu tun ist | 19.02.2018

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Der Tod eines Menschen ist für Angehörige mit Trauer und Schmerz verbunden. Dennoch müssen sie in dieser Situation einen kühlen Kopf bewahren und alles Nötige organisieren.

Anzeigenpflicht bei Arzt und Behörden

“Die ersten Aufgaben sind das Verständigen der Angehörigen, Freunde und eines Arztes beim Tod zu Hause, damit dieser den Tod feststellt und den Totenschein ausfüllt”, sagt Alexander Helbach von der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas. Je nach Bundesland muss der Verstorbene spätestens nach 36 bis 48 Stunden zum Friedhof oder in eine Kühlzelle überführt worden sein. Und auch die Behörden nicht vergessen: Das Standesamt muss informiert werden.

Wen trifft die Bestattungspflicht?

Die Bestattungspflicht schließt ein, die Bestattungsfeier zu organisieren, den Grabstein auszuwählen, das Grab zu gestalten und zu pflegen. Die Totenfürsorge haben in der Regel der Ehegatte, volljährige Kinder des Verstorbenen oder gegebenenfalls die Eltern des Toten. Manche Personen legen auch vor ihrem Tod fest, wer für sie die Totenfürsorge tragen soll. Wurde der letzte Wille testamentarisch festgehalten, ist er bindend. Wichtig zu wissen: “Die Kosten einer Bestattung muss immer der Erbe tragen“, sagt Helbach. Dabei ist es unerheblich, ob jemand gesetzlicher Erbe ist – das sind nahe Verwandte – oder als testamentarischer, familienfremder Erbe in die Pflicht genommen wird.

Bestattungsfrist muss eingehalten werden

Betroffene sollten wissen, dass die Bestattungsgesetze Ländersache sind. “In den Bundesländern gelten verschiedene Bestattungsfristen: zwischen vier und zehn Tagen nach dem Tod”, sagt Helbach. “Für Urnen gibt es in wenigen Bundesländern längere Fristen.” Sollte der Tote zu Lebzeiten klar artikuliert haben, wie er beigesetzt werden möchte, sind Angehörige an die Wünsche des Verstorbenen gebunden. “Auf jeden Fall muss der Wunsch des Verstorbenen bezüglich einer Erd- oder Feuerbestattung berücksichtigt werden”, betont Helbach.

Letzte Ruhe nur auf dem Friedhof

Urnen und Särge dürfen hierzulande in der Regel nur auf Friedhöfen begraben werden. “Als Friedhöfe gelten auch Bestattungswälder wie Friedwälder oder Ruheforste, in denen Baumbestattungen durchgeführt werden”, sagt Helbach. Es gibt eine Ausnahme: die Seebestattung. Eine Erdbestattung müsse in einem Sarg durchgeführt werden – Ausnahmen gibt es hier aus nur religiösen Gründen, etwa für Muslime, deren Tradition eine Beisetzung im Tuch vorschreibt.

Grabgestaltung – Friedhofsregeln müssen beachtet werden

Bei der Grabgestaltung müssen sich die Angehörigen an die Friedhofsregeln halten. “Deshalb sollte sich jeder, bevor er ein Grab bepflanzt oder ein Grabmal aufstellen lässt, über die örtlichen Vorschriften informieren”, rät Helbach. “Hinterbliebene haben in der Regel die Pflicht zur Grabpflege. Oder positiver ausgedrückt: Sie können das Grab gestalten.” Die Regeln können von Friedhof zu Friedhof unterschiedlich sein. Der Experte rät daher, sich bei der Friedhofsverwaltung zu informieren.

Wenn die Zeit für die Grabpflege fehlt

Doch was, wenn der Verstorbene auf einem Friedhof beerdigt wurde, der einfach zu weit weg ist? “Sie können zum Beispiel den Friedhofsgärtner mit der Pflege beauftragen”, sagt der Experte. Man müsse dann zwar mit Kosten rechnen, stellt aber sicher, dass das Grab nicht verwildert. Wer pragmatisch ist, kann das Grab auch einfach mit pflegeleichten Pflanzen gestalten oder eine Grabplatte verlegen. Wenn es darum geht, weniger Pflegeaufwand zu haben: Auch Urnengräber bedürfen weniger Pflege. Eine weitere pflegeleichte Möglichkeit sind Rasengräber. Hierbei gibt Helbach jedoch zu bedenken: “Bei solchen Gräbern darf man womöglich keine Blumen ablegen.”

Verkehrssicherungspflicht: Wenn der Grabstein wackelt

Grundsätzlich ist der Grabbesitzer gemeinsam mit dem Friedhofsträger für das Grabmal verantwortlich. Man spricht hier von der Verkehrssicherungspflicht. Sollte etwa ein Passant durch einen umfallenden Grabstein verletzt werden, haften dafür Grabbesitzer und Friedhofsträger. Dass es aber zu solchen Unfällen kommt, ist ungewöhnlich: Der Friedhofsträger ist verpflichtet, den Friedhof zu kontrollieren – ein wackeliger Grabstein wird bei derartigen Kontrollen sicher auffallen.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (2)


Kommentare

Johannes Beyer

24.02.2018

Sehr geehrte Frau Gürtler, sie meinen bestimmt nicht die anonyme Bestattung / Beisetzung (in diesem Fall wird der Zeitpunkt und der genaue Ort allein durch den Friedhof festgelegt und nicht bekannt-gegeben). Ihre Bekannten wünschen bestimmt eine Bestattung / Beisetzung in einer Gemeinschaftsgrabanlage des Friedhofes, wobei der Friedhof die dauerhafte Pflege für die Dauer der Ruhezeit sicher-stellt. Das ist grundsätzlich ein recht gutes Angebot der Friedhöfe. Aber haben ihre Bekannten das auch schon mal mit den Kindern konkret besprochen? Oft haben dann die Kinder im "Ernstfall" doch auch das innere Bedürfnis für ihre Eltern ein kleines eigenes Grab zu gestalten und ein individuelles Grabmal aufstellen zu lassen und sind dann mit der Äußerung des letzten Willens ihrer Eltern in Konflikt. Grabpflege kann auch einfach gestaltet sein und bedeutet nicht nur Arbeit, sondern auch Ausdruck des inneren Bedürfnisses nach Ehrwürdigung und Dankbarkeit gegenüber den Eltern.


Angela Gürtler

23.02.2018

In Ihrem Artikel haben die Verfasser den Fall der anonymen Bestattung , die ja immer häufiger gewählt wird vergessen. Von meinen Bekannten wollen mehrere diese Bestattung wählen, schon um den Kindern die Grabpflege zu ersparen. Ich finde das eine gute Idee.