Achten Sie auf den Home-Bias-Effekt!

Was der Bauer nicht kennt, … | 04.04.2019

Paar beim Onlineshopping

© ING-DiBa AG

„Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht“, so lautet eine alte Redewendung. Übertragen auf den Aktienmarkt kann man sagen „Kaufe nur das, was Du kennst“. Das muss grundsätzlich kein schlechter Rat sein. Immerhin handelt kein Geringerer als Warren Buffett bei seinen Investments ebenfalls nach dieser Devise. Bevor Buffett in ein Unternehmen investiert, schaut er sich dieses genau an und versucht dessen Geschäftsmodell zu verstehen. Auf diese Weise und anhand weiterer Kriterien schätzt er ab, ob das Unternehmen aussichtsreiche Perspektiven bietet.

Doch während Buffett auf der ganzen Welt nach interessanten Investmentgelegenheiten sucht, beschränken sich deutsche Anleger oft auf heimische Unternehmen. Einen Beleg dafür liefert die Auswertung der ING vom Anfang dieses Jahres. Sie zeigt, dass die ING-Kunden in Deutschland am liebsten in deutsche Firmen investieren, die sie gut kennen.

Die verstärkte Konzentration auf den Heimatmarkt wird von der verhaltensbasierten Kapitalmarktforschung (Behavioral Finance) als Home-Bias-Effekt bezeichnet. Das Verhalten lässt sich damit erklären, dass den meisten Anlegern heimische Unternehmen vertraut erscheinen. Daher gehen sie auch davon aus, deren künftige Geschäftsentwicklung besser einschätzen zu können als die Entwicklung gänzlich unbekannter Unternehmen. Doch gerade ein Vergleich von mehreren, auch unbekannten Unternehmen derselben Branche kann interessante Investmentalternativen ans Licht bringen. Denn nicht immer sind die heimischen Titel diejenigen mit der günstigsten Bewertung oder den aussichtsreichsten Perspektiven.

Stellt sich die Frage, wie Anleger den Home-Bias-Effekt vermeiden oder wenigsten reduzieren können. Eine Möglichkeit besteht darin, genauer auf Produkte und Dienstleistungen zu achten, die man selbst oder der Bekanntenkreis oft nutzt. Sei es die Margarine am Frühstückstisch, die Software am Arbeitsplatz oder die Tankfüllung für das Auto – nicht selten gehören die Produkte zum Sortiment eines börsennotierten internationalen Unternehmens, das man bislang vielleicht nur vom Hörensagen kennt. Kennt man aber die Produkte, fällt es leichter, sich mit dem dahinterstehenden Unternehmen zu beschäftigen, selbst wenn es kein heimisches Unternehmen ist. Mit dem Wissen über die Produkte/Dienstleistungen und den Informationen aus den Geschäftsberichten können sich Anleger also auch mit internationalen Unternehmen vertraut machen.

Eine weitere Möglichkeit, dem Home-Bias-Effekt zu entgehen, besteht darin, bei einem Investment am Aktienmarkt einen breit aufgestellten Index zu bevorzugen, der in zahlreiche verschiedene Unternehmen aus der ganzen Welt investiert. Dies lässt sich zum Beispiel über einen ETF kostengünstig und einfach umsetzen.

Berücksichtigt werden muss bei einem Investment am Aktienmarkt allerdings auch, dass sich Kursschwankungen und Perioden mit schwächeren Kursentwicklungen nicht vermeiden lassen. Mit einem global investierenden Aktienindex sind Anleger im Hinblick auf die Diversifikation aber deutlich besser aufgestellt als bei wenigen Einzelinvestments in ausschließlich heimische Unternehmen.

Autor: ING-DiBa


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Kommentare (5)


Kommentare

Helga

21.05.2019

Das Anlegen in heimische Firmen beruht auch darauf, dass wir unsere eigenen Firmen und Regionen wieder stärken wollen und müssen. Es geht mittlerweile einigen Menschen auch um soziale und wirtschaftliche Verantwortung und nicht nur um den größten Profit, wie leider den meisten Banken.
Leider zeigen Sie sich mit diesem Text auch nur als reine Profit-Bank, in rein eigenem Interesse...... Schade.


pewe

17.05.2019

Diversifikation gut und recht. Bei den Turbulenzen in den letzten Tagen habe ich aber festgestellt, dass kleinere nicht international tätige (Immobilien-) Firmen kaum betroffen waren.


Scherer

16.05.2019

Das Problem bei den Auslandsaktien ist, dass von der Dividende bei vielen Ländern nicht viel übrig bleibt. Für Kleinaktionäre lohnt es sich nicht, bei ausländischen Finanzbehörden eine Erstattung der dort einbehaltenen Steuern zu beantragen. Erstens ist dazu ein teils erheblicher Papierkrieg erforderlich und zweitens verlangt die eigene Bank Gebühren, so dass von einer Erstattung aus dem Ausland nicht viel übrig bleibt. Nachdem ich das einmal durchgeführt habe verzichte ich auf Dividendenpapiere aus solchen Ländern, die mehr als 15 % Quellensteuer einbehalten. Warren Buffet hat dieses Problem sicherlich nicht.
Bei Auslandsaktien sollte immer auch auf diesen steuerlichen Aspekt hingewiesen werden.


Hoolmans

15.04.2019

alles schön und gut,

aber es ist schwer den indischen Aktienmarkt zu verfolgen


Shangri-La

03.04.2019

Laut meiner Einschätzung sollte man den 'foreign-bias' Markt im Auge haben. Wenn man versteht welche Ausländische Produkte oder Dienstleisungen (Bsp.Transportleistungen) nachgefragt werden weiß man wo die Expansion (ggfs auch Nachfrage nach Aktien entsteht)