Familienunternehmen

Mit Weitsicht zum Erfolg | 06.06.2019

Großvater mit seinen Enkeln

© goodluz - Fotolia

In der öffentlichen Wahrnehmung sind Familienunternehmen meist kleinere Firmen im Privatbesitz. Doch weit gefehlt. Einer neuen ZEW-Studie zufolge sind Familienunternehmen die Jobmotoren der deutschen Wirtschaft und haben in den vergangenen Jahren mehr Arbeitsplätze geschaffen als die DAX-Konzerne im Streubesitz. Während die 500 größten deutschen Familienunternehmen im 10-Jahreszeitraum zwischen 2007 und 2016 die Zahl ihrer Beschäftigten um 23 Prozent gesteigert haben, ist die Zahl der Arbeitskräfte der 27 Dax-Unternehmen, die nicht als Familienunternehmen geführt werden, lediglich um vier Prozent gewachsen. Und nicht nur mit Blick auf die Beschäftigung haben Familienunternehmen im Beobachtungszeitraum ein höheres Tempo vorgelegt. Mit einer konzernweiten Umsatzsteigerung um 36 Prozent legten die Erlöse um sieben Prozentpunkte stärker zu als jene der 27 Dax-Konzerne.

Die Zukunft ist wichtiger als die Gegenwart

Als Erfolgsfaktoren der Familienunternehmen gelten vor allem die zukunftsorientierten Ziele und strategischen Visionen. Kurzfristige Erfolgsausweise wie etwa Quartalsergebnisse spielen in der Regel eine eher untergeordnete Rolle. Meist hat die Gründerfamilie das große Ganze im Blick, entwickelt ihr Unternehmen in den Kerngeschäftsfeldern weiter und richtet das Geschäftsmodell so aus, dass es im besten Fall Generationen überdauern kann. Im Bewusstsein, das eigene Unternehmen langfristig erhalten und an Nachkommen weitergeben zu wollen, werden auch Investitionen meist aus strategischen Überlegungen heraus getroffen und intensiv geprüft. Aufgrund ihrer oft konservativen Finanzierungspolitik, die sich möglichst auf den internen Cash-Flow stützt und ohne Bankkredite auskommt, schlagen sich Familienunternehmen gerade in Krisenzeiten häufig vergleichsweise gut.

Verschiedene Investmentmöglichkeiten

Bei der Selektion börsennotierter Familienunternehmen lohnt ein Blick auf die Aktionärsstruktur. Sie entsprechen der Definition, wenn Gründer, Inhaber, deren Familien oder Nachfahren mindestens 25 Prozent der Stimmrechte halten. Ein wichtiges Barometer für die Wertentwicklung von Familienunternehmen an der Börse ist der German Entrepreneurial Index, kurz GEX genannt. Der GEX umfasst alle eigentümergeführten Unternehmen aus dem Prime Standard, bei denen Mitglieder des Vorstands oder Aufsichtsrats sowie deren Familien zwischen 25 und 75 Prozent der Stimmrechte besitzen. Allerdings fallen die Mitglieder zehn Jahre nach ihrem Börsengang automatisch aus dem Index heraus, womit gerade die Vorteile des langfristig ausgelegten Handelns nur eine begrenzte Zeit zum Tragen kommen. Eine Alternative liefert der DAXplus Family-Index der Deutschen Börse, der Aktiengesellschaften aus dem Prime Standard umfasst, bei denen die Gründerfamilie mindestens einen 25-prozentigen Stimmrechtsanteil hat oder in Vorstand oder Aufsichtsrat sitzt und mindestens einen Stimmrechtsanteil von fünf Prozent hält. Die 30 größten und liquidesten Werte des Index bilden zusammen den DAXplus Family 30-Index. Mit ETFs und Indexzertifikaten können Anleger in die jeweiligen Indizes investieren.

Auch Familienunternehmen sind nicht ohne Makel

Auch wenn historische Daten keine Garantien für die künftige Entwicklung liefern können – verschiedene Studien zeigen, dass sich Unternehmen, bei denen die Gründer- und Eigentümerfamilien Einfluss auf das Geschäft haben, in den zurückliegenden Jahren besser als der Gesamtmarkt entwickelt haben. Ohne Schwachstellen sind aber auch Familienunternehmen nicht: Oftmals kommt es dort zu Problemen, wo gut durchdachte Nachfolgeregelungen fehlen. Auch die Grundsätze der Unternehmensführung gelten als kritischer Punkt, vor allem dann, wenn wesentliche Mehrheiten in den Händen der Familie liegen und ein unabhängiges Kontrollgremium fehlt.

Autor: ING-DiBa AG


Ihre Bewertung

War dieser Artikel hilfreich für Sie? Vielen Dank! Vielen Dank! Vielen Dank!

Ihre Meinung

Kommentare (2)


Kommentare

ING

11.06.2019

Hallo Herr Neubauer, wir stellen nicht alle Artikel nochmal in unsere Seiten zu den Produkten - dazu nutzen wir in der Regel nur unseren WissensWert Blog hier. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Stefan Neubauer

10.06.2019

Wo finde ich den Index auf der ing Diba Seite?
Unter https://www.ing.de/wertpapiere/ ist er nicht zu finden.

Danke und viele Grüße,
Stefan