Börsenlektionen für den Alltag

Warum Anlegern nicht nur an der Börse die eigene Psyche im Weg steht | 17.01.2018

20150624_Baukosten_artikel

© MartinPrescott – istock.com

Kennen Sie das? Man trennt sich von einer Aktie zu früh und ärgert sich anschließend über entgangene Gewinne. Oder man zögert bei fallenden Notierungen mit dem Verkauf, nur um zuzusehen, wie der Kurs immer weiter sinkt. Wenn Ihnen diese Szenarien bekannt vorkommen, befinden Sie sich in guter Gesellschaft, denn vielen Anlegern geht es so. Nicht nur an den Wertpapiermärkten steht uns oft die eigene Psyche im Weg – dort lässt sich ihr Einfluss aber gut veranschaulichen.

Der Markt lässt sich nicht kontrollieren

Wer an den Kapitalmärkten agiert, sollte sich nicht nur mit der aktuellen Marktlage und den Unternehmensbilanzen auseinandersetzen. Mindestens genauso wichtig ist ein kritischer Blick auf die eigene Psyche. So neigen viele Anleger dazu, ihre Fähigkeiten in Bezug auf den Umgang mit einem Investment zu überschätzen. „Overconfidence Effect“ lautet der Fachbegriff für diese Kontrollillusion. Sie wird besonders durch erfolgreiche Anlagephasen begünstigt und kann dazu führen, dass man im Vertrauen auf das eigene Urteil zu lange an einem Investment festhält, das sich nicht in die gewünschte Richtung entwickelt. Doch das Bedürfnis, „recht haben“ zu wollen, muss an der Börse nicht selten teuer bezahlt werden. Um diese Gefahr zu umgehen, können Anleger Stoppkurse verwenden, die ganz automatisch ausgelöst werden. Solche technischen Hilfsmittel stehen uns in vielen Alltagssituationen jedoch nicht zur Verfügung – gehen Sie daher ruhig öfter mal davon aus, falsch zu liegen, und stützen Sie Ihre Entscheidungen eher auf pessimistische als auf optimistische Annahmen.

Über den Tellerrand schauen

Ein weiterer Fallstrick bei der Geldanlage ist die Konzentration auf den Heimatmarkt, „Home Bias“ genannt. Erklären lässt sich dies damit, dass heimische Firmen den Anlegern vertrauter sind. Daher sind diese der Meinung, deren Geschäftsentwicklung besser beurteilen zu können. Doch der vermeintliche Heimvorteil kann trügen und ein Unternehmen wirtschaftet nicht allein dadurch besser, dass Sie es besser kennen. Zugleich wird durch die Berücksichtigung ausländischer Wertpapiere das Risiko in einem Depot besser verteilt – selbst die Hinzunahme eines Wertpapiers mit höherem Risiko kann durch die Streuung das Risiko des gesamten Depots verringern.
Nicht nur bei der Geldanlage kann „Home Bias“ zum Eigentor werden. Zwar gilt „Made in Germany“ in vielen Fällen noch als besonderes Qualitätsmerkmal – aber auch da, wo das zutrifft, muss das Angebot eines deutschen Herstellers deshalb nicht unbedingt am besten zu Ihren Bedürfnissen passen.
Außerdem stehen bekannte Markennamen vermeintlich einheimischer Firmen oft gar nicht mehr für deutsche Produkte. In vielen Fällen haben Investoren lediglich die Markenrechte nicht mehr existenter Unternehmen erworben, um Produkte von Billiganbietern mit dem entsprechenden Namenszug versehen zu können. Aber da uns die Namen vertraut erscheinen, schauen wir weniger genau hin.

Ein gewonnener Euro wiegt genauso schwer wie ein verlorener Euro

„Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen“ lautet eine der Grundregeln bei der Geldanlage. Theoretisch ganz einfach. Dennoch ist die Umsetzung in der Praxis oftmals alles andere als einfach. Der Grund dafür liegt im unterschiedlichen Umgang mit Gewinnen und Verlusten, in der Verhaltensökonomie auch als „Dispositionseffekt“ bezeichnet.
Die menschliche Psyche neigt dazu, Verluste stärker zu bewerten als Gewinne. Gleichzeitig nimmt die Empfindlichkeit mit zunehmenden Gewinnen und Verlusten ab. So wird einem anfänglichen Gewinn der größte Nutzen beigemessen. Problematisch ist die abnehmende gefühlte Bedeutung von Verlusten. Während uns ein anfänglicher Verlust noch erschreckt, wird mit Sätzen wie „Jetzt lohnt ein Verkauf auch nicht mehr!“ das Risiko weiterer Verluste in Kauf genommen und zu lange an Verlustpositionen festgehalten.
Auch dieses Phänomen aus der Geldanlage findet sich im Alltag wieder – zum Beispiel in Form schlechter Gewohnheiten. Sätze wie „Darauf kommt es jetzt auch nicht mehr an!“ oder „Das macht den Kohl auch nicht mehr fett!“ sollten Ihre Alarmglocken klingeln lassen. Denn so wie ein Euro letztlich so viel wert ist wie der andere, enthält auch eine Praline ebenso viele Kalorien beziehungsweise eine Zigarette genauso viele Schadstoffe wie die vorangegangene – auch wenn es sich anders anfühlen mag.

Autor: ING-DiBa


Ihre Meinung

Kommentare (14)


Kommentare

Wolo

15.02.2018

@Harry:
Die Inflation wird von den meisten Anlegern deshalb nicht in die Rendite-Berechnung einbezogen, weil es schlicht falsch ist, dies zu tun. Die Inflation führt dazu, dass du mehr Bargeld in die Hand nehmen musst, um den gleichen Warenkorb zu kaufen. Drehen wir das mal um, also kaufen wir mit dem Warenkorb Bargeld, dann bekommen wir durch die Inflation mehr Bargeld für den gleichen Warenkorb.
Wertpapiere sind wie ein Warenkorb. Ich kann also mein Bargeld vor der Inflation schützen, indem ich den Warenkorb (die Aktien) jetzt kaufe und in 10 Jahren für mehr Geld verkaufe.
Tadaaa: Hast du Waren, Aktien, Etfs ist die Inflation dein Freund. Hast du Geld, ist sie dein Feind.


MF Finance

15.02.2018

Dem Einstiegszeitpunkt nicht allzuviel Bedeutung zumessen, Ein Moneymangement haben, bedeutet: Wann, wieviel Geld einsetzen..., und eine klare Ausstiegsstrategie, schon vor dem Kauf des Wertpapiers, mittels Regeln, die NIE gebrochen werden, festlegen! Nie auf das Prinzip "Hoffnung" setzen (Wird schon wieder steigen...)! Gewinne laufen lassen und Stoppkurse adaptiv (gemäß Volatilität - dem Wert "Luft zum atmen geben") nachziehen! Dann klappt es auch mit dem Geldverdienen. Geld verdienen an den Finanzmärkten ist harte Arbeit und macht sich nicht von allein im Schlaf! Mein Buch: "Clever traden mit System" von Van K. Tharp. Mache ich seit über 20 Jahren sehr erfolgreich, für mich und Andere. Brauche kein Riester o.ä. Konstrukte... Und noch etwas: Nie Anderen die Schuld geben bei Misserfolgen! Nie etwas kaufen, was man nicht versteht! Aus eigenen Fehler lernen und die Konsequenzen daraus ziehen!


Pierre

15.02.2018

"Home Bias" hat mindestens 2 Vorteile:
1) kein Währungsrisiko
2) klare Steuerabgabe. Bei ausländischen Aktien wird leider doppelt
besteuert. Um einen Teil dieser Steuern wieder zurückzubekommen,
sind komplizierte Formulare wie z.B. Form 85 für die Schweiz, da ist
noch ein Taxe Voucher pro Dividendenzahlung erforderlich.


Tom

15.02.2018

@Harry:
Christoph verfolgt eine buy and hold Strategie und verkauft einfach nicht. Und die meisten seiner ETFs sind wohl thesaurierend. Er nutzt sozusagen einen Steuerstundungseffekt. Kapitalertragssteuer und Soli werden erst bei Entnahme in xx Jahren fällig.


Harry

25.01.2018

@Christoph B.
Verstehe nicht wie Du den Sparerfreibetrag von 801 Euro nicht ausschöpfst - wie Du 25% KeSt. umgehst.
Ich verkaufe ab und an Aktien, erhalte Dividende und überschreite den Sparerpausch locker.


Christoph B.

24.01.2018

@Harry keine Kirchensteuer und bisher schöpfe ich den Sparerfreibetrag nicht mal annähernd aus.

2.tens Lieber investiere ich und zahle in 30 Jahren etwas Steuern auf die Gewinne als all mein Geld verhungern zu lassen aufn Sparbuch oder in einer Rentenversicherung!!! Auch auf diese sind die 2% Inflation. Aktien rentieren im Schnitt zwischen 7-10% und mein ausgewogenes Portfolio wird schätze ich so um die 6-7% / jahr machen heißt bis zum Renteneintritt werde ich eine ordentliche 6 stellige Summe haben die meine Rentenanwartschaft wahrscheinlich um das 10 Fache übersteigt. Und dies bei Kosten im Jahr von 0,27% und nicht bei grob geschätzten 2-5%/ Jahr bei Versicherungen, Rentenpapieren, Riester usw usw. Ich hab mir ordentliche Finanzielle Bildung erlesen um zu wissen das ich auf einen guten Weg bin und damit 80-95% der Bevölkerung Deutschlands weit hinter mir lassen.

Grüße


ING-DiBa

24.01.2018

Hallo Joe, bitte rufen Sie doch einmal kurz die Kollegen an unter 069 - 50 60 30 50 an, sie helfen Ihnen bestimmt weiter. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Joe

23.01.2018

Vielleicht könnte die ING DiBa mal eine Liste der Kurszusätze herausgeben, die ich sonst nirgends finde, wie z.B. ACC, ACO, ACT, BID, PWT etc.
Danke.


Michael Schnitker

23.01.2018

Wer heute noch Kirchensteuer zahlt ist selber schuld!


Lieschen Müller

23.01.2018

Börsenlektionen für den Alltag?
Wer wirklich etwas über die Börse wissen möchte, und eventuell Anfänger ist, oder ganz einfach nur Angst hat in Aktien zu investieren, dem empfehle ich dieses Buch.
"Finanzberatung? Nein Danke! Ohne Beratung erfolgreich investieren" von Olaf Borkner
Ich wünsche Augen öffnendes lesen und anschließend erfolgreiches investieren :-)


Harry

22.01.2018

@Christoph B.

Na ja - ohne Abstriche von Vater Staat etc.?
Hier hätten wir die 25%ige Kapitalertragsteuer, daraus die 5,5%ige Solodaritätssteuer, dann noch die 8%ige bzw. 9%ige Kirchensteuer und was wohl jeder immer und immer wieder vergisst die am besten veranschlagte 2%ige Inflation.


Christoph B.

21.01.2018

Ich lege seit 1,5 Jahren nach intensiver Recherche bei Aktien mit Kopf auf Youtube, dem Buch souverän investieren von Gerd Kommer, dem Buch Money von Tony Robbins, Die Kunst über Geld nachzudenken von Andre Kostolany, Cashflow Quadrant von Robert Kyosaki, Der Dividenden Investor von Patrick Schubert, Cool bleiben und Dividendne Kassieren vom Dividendenadel, meine Strategie ist passiv in ETFs breit gestreut in die ganze Welt mit insgesamt 8 ETFs. Seit dem ca. 7%/Jahr mit 0,27% Kostenquote. Man muss langfristig Geld anlegen mindestens 15-30 Jahre und konsequent seiner Strategie folgen. Leider habe ich erst mit knapp 33 Jahren angefangen mich selbst um meine Finanzen zu kümmern. Aber jetzt schlafe ich ruhig und mit besten Wissen das ich mit 67 Jahren oder früher locker in die Rente kann. Ohne Abstriche und ohne Vater Staat


Brummifahrer-1

19.01.2018

Seit ein gewisser Bundeskanzler Scröder , Ein gewisser Schauspieler
Manfred Krug aus den Ostländern und ein Möchtegern - Börsen -
Spezialist von der VR - Bank in meinem Wohnort uns anständige und fleisige Sparer falsch beraten und über den Tisch gezogen haben , haben Aktien für mich den gleichen Stellenwert wie die Gangsterwährung Bitcom ! ! !


Börsenlektion?

18.01.2018

Wenn man in Aktien anlegt...was sagen Experten zur Zeit, wäre das was Aktien bzw. die Börse an Rendite hergibt?

Habe mal was von 7 bis 8 Prozent gehört?

Ich habe mir errechnet, mit meiner Einlage und der erwarteten Dividende für 2017 (pi mal Daumen) hätte ich eine Rendite von 3,25 Prozent - ohne Kirchensteuer.

Kirchensteuer ist ein Rendite Fresser...mit Kirchensteuer komme ich nur noch auf 2,90 Prozent Rendite.

Rechnet man die Inflation von 2% wären es noch 1,25% und 0,90% Rendite die bleiben. Besser als Sparkonten mit 0% bzw. 0,10% oder wenn einer meint bis 0,30% würde es geben.