2019 – ein aufregendes Jahr im Rückblick

Aktien rauf, Zinsen runter, Brexit verschoben | 05.12.2019

Rezession vor der Tür?

© ING-DiBa

Erstes Quartal: Alles nur ein böser Traum?

Nachdem die Aktienmärkte im vierten Quartal 2018, maßgeblich belastet vom Handelsstreit zwischen den USA und China, größere Kursverluste hinnehmen mussten, fiel der Start in das neue Jahr besser aus. Getreu dem Motto „Neues Jahr, neues Glück“ machte sich unter Investoren die Hoffnung breit, es werde mittelfristig eine Einigung zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt geben. Immerhin signalisierten die Konjunkturdaten, dass der Streit nicht ohne Folgen bleibt und Handlungsbedarf besteht: So zeigte das chinesische Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit einem Anstieg von 6,6 % im Jahr 2018 den schwächsten Zuwachs seit 28 Jahren. Um die Binnennachfrage anzukurbeln und der sich abschwächenden Konjunktur unter die Arme zu greifen, kündigte die Regierung in Peking Steuererleichterungen und Investitionen an, u. a. in den Ausbau der Infrastruktur.

Der ursprünglich für den 31. März angesetzte Austritt Großbritanniens aus der EU (Brexit) wird verschoben, nachdem der von Premierministerin Theresa May mit der EU ausgehandelte Austrittsvertrag vom britischen Parlament wiederholt abgelehnt wird. Nun soll Großbritannien spätestens vor den Wahlen zum EU-Parlament im Mai die EU verlassen.

Zweites Quartal: Brexit wird zur unendlichen Geschichte

Im Vereinigten Königreich streitet man weiterhin, wie die künftigen Beziehungen zur EU ausgestalten sein sollen, insbesondere, wie man mit der Grenze zwischen Irland und Nordirland umgeht. Theresa May beantragt eine erneute Verschiebung des Austritts. Ein EU-Sondergipfel beschließt als neuen Termin den 31. Oktober 2019.

An den Aktienmärkten herrscht – ungeachtet der Querelen beim Brexit – weiterhin gute Stimmung. Anfang Mai geht in den USA ein Produzent von Fleischersatzprodukten an die Börse. Fleischlose Bratlinge treffen den Nerv der Zeit. Der starke Anstieg der Aktie in den Wochen nach dem Börsengang erinnert an die Zeit der Dotcom-Blase im Jahr 2000, inklusive der auf den Hype folgenden Katerstimmung.

Am Rande des G20-Gipfels in Osaka einigen sich US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatspräsident Xi Jinping darauf, vorerst auf die Erhebung weiterer Zölle zu verzichten. Dies nährt die Hoffnung auf eine baldige Lösung im Handelsstreit.

Drittes Quartal: Sorgen um die Konjunktur

In Deutschland geht das Rezessionsgespenst um, nachdem die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal um 0,2 % gegenüber dem Vorquartal zurückgegangen ist. Auch das viel beachtete ifo Geschäftsklima für Deutschland befindet sich seit Monaten im Sinkflug und weckt die Sorge vor einer technischen Rezession (Rückgang des BIP in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen).

Die US-Notenbank, die angesichts bestehender Risiken für die US-Wirtschaft – Stichwort Handelsstreitigkeiten – bereits im ersten Quartal eine Pause im Zinserhöhungszyklus signalisierte, senkt im Juli und September die Leitzinsen um jeweils 0,25 %. Die EZB zieht nach und senkt im September den Einlagenzins für Banken auf -0,50 %. Der Leitzins für den Euroraum blieb unverändert bei 0,0 %. Zusätzlich werden neue Anleihekäufe im Volumen von monatlich 20 Mrd. Euro ab November angekündigt.

Viertes Quartal: Lösungen in Sicht?

Im Streit zwischen den USA und der EU über unerlaubte Subventionen für den Flugzeughersteller Airbus gibt die WTO den USA Recht. Auch wenn damit ein vergleichbares Urteil hinsichtlich der Subventionen für den Flugzeughersteller Boeing zu erwarten sind, erheben die USA im Oktober Strafzölle auf Flugzeugteile und andere Güter aus der EU. Im Handelsstreit mit China streben die USA nun eine Teileinigung bis Dezember an. Die US-Notenbank senkt die Leitzinsen ein drittes Mal um 0,25 % auf eine Spanne von 1,50 %-1,75 %. Die US-Aktienindizes (Dow Jones, NASDAQ 100, S&P 500) markieren neue Höchststände.

Rezession gebannt: Das deutsches BIP wächst im dritten Quartal überraschend um 0,1 % im Vergleich zum Vorquartal. An der Spitze der EZB löst die ehemalige IWF-Chefin Christine Lagarde EZB-Präsident Mario Draghi ab. Es wird eine Fortsetzung der expansiven Geldpolitik erwartet. Eine Fortsetzung gibt es auch in Sachen Brexit. Nach dem Rücktritt von Theresa May im Juli 2019, sieht sich der neue Premierminister Boris Johnson in den folgenden Monaten ebenfalls mit heftigem Gegenwind aus dem Parlament konfrontiert. Für den 12. Dezember 2019 werden Neuwahlen zum britischen Unterhaus angesetzt. Die EU gewährt Großbritannien derweil ein weiteres Mal Aufschub. Der Brexit soll nun spätestens zum 31. Januar 2020 erfolgen.

Autor: ING-DiBa AG


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